Samstag, April 04, 2026

Zeitmaschine

Die Zeit, die uns auf dem Hinweg scheinbar in domestic-Warteräumen verloren ging, kommt auf dem Rückweg unaufgefordert zurück. Da wir rechtzeitig am Provinzflughafen Biratnagar vorfahren - der übrigens bei Tageslichte betrachtet gar nicht so unsympathisch wirkt -, werden wir unkompliziert auf den Flug nach KTM umgebucht, der gerade abgefertigt wird ("boarding" - obwohl von der Maschine noch nichts zu sehen ist), und erreichen so lange vor der Zeit, vor Sonnenuntergang und vor Einbruch der Dunkelheit unser kühles house auf dem hill. Der eigentlich für uns bestimmte Flug fiel wahrscheinlich wieder aus, oder wurde aus Gründen der Nachhaltigkeit mit dem letzten Nachtflug zusammen gelegt. 

Nun habe ich das Prinzip Zeit in Nepal endlich verstanden: sie pendelt in aller Ruhe. Hin und her. Schlägt mal in die eine Richtung aus, dann wieder in die andere. 

Freitag, April 03, 2026

Holzslippers

Wir verpflichten den Fahrer für den ganzen Tag. So kann er nicht zwischendurch abdrehen. Ohne unser Wissen. Oder gar ohne uns. Wir fahren in die Hügel. Über Dharan nach Bhedetar. Leider ist die Sicht nicht optimal. Trotzdem muss ich auf den Skywalk. Eine hässliche Stahlkonstruktion. Die Besucher laufen auf Glas über dem Abgrund. Das erhöht den Blutdruck! Eigentlich sind wir auf dem Weg nach Namje zum house of spirit - आत्मा घर aatma ghar oder besser place (location) of spirit (oder soul?) - आत्माका स्थान aatmako sthan. Denn ein Haus ist es nicht, nicht einmal ein Unterstand, so ganz ohne Dach und nah unter dem Himmel. Die Straße wurde aber leider ungefähr vor der letzten Kehre ungefähr vorgestern während eines heftigen Gewitters mit Starkregen verschüttet und ist noch nicht wieder passierbar. Also drehen wir im gegenseitigen Einvernehmen ab. Und besuchen die Tempel in Dharan: Budhasubba (Bambustempel), Dantakali, Pindeshwor Shiva. Machen tapfer ein paar Schritte zu Fuß durch Dharan (die freundlichste und toleranteste Stadt Nepals mit einer stilechten Kopie des clock towers von Hong Kong). 

Dann ab nach Süden, Südwesten zum रामधुनी मन्दिर - Ramdhuni mandir, zum Tempel von Lord Ram (den hatten wir kürzlich schon) und des Waschens. राम = Ram und धुनु = dhunu wie waschen (alles mögliche: Kleider, Hände, Füße, Haare ... ). Es gibt eine Art Ampitheater, die Bühne ist aber mit Wasser gefüllt (auch wenn es auf dem Bild grün wie Gras aussieht) und in der Mitte steht auf einer Säule, mit den Füßen in einem güldenen (Wasser-)Bottich und über dem Haupt ein güldenes Dach, aufrecht und vollständig bekleidet eine grüßende Frauenfigur (nein, natürlich keine christliche Madonna). Man erzählt uns, die Gattin Rams habe hier gebadet. Beobachtet auf den Steinreihen rundum von wem? Eine andere Legende besagt, Ram habe auf diesem heiligen Gelände seine Schuhe verloren. Genauer gesagt: seine खराउ - kharau, das sind Holzslippers! Die Hindus verehren diesen Ort aus vielerlei Gründen. Unter anderem eben deshalb, weil Lord Ram hier mit bloßen Füßen herumgelaufen sein soll. Ich verstehe wieder einmal nichts. Wer Schuhe trägt (und nicht verliert), ob Plastik- oder Holzslippers, geschnürte Think's oder gelbe Regenstiefel, muss sie doch ständig von den Füßen schütteln und stehen lassen.

Donnerstag, April 02, 2026

pink moon

Purnima im Monat Chaitra. Der letzte Vollmond des Jahres 2082. Er begann nach hinduistischem Kalender gestern um 07:06 Uhr und endet heute um 07:41. Uhr. Und heute feiern die Hindus Shree Hanuman Jayanti - den Geburtstag von Lord Hanuman. Er ist der Affengott, gilt als stark, treu, klug und verschmitzt. Hanuman ist der 11. Avatar von Lord Shiva und ein, wie ich lese "Symbol unerschütterlicher Loyalität" Lord Rams - dessen Geburtstag wir letzte Woche feierten. 

Nach meinem lunar calendar wird der Mond über Kathmandu um 07:56 voll. Der Aprilvollmond heißt dort auch pink moon, egg moon, awakening moon, budding moon, breaking ice moon, paschal moon ... was das Herz begehrt. 

Wir feiern nicht Ostern, sondern verreisen heute Nachmittag. Wir fliegen von KTM nach BIR (Biratnagar) ins südöstliche Tarai. Das Land ist groß und langgezogen. Es gibt keine Eisenbahn und also (fast) keine Alternative zu Inlandflügen. Die Gewitter sind vorbei. Keine Turbulenzen am Himmel.

W hat sich vor dem Abflug schlau gemacht. Durchschnittlich sind die Domestic Departures ab TIA heute um 99 Minuten verspätet. Unser Flug ist nicht verspätet, sondern gestrichen. Wird mit einem späteren zusammengelegt. Aus logistischen Gründen. Wie das hier üblich ist. Damit nicht zwei halbvolle Maschinen den Luftraum besetzen, sondern eine gut gefüllte fliegen wir erst um den Sonnenuntergang los. Und werden belohnt mit klarer Sicht auf die schneebedeckten 6-, 7-, 8-Tausender der östlichen Himalayakette. Die Gipfel ergrauen majestätisch vor unseren Augen im Abendlicht. Und dann steigt der Vollmond über den Horizont. In güldner Pracht. Nix von pink und nix von Eisb(r)echer. Genug der Poesie.

Weil der Flug verspätet war oder unter der angegebenen Flugnummer nicht existierte, ist der Fahrer, der uns abholen sollte, wieder abgedreht. Wir warten nochmals fast eine geschlagene Stunde. Es ist heiß und feucht. Wir trinken Lassi im Airport Café. Die Moskitos erfreuen sich an uns. 

Mittwoch, April 01, 2026

Swargadwari

Ich habe mich geirrt - es gibt Aprilscherze in diesem Land: Gateway to Heaven.

https://thehimalayantimes.com/nepal/gateway-to-heaven-goes-orbital-nepal-to-launch-satellites-from-swargadwari

Da die Nepali auf Aprilscherze offenbar nicht trainiert sind, erfolgt am Schluss die Auflösung.

Temal Jatra

Einen 1. April kennt man in Nepal nicht. Sonst wäre ja die Entdeckung des Steinschmätzers am 1. April 1983 ein Aprilscherz gewesen. War es nicht. Heute wird in Bouddha Temal Jatra gefeiert. Immer am Vorabend vor dem letzten Vollmond des nepalesischen Jahres Bikram Sambat betet die Tamang Community für die Seelen der Verstorbenen. An der Bouddha Stupa brennen heute Hunderte, wenn nicht Tausende Butterlampen. Nach den Gebeten erfreuen sich die Lebenden des Lebens und singen in ihrer Sprache um die Wette im Duett Tamang Dohori

Dienstag, März 31, 2026

Das Z

Ein Monat geht zu Ende. Ein anderer ist erst in der Hälfte angekommen. Der Mond nähert sich dem Maximum. Er ist derzeit am Abendhimmel zu sehen, wenn nicht gerade ein Gewitter mit Starkregen niedergeht. Kopfüber oder mit Hängebauch, zu ungefähr 97,8% gefüllt. Das muss so ein Trabant erstmal aushalten! Und ein aufrechtes deutsches Z wie "zunehmend" wird daraus nie, nicht in Nepal!

Ich suche (immer noch) ein anderes Z - das der Zeit und lande ich bei den Sternen. Es gibt auch ein siderisches Jahr. Zu lateinisch sidus = der Stern, mit Genitiv sideris. Das Sternenjahr. Es ist, lese ich rund 20 Minuten und 24n Sekunden länger als das tropische Jahr. Das tropische Jahr kommt aus dem Griechischen. Zu tropos = Drehung, Wendung. Es ist die Zeit, zum Beispiel, von einer Frühlings-Tagundnnachtgleiche zur nächsten. Oder von Sommersonnenwende zu Sommersonnenwende. Das tropisch bezieht sich auf diese Wende, nicht auf die Temperatur. Das tropische Jahr bildet die Basis für unser bürgerliches Jahr, unser Kalenderjahr. 

Das Z wird nicht schlüssiger, je länger ich darüber nachdenke. Auf die Lebenserwartung eines Menschen bezogen, soll der Unterschied zwischen siderischem, tropischem und bürgerlichem Jahr "vernachlässigbar" sein. Nur die Sternbilder am Himmel verschieben sich. Minimal. Über viele Jahrhunderte hinweg. Mich interessiert nicht die Lebenserwartung, sondern der Lauf der Zeit. Dass der Mond kopfüber am Himmel steht, sehe ich von bloßem Auge. 

Montag, März 30, 2026

Steinschmätzer

Vor zwei Tagen ist der गाजले भुइनरोबिन - Gajale Bhuinrobin, Northern wheatear oder Steinschmätzer nach 43 Jahren zum ersten Mal wieder in Nepal gesichtet worden. Am Rande des Chitwan Nationalparks, am Ufer des Narayani in Amaltari. Die nepalesischen Vogelgucker sind begeistert, denn am 1. April 1983 entdeckten zwei blutjunge britische Ornithologen, Clive Byers und Alan Adams, den Gajale Bhuinrobin zum ersten Mal in Nepal, nur ein paar Kilometer flussaufwärts von der aktuellen Sichtung, in Meghauli.  

Adams begab sich anschließend auf eine (wahrscheinlich vogelkundliche) Trekkingtour durch das Langtanggebiet. Und kam nicht zurück. Er gilt seit Mai 1983 als verschollen. Sein Kollege Byers, der sich einen Namen als bird-artist und einer der ersten twitcher machte, starb vor wenigen Tagen, nach langer Krankheit, wie ich lese, in Norfolk im Alter von 68 Jahren. 

Und der Steinschmätzer ist am Narayani zurück. Wahrscheinlich nur für ein paar Tage, aber immerhin, zum Auftanken. Er gilt als Langstreckenzieher, kommt aus Afrika oder Indien und will in sein Brutgebiet, nach China, in die Mongolei oder nach Sibirien.

Sonntag, März 29, 2026

Arbeitstag

Natürlich haben Olis Kumpel landesweit zu Protesten aufgerufen. Heute ab 12 Uhr Mittags soll der Sturm losgehen. Aber die, die kürzlich an der Wahlurne nicht für die vereinten Marxisten und Leninisten (UML) gestimmt haben, werden nun den Teufel tun, in deren Namen einen Volksaufstand anzuzetteln. Der Vorsitzende ist alt und krank und bedarf besonderer Pflege. Jedenfalls sagen das seine Ärzte. Er sitzt nicht im Knast sondern liegt im Krankenhaus. Die Presse handhabt den Datenschutz (Persönlichkeitsrechte, Privatsphären) von allen Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen transparent: als erstes wird der Name des Krankenhauses veröffentlicht, in das Oli zum check-up eingeliefert wurde, als zweites die Nummer des Bettes, in dem er sich dort auskuriert.

Die Regierung indes, die neue, junge, engagierte aber unerfahrene Truppe, lässt Untersuchungen einleiten gegen drei ehemalige Premierminister (den fünfmaligen Ex-PM Sher Bahadur Deuba, Kongresspartei, den ungefähr viermaligen Ex-PM KP Sharma Oli, Marxist, sowie den dreimaligen Ex-PM Pushpa Kamal Dahal, Maoist, genannt Prachanda, der Kämpferische) und deren Familien. Sowie gegen die beiden Ex-Minister Arzu Rana Deuba und Deepak Khadka. Letzter sitzt seit heute früh in U-Haft. Erstere ist die Gattin des Ex-5xPM Deuba, beide sowie ihre gesamte nähere und weitere Verwandtschaft befinden sich aus gutem Grunde außer Landes. Weil die Herren sich immer wieder reihum das Amt in die Hand gaben, ist der Kreis der Verdächtigen überschaubar. Ermittelt wird gegen sie wegen des Verdachts auf Geldwäsche im großen Stil und unsauberer Bereicherung im Amt. Das ambitionierte Ziel des erst zwei Tage alten Kabinetts: Die Besitzverhältnisse aller führenden Politiker bis zurück ins Jahr 1991 durchleuchten.

Es regnet fast den ganzen anstrengenden Arbeitstag mit ultrakurzen sonnigen Unterbrüchen.

Samstag, März 28, 2026

Gerechtigkeit

Samstag. Wochenende. Kein Bike. Die ersten Gewitter gehen bereits früh am Morgen nieder. Begleitet von prasselndem Regen. Woher kommt das viele Wasser? Woher diese Spannung in der Atmosphäre, die sich nach einer angenehm abgekühlten Nacht mit so lautem Krachen entladen muss?

Die neue Regierung ist gebildet und arbeitet. Trotz Wochenende. Der frühere Premierminister KP Sharma Oli und der frühere Innenminister Ramesh Lekhak werden im Morgengrauen verhaftet. Auf Empfehlung des Untersuchungsberichts zu den brutalen Auseinandersetzungen von Polizei und Sicherheitsdiensten mit unbewaffneten Gen-Z-Demonstrierenden am 8. September 2025.   

Der erst gestern ins Amt gekommene neue Innenminister bezeichnet die Festnahmen als Beginn der Gerechtigkeit. Er hat eine erste anstrengende Nachtschicht hinter sich.

Freitag, März 27, 2026

1234

Nun kommt der Höhepunkt. Public holiday. Kein Bike hinter der Municipality. Nicht, weil Balendra Shah heute zum jüngsten Premierminister in der Geschichte Nepals installiert wird, sondern weil die Hindus den Geburtstag von Ram (einer Inkarnation Vishnus) feiern. Ram Nawami. Oder Shree Ram Jayanti. Da Shah ein gläubiger Hindu ist, gilt der Tag für ihn doppelt auspicious. Er hat sich von einem Astrologen die beste Zeit für den Amtseid ausrechnen lassen: 12:34 Uhr local time. Er leistet ihn nach den vedischen Sanatan-Ritualen: 108 Batuks (vedische Priester) rezitieren Swasti Shanti, 16 buddhistische Mönche Ashtamangala und 7 Muschelbläser verrichten das Shankhanad.

Am Abend ziehen Gewitter auf. Es donnert und blitzt stundenlang. Sturzbäche fallen vom Himmel. Was will er uns bloß damit sagen? Wir halten uns still zu Hause und essen Mo:Mo's.

Donnerstag, März 26, 2026

Silam Sakma

Die Regierungsbildung geht weiter. Der Älteste, Arjun Narsingh KC übernimmt das Zepter bei der Vereidigung der 275 neuen, mehrheitlich jungen Parlamentsmitglieder: 182 RSP, 38 NC, 25 CPN-UML, 17 NCP, 7 SSP, 5 RPP sowie 1 Unabhängiger. Damit beginnen deren Pflichten. 

Balendra Shah - rapper, hiphopper, früherer Bürgermeister der Capital City - sitzt heute noch als unbedarfter Besucher in der eilends fertig gestellten neuen Multipurpose Hall im Singa Durbar. Er hat noch keine Pflichten. Außer musikalischen. So stellt er am Abend sein resampeltes (nennt man das so?) Video "Jaj Mahakali" ins Netz. Oder repräsentativen. So wird kommentiert, dass er während der Zeremonie in der ersten Reihe saß, und nach der Zeremonie sofort ohne ein Wort an die auch versammelte Presse verschwand. Am Steuer seines eigenen Autos. Ohne driver. Und natürlich der (oder das?) auffälliger Badge am Revers: Balendra Shah trug ein Silam Sakma (hier kann man es sehen). Dies ist, lese ich, ein Talisman der Kirat-Gemeinde. In der Kirati-Sprache bedeutet "si" Tod und "lam" Weg. Wer sich ein Silam Sakma ansteckt, blockiert den Weg in den Tod, trägt aber auch ein glückverheißendes Omen und demonstriert vor aller Welt sein vor allem Bösen schützendes Amulett. 

Mittwoch, März 25, 2026

Designerperser

Der oder die CG-Hills Designer-Perser sieht nicht mehr so elegant aus. Hat sich hier angepasst und ist zerzaust. Scheint etwas schlanker geworden. Das macht vielleicht die Bewegung an der frischen Luft. Sitzt weiterhin jeden Morgen mit traurigen senfgelben Augen auf dem Mäuerchen nah am Zaun, aber in unserem Garten. Verlangt nach wie vor kein Futter. Jammert nicht. Fürchtet sich nicht (vor mir). Sucht stumm Gesellschaft. 

Am Mittag vereidigt Präsident Paudel vorab den 78-Jährigen Arjun Narsingh KC als Dienstältesten im neuen HoR (House of Representative - Repräsentantenhaus). KC ist weitaus älter als alle Abgeordneten, die ihre Sitze über Direktmandate gewonnen haben und wurde von seiner Partei, dem einst stärksten, aber nun auch arg dezimierten Nepali Congress im Verhältniswahlrecht vorgeschlagen. Ein letztes Zittern der Altvorderen, ein vergeblicher Versuch, das Youthquake im neuen Parlament zu verhindern. Die Regierungsbildung hat begonnen.

Dienstag, März 24, 2026

turn about

Nach langer Abstinenz fahre ich wieder einmal Bike. Wieder einmal nach Thamel. In einen schattigen kühlen Garten. Danach laufe ich wieder einmal durch meine alte Heimat, die laute Lazimpat hoch, am Bluemoon vorbei zu Books Mandala und last but not least, zu Mo:Mo Maya. Mit 200 gefrorenen Momos happy zurück auf den Hill.  

Montag, März 23, 2026

Kuckucksrufe

Der Asienkoel schreit wieder. Am Tag und in der Nacht. Oder viele Asienkoels. Indische Koels. Die so außerordentlich ruffreudigen männlichen Exemplare mit den feuerroten Augen im schwarzen Gefieder. Die Krähen, lese ich, regieren mit auffälligem Hassverhalten auf die frisch Zugeflogenen. Das mag sein. Es ist gerade alles sehr lebhaft in der Luft und alles in diesem Jahr früher. Der Regen. Der Wind. Die Kuckucks. Und die Mangos. Ein einziger Obstshutter hat schon ganze Berge davon. Gelbe, weiche, kleine. So wie sie aussehen, kommen sie nicht aus den Gewächshäusern Chinas, auch nicht aus Indien. Bleibt nur Nepal. Sie duften ganz wunderbar, wenn ich sie aufschneide. 

Sonntag, März 22, 2026

Odyssee

Alles läuft wie am Schnürchen. Ich habe zwei Paar neue Schnürsenkel bestellt. Dort, wo man auch hierzulande alles bestellen kann. Im Internet. Zwei, weil ich dachte, wenn schon - denn schon. Und weil ich ein zweites Paar Schuhe derselben Marke besitze, aber in einer anderen Farbe. Dort könnte das Schnürzeug eines Tages auch an der dümmsten Stelle (an der Sollbruchstelle natürlich) reißen. Also vorsorgen. Einmal schlicht beige und einmal verwegen purple red. Jeweils 1 Meter und 20 Zentimeter lang. Es gab nur die Auswahl 120 cm oder 100 cm. Die einen sind zu kurz, die andern zu lang.

Die shoelaces kommen - das war der erste Schock, nachdem ich den Bestellvorgang mit Vorkasse abgeschlossen hatte - aus oversea. Normalerweise erscheint dieser Hinweis früher im Bestellablauf. Dann verzichte ich auf die Ware. Oversea in einem Binnenland wie Nepal mutet seltsam an. Ich machte schon einmal schlechte Erfahrung mit diesem geografischen Begriff (gefühlt drei Monate auf eine Teekanne gewartet). Nun denn. Geduld. Der zweite Schock kam mit der Mitteilung "Spiltted as different packages, clicked to see more detail". Ganz abgesehen von Schreib-, Syntax- und Grammatikfehlern verstand ich die Welt nicht mehr. Zwei Sendungen? Für zwei Paar Schuhbändel? Aus oversea? Ich clickte immer mal wieder auf die Sendungsverfolgung "more detail". Die beiden Päckchen liefen den ganzen Weg zu See oder Luft parallel und synchron. Bis zu einer imaginären Grenze, Zollabfertigung auf der einen, dann auf der anderen Seite. Und schnurstracks im Sauseschritt in die Hauptstadt. Immer näher zu mir nach Budhanilkantha.

Bis mir heute Nachmittag ein freundlicher Kurier die beiden spiltted (= splitted - kein Wunder ist mein Sprachlehrer der Meinung, dass in jeder Sprache, nicht nur in Nepali, jeder schreibt, wie es ihm gerade gefällt) Pärchen in Hattigauda (auch meine Adresse schreiben sie im Internet seit Anbeginn falsch: Hatiigauda) an meiner Haustür in die Hand drückt und sagt "have a good day!"

Nun denn. Neu eingefädelt. Das helle Paar. Sorgfältig geschnürt. Großzügig die Schleifen. Auf geht's. Have a good day! 

Samstag, März 21, 2026

Sturmwarnung

Feiertag. Zuckerfest - Eid al-Fitr. Aber da Samstag ist, kurvt eh kein Bike die Schräge hinunter auf das Parking. Regen seit dem frühen Morgen. Oder die ganze Nacht. Meine Bäume sind glücklich. Die Katzen haben sich verzogen. Sturmwarnung! Ich glaube, das gab es noch nie, seit wir hier sind. Regenwarnungen, Unwetterwarnungen zuhauf. Aber Windwarnung? Die einen Nachbarn warnen vor den Blumentöpfen auf den Dächern, die herunterfallen und uns erschlagen könnten. Die anderen lachen darüber. Es ist nun mal Tradition, dass überall Blumentöpfe stehen. Vor ein paar Tagen hat der boy (der gleichzeitig driver und Mann für alles ist, auch mal Wäsche auf dem Dach aufhängt oder glänzende Messinggefäße verschiedener Größe an der Sonne zum Trocknen aufstellt) der Nachbarn die Blumentöpfe nicht nur alle ausgeleert, gereinigt, sondern auch angepinselt. Womit, weiß ich nicht. Mit einem farblosen Lack, einem Staub- und Schmutzabweisenden Zeug, nehme ich an. Dann mit frischer Erde befüllt und die blühenden Blumen wieder reingesetzt und gewässert. Er war bestens gelaunt und erklärte mir "flowers!". Dann solrtierte er alle Töpfe im Eingangsbereich wieder in Reih und Glied, so dass das (täglich polierte) Auto in seinem Bewegungsradius nicht eingeschränkt ist. Maids und boys rundum sind tagelang mit völlig unsinnigen Aktivitäten beschäftigt. Sie müssen offenbar beschäftigt sein und das auch zeigen. Man könnte die Pflanzen im Garten in die Erde unter den freien Himmel pflanzen und dem Regen aussetzen. 

Aber heute ist Zuckerfest. Und die Noch-Interims-Premierministerin Karki nimmt es zum Anlass, dem Land und seinen Bewohnern ein stabiles, respektvolles, harmonisches Miteinander zu wünschen. Auf Facebook gratuliert sie den muslimischen Brüdern und Schwestern zum Fastenbrechen. Das Fasten, schreibt sie, lehre uns Geduld, Toleranz und Opferbereitschaft. Sich selbst beherrschen und zurücknehmen, nur Gutes tun! Auch unser PM in spe, Balendra Shah ruft zum gegenseitigen Respekt der Religionen und Kulturen auf. Verständnis und Einigkeit könnten die Gesellschaft verbessern. 

Nichtsdestotrotz fliegen wieder Steine zwischen Hindus, die am Kali Tempel Neujahr feiern und Moslems, die in der Moschee beten wollen. Diesmal in Jigana Chowk, in der Maharajganj Municipality, westlich von Bargadagaun. Die Polizei greift ein und versucht mit einer prohibitory order, Ruhe zu schaffen. Was nur halbherzig gelingt. 23 Personen sind verletzt, darunter Gläubige beider Seiten, Zivilisten und Polizisten.

Freitag, März 20, 2026

Der Gimpel mit dem gebrochenen Flügel

Primär-Äquinoktium, die Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche. Über dem Valley explodiert die Hitze am Nachmittag. Es blitzt und donnert und schüttet vom Himmel. Stundenlang. Ich war noch nie so froh um Regen wie hier. Wir können das Haus nicht verlassen und bekommen auch kein Essen geliefert. Bleibt nur Rührei.

Zum ersten Mal lese ich in einer nepalesischen Zeitung einen Bericht aus Warschau. Der dortige Zoo (in einem früheren Leben beobachtete ich die Bären im Bärengraben, während ich an der lauten Solidarność-Allee auf die Straßenbahn wartete, die mich über die Weichsel brachte) hat einen bird emergency room eingerichtet. Eine Notfallklappe für Vögel. Dort werden verletzte Vögel, meist Singvögel wie Spatzen, Meisen, Drosseln entgegengenommen. Der Zoo betreibt seit 1998 ein Vogelkrankenhaus und kann die in der Klappe abgegebenen Fluguntauglichen bestens betreuen und aufpäppeln. Und wieder in die Freiheit entlassen. Das Ziel sei: Freiheit. Denn - so der Zoodirektor, ein Ornithologe: die Not der Vögel verursache der Mensch. Also müsse der auch die Verantwortung übernehmen und sich um kranke Tiere kümmern. Ein Vogel sei ein Kind des Waldes, und verstehe zum Beispiel das Prinzip "Fenster" nicht. Wohl wahr! Gerade wurde ein Gimpel mit gebrochenem Flügel eingeliefert.

Donnerstag, März 19, 2026

Neumond

Neumond. In Kathmandu um 07:08 am. Also Chaitra Shukla Pratipada. Der erste Tag des heller werdenden Mondzyklus im Monat Chaitra. Im hinduistischen Mondkalender fängt heute das Neue Jahr an. Auf meinem (alten und neuen) Wandkalender aber erst am 1. Baisakh BS. Also in fast einem Monat, genauer: drei Tage vor dem nächsten Neumond. Das soll noch eine/r verstehen.

Mittwoch, März 18, 2026

घोडे जात्रा

Feiertag. Mitten in der Woche. घोडे जात्रा - Ghode Jatra. Oder आश्व यात्रा - Ashwa Yatra. Das Pferdefest. In Tundikhel reitet die Armee mit grandeur auf zur Parade. Immer an Neumond im Monat Chaitra wird der Frühling sowie der Sieg über den Dämon Tundi gefeiert. Neumond ist nach meinem Kalender erst morgen früh, aber heute ist Chaitra Krishna Aunsi - der dunkelste Tag im Monat Chaitra. Morgen fängt bereits der helle Mondzyklus an. 

Der Legende nach wohnte der unersättliche Kinderfresser Tundi (die Newari nennen ihn Gurumapa) auf dem einst sumpfigen Tundikhel-Feld, dort liegt er auch begraben. Nach seinem Tod haben sich die Bewohner zu Freudentänzen auf Pferden rund um sein Grab versammelt. Pferdegetrappel soll bis heute verhindern, dass Tundis Geist wieder an die Erdoberfläche aufsteigt und er weiterhin sein Unwesen treiben kann in der Stadt. Solange er unter der Erde bleibt, gilt er als unschädlich. Je schneller die Pferde rennen, desto besser! Wie bei allen volkstümlichen und religiösen Feierlichkeiten triumphiert auch hier letztlich das Gute über das Böse. Mittlerweile ist die Angst vor dem Kindermörder in der Hauptstadt zu einem lokalen Feiertag mutiert. Und auf eben jenem Feld - das wohl (aus welchem Grunde auch immer) nach dem furchterregenden Dämon benannt ist - zeigen die Armeepferde und ihre Reiter heute ihr akrobatisches Können vor den obersten Staatsdienern. Fotos siehe link oben unter der grandeur. Kein einziges Bike auf meinem schiefen Gelände.

Dienstag, März 17, 2026

Der letzte Schweif

Am Morgen ist die Luft klar und frisch wie selten. Ich kann atmen und gucken. Der letzte Schweif des abnehmenden Mondes zeigt sich nur kurz in der Dämmerung. Die Sonne geht jetzt schon früh auf und verschluckt ihn sofort.

Nach dem Gewitter und dem heftigen Regen in der Nacht air quality unter hundert, 79! Das ändert sich schnell im Laufe des Tages.   

Am Abend sitzen wir auf der Terrasse und betrachten den Orion. Er bewegt sich über uns und immer mehr Sterne kommen zum Vorschein. Wie immer am 17. trinken wir unseren Monatssekt.

Montag, März 16, 2026

तोरीको तेल

तोरीको तेल - toriko tel = mustard oil. Senföl. Das Öl, mit dem hier gekocht wird. Es ist dickflüssig, würzig-bitter und natürlich senfsamengelb. Auf der Flasche in meinem Schrank steht शुद्ध तोरीको तेल - also sud'dha toriko tel. Pure mustard oil. Reines Senföl. Das Wort für pure oder rein besteht aus einem dieser entsetzlichen Konsonantencluster. Deshalb lasse ich es lieber sein. Das Öl kann ja nicht not pure sein. Da die Flasche fast leer ist, laufe ich zu meinem Gewährsmann auf der Golfutar, der die besten Äpfel hat (oder hatte - sie sind aufgegessen), roten Reis, jede Art Bohnen und Linsen, die wunderlichsten Mehl (buckwheat, millet, barley ...) aber leider die ganzen Körner, die ich möchte. Zum Beispiel कोदो - kodo oder millet, deutsch Hirse, dafür aber rosarote und schwarze  Klumpen von Himalayasalz. Einer dieser shutters, mit einem erstaunlichen Sortiment. Alles bio aus seinem Dorf! Je nach Erntezeit liegt ein riesiger Haufen Kartoffeln vor dem Eingang, über den ich und alle anderen Kundinnen steigen, um zum shutterkeeper vorzustoßen und zu bezahlen. Manchmal schläft er auch in seiner Ecke, dann wird er geweckt. Geklaut wird hier nicht. Er hat auch तोरीको तेल - das reinste Seinföl da stehen. In kleinen Plastikflaschen. Und an der Seite hängen lange Malaketten aus den Tränen Shivas. 

Das Senföl benützen die Nepalifrauen in der Küche, wenn es erhitzt wird, verliert es seinen bitteren Geschmack. Sie legen damit ihre pickles ein und bereiten den Sandheko aus Kartoffeln, Bohnen, Erdnüssen, Zwiebeln, Knoblauch, Kräutern, Chili usw zu. Ein scharfer Appetizer. Oder sie reiben ihre Haare damit ein und massieren schmerzende Gelenke.

Sonntag, März 15, 2026

Das letzte Blatt

Der letzte Monat des Jahres beginnt: चैत्र - Chaitra. Ich blättere meinen Wandkalender zum letzten Mal um. Dies ist das letzte Blatt des nepali patro 2082. So steht es obendrüber in güldenen Lettern. Darunter sieben Kugeln auf- und absteigend im Halbkreis angeordnet. Die Wochentage. In der Mitte, unter बुधबार (budhabar = Mittwoch) steht der Name des aktuellen Monats: चैत्र - Chaitra. Der Mittwoch hat in Nepali nichts mit der Mitte zu tun, auch wenn er auf dem Kalenderblatt genau dort steht. Mittwoch ist hier der Tag des Planeten Merkur: बुध ग्रह. Fünf Wochentage sind einem Planeten zugeordnet (dazu ein andermal mehr) plus einer, der Sonntag (wie überall) der Sonne (Fixstern oder gelber Zwerg) und ein anderer, der Montag (dito) dem Mond (unserem Trabanten).  

Von heute an kann und muss ich Ausschau halten in den shutterstores auf der Golfutar nach dem Kalender für das Jahr 2083.

Die Übergänge sind nicht fließend sondern abrupt. Schon ist es so heiß tagsüber, dass ich nachts lüfte und tagsüber die Vorhänge zuziehe. Schon brennt die Sonne so gnadenlos auf das Dach, dass ich es dort, wo ich noch vor ein paar Tagen etwas Wärme suchte, nicht mehr aushalte. Die Bäume verlieren ihre Blätter. Das war schon letztes Jahr so. Nun erschreckt es mich nicht mehr. Alles wiederholt sich. Auch die Schreie der Vögel kenne ich mittlerweile, die den Frühling ankündigen. Alles vertraut und normal. Mitten am Tag kommt heftiger Wind auf, es wird finster und donnert und blitzt, ein paar wenige Regentropfen fallen. Kaum der Rede wert und vorbei der Spuk. Aber die Sicht über der Stadt ist plötzlich klar wie schon lange nicht mehr.  

Samstag, März 14, 2026

Der letzte Tag

Heute ist der letzte Tag des vorletzten Monats im nepalesischen Kalender. Der 30. Falgun 2082. Dashami, der zehnte Tag von Krishna Paksha, dem dunklen Mondzyklus. Noch weckt mich die abnehmende Sichel, aber sie wird von Morgen zu Morgen dünner und schwächer, kommt später und geht früher. Ist kaum mehr zu sehen.

Ein für Nepal richtungsweisender Monat geht zu Ende. Die Wahlen am 21. Falgun 2082 BS (= 5. März 2026 AD) haben für die etablierten Parteien und ihre strammen Soldaten ein beschämendes Ergebnis gebracht. Fast alle greisen Köpfe quer durchs Land wurden abgestraft. Im zukünftigen HoR - House of Representative - werden von den 67 Parteien, die sich zur Wahl gestellt hatten, 6 vertreten sein. Und von denen hat die junge Partei unseres Nachbarn knapp die Zweidrittelmehrheit verfehlt (vor Gericht wird noch um ein zusätzliches Direktmandat gestritten). So oder so kann sich das Resultat sehen lassen: die 275 Sitze des HoR verteilen sich wie folgt: 

  • 182 RSP (Rastriya Swatantra Party - Nationale Unabhängige Partei, gegründet am 1.7.2022) 
  • 38 NC (Nepali Congress - die einst stärkste Partei des Landes) 
  • 25 UML (Unified Marxist-Leninist, die Partei des Ex-PM KP Sharma Oli)
  • 17 NCP (Nepali Communist Party) 
  • 7 SSP (Shram Sanskriti Party - Labour Culture Party, gegründet am 28.9.2025)
  • 5 RPP (Rastriya Prajatantra Party - National Democratic Party, strebt die Wiedereinführung des hinduistischen Königreichs an)  
  • 1 Unabhängiger

Nicht genug, dass der damalige PM KP Sharma Oli sein Amt am 9. September unter Druck der Gen Z Demonstrationen mit den ersten 20 toten Jugendlichen aufgeben musste: sein Haus wurde abgefackelt, auch das Haus seines Vaters in Jhapa, er verlor am 5.3. seinen Wahlkreis Jhapa haushoch gegen den Herausforderer Balendra Shah, seine Partei verlor den Rückhalt im ganzen Land wahrscheinlich lange vor den Wahlen und er selbst die Glaubwürdigkeit. Auch wenn es ein schleichender Prozess war zwischen dem 8.9.2025 und dem 5.3.2026, wahrhaben wollte es bis zuletzt niemand. Gestern früh starb KP Sharma Olis Vater im Alter von 97 Jahren und am Nachmittag musste er als ältester Sohn (er ist gerade mal 23 Jahre jünger) die letzten Dienste bei der hinduistischen Einäscherungszeremonie verrichten. Die ganze UML versammelte sich hinter ihrem 1. Sekretär (pardon: Präsidenten) in Pashupatinath. Aber die Zeichen der Zeit lesen will keiner. 

Freitag, März 13, 2026

Das zweite Gewitter

Es kommt erst am späten Abend und bringt viel mehr Regen als gestern. Meine jungen Bäume vor dem Haus danken dem Nachthimmel. Der gepflasterte Hinterhof hingegen ist innerhalb weniger Minuten geflutet. Wie sich herausstellen wird (sobald es wieder hell geworden sein wird), ist das neue Fallrohr, das im Rahmen der dreimonatigen waterproof-waterrestistance-Renovierungsmaßnahmen letztes Jahr angebracht wurde, damit das Wasser vom Dach überflutungssicher abläuft, unten nicht an das kurze Verbindungsstück über unserer Küchenhintertür angeschlossen, das dort nochmals um eine Ecke in den Boden führt. Deshalb steht jetzt der Futterplatz meiner Katzen unter Wasser. Bei Gewitter verkriechen die sich eh und bis zum Frühstück wird der Regen hoffentlich nachgelassen haben und das überschüssige Wasser durch die Ritzen zwischen den Steinplatten versickert sein.

Donnerstag, März 12, 2026

Das erste Gewitter

Während wir beim Dragon am Fenster sitzen und auf das Essen warten, konsultiert W seine Wetterapp. Die sagt schon seit Tagen Regen an. Meine übrigens auch, obwohl ich eine andere befrage. Aber wir wissen, dass wir auf Wettervorhersagen nichts geben dürfen. Auf andere Vorhersagen auch nicht. Der Regen würde die Luft waschen. Und gewaschene Luft würde uns das Atmen erleichtern. Bislang fiel kein einziger von den versprochenen Tropfen. Jetzt, sagt W, ist der Regen aus der Prognose verschwunden. Das war's also. Wir sind immer noch Rekordhalter in Sachen pollution. Tapfer machen wir uns über unseren Reis her. In der Zeitung habe ich am Nachmittag gelesen, dass in ein paar Tagen der Himmel wieder zu sehen sein soll. Kaum brechen wir auf, über die immer noch aufgerissenen Bürgersteige nach Hause - es ist bereits stockdunkel - fallen die ersten Tropfen. Wie immer sind die hier prall gefüllt. Wir werden sofort bis auf die Haut nass! Kaum sind wir im Haus kracht es über dem Valley. Das langersehnte Gewitter! Der Strom fällt beim ersten Blitzschlag aus. Und dabei bleibt es für den Rest der Nacht. 

Mittwoch, März 11, 2026

ओखर

ओखर - okhar steht in meinem Schreiblehrbuch als Beispielwort für den Vokal ओ - wie o. Und zwar so etwas wie ein langes, geschlossenes o. Okhar ist die Walnuss, bzw in der Schweiz die Baumnuss. W wollte mir kürzlich weismachen, dass die Walnuss so etwas ist wie das Welschland, nämlich ein Fremdling. Aber dieses Konzept geht mit der schlicht und ergreifenden Baumnuss nicht auf.

Die Walnuss - sagt auch der Duden - stammt aus dem Orient (also ungefähr von da, wo ich jetzt bin), kam aber über Italien in den deutschen Sprachraum. Deshalb hieß sie im 18. Jahrhundert die "welsche Nuss" oder dann "Welschnuss". Aber auch "Gallische Nuss"! Das altgermanische Adjektiv "welsch" bedeutet - immer nach Duden - romanisch = italienisch oder französisch! Das Substantiv "welsch" bezeichnete die keltischen Bewohner westeuropäischer Gebiete, daraus wurde mhd "walch", ahd "walah" und altenglisch "wealth" = Welscher. Auch Wales ist damit verwandt und eben das schweizerische Welschland. Die Mädels aus der deutschsprachigen Schweiz machten früher, ehe sie heirateten, ihr Welschlandjahr, um der (ungeliebten) Sprache der Fremden mächtig zu werden.

ओखर - okhar - bzw hier im Bild  खोलमा ओखर - kholma okhar, meine nepalesischen Baumnüsse in meiner nepalesischen Küche in ihrer nepalesischen Schale, sind da außen vor. Es ist mir noch nicht gelungen, ein Etymologisches Wörterbuch zu finden. Wahrscheinlich müsste ich den Umweg über Sanskrit machen. Die खोलमा ओखर, wörtlich die Nüsse mit Schale, sehen hier, wie so manches andere, anders aus als im deutschsprachigen Raum: sie sind größer, heller und sauberer! Ich glaube nicht, dass sie vor dem Verkauf gebürstet werden. Im übrigen ist das "o" in "kholma" mitnichten ein Vokal wie das Anfangs-o in "okhar". Sondern eine Abwandlung des Konsonanten "kha" zu "kho". Die Schale - खोल - khol -  ist ohne Vokal nicht so verrunzelt wie die der welschen oder gallischen Nüsse. Sondern eher glatt und dadurch vielleicht staubabweisend? Meist ist sie ziemlich dünn, manchmal sogar zart und zerbrechlich wie Seidenpapier. 

Meist lässt sie sich ohne Nussknacker problemlos aufbrechen. Da ich jeden Morgen eine ओखर - okhar essen soll und mir angewöhnt habe, sie mit Schale, also खोलमा ओखर - kholma okar zu kaufen, konnte ich mich bereits als Nussknackerin perfektionieren. Wenn die Schale dem einfachen Druck meiner Faust nicht sofort nachgibt, haue ich schlicht und ergreifend vor dem Frühstück mit dem Hammer auf sie ein. Dann sieht sie allerdings nicht mehr so schön aus!

Dienstag, März 10, 2026

Haar, Ohr, Gold ?

In Nepal schneiden sich die Frauen das Haar nur in Ausnahmefällen. Meist nach Tod (des Ehemannes) zum Zeichen der Trauer. Keine Frau kommt hier auf die Idee, vor einer Wahl das Versprechen abzugeben, sich im Falle der Niederlage ihrer Partei oder ihres Lieblingskandidaten eine Glatze zu rasieren. Ich glaube, ich bin die einzige Frau im ganzen Lande, die den Haarschneider auf dem eigenen Kopf ansetzt - und nicht auf dem der Kinder oder des Gatten. Hier werden vorzugsweise andere Körperteile abgeschnitten. 

Renuka Baral hat seltene Berühmtheit erlangt. Sie sagte in einem vielleicht unbedachten Moment, in der aufgeheizten Stimmung vor dem Wahllokal, in dem sie ihre Stimme abgab, sie würde sich das Ohr abschneiden, falls Balendra Shah den Wahlkreis Jhapa-5 gewinnt, und ihm ihren goldenen Ohrring schenken. Ihre Aussage wurde natürlich von der begeisterten Menge gefilmt. Und ging viral.    

If Balen wins, I will cut off this ear in Jhapa and go to the teaching hospital to get it stiched and give the gold earring to Balen.

Zur Erinnerung: Jhapa-5 ist der Wahlkreis des einstigen Premierministers KP Sharma Oli. Balen ließ sich absichtlich dort aufstellen, das sei das einzige, erklärte er in einem kurzen statement vor dem Wahllokal, was er für die erschossenen Gen-Z-Demonstrierenden tun könne. Direkt gegen den Mann anzutreten, der damals die politische Verantwortung für das Land trug. Wie wir wissen, gewann Balen das Direktmandat haushoch. Und die ganz normale shutter-store-Betreiberin Renuka Baral? Muss sich den Spott der Brüder und Schwestern im Netz und auf der Straße gefallen lassen. Jammert über mental stress. Beklagt sich, dass sie beim Großeinkauf auf dem Gemüsemarkt verfolgt, belagert, umringt werde und ihre ganze Familie Hass und Häme ernte. Sie fürchte sich, aus dem Haus, die Kinder schämten sich in die Schule zu gehen. Das ganze Land wartet nur darauf, dass sie ihr blutiges Versprechen einlöst.  

Anders im deutschen Ländle (ach!). Die Generalsekretärin der FDP hat ihren Kopf (genauer: die wilden schwarzen Locken) darauf gewettet, dass ihre Partei den Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg schafft. "Sie werden mich nie mit Glatze sehen", hatte sie der Schwäbischen Zeitung kürzlich noch selbstbewusst angekündigt. Und nun? Stehe sie zu ihrem Wort, sagt sie, weil Liberale das tun.

Montag, März 09, 2026

Weltrekorde

Kathmandu steht wieder weltweit an erster Stelle der Luftverschmutzung, mit einem AQI (Air Quality Index) von 184, vor Dhaka mit 170 und Kalkutta mit 169.

Auch sonst sind wir Weltspitze. Es erwartet uns ein Youthquake - die Anzahl der über 70-Jährigen im zukünftigen Parlament ist erfreulicherweise überschaubar: Direktmandate haben vier Herren dieser Altersklasse errungen: 2 71-Jährige (1 NC und 1 Unabhängiger) und 2 70-Jährige (1 Kommunist und 1 NC). Einer von ihnen wird die Ehre haben, als "Ältester" administrativ die Vereidigung der Abgeordneten zu übernehmen, bis ein Sprecher und sein Stellvertreter des HoR gewählt sind. Auch die Ü 60 lassen sich vorläufig noch an einer Hand abzählen.

Und unser einstiger Bürgermeister, der 35-jährige Rapper und wahrscheinlich zukünftige Premierminister rappt धन्यवाद dan'yavād - thank you!  जय नेपाल धन्यवाद jaj Nepal dan'yavād - Glory to Nepal, thank you!

Sonntag, März 08, 2026

womens day

Immer noch Feiertag. Hört das denn nie auf? Kein Bike! Leichter Nieselregen. Dicker Smog! Internationaler Frauentag. Auch in Nepal. Obwohl hier die Frauen zb bei den gerade abgehaltenen Wahlen unterrepräsentiert sind. Die Parteien sind laut Verfassung verpflichtet, 30 % Kandidatinnen aufzustellen. Tut natürlich keine. Auch nicht die unseres Nachbarn Rabi Lamichhane, die gerade die gesamte steinalte, männliche und hintervorgestrig verkrustete Garde aus der politischen Landschaft Nepals gefegt hat. Man(n) freut sich, dass von den 16 Kandidatinnen immerhin 13 Erfolge (und zwar beachtliche) eingefahren haben. 

Die sind aber nicht auf dem Bild! Auf dem Bild sind die Nachbarinnen mit Rabi! Er überragt alle. Der community manager teilte um 15:08 über den internen community chat mit, dass Rabi L. gegen 15:45 zu einem Empfang lade. Also nix wie hin. Zeit ist wie immer ausreichend vorhanden. Es gibt nepali food, zubereitet von den lachenden ladies, Reis mit Zutaten, viele Fotos und glückliche Gesichter. Kein einziger bodyguard, wundert sich der Berliner auf dem Heimweg um die Ecke, gar kein Polizeiaufgebot. Wir leben in sicheren Gefielden.

Samstag, März 07, 2026

Samstag nach der Wahl

Wochenende. Immer noch und verdienter freier Tag. Kein Bike auf der schiefen Ebene. 

Es sieht so aus, als ob die Partei unseres Nachbarn, die er erst vor drei Jahren gegründet hat, einen Erdrutschsieg im ganzen Land einholt. Und dass unser cooler Rapper, der Ex-Bürgermeister von Kathmandu, Premierminister wird. 

Die alte Garde kann nun in ihren verdienten Ruhestand gehen.  

Freitag, März 06, 2026

Freitag

Immer noch Feiertag. Was niemand der Interimsregierung zutrauen wollte und bis in die letzten Tage immer wieder von allen Seiten angezweifelt wurde: die Wahl hat im ganzen Lande ohne größere Zwischenfälle termingemäß am 21. Falgun 2082 stattgefunden. Die Tagestemperatur steigt gerade rapide. Und obwohl gestern ein allgemeines Fahrverbot galt, sind wir heute wieder weltweit auf Platz drei der Luftverschmutzung.

Ein politischer Tsunami fegt durchs Land, die Nepali haben ihre korrupten und unfähigen Langzeitpolitiker, die dachten, sie hätten ein Recht auf Lebenszeitpolitiker, abgestraft.   

Liveticker zum Fortschritt der Auszählungen "election 2082" hier: https://election.ekantipur.com/?lng=eng

Donnerstag, März 05, 2026

प्रतिनिधि सभा निर्वाचन

Wahltag. Feiertag. Ruhetag. Landesweites Fahrverbot, eingeschränkterFlugverkehr, geschlossene Grenzen. Ein Besinn-dich-Tag. 

प्रतिनिधि सभा निर्वाचन  - pratinidhi sabha nirvacan. Pratinidhi sabha = HoR House of Representatives, Abgeordnetenhaus. Nirvacan = election, Wahl. Also: Parlamentswahl. 

3406 Direktkandidaten, davon 3017 männlich, 388 weiblich, 1 divers stellen sich der Mehrheitswahl in 165 Wahlkreisen. 2263 der Direktkandidaten gehören einer der 65 Parteien an, 1143 sind unabhängig.

Daneben werden 110 Sitze nach Verhältniswahl vergeben, darum bewerben sich 3135 weitere Kandidaten, davon sind 1363 männlich, 1772 weiblich.  

Die Wahllokale sind von 7 am bis 5 pm geöffnet. Danach beginnt das Auszählen.  

Mittwoch, März 04, 2026

Lachnummer

Feiertag. Der Tag vor der Wahl. Alle haben frei, damit sie nach Hause fahren können, bzw an den Ort, wo die für sie zuständige Wahlurne steht. 

Ich gehe spazieren. Vor ein paar Tagen ist zuerst der Schnürsenkel am linken Schuh und jetzt auch am rechten gerissen. Beide ungefähr an derselben Stelle, nämlich im obersten rechten Loch. Dort wird der Schuhbändel am meisten strapaziert. Es gibt weitere Sollbruchstellen, zB am untersten linken Loch. Noch kann ich mit beiden verkürzten Schnüren die Schuhe notdürftig binden. Ich meine immer noch, Halt am Fuß zu brauchen. Vielleicht ist das gar nicht so. Mutig mache ich mich über holperige Gehsteige auf die Suche nach Schuhbändeln in einem Land, in dem kaum jemand mit geschnürten Schuhen an den Füßen anzutreffen ist. Aber Schuh-Shutters gibt es alle paar Meter. Slipper-Shutters. Plastikslippers in allen Größen und Farben, vorausschauend stehen auch schon die Gummistiefel in Reih und Glied. Nächste Woche soll es nämlich regnen. Aber auf meine Frage nach laces - laces??? - ernte ich nur unbändiges Lachen. Die nepalesische Bezeichnung जुत्ताको फिता - juttako fita - wörtlich der Schuhe Bändel - sagt ja auch alles. जुत्ता - jutta sind feste Schuhe. Die sind geschnürt oder auch nicht. Was hier an allen Ecken angeboten wird, sommers wie winters, auch an Feiertagen und Tagen vor Feiertagen oder am Tag vor der alles entscheidenden Parlamentswahl, sind चप्पल - cappal. Schlupfschuhe. Slippers. Schlärpli. 

Dienstag, März 03, 2026

होली पुन्ही

होली पुन्ही - Holi Punhi. Holi Zwo. Falgu Purnima, Falgun Vollmond. Andernorts worm moon - Wurmmond (die Regenwürmer erwachen zum Leben!) oder Krähenmond, Saftmond, Lenzmond genannt. Der Vollmond im März bedeutet das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings auf der ganzen Nordhalbkugel. Also auch in Nepal. Und totale Mondfinsternis dort, wo sie zu sehen ist. Bei uns nicht. Bei uns wird nach wie vor mit feurigen Farben gesprüht. होली पुन्ही - Holi Punhi. Eigentlich Feiertag nur im Tarai. Aber natürlich arbeitet in der capital city keiner, der nicht unbedingt muss, zwischen den Feiertagen. Zwischen gestern und morgen, vorgestern und übermorgen, dem Wochenende und was danach auch immer kommen mag. Den ganzen Tag steht nur ein einziges himmelblaues Bike auf dem Parkplatz. So etwas wie Ausnahmezustand. Oder Ruhe vor dem Sturm. Der Staatspräsident wünscht sich und seinen Landsleuten, dass Holi Inspiration sein möge, die nationale Kultur zu fördern und böse Bräuche in der Gesellschaft auszurotten. Nepal first - verkündete schon kürzlich der pretender in seiner Videobotschaft. 

Seit Mitternacht gilt Wahlruhe - 72 Stunden vor Öffnung der Wahllokale ist der Wahlkampf vorbei, die Parteien müssen ihr Propagandamaterial aus dem öffentlichen Raum entfernt haben. Holi hat den Kandidaten auf der letzten Strecke tüchtig eingeheizt, sie mussten ihre Abschlussbotschaften rechtzeitig platzieren, wo auch immer. 

Wir essen im Singatown einen ganzen Fisch. Auf dem Heimweg regnet es.

Montag, März 02, 2026

होली चिरदह

Feiertag. Gestern schon war das schiefe Parking höchstens halb besetzt und auch das nur den halben Tag. Heute होली चिरदह - Holi Chirdaha und gar kein Bike. Das Festival der Farben, des Feuers, des Frühlings. Der erste bzw. letzte oder vorletzte Tag eines wie immer mehrtägigen Festivals.  चिर - Chir, die massive Bambusstange mit den bunten Stoffteilen, die an Falgun Shukla Astami, also am 8. Tag des zunehmenden Mondes, am Basantapur Durbar Square in Kathmandu feierlich aufgerichtet wurde, wird heute, am Tag vor Vollmond, wieder abgebaut. Wer kann, nimmt einen bunten Fetzen nach Hause und bewahrt ihn gut auf. Der soll Glück bringen. Feiertag in Kathmandu, in der hilly region und im inner Madhes.

Weil die Wahlen vor der Tür stehen, gelten gesonderte Sicherheitsbestimmungen. Zwar darf man lachen und fröhlich sein und sich gegenseitig mit Farben bekleckern - aber bitte mit Maß. Größere Ansammlungen im Regierungsviertel und an anderen neuralgischen Punkten der Stadt sowie Wahlkampfauftritte im ganzen Lande sind während dem hinduistischen Fest Holi verboten.

So weit ist es gekommen mit regierenden Maoisten, vereinten oder nicht vereinten Kommunisten, Marxisten, Leninisten: sie alle beugen sich dem religiösen Kalender und den Traditionen des einstigen einzigen und jahrhundertealten Himalaya-Hindu-Königreichs. 

Sonntag, März 01, 2026

Bari 1943

Kürzlich las ich einen Artikel über die Entdeckung der Chemotherapie. Kürzlich ist relativ und in Wirklichkeit schon länger her, und eigentlich war es ein Artikel über Kriegsführung, wie er aktueller nicht sein könnte. Über Lügen, List, Vertuschung, Arroganz, Taktik, Dummheit und dergleichen mehr. Über Zufälle, die leidige Verkettung unglückseligster Umstände. Und über billigend in Kauf genommene - wie es neudeutsch so schön heißt: Kollateralschäden.

Im Dezember 1943 bombardierte die deutsche Luftwaffe den Hafen von Bari. Da war der Krieg, wie ich lese, für das Dritte Reich bereits entschieden - nämlich: verloren. Niemand (also: die Alliierten) erwartete von den Deutschen noch einen Angriff - und schon gar nicht in einem Nest in Süditalien, weit ab von der Front. Ein deutscher Aufklärer hatte aber Anfang Dezember dort eine ungewöhnlich große Konzentration von Schiffen in dem kleinen Hafen entdeckt. Das Hafenbecken war "mit 30 Versorgungsschiffen vollgestopft" und ein deutscher Luftflottenkommandeur nutzte die Gunst der Stunde. Sein Überraschungsangriff setzte eines Abends um 19:30 Uhr ein und war nach 15 Minuten beendet. Der Hafen war taghell erleuchtet gewesen, die Piloten konnten ihn aus 100 Kilometer Entfernung ausmachen, da Briten und Amerikaner wie Idioten ihre Kriegsindustrie rund um die Uhr laufen ließen. 17 Schiffe wurden versenkt, 8 beschädigt, über 1000 Soldaten und ungezählte Bewohner der Straßen und Häuser rund um den Hafen getötet. Die Explosionen der Munitionsschiffe sowie einer getroffenen Pipeline verstärkten das Inferno. 

In der Nacht erreichte die Feuersäule die "John Harvey". Das Schiff ging mitsamt seiner Fracht - 100 Tonnen Chemiewaffen, u.a. flüssiger Schwefelsenf sowie 2000 Senfgasbomben - in Flammen auf. Die Matrosen, die ins Wasser gefallen waren, wurden von einer öligen Mischung bedeckt, in der sich der Schwefelsenf festsetzte. Natürlich wusste niemand in Bari von der giftigen Fracht und die, die es wussten, schwiegen tunlichst. Die aus dem Hafenwasser Geborgenen wurden falsch oder gar nicht behandelt, sie bekamen Morphium gegen den Schock. Als sie Symptome einer Gasvergiftung zeigten, wurde behauptet, die Deutschen hätten Gas abgeworfen. Als ein Experte für chemische Kriegsführung in Bari eintraf, erkannte er, dass die Verletzten Senfgas ausgesetzt waren. Aber erst als Taucher Reste der Senfgasbomben vom Grund des Hafenbeckens holten, war klar, woher das Gift stammte: aus der eigenen Küche, nämlich aus dem Frachtraum der "John Harvey". Was nicht heißt, dass die Wahrheit ans Licht kam. Nein, sie wurde fröhlich weiter vertuscht und zwar von oberster Stelle. Eisenhower und Churchill wollten Hitler keine Steilvorlage für einen Giftgaskrieg bieten. Die Krankenberichte mussten frisiert, das Senfgas eliminiert und durch "Verbrennungen durch feindliche Einwirkung" ersetzt werden. Die 600 Überlebende blieben mit ihren Langzeitqualen allein und der Bericht des Experten wurde als geheim "weggesperrt". Aber irgendein schlauer Kopf (Krebsspezialist) konnte vorher einen Blick darauf werfen und nutzte die Gunst der Stunde: er erkannte, dass Senfgas ein "Killer" war: es hatte weiße Blutkörperchen abgetötet. Der schlaue Kopf schloss daraus, dass die Killersubstanz auch als Heilmittel eingesetzt werden könnte. Bei der Behandlung von Krebs. Die Idee der Chemotherapie war geboren.

Samstag, Februar 28, 2026

द्वादशी

Samstag. Ruhetag in Nepal. Der 16. Falgun, द्वादशी (Dwadashi) der shukla paksha, des hellen Mondzyklus. Wer gestern gefastet hat, kann heute wieder essen. Alle andern auch. Es ist der 12. Tag des zunehmenden Mondes. Ein schlechter Tag für die ganze Welt, das triple Feuerpferd, gerade mal 10 Tage alt, ist aus dem Stall ausgebrochen. 

Freitag, Februar 27, 2026

8848

Die Luft ist dick. Im wahrsten wie im unwahrsten Sinn. Wir husten beide und von der Stadt ist nichts zu sehen. Von der Sonne auch nichts. Nur dicker Smog. Unten und oben. Ich besorge auf Vorrat Katzenfutter (diesmal chicken, den fish aus der letzten Packung fraßen sie mittelmäßig begeistert und nur, wenn sie bei den Nachbarinnen nichts besseren bekamen), ein Karat Eier,  2 kg kar.ma coffee (1 x dark roast, beans und 1 x medium roast, für french press gemahlen), Hustensaft und Allegra. Mo:mos liegen noch reichlich auf Eis. Auf dem Heimweg vom Dragon überqueren wir die Golfutar, steigen über aufgetürmte Pflastersteine und offene Kabelschächte, kaufen eine Flasche 8848. Die Alkoholshutters sind alle wie immer offen. Das Alkoholausschank- und verkaufsverbot sollte bereits in Kraft getreten sein. In unserem Lieblingsshop sitzt um diese Tageszeit immer ein Polizist oder eine Polizistin. Ich habe jeweils den Eindruck, die ruhen sich da in der Ecke aus vom Regeln des Feierabendverkehrs. Diesmal ist es ein Mann, mit Schlagstock. An der Straße stehen sie zu mehreren. Alle mit ebensolchen Stöcken. Auch das hatte der deutsche Botschafter fürsorglich angekündigt: mehr Polizeipräsenz! Mehr Militärpatrouillen. Mehr Ausweiskontrollen. Aber uns sieht man von weitem an, dass wir nicht dazu gehören, keinen Aufstand planen und sicherlich keine Wahlurnen klauen wollen. Von uns geht keinerlei Gefahr aus. Im Gegenteil. Wir unterstützen die Nachbarn. Niemand hindert uns daran, unseren hochprozentigen Einkauf über die überfüllte Golfutar nach Hause zu balancieren. Die Luft ist am Abend noch dicker als am Morgen. Im übertragenen und nicht übertragenen Sinne.

Donnerstag, Februar 26, 2026

new year

Noch ein neues Jahr beginnt. W hat Geburtstag und schwört, dass dies sein letztes busy Lebensjahr werde. Er relativiert den Schwur schon nach wenigen Stunden.

Das Auswärtige Amt meldet sich wieder einmal rechtzeitig und fürsorglich an seine "Lieben Landsleute in Nepal". Unterschrieben ist das Schreiben vom deutschen Botschafter und der beginnt seine Hinweise mit dem schönen Satz "Inzwischen hat der Wahlkampf begonnen". Nun ja, es wird ja auch Zeit!  Im Internet tobt er natürlich schon lange, dort hat angeblich AI oder der Algorithmus längst entschieden und setzt entsprechende Präferenzen, beklagte kürzlich ein Printmedium. So ist es in modernen Zeiten. Die Grenzen zu Indien werden für 72 Stunden geschlossen, schreibt der Botschafter. Ich dachte, alle rundum, also auch die zu China. Aber von China befürchtet man wohl keine "Wahlbeeinflussung". Am Wahltag gilt ein Fahrverbot bis um 17 Uhr - in besagtem Printmedium las ich, dass es gelten soll, bis die Stimmen ausgezählt sind (und das kann ja dauern ...). Wir nehmen's gelassen, ich geh eh zu Fuß und W. kann zu Hause arbeiten. Wir richten uns auf so etwas wie curfew, Dashain und Tihar in einem ein. 

Übermütig wie wir sind, fahren wir zum Essen über eine Rumpelstrecke nach Boudha. Zu den Buddhisten. Noch funktioniert InDrive. Dort überrascht uns Regen.

Mittwoch, Februar 25, 2026

Tradition

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Der Wahlkampf beginnt erst so richtig zu kochen. Morgen in einer Woche sollen die Parlamentswahlen stattfinden und keine Partei bzw deren sogenannte Spitzenkandidaten (sind ja mehrheitlich männlich) ist sich zu blöde, nochmals darauf hinzuweisen, dass nach wie vor nicht klar sein, ob sie tatsächlich zum festgesetzten Termin stattfänden. Unser Nachbar verkündet sogar, für seine Partei sei das kein Problem, man möge aber eine eventuelle Verschiebung bitte schön spätestens 4 Tage vor dem 5.3. mitteilen. Einen Kommentar lese ich - und reibe mir ungläubig die Augen - dass sei die politische Tradition. Vor allen Wahlen in den letzten Jahrzehnten sei bis zum Wahltag darüber spekuliert worden, ob die Wahlen pünktlich stattfinden oder nicht.

Die Grenzen werden geschlossen und der Privatverkehr ab Mitternacht des 4. oder 5.3. unterbunden, Inlandsflüge sollen entgegen erster Meldungen nun doch stattfinden und wer vom Flughafen zu seinem Wahllokal ein Transportmittel braucht, dem wird es zur Verfügung gestellt (wie auch immer). Die Wahlkommission empfiehlt dem Innenminister (oder umgekehrt? ), ein Alkohol-(verkaufs- und konsumierungs-)Verbot 7 Tage vor der Wahl zu erlassen. Das wäre ungefähr ab heute. Damit alle ihre Stimme nüchtern abgeben. 

Dienstag, Februar 24, 2026

Regen

Nach 14 Uhr fängt es tatsächlich an zu regnen. Ein einziges Mal kracht es ganz fürchterlich. Ein gewaltiger Donner entlädt sich über dem Valley. Die Wut der Götter? Den Blitz konnte ich nicht sehen. Wie auch, der Donner hat mich aus meinen Gedanken aufgeschreckt. Die durch die Bauarbeiten (Verlegung von Erdkabeln, Kappen der Freileitungen) seit Wochen aufgerissenen, immer schon holperigen und unwegsamen, sogenannten Bürgersteige verschlammen und werden praktisch unpassierbar.   

Hier der tägliche Weg zu unserem Lieblings-eating-point.

Montag, Februar 23, 2026

11.11.

Heute ist im Nepali Calendar der 11. Tag des erften Monats des Jahres, Falgun. Der 11.11. - eine Schnapszahl? Narrenzahl? Engelszahl? Nichts dergleichen. auch kein Mantelteilender Heiliger Martin. Der Community Manager teilte gestern zu bereits nachtschlafender Zeit mit, dass heute, am 11.11. um 6 pm unsere community bitteschön die erste (von allen kandidierenden, das sind etwa 125!) politische Partei bei ihrem Wahlkampfauftritt herzlich begrüßen möge. Die message war in nepali verfasst, also betrifft sie uns nicht. Vorstellen werden sich die Kandidaten der CPN-UML - das sind die Kommunisten, die vereinigten Marxisten und Leninisten mit ihrem Langzeitvorsitzenden und Ex-Premierminister, dem ewiggestrigen Herrn Oli (der gerade gestern, in Klammern sei's angemerkt, seinen 74. Geburtstag feierte). Es gibt Leute, die bezeichnen KP Oli als Mörder (ua der 76 Märtyrer der Gen-Z-Proteste). Und es gibt Leute, die drücken ihm beide die Daumen. Lang lebe die Demokratie! 

In Gaur hingegen zogen die Streithähne am Vormittag in einem vereinten Kraftakt - peace march - durch das Dorf Sabgadh, wo die Weddingparty stattgefunden hatte, in deren Folge Steine und Verwünschungen flogen. Heute demonstrieren sie Einigkeit und rufen zum sozialen Miteinander auf. Beide communities, Hindus und Moslems, unterzeichneten gestern abend ein Friedensabkommen und der Ausnahmezustand wurde aufgehoben, damit heute, am 11.11. Politiker, Offizielle und Inoffizielle, normale Bürger und Bürgerinnen wieder zusammen auf die Straße gehen dürfen.

Sonntag, Februar 22, 2026

Katzenfamiliengeschichten

Sonntag. Endlich wird wieder ordentlich gearbeitet. Ein neues Pelztier sitzt in meinem Garten! Eine Designerkatze. Sie wandert den lieben langen Tag um das Haus herum auf der Suche nach ein bisschen Schatten. Es ist ihr zu heiß an der Sonne. Futter verlangt sie nicht, auch sonst verhält sie sich eher unauffällig. Sigi hingegen ist heißhungrig und meidet Gesellschaft. Sie wird seit Tagen von drei Katern bedrängt und der eine, den ich einst Whity nannte, hat sie vor ein paar Tagen in meinem kleinen Hinterhof erfolgreich bestiegen. Whity ist nach längerer Abwesenheit wieder auf dem Hill angekommen. Er sieht aus, als ob er zur Kur war, an der See oder in der Höhe, im Sanatorium. Gut genährt und weniger verlaust. Tom hingegen bleibt verschwunden. Von Whity gibt es mittlerweile ein double - oder avatar, wie so etwas unter Göttern, bei Lord Vishnu zum Beispiel, genannt wird. Wahrscheinlich sein - ihr gemeinsamer - Nachwuchs. Von der Mutter hat er den getigerten Schwanz. Von Sigi gibt es auch ein double, der hat vom Vater ein paar weiße Felltupfer an den Pfoten. Die Nachkommen sind allesamt männlich. Und allesamt lümmeln sie nun um die arme läufige Katze herum. Mutter hin oder her. Inzucht hin oder her. Sie ist vorsichtig, verängstigt, verkriecht sich in Onkel Toms Hütte und ich stelle ihr das Futter dort vor die Nase. 

Ob der neue Perser männlich oder weiblich ist, weiß ich nicht. Es scheint aber eine Hauskatze zu sein, denn sie ist nicht menschenscheu und eher übergewichtig. Das Fell wirkt gepflegt. Die Augen sind senf- oder sonnenuntergangsgelb. 

Ich hoffe, das Tier ist kastriert. Eine Mischung mit den wilden Hillkatzen mag ich mir bei aller Liebe nicht vorstellen.

Samstag, Februar 21, 2026

Hängemattenmond

Samstag. Immer noch kein Bike auf dem Parking. Aber so etwas wie Wahlkampf oder Werbung (wofür auch immer) aus einem Lautsprecher auf einem Auto. Ich verstehe immer noch gar nichts. In Gaur - गौर  (was für ein schönes knappes Wort! Immerhin lesen kann ich) im Tarai wird nach Ausschreitungen im Rahmen einer Hochzeitsfeier eine Ausgangssperre verhängt. Bis auf weiteres. Offenbar gab es - wen wunder's? - Meinungsverschiedenheiten unter Mitgliedern verschiedener communities. Hindus und Moslems. Die einen wollten singen und tanzen, die andern beten. "Provozierende" Slogans flogen hin und her, die Hindus skandierten "Jaj Shri Ram", die Moslems antworteten mit "Nara e Takbir". Das alles passierte in der Nacht von Donnerstag zu Freitag. Am Freitag einigten sich die zerstrittenen Gruppen unter Vermittlung der Polizei auf 6 Punkte, um wieder ein friedliches und harmonisches Miteinander zu finden.  Heute morgen flogen Steine. Ein Scorpio mit indischem Kennzeichen sowie ein gutes Dutzend Motorräder gingen in Flammen auf. Das weckt ungute Erinnerungen. Um das Brodeln unter Kontrolle zu bringen, gilt nun eine Ausgangssperre. Bis auf weiteres. In Gaur im Tarai. Weit weg von der Hauptstadt.  

Wir sitzen nach Sonnenuntergang auf dem Dach und betrachten den neuen Mond. Die Temperatur ist angenehm. Der Mond sieht schon kräftiger aus und hängt wie eine Hängematte am Himmel.

Freitag, Februar 20, 2026

Wetterwechsel

Die Nachttemperatur steigt auf gute zweistellige Werte. Ich schlafe bei offenem Fenster. Pollution ist unverändert hoch. Auch nachts. Die Tagestemperaturen gehen auf Mitte 20 zu. So schnell ist der Winter vorbei. Ich kann am Nachmittag mit meinem Buch nicht mehr auf dem Dach sitzen. Die Sonne brennt gnadenlos. Am Abend zieht sich der Himmel zu und zeigt den neuen Mond nicht.

Donnerstag, Februar 19, 2026

76. Democracy Day

National Public Holiday. National Democracy Day. Kein Bike. Der Pretender beendet seine kurze Videobotschaft mit "May Lord Pashupatinath bless the welfare of us all". Die Interimsministerpräsidentin warnt beim offiziellen Festakt vor weiteren Protesten, wenn die Anliegen der Jugend nicht ernst genommen werden würden ... An den Wahlurnen oder danach? Präsident Paudel richtet derweil warme Grüße an alle Nepali im In- und im Ausland. 

Sie sprechen alle die bekannten und unbekannten Märtyrer an, die im Kampf für die Demokratie über all die Jahrzehnte ihr Leben hingegeben haben. Alle möchten letztlich nur Frieden, Stabilität und Wohlergehen. Die einen sorum, die andern andersrum.

Mittwoch, Februar 18, 2026

Losar Tashi Delek

Losar Tashi Delek! Happy New Tibetan Year 2153.

Heute wieder ordentlicher Feiertag. Tibeter sind eine Minderheit in Nepal, wenn auch eine umstrittene. Angeblich lebt hier die größte Exil-Gemeinde außerhalb Indiens. Also public holiday. Weil auch die Sherpas heute Neujahr feiern, Gyalpo Lhosar. Auch sie sind Buddhisten und leben in den Bergen. Zur Feier des Neuen Jahres werden Guthuk (Eintopfsuppe) und Khapse (frittierte Kekse) zubereitet und verspeist.  

Kein Moped auf dem Parking. Trotzdem miserable Luftwerte. Zu meinen Füßen wird Gestrüpp abgebrannt. Die Nachbarn haben ihre in der Wintersonne verblassten buddhistische Fahnen erneuert. Nun leuchten sie wieder in allen Farben. Losar Tashi Delek!  

Dienstag, Februar 17, 2026

Happy Triple Fire Horse Year

春節 Chunjie - chinesisches Neujahrsfest. Frühlingsfest. Heute beginnt das Jahr des Feuerpferds. Heute endet Maha Shivaratri. Heute ist Neumond. Heute ist der Siebzehnte 17. Tag eines Monats für uns in diesem Land. Wieder einmal türmen sich die Feierlichkeiten über unseren Häuptern. In Nepal natürlich kein public holiday (alle Bikes stramm und in Reih und Glied), weil Chinesen in diesem Land keine Minderheit sind. Dafür in China spring festival - eine ganze freie Woche. 

Triple Fire Horse - Dreifach Feuer Pferd. Die Menschheit erwartet ab heute Energie, Hitze, Bewegung! Transformation, Chaos, Umbruch und dergleichen Heftiges mehr. 

Dreifach weil: der chinesische Lunisolar Kalender einem 60-Jahreszyklus folgt. Die 12 Tierkreiszeichen verbinden sich wechselnd mit den 5 Elementen (Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser). Wir treten nach der Holzschlange nun ins Jahr des Feuerpferds ein. 10 Himmelsstämme bestimmen außerdem die energetische Yin- oder Yan-Portion für das betreffende Zeichen und sein Element. Unser aktuelles Feuerpferd dominiert ein Yang-Himmelsstamm und verdoppelt seine Energie hin zu einer durch und durch maskulinen Durchsetzungskraft. Verdreifacht wird das Feuer des Yang-Feuerpferds durch den 180-Jahres-Energie-Zyklus des Feng Shui. Der teilt sich in 9 Phasen zu 20 Jahren. Die letzte Phase - FEUER - startete im Jahr 2014. Ist also derzeit noch aktiv und wird es für die nächsten 8 Jahre weiterhin bleiben.

Happy Triple Fire Horse - 万事如意: möge alles nach Wunsch verlaufen.

Montag, Februar 16, 2026

चौरासी

चौरासी - caurāsī ist die Zahl 84. Aber nicht Orwell - sondern Nepal. Das ist das Alter, das hier erstrebenswert ist. Wer 84 Jahre alt wird, hat einen Meilenstein in seinem Leben erreicht und gilt als Halbgott oder sterblicher Gott resp. Göttin. Darüber lese ich gerade ein Buch, eine weitere Familiensaga: die Großmutter, die zur Feier ihres चौरासी - caurāsī, ihres 84. Geburtstags eben, die drei (nein, es sind vier, aber der vierte ist nicht eingeladen udn kommt trotzdem)  in der westlichen Welt zerstreuten Enkelkinder zurückruft. Die Eltern dieser Enkel, also der Sohn und die Schwiegertochter der Jubilarin, starben früh bei einem Unfall, weshalb die Oma die Kinder aufzog und weshalb diese wahrscheinlich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit das Weite suchten. Wie auch immer, der gap - Abgrund! - ist angelegt. Liest sich zäh. Langfädig. Ausufernde Sätze. Verwirrende Komposition. Ein literarischer Erstling (aus dem Jahr 2016, dem längst preisgekrönte Zweit- und Drittlinge folgten). 

Mich interessiert in erster Linie nur die Zahl. Nur die Sprache. 80 = अस्सी - assi. Und 4 = चार - car. Die Zahl 4 ist fast ein Vogel (= चरा - cara), aber ohne dessen langes helles a am Schluss. 84 wird in Nepali so gebildet wie im Deutschen: Vier-und-achzig, die 4 wird etwas aufgehellt als "caur"+"assi", aber syntaktisch spielt die Klangfarbe der Konsonanten (ja! das nepalesische Wort चौरासी - caurāsī besteht nur aus Konsonanten) keine Rolle. Die nepali numbers funktionieren wie die deutschen (Vierundachzig) und keineswegs wie englische (eightyfour).  

Prajwal Parajuly, der Autor erklärt in seiner abschließenden Notiz, warum ausgerechnet der 84. Geburtstag im Leben eines Menschen so entscheidend ist. Er gesteht, dass keiner der Texte, Priester, Weisen, Unweisen, die er konsultierte, eine ihn überzeugende und stichhaltige Antwort geben konnten. Deshalb habe er sich eine eigene mathematische Formel zurechtgelegt: 12 (Vollmonde) x 84 (Lebensjahre) = 1008. Ein 84-jähriger Mensch hat nach Parajulys Gleichung in seinem Leben 1008 Vollmonde erlebt. Und 108 und 1008 gelten im Hinduismus als auspicious numbers - symbolische, wichtige, Glück verheißende Zahlen. Parajuly ist happy, die Lösung scheint gefunden.

Wie so vieles in diesem Land: reine Phantasie! Pure Propaganda! Kreativ, zugegeben, aber leider nicht im Sinne des Universums. Hat nix mit den Rotationen der Himmelskörper zu tun. Wie wir wissen (wer weiß es nicht?), gibt es alle 2-3 Jahre ein Jahr mit 13 Vollmonden. So auch 2026: im Mai werden wir zwei Vollmonde am Himmel erleben, den zweiten als sogenannten bluemoon. Wir befinden uns gerade mitten in einem blauen Mondjahr. Und das ist den ungleichen Längen von Sonnen- und Mondjahr geschuldet, wie ich kürzlich schon feststellte. Nach wie vor addiert sich die Differenz von 11 Tagen nach etwa 3 Jahren zu einem zusätzlichen Mond-Monat. Und der beschert uns einen dreizehnten Vollmond. Auch einen 13. Neumond natürlich.

Ein 84-jähriger Mensch hat also die gute Chance, zu den von Herrn Parajuly ausgerechneten 1008 Vollmonden noch mehr oder weniger 30 Vollmonde mehr in seinem langen Leben gesehen zu haben. Ich mache mir den Spaß und die Mühe und rechne aus, wie viele Vollmonde mit bis zu meinem 84. Geburtstag den Schlaf geraubt haben werden: 1008 + 31 = 1039. Ein Total, eine Zahl ohne jeden HIntersinn, ohne auspicious Qualität! Außer man oder frau (er)findet etwas. 

Sonntag, Februar 15, 2026

Happy Maha Shivaratri

महाशिवरात्रिको शुभकामना - Happy Maha Shivaratri! Feiertag. Kein Bike. Schon den zweiten Tag in Folge. 

महाशिवरात्रि - Maha Shivaratri ist die große Nacht Shivas, am 14. Tag des abnehmenden Mondes im Monat Falgun. Also am Tag oder in der Nacht vor Neumond. Jeder Mondmonat hat sein Shivaratri, den 14. und dunkelsten Tag der abnehmenden Mondphase. Maha Shivaratri aber ist von höchster spiritueller Bedeutung.

Ich habe die hauchdünne Sichel mit den beiden sehr spitzen Enden früh im Osten gesehen, kurz nach Mondaufgang am noch tiefschwarzen Himmel, ehe eine verschwommene Dämmerung über dem Valley einsetzte und das wenige, das vom Mond zu sehen war, vereinnahmte und noch vor Sonnenaufgang verschluckte.

Maha Shivaratri feiert die "göttliche Hochzeit" von Lord Shiva und Parvati. Durch die Verbindung der beiden ist das Universum aus der Wiege gehoben worden - sagen die Hindus. Reines Bewusstsein (Shiva) und kreative Energie (Parvati) bringt den Kosmos zur Vernunft, bzw in Balance. Außerdem feiert Maha Shivaratri den kosmischen Tanz Tandava, Shiva als Tänzer Nataraja tanzt den Schöpfungstanz und setzt damit die Welt in Bewegung. Deshalb soll man heute Nacht nicht nur fasten, mit geradem Rücken meditieren und wach bleiben, sondern auch durchtanzen!

Und Maha Shivaratri feiert Shiva als unendliche Lichtsäule, als Jyotirlinga, als Besitzer unendlicher Macht. Im Trimurti nimmt er dadurch die höchste Stellung, über Brahman und über Vishnu ein.

Maha Shivaratri feiert auch Shivas Mut, als er das Gift der Welt trank und so die Menschheit davor bewahrte, daran zu sterben. Und wie an jedem hinduistischen Fest wird auch heute Nacht der Sieg des Guten über das Böse gefeiert. Shiva soll nämlich auch die dämonischen Brüder Kamalasksha, Tarakaksha und Vidyunmali mit einem einzigen Pfeil ausgeschaltet haben. Mehr geht eigentlich nicht.

महाशिवरात्रिको शुभकामना - Mahasivaratriko subhakamana - all the best for Maha Shivaratri! 



Samstag, Februar 14, 2026

Simarouba Glauca

Samstag. Kein Bike. Die Sonne zeigt sich nicht richtig. Der Mond leuchtete schmal und an den Enden spitz, bis der Tag hell wurde. Die Luft ist so schlecht wie die Sicht.

Vielleicht hilft meine tägliche pure Anwesenheit um oder am, unter, neben dem लक्ष्मी तरु - Laxmi Taru. Dem Laxmibaum. Die Blätter fallen gerade zu Hauf. Sie sollen, solange sie frisch und grün sind, wundersame Wirkungen haben. Das hat mir schon zu Beginn (vor über einem Jahr) mein Mönch erklärt, sie helfen gegen Zahnschmerzen. Wenn ich ihn richtig verstanden haben, soll man die Blätter oder ein Teil davon, denn sie können größer als zwei Handteller sein, kauen.  

Die Einheimischen kochen die Blätter aus, der Sud soll allgemein das Immunsystem stärken und man bleibt gesund, verschont von jedem Leiden. Das ganze Leben lang. Sagt der Volksmund oder Ayurveda, ich weiß es nicht. 

Alkoholextrakte aus den Blättern sollen antibakterielle und antitumoröse Wirkungen haben. Gegen Krebs hilft es nur im Anfangsstadium, danach kann sich die Wirkung ins Gegenteil umkehren und das Wachstum der Tumors befördern. Wie immer, kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und die richtige Dosierung an. Die Quassinoide (abgebaute Triterpenlactone) der Simaroubaceae-Planzen haben Anti-Leukämie-Eigenschaften, verbessern den mitochondrialen Stoffwechsel und erhöhen den Energielevel. Gut so. Ich danke meinem लक्ष्मी तरु - Laxmi Taru jeden Tag, dass er da ist.

Freitag, Februar 13, 2026

1. Falgun

फाल्गुन - falgun, der elfte Monat im nepali calendar Bikram Sambat beginnt. Das Jahr 2082 hat 12 Monate wie unser Jahr 2026 auch, es geht aber bereits Mitte April AD zu Ende. Einen Kalender für das Jahr 2083 werde ich frühestens dann bekommen.  

प:मा ननि
Monatsanfang. Einen Freitag den Dreizehnten kennt man hier nicht, ich glaube, auch das hatten wir schon: Freitag ist immer der glücklichste Tag der Woche. Heute ist er noch glücklicher: das fünftägige Festival Maha Shivaratri beginnt. 

Am Pashupatinath Tempel sind alle Vorbereitungen getroffen, lese ich, und alle vier Tore geöffnet. Es werden bis zu 800 000 Gläubige, Pilger, und etwa 4000 साधु - Sadhus, Gute, Weise und Heilige erwartet. 

Der pretender kehrt am Mittag aus dem Osten in die Hauptstadt zurück. Wir sind auf dem Weg nach Thimi und sehen seinen Helikopter im Landeanflug auf den Flughafen. Sonst ist nichts in der Luft. Nicht einmal einer ewig hungrig kreisenden Schwarzmilane. Am Boden erwartet seine Hoheit eine Schar Monarchisten, die ihn sicher in sein Domizil eskortieren wollen. Bis wir zurückkehren, sind die Straßen hoffentlich wieder frei. 

प:मा ननि - pa:ma nani an einer Straßenecke in der Dreisprachenstadt Thimi meint vielleicht: Im Westen nix Neues. I don't know.

Donnerstag, Februar 12, 2026

29. Magh

Monatsende. Der 29. Magh. Der zehnte Monat im nepalesischen Kalender Bikram Sambat hat im Jahr 2082 nur 29 Tage. Ich versuche immer noch zu begreifen, was es mit der Zeit hier auf sich hat. Seit ein paar Tagen ruft mich der abnehmende Mond am Morgen aus dem Bett. Eigentlich ist Bikram Sambat der Sonnenkalender der Nepali, ihre religiösen Festivals feiern sie aber nach dem Mondkalender. Bikram Sambat macht den Spagat und integriert Sonnen- und Mondläufe zu einem Kalendersystem. Daraus wird ein Lunisolaralmanach, lese ich. Sonne und Mond haben aber unterschiedliche Laufgeschwindigkeiten, der Mond hinkt der Sonne pro Jahr 11 Tage hinterher: das Sonnenjahr hat 365 Tage, das Mondjahr 354. Diese 11 Tage summieren sich in drei Jahren zu 33 und ergeben einen ganzen zusätzlichen Monat. Den Schaltmonat. Genannt Malamas ("der Monat ohne besondere Anlässe"). Oder Adhik Mas ("der zusätzliche Monat"). Oder Purushottam Mahinas ("der Monat des Höchsten Wesens" - Purushottam ist ein weiteres Epitheton seiner Heiligkeit Lord Vishnus). Nicht nur die Zeit läuft mehrspurig wie eine Autobahn, auch die Sprache. Angeblich gibt es eine sogenannte Monatswechselregel, nach der der Beginn eines neuen Monats astronomisch festgestellt wird. Ich nehme an im Voraus, vielleicht für ein ganzes Jahr und nicht erst heute für morgen. Oder morgen für gestern.

Sicher ist aber, dass der letzte Malamas vom 18. Juli bis 16. August 2023 eingesetzt wurde. Der nächste folgt also bald. Nämlich nach genau 32 Monaten und 16 Tagen. Um das Datum exact ausrechnen zu können, müsste ich entweder einen Nepali Kalender haben, der über das laufende Jahr 2082 hinausreicht. Oder wissen, wie viele Tage jeder vergangene Monat seit dem letzten Malamas hatte. Beides ist mir gerade nicht vergönnt.

Mittwoch, Februar 11, 2026

लक्ष्मी

Auch Laxmi begreife ich nun: लक्ष्मी. Einige transkribieren als Lakshmi oder Laksmi. Ich bevorzuge Laxmi, dann muss ich nicht denken. Ein x befreit! Beseitigt jede Unruhe im Kopf. Das Original hingegen ist, wie immer, simpel: लक्ष्मी

Konsonant ल = "la" + Halb-Konsonant क्ष ="chhya" oder "kshya" (je nach Weltanschauung), verkürzt, weil ohne a = क्ष् + direkt verbunden mit म = ma (wie in म = ich oder मो:मो = mo:mo) wird daraus क्ष्म + Vokal i = क्ष्मी 

Alles hintereinander zusammengesetzt, 1 Konsonant + 1 Konsonantencluster + 1 Vokal: लक्ष्मी

Nichts einfacher als das! लक्ष्मी ist die Göttin des Glücks und des Wohlstands. Und mein Laxmibaum ist das weibliche Pendant zum Bodhibaum. Um jeden Tempel wächst ein männlicher und ein weiblicher Baum. Das ist so und muss so bleiben. Mein Laxmibaum ist in Wirklichkeit ein लक्ष्मी तरु - Laxmi Taru. Oder Paradiesbaum, wissenschaftlich Simarouba Glauca. Auch den hatten wir schon.

Dienstag, Februar 10, 2026

श्री हरि

Auch श्री हरि - Shri Hari ist ein Name Lord Vishnus. Er besitzt ungefähr so viele Namen wie Avater. Und auch das hatten wir schon. Der kleine Tempel in Dhapasi Devi mit dem in einem Miniwasserbecken liegenden Mini-Vishnu ist laut Inschrift श्री हरि विष्णु नारायण - Shri Hari Vishnu Narayan gewidmet. Das ist - wie ich erst jetzt verstehe - das Nonplusultra oder der gesamte cluster an Ehrerbietung und Hochachtung. Aber der Reihe nach. श्री हरि - Shri Hari, lese ich, sei der, der allen alle Sorgen und Schmerzen abnehme. Shri Hari ist ein weiteres Epitheton Lord Vishnus und meint hier, im Beiname des Obersten Hindugottes, Befreier von Sünden. Ich wusste nicht, dass Hindus auch sündigen. Ich dachte, das sei Rom vorbehalten und die Absolution dem Papst. Aber siehe da: wer inbrünstig genug (with a pure heart - mit einem reinen Herzen) zu श्री हरि विष्णु - Shri Hari Vishnu betet, wird von allen Sünden erlöst. Und wenn die Hingabe Wohlgefallen findet, kann Shri Hari Vishnu sogar die größten Krisen wegputzen. Mit einem Handstreich. Hände hat er mehrere.

Warum huldigen wir also nicht einfach alle Shri Hari und die Welt ist erlöst von allem Bösen und allen Irren?

Montag, Februar 09, 2026

Abwasser

Keine Phantasie und keine Mythologie, reine Chemie: 60 Prozent des Trinkwassers landesweit sind abwasserbelastet. Also ungesund. Verseucht. Wir schaufeln hier unser eigen Grab. Mit Luft, Wasser, grünem Gemüse, Zahnpasta und wer weiß was noch.

Im Labor wurden gefährliche Mikroben gefunden, Kolibakterien und Coliforme. Das sei nicht neu in Nepal, sagen die Wissenschaftler. Neu und alarmierend sei, dass pathogene Mikroorganismen in 60 Prozent der aus Haushalten aus allen Landesteilen entnommenen Proben vorhanden seien. Das bedeute, dass die Mehrheit der Bevölkerung krank machendes Wasser trinke. Die Untersuchung zeige auch, dass 98,2 Prozent der Bevölkerung Trinkwasser aus sogenannt improved sources konsumiere, also Wasser, das aufbereitet und deklariert als Trinkwasser verkauft wird. Abgefüllt in großen oder kleinen Plastikflaschen. Hygienisch sauber versiegelt. Wie wir auch. 

This means, sagt ein Mitarbeiter der entsprechenden Behörde, the so called improved sources have yet to be improved. Anonym. Sein Name soll nicht in der Zeitung erscheinen, er ist nicht autorisiert, mit der Presse zu sprechen.

Sonntag, Februar 08, 2026

Epitheton

Noch einmal Narayan. Noch einmal Wasser. Noch einmal Bewegung. Narayan, wir hatten das schon einmal, ist ein Epitheton für Lord Vishnu. Ein Beiwort. Eine Attribut. Eine nähere (wissenschaftliche, biologische, typisierende oder schlicht ästhetisierende) Bestimmung. Vishnu ist im Götteruniversum des Hinduismus der Schöpfer und die Quelle ein und alles - bzw einer drei Höchsten vereint im Trimurti. Auch das hatten wir schon.

Ich lese und lerne - ich soll jeden Tag etwas lernen - dass नारायण Narayan ein vielschichtiger und breitgefächerter Terminus ist, und das Wort mannigfaltig aufgespalten werden kann:

Nara + Yana = man + vehicle. Etwas, das den Menschen faktisch und physisch trägt und vorwärtsbewegt. Durch das Universum. Oder zu Wasser, Luft und Erde. So verstehe ich das.

Nar + Ayana  = man + residence. Also so etwas wie das Gegenteil vom Vorherigen. Etwas was den Menschen an Ort und Stelle sichert und beschützt. Dasselbe kann aber auch bedeuten: water + residence. Der im Wasser wohnt.

Nara + ayana = water + body. Die niemals versiegende Wasserquelle, der Ursprung allen Seins. Oder auch die Summe allen Seins. Höchstes Bewusstsein. 

Zu dieser rhetorisch hübschen Abhandlung, die ich hier in meiner Interpretation literarisch verkürzt wiedergebe, gibt es einen niederschmetternden Kommentar: "Narayan is a creation of mythology, he never existed in the real world." Narayan als Ausgeburt der reinen Phantasie. Nun gut. Aber das sind doch alle anderen (Götter) auch? Wer oder was existiert denn wirklich in der realen Welt? Höchstens die Beilage, das Epitheton im Wörterbuch, oder der Nachtisch.

Samstag, Februar 07, 2026

Wasserspeier

Der damals parteilose Senkrechtstarter Balendra Shah sagte nach seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Kathmandu  in einem podcast (ich zitiere den Wortlaut in englisch aus der Annapurna Press):  "In a city with thousands of stone spouts, ancient canals, rivers and ponds - we still want desperately [water] for [from] Melamchi. How foolish of us." Ergänzung bzw Korrektur in Klammern von mir, ebenso die deutsch Version. "In einer Stadt mit tausenden Steinquellen, alten Kanälen, Flüssen und Teichen wollen wir verzweifelt Wasser von Melamchi. Wie dumm von uns."

Tatsächlich hat er in seiner kürzlich vorzeitig freiwillig beendeten Amtszeit viele alte Brunnen wieder zugänglich machen lassen und dafür gesorgt, dass sie auch regelmäßig vor dem Monsun geschrubbt und von Pflanzenbewuchs befreit werden. Trotzdem sichert derzeit das Melamchi-Wasserversorgungsprojekt die Trinkwasserversorgung des Valley inclusive der Metropolitan city mit etwa 170 Millionen Litern Trinkwasser pro Tag. An dieser Wasserversorgung wurde Jahrzehnte geschraubt, von 1998 bis 2021, es gab Verzögerungen natürlicher (Erdbeben 2015), politischer (Ende der Shah-Dynastie 2008, Umwandlung in eine föderale, demokratische, parlamentarische Republik), gesellschaftlicher (Bürgerkrieg 1996-2006) und anderer wie Vertragsbrüche, Vertragsbeendigungen, Pleiten, Korruption und dergleichen mehr. This is Nepal.

Freitag, Februar 06, 2026

Eine Oase

Auch an meiner Golfutar, am unteren Ende, steht nun so ein Wartehäuschen, Falcha, Pati oder eben hier My Haven - Bansbari. Bansbari ist der Stadtteil südlich von Hattigauda. Von Sand und Lärm umgeben eine Oase der Ruhe im Abendlicht. Wirkt riesig und massiv. Bietet viel Platz zum Plaudern und echten Schutz vor Starkregen oder glühender Mittagssonne. 
Die Bänke sind schon verschraubt, die Ziegelberge und Sandhaufen werden sicherlich noch abgetragen und der Boden stolperfest planiert. In die noch offenen Gräben rund herum könnte eine Trinkwasserleitung verlegt werden. Eine Stadt im Werden und was ist eine Oase ohne Wasser?