Die neue Regierung beschließt ein zwei-Tage-Wochenende. Um der Energiekrise entgegen zu treten. Gilt aber erst ab morgen. Das heißt: heute wird in allen Behördenzimmern wie immer sonntags emsig gearbeitet und die Kinder gehen zur Schule. Seit aber die neue Regierung im Amt ist, also seit einer guten Woche, bleibt das schiefe Parking hinter der Budhanilkantha Municipality weitestgehend leer. Alle public holidays haben wir hinter uns. Nur das blaue Moped (des Pförtners? der Pförtnerin?) steht jeden Tag an seinem Platz. Entweder sind die anderen Mitarbeitenden und Mopedfahrenden entlassen worden. Oder sie dürfen hier nicht mehr parken. Oder sie werden im Zuge der Benzinknappheit mit E-Bus zu Hause aufgegabelt und gesammelt zur Arbeit gefahren. Nichts davon scheint mir plausibel.
Auf einem anderen Hügel, बिजयपुर - Bijayapur Hill im Nordosten von Dharan, wächst Bambus ohne Spitzen. Am westlichen Ufer des Sewti Khola, der bei unserem Besuch vorgestern vollkommen ausgetrocknet und versandet war, ungefähr von der Höhe des दन्तकाली मन्दिर - Dantakali Mandir nach Norden bis zum बुढासुब्बा मन्दिर - Budhasubba Mandir. Bijayapur war einst die Hauptstadt des Kirat-Königreichs. Die Kirati gelten als Ureinwohner Nepals. Oder des östlichen Himalaya. Sie sind eine indigene tibetobirmanische Volksgruppe, zu ihnen gehören die Gemeinschaften der Rai, Limbu, Yakkha und Sunuwar. Der Hügel heute und die Stadt damals sind benannt nach dem Kirat-König Bijayanarayan. Also der Narayan von Bijaya. Narayan ist eigentlich, wie wir wissen, ein Epitheton für Lord Vishnu. Also ein Name für einen Gottgleichen per se. Als Prithvi Narayan Shah (auch ein Narayan, auch den kennen wir bereits) das Reich einte, mussten natürlich alle lokalen Herrscher der kleinen Königreiche eliminiert werden. In einer Quelle lese ich, dass Prithvis Schlächter den letzten Limbu König Buddhikam Khebang von Morang "diplomatically" in der Kirat Hauptstadt Bijayapur töteten. Eine andere Quelle beschreibt die List (Versprechen auf Verhandlungen), mit der der König in die Hauptstadt gelockt und dort ermordet wurde. Man sagt, dass seine Seele seither in Bijayapur unterwegs ist. Aber die Limbu people fürchten den Geist nicht, sie sagen, er sei freundlich, friedlich und hilfsbereit. Sie verehren ihren alten König, in ihrer Sprache bedeutet Subba König. Die Tempelanlage Budha Subba ist um sein Grab herum entstanden. Und dort wächst der Bambus ohne Spitzen.
Der geht aber auf eine Legende zurück. Budhasubba (nicht der alte König, sondern eine fiktive jugendliche Figur gleichen Namens) und seine Schwester Subbini (dito) machten sich einen Spaß daraus, mit Steinschleudern auf Krähen zu schießen. Eines Tages traf Budhasubba statt der Krähe die Spitze einer Bambuspflanze. Die brach ab und seither bildet keine Bambuspflanze in der Gegend mehr Spitzen. Und die Krähen sind wunderbarerweise für immer verschwunden. Also verbuddelte Budhasubba reumütig seine Steinschleuder und meditierte bis ans Ende seiner Tage an der Stelle, an der heute (s)ein - oder des alten Königs Buddhikam Khebangs - Tempel steht. Auch die Schwester hat ihren Tempel bekommen, obwohl sie ganz ohne Schuld ist. Tempel sind für alle(s) gut.



