Donnerstag, August 20, 2026

लक्की साईकल मर्मत सेन्टर

Vorgestern am Glücklichen Fahrradladen vorbeigelaufen. Zufällig, auf der Suche nach etwas ganz anderem. Das Firmenschild geknipst, damit ich es nicht vergesse. Zu Hause entziffert: 

लक्की साईकल मर्मत सेन्टर - lakki saikal marmata centar. Zu Deutsch Lucky Cycle Repair Center. Oder Lucky Cycle Shop. 


Gestern abend 2 Fahrräder gekauft. Über Nacht wurde alles Notwenige montiert (Klingel, Bremsen, Trinkwasser-Flaschenhalter usw). Heute früh angeliefert. Per Motorbike. Der Shopkeeper fuhr, sein Monteur saß hinten und hielt ein Zweirad quer vor der Brust. Zuerst kam das Rote, dann das Blaue.  


Dienstag, August 18, 2026

Durgalal Shrestha

दुर्गालाल श्रेष्ठ - Durgalal Shrestha, der bekannteste Newari Dichter, einer der wenigen, der seine Poems, Lieder und Gedichte in Nepal Bhasa schrieb und quer durchs Land dank (eigenen oder fremden) Übersetzungen in die "Hochsprache" der Nepali bekannt wurde, starb vorgestern im Alter von 91 Jahren. Ein gutes Alter! Er starb zu Hause, in Kathmandu, in Budhanilkantha. Dort, wo wir bis vor einem knappen Monat gelebt haben. Ein guter Ort. 

Ich wusste nicht, oder habe es unterwegs wieder vergessen, dass Durgalal Shrestha den Text zum Hit unserer buddhistischen Nonne Ani Choying Drolma "फुलको आँखामा" (fulko ankhama) geschrieben hat. Ein Song, den ich aus Pranais Freitagsstunden kenne. Der Song, der mir den ersten tüchtigen Schlag versetzt hatte, weil ich das Wort "phoolko" im Titel des Songs auf dem Zettel, den Pranai verteilte, nicht als "ful" und schon gar nicht als फुल wie Blume erkannte. Diesem Song verdanke ich es - oder Durgalal Shrestha Sir - , dass ich um alles in der Welt die Devanagari-Schrift lernen wollte. Und nun mehr schlecht als recht beherrsche.

Seine Handschrift, übrigens, ist ein Kunstwerk für sich und wurde digitalisiert. Alle seine Bücher wurden im Herbst 2025 noch einmal mit der offziellen Durgalal Shrestha Drucktype veröffentlich. Der Font soll inzwischen auch allgemein zugänglich sein. Damals, gefragt, wie sich das anfühlt, die eigene Handschrrift als Drucktype zu sehen, antwortete er (sinngemäß übersetzt), mein Körper wird irgendwann nicht mehr da sein, aber meine Handschrift wird weiterleben.    

Heute wurde der Dichter der Herzen, oder des Volkes ("people's poet") von seinen Anhängern, Kollegen, Newaris, Buddhisten und der politischen Hauptstadt-Prominenz im Bijeshwari-Tempel verabschiedet und anschließend zur Kremation nach Karnadeep am Bishnumati River begleitet.

Montag, August 17, 2026

Nag Panchami

Es kommt wieder alles auf einmal. Der erste des Monats, der 1. भाद्र - Bhadra sowie der 17. August. Für uns der Dreiundzwanzigste 17. in diesem Land. Für die Hindus und Buddhisten der fünfte Tag (= पंचमी oder पञ्चमी  - panchami) der Shukla Paksha, der hellen, zunehmenden Mondphase. Sie feiern  नाग पंचमी - Nag Panchami. Das Schlangenfest. Sie verehren die Nagas, die Schlangengötter, nageln Schlangenbilder über die Haustüren und bitten um Schutz vor Schlangenbissen. Sowie um Segen, eine reiche Ernte, viel Regen. In der Nacht hat es heftig geregnet und der Morgen dümpelt und dampft vor sich hin. Eigentlich gehört Nag Panchami in den Monat Shrawan, aber in diesem Jahr ist alles etwas verschoben und wir sind bereits im Bhadra, dem fünften Monat des Jahres angekommen. Man soll heute auf keinen Fall in der Erde buddeln - um keine der Schlangen im Untergrund unnötig aufzustören. Das zöge Unglück nach sich und brächte im schlimmsten Fall das ganze Ökosystem durcheinander. Also lass ich es. Ich sollte nämlich das winzige Rasenquadrat in unserem Garten "trimmen" (nicht so, wie das in Dithmarschen geschieht), dazu habe ich mir zum Dreiundzwanzigsten 17. eine handliche Rasenschere geschenkt, mit schön polierten Holzgriffen.

Sonntag, August 16, 2026

Der letzte Tag des Monats

Sonntag. Der 31. Shrawan, der letzte Tag des Monats. Nach zwei vergeblichen Versuchen (beim ersten war die Werkstatt offen, aber ich hatte die Schuhe nicht dabei, beim zweiten hatte ich die Schuhe dabei und die Werkstatt war offen, aber der Schuhmacher, denn ein solcher ist er, beim Essen, wie mir die Nachbarshutterfrau zweifelsfrei durch entsprechene Gestik zu verstehen gab) treffe ich heute den Schuhmacher beim Arbeiten an. Er legt den Schuh, an dem er arbeitet, zur Seite und repariert mir auf der Stelle die ausgeleierten, zum Teil gerissenen Elastikbänder an insgesamt 4 Schuhen. Für die Orangefarbenen fädelt er eine Orangefarbene Fadenspule in seine Schuhmachernähmaschine. Ich warte, sitze auf einem Hocker und denke die ganze Zeit an meine emeritierte Menznauer Schuhmacherin mit ihrer Aversion gegen Näharbeiten, die sie ihr ganzes aktives Berufsleben begleitet hatte.

Der Schuhmacher gibt mir jeden Schuh einzeln zum Anprobieren, ob er fest genug sitzt, an einem trennt er die Nähte klaglos wieder auf und arbeitet nach. Schließlich laufe ich überglücklich in den uralten grünen Vabenes durch die street no 11 und nehme die Abkürzung am Kanal entlang nach Hause. Gekostet hat die ganze Sache so viel wie kürzlich das perfekte Gasherdkreuz. Oder eine Portion scharfe Chicken Chowmein. 

Samstag, August 15, 2026

Biruwa Guthi

बिरुवा - Biruwa ist die Pflanze, das wissen wir schon. Ein Setzling oder junger Baum aus der Baumschule. Aus dem Obstgarten neben unserem Haus. Wir können von der Dach Terrasse aus zugucken, wie und die Bananenpflanzen entgegenwachsen. Die Blätter entfalten sich in einem beeindruckenden Tempo. Das Biruwa Cottage ist ein Öko Restaurant bei uns um die Ecke. Mit eigenem Anbau von Gemüse.  

बिरुवा गुठी - Biruwa Guthi ist ein Dorf. Eine Dorfgemeinschaft. Ein einstiges VDC - village development committee im Parsa District. Ziemlich weit weg von unserem Bioobstgarten und Biorestaurant.  Bei der Verwaltungsreform 2017 wurden die Guthis aufgelöst, weil das althergebrachte, indigene soziale, wirtschaftliche und kulturelle Selbstverwaltungssysteme waren. Auf die der Staat keinen Zugriff hatte. Die Dörfer wurden zu Rural Municipalitys zusammengeschlossen und umbenannt.

गुठी - guthi leitet sich von Sanskrit गोष्ठी - gosthi für Versammlung, Vereinigung, Gesellschaft ab. Dem nepalesischen Staat ist es nicht gelungen, die autonomen Guthis 2019 ganz abzuschaffen. Es kam zu massiven Protesten der Newari im Valley und darüber hinaus. Worauf die Politiker einknickten und den Gesetzesentwurf mit dem schönen Namen "Guthi Bill" zurückzogen. 

Die Mitgliedschaft in den Guthis war und ist erblich, an die Familie, die Sippe, den Clan gebunden. Die Guthis tun viel Gutes innerhalb ihrer Gemeinschaft. Sie sorgen für den Erhalt der Tempel, die Sauberkeit der Brunnen sowie die Einhaltung der traditionellen Regeln bei religiösen Festen und Umzügen. Stirbt ein Mitglied, finanziert und organisiert die Gemeinschaft die अन्त्येष्टि - Antyesti, die letzten Riten der Trauerzeremonien bis zur Einäscherung. अन्त्येष्टि dient den Toten, nicht den Hinterbeliebenen. अन्त्येष्टि hilft den Seele, sich von irdischer Schwere zu befreien.

Freitag, August 14, 2026

Mitbewohner

Drei Wochen Pokhara. Ich huste schon lange nicht mehr. Wir wohnen mitten in Reisfeldern. Mitten in Neubauten. Die Häuser werden täglich etwas höher. In Zukunft werden sie sicher auch mehr und die Felder weniger. Noch herrscht die Natur vor.  

Wir haben viele Mitbewohner im Haus und rund um das Haus herum. Kleinzeug vetreibe ich mit rabiaten Mitteln. In der Küche verfolge ich Cockroaches erbarmungslos. Wenn sie sich nicht freiwillig ergeben - und das tun sie nie, warum sollten sie? - erschlage ich sie mit einer leeren Wasserflasche. Für irgendetwas muss das viele Plastik gut sein, das wir hier anhäufen.  

Schuhschränke stehen traditionsgemäß vor den Hauseingängen. Sie sind riesig. An ihren Dimensionen erkenne ich, wie viele Menschen welchen Alters in welchem Haus leben. Schuhe lässt man immer draußen stehen.  

In unserem Schuhschrank vor der Haustür wohnt eine Maus. Er ist noch relativ leer, weil ich mich scheue, meine Sonntagsschuhe (zum Beispiel) draußen aufzubewahren. Die Erfahrung auf dem Hill hat mich gelehrt, dass nicht alle Schuhe das wirklich schätzen. Außerdem ist die Hälfte des Schuhschranks voll mit altem Zeug der landlords, einem kaputten Motorradhelm, ausgetrochneter brauner Schuhwichse, Boden-, Wand- oder Badfliesen, rostigen Werkzeugen, bröselnden Blumendüngerpackungen usw. Ausgerechnet in diesem gastlichen Teil hat es sich eine Maus bequem gemacht. Sie guckt mich mit ihren Knopfaugen erschrocken an, wenn ich die Schiebetür zur Seite schiebe. Und verzieht sich in eine Ecke. Solange sie allein ist, mag sie bleiben, denke ich. 

Donnerstag, August 13, 2026

Ehrgeiz

Ehrgeiz ist nicht nur sprachlich eine Art von Geiz. Im Sinne von Gier. Das Wort setzt sich aus den althochdeutschen Begriffen für Ehre (êre) und Habgier, Gier oder Geiz (gite) zusammen und bedeutete ursprünglich eine unersättliche Sucht nach Ehre und Anerkennung.

Ich habe "Beyond possible" längst ausgelesen. Ich wusste von Anfang an, dass mir dieser ältere Bruder Nims nicht sympathisch ist. Ich bin biografisch vorbelastet durch meinen echten älteren Bruder. Ich habe nie verstanden, wie man sich für das Militär, den Krieg, den sinnlosen Drill und absoluten Gehorsam bis hin zur Selbstverleugnung begeistern kann. Wie man freiwillig sein ganzes Leben in eine Militärkarriere investiert. Mein wahrer Bruder hat den Ernstfall nie erlebt, für ihn war es immer nur ein Spiel auf dem Trockenen. Aber trotzdem so todernst, dass es für mich nur lächerlich wirkte! Nimsdai hingegen war ein britischer Elitesoldat und erzählt in "Beyond possible" voller Stolz, wie er das als erster Nepali überhaupt geschafft hat. Mich interessiert das nicht. Und statt seiner Frau die Schmerzen, die er während der Ausbildung leiden musste, zu verschweigen (wie er schreibt), hätte er ihr vielleicht besser davon erzählt. Aber das ist seine Privatsache und nun zu spät. Nicht seine Privatsache ist, dass er das Bergsteigen in extremen Höhen, das Funktionieren in der sogenannten Todeszone (über 8000 müM) ständig mit Krieg vergleicht, mit Angriffen, Schlachten, bombensicheren Plänen usw. Sein Vokabular ist widerlich! Er funktioniert dort oben wie der oberste Befehlshaber - der er naturgemäß nicht ist, niemals sein kann. Aber was bleibt seinen Trägern und Helfern, den Sherpas, sowie den zahlenden Kunden anderes übrig, als zu gehorchen?

Krieg zu führen ist für mich keine akzeptable Lebenshaltung, denn es bedeutet immer das Gegenteil von Leben. Nämlich Tod, und Tod nicht unbedingt des Schwächeren, Tod nicht als Gerechtigkeit. Nun hat Nimsdai der Ehrgeiz das Leben gekostet. Leider nicht nur seines, sondern auch das von 9 weiteren Bergsteigern.

Die Lawine (avalanche) taucht in dem Buch von der ersten bis zur letzten Seite ständig auf. Als Nimsdai es niederschrieb (2020) war er ein Neuling, ein Grünschnabel in Sachen Prominenz und Ehrsucht. Hätte er auf sich selbst gehört, auf seine innere Stimme, die ihm das Wort "avalanche" immer wieder in die Hand diktierte und auf den Bildschirm legte, wäre vielleicht alles anders gekommen. Vielleicht auch nicht. Denn die Lawine war sein Schatten, sein zweites Selbst. Sie begleitete ihn überallhin. In Pakistan hatte er im Juli 2019 am Nanga Parbat wahrscheinlich begründet Sorge vor einem Racheakt der Taliban. Aufgrund seiner Vergangenheit als Kämpfer der UK Special Forces. Dort fällt - in der Erinnerung im Buch - der Satz "I've rather have died in an avalanche than in an execution". Dieser Wunsch zumindest ist ihm in Erfüllung gegangen. Die Lawine vor zwei Wochen kam vom Broad Peak. In Pakistan. 

Wenn ich den Berichten glauben darf, war es eine doppelte Lawine. Sie führte die Schneelast von zwei Flanken ab, und vereinigte sie genau dort, wo zehn Leute unvernünftigerweise hochkletterten. Es hatte seit Tagen heftig geschneit und alle anderen Expeditionen waren abgestiegen und nach Hause geflogen. Es gilt als ungeschriebenes Gesetz in diesen Höhenlagen, dass nach anhaltendem Schneefall erst mal abgewartet werden soll. Bis der Neuschnee sich setzt. Oder die steilen Hänge herunter gekommen ist.