Samstag, August 01, 2026

Der erste August

Die einen feiern, die andern nicht.

Nepal hat auf einen Schlag seine besten und international anerkanntesten Hochgebirgs-Bergsteiger-Experten verloren. Eine junge, leidenschaftliche, erfolgreiche Riege - die so schnell nicht zu ersetzen sei, sagt einer, der es wissen muss. Mit aller gebührenden Betroffenheit. "An international-standard mountain guide cannot be produced overnight", so der Direktor von Seven Summit Treks, "It takes years of training, repeated expeditions and practical experience." Seine Firma rekrutiert die Jungs aus entlegenen Himalayadörfern, trainiert sie über mehrere Saisons, bis sie "world-class professionals" werden. "Loosing climbers of this calibre is a devastating blow, not only for Nepal but also for the global mountaineering community." 

Am Donnerstag Vormittag verschüttete eine Lawine am Broad Peak in Pakistan die zehnköpfige Expedition unter der Leitung von Nirmal Purja alias Nimsdai. GPS-Daten zeigen, dass die Gruppe bis zu 800 Meter in die Tiefe gerissen wurde. Keine und keiner hatte eine Überlebenschance. Weder der prominente Nimsdai, noch seine ebenso prominenten Sherpas: Pur Bahadur Gurung alias Yukta, Kili Pemba Sherpa alias Kilu, Nima Rinji Sherpa (der Jüngste, erst 20 Jahre alt und bereits mit Eintrag im Guiness Buch der Rekorde; als 18-Jähriger erklomm er alle 14 Achttausender der Welt, als Jüngster eben), Nawang Tendu Sherpa (der erste Beinamputierte auf dem Everest) und Gyaljen Sherpa alias Gyalu. Weder die arbeitende Klasse, Lasten tragende Sherpas. Noch ihre ambitionierten Kunden. Die Omanerin Nadhira Al Harthy (sie war 2019 die erste Frau ihres Landes auf dem Everest). Der Pakistani Sohail Sakhi. Der Chinese Wang Zhong. Noch Mallory Geis aus den USA.

Die Bergung dauert an. Das Gelände ist schwierig, das Wetter unsicher, die Gefahr weiterer Schneeabgänge nicht gebannt. 

Mögen sie ruhen in Frieden. Dort, wo sie angekommen sind. 

Nimsdai übrigens hat der Welt das erste legendäre Foto vom Stau am Everest beschert - sowie die Diskussion darüber, wie mit den Massen am Berg umzugehen ist.

Sonntag, Juli 26, 2026

Der erste Blick auf die Berge

Es regnet die halbe Zeit. Die andere halbe Zeit regnet es nicht. Ich schlafe unruhig. Es ist heiß, auch nachts. Die Luft ist klar, die Aussicht prächtig.

Ich sehe zum ersten Mal schneebedeckte Gipfel. Berge. Das Annapurnamassiv. Wenn auch versteckt in den Quellwolken, aber mit ein bißchem gutem Willen gut zu erkennen. Ebenso die Reisfelder zu unseren Füßen.

Samstag, Juli 25, 2026

Ankunft in Pokhara

Wir sind angekommen. Mit einem halben Tag Verspätung, aber ohne Scherben. Wir freuen uns, dass die Umzugsmänner gute Arbeit geleistet haben und legen den Mantel des Schweigens über einen Typen von InDrive, der uns einfach sitzen ließ. 

Der bis zum letzten Millimeter unter der signalorangefarbenen Plane vollbeladene Minitruck verließ pünktlich um 08:30 Uhr unsere Hauseinfahrt, die gated community, den Hill, die Golfutar Richtung Ring Road und die capital city nach Westen, nach Pokhara. Das Auto aber, eine first-class-Limousine mit ausreichend Stauraum für unser Handgepäck, erschien nicht. Der Fahrer, der uns noch am Abend zuvor vollmundig versichert hatte, sure, don't worry, we will be on time (wobei uns, im Nachhinein betrachtet, der Plural etwas irritiert hatte) kam nicht nur nicht pünktlich um die Ecke gebogen, er ging auch nicht ans Telefon, las keine Nachrichten, hatte sein Smartphone ausgeschaltet oder weggeschmissen. Schlief oder war tot. Wer weiß. Wir mussten einen anderen Wagen besorgen, was etwas Zeit in Anspruch nahm, saßen auf den Sofas im Empfangsraum, in dem wir nie jemanden empfangen hatten, sahen dem Himmel über dem Hill zu, wie er sich eintrübte, und warteten. 

Wir fuhren mit gut zweieinhalb Stunden Verspätung los, verbrachten die gute erste Stunde im Stau durch Kathmandu, dann auf Rüttelstrecken im Schritttempo durch ein enges Tal. Die Straße wurde etwa ab der Hälfte erheblich besser und breiter. Sonst ist es eher umgekehrt, werden die Wege schlechter, je weiter man sich von der Metropole wegbewegt. Hier ist alles anders. Wir erreichten viel zu spät, aber wunderbarerweise zeitgleich mit der wetterfesten signalorangen Plane über unserem Hausrat den östlichen Stadtrand von Pokhara. W. sprang aus unserer Limousine, wedelte mit den Armen und wir fuhren brav hintereinander her zur Dhungesaghu Marg. Das Ausladen ging flott und kurz nach Sonnenuntergang saßen wir bereits bei unserem neuen Lieblings Mo:Mo Mann. Beim Dragon, das ist hier der Supermarkt, hatten wir zwei Dosen Bier aus dem Kühlschrank geholt. Der Mo:Mo-Koch verkauft keinen Alkohol, hat aber nichts dagegen, dass wir Mitgebrachtes trinken. Ganz neue Welt!


Freitag, Juli 24, 2026

Abschied von Kathmandu

Mein Abschied von Kathmandu. Der Umzugswagen wird seit 7 Uhr beladen. Unser InDrive Auto kommt um 8:30 Uhr. Es regnet nicht und wenn wir Glück haben, kommen wir vor der Morgen-rush-hour aus der Stadt. Mit noch mehr Glück sind die Straßen unterwegs frei. Alle warnen natürlich seit Tagen und empfehlen die Luftreise. Wie sollen wir das mit 20 Umzugskisten bewerkstelligen? Monsoon, landslide ...  

Diesen Ganesh habe ich vor langer Zeit auf einem meiner Spaziergänge gefunden, an einer sehr steilen und sehr engen Straßenkehre. Der Tempel hängt halb in der Luft, etwas schief und halsbrecherisch, auch die Bank für die Gläubigen. Zum Fürchten! Aber standhaft rot in der tiefstehenden Abendsonne. 

श्री गणेश मन्दिर 
टोखा नं. पा. वडा नं. ६ धापासी
स्थापित २०५७ १० ३ गते

Shri Ganesh Mandir  
Tokha Ward nr 6 Dhapasi
established 2057 10 3 gate -  das war am 16. Januar 2001 AD.

Ade!

Donnerstag, Juli 23, 2026

abbaden

Ich bin gepackt - bis auf die Küche. Wir warten auf die Umzugsmänner. Alles Zerbrechliche wollen sie selber in Luftpolster einwickeln. Viel ist es nicht, und mir ist alles recht, was meine Hände schont. Ich springe noch einmal in den community-eigenen Pool, solange ich Teil der dieser community bin. Ich schwimme meine 54 Längen. Das ist die Hälfte von 108 - lucky number bei den Buddhisten. So früh am Nachmittag kreischen keine Kinder und überhaupt ist das Wetter zu unbeständig für Familienbadespass. Abbaden hieß das an der Nordsee, aber mitten im Sommer kaum vorstellbar. Den Nachrichten entnehme ich, dass auch das Wasser in der Dithmarscher Bucht unter der Hitze leidet. Für die Zimperlichen wahrscheinlich wieder von Algen besetzt. Mein Pool ist immer clean. Ich werde ihn nicht wirklich vermissen, denn पोखरा - Pokhara ist, wie wir bereits wissen, die Stadt der Seen. Ich werde mir dort eine outdoor Bademöglichkeit suchen und bald wieder anbaden!

Dienstag, Juli 21, 2026

Seilringe

Nicht ohne mein Trampolin! Zur Feier des Tages bespanne ich das Trampolin mit neuen Seilringen und überlasse die ausgeleierten verstaubten dem Müll. Das Leuchten habe ich noch aus Dithmarschen mitgebracht und sorgsam gehütet, bis die Zeit dafür reifist. Grün, gelb, blau. Frische Farben, eine stramme Sprungmatte. Ein neues Schwinggefühl! In Pokhara werde ich endlich meinen Trainingsplan mit P. zu Ende machen. Es war mir am Nachmittag immer viel zu heiß unter dem Dach und in der kühlen Früh beschränke ich mich auf meine zwölfeinhalb Minuten Aufwachroutine.