Dienstag, März 03, 2026

होली पुन्ही

होली पुन्ही - Holi Punhi. Holi Zwo. Falgu Purnima, Falgun Vollmond. Andernorts worm moon - Wurmmond oder Krähenmond, Saftmond, Lenzmond genant. Der Vollmond im März bedeutet das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings auf der ganzen Nordhalbkugel. Also auch in Nepal. Und totale Mondfinsternis dort, wo sie zu sehen ist. Bei uns nicht. Bei uns wird nach wie vor mit Farben gesprüht. होली पुन्ही - Holi Punhi. Eigentlich Feiertag nur im Terai. Aber natürlich arbeitet keiner zwischen den Feiertagen. Zwichen gestern, vorgestern und morgen oder übermorgen, dem Wochenende und was danach auch immer kommen mag. Kaum ein Bike auf dem Parkplatz. Ausnahmezustand. Der Staatspräsident wünscht sich und seinen Landsleuten, dass Holi Inspiration sein möge, die nationale Kultur zu fördern und böse Bräuche in der Gesellschaft auszurotten. Nepal first - verkündete schon kürzlich der pretender in seiner Videobotschaft. 

Seit Mitternacht gilt Wahlruhe - 72 Stunden vor Öffnung der Wahllokale ist der Wahlkampf vorbei, die Parteien müssen ihr Propagandamaterial aus dem öffentlichen Raum entfernt haben. Holi hat den Kandidaten auf der letzten Strecke tüchtig eingeheizt, sie mussten ihre Abschlussbotschaften rechtzeitig platzieren, wo auch immer. 

Montag, März 02, 2026

होली चिरदह

Feiertag. Gestern schon war das schiefe Parking höchstens halb besetzt und auch das nur den halben Tag. Heute होली चिरदह - Holi Chirdaha und gar kein Bike. Das Festival der Farben, des Feuers, des Frühlings. Der erste bzw. letzte oder vorletzte Tag eines wie immer mehrtägigen Festivals.  चिर - Chir, die massive Bambusstange mit den bunten Stoffteilen, die an Falgun Shukla Astami, also am 8. Tag des zunehmenden Mondes, am Basantapur Durbar Square in Kathmandu feierlich aufgerichtet wurde, wird heute, am Tag vor Vollmond, wieder abgebaut. Wer kann, nimmt einen bunten Fetzen nach Hause und bewahrt ihn gut auf. Der soll Glück bringen. Feiertag in Kathmandu, in der hilly region und im inner Madhes.

Weil die Wahlen vor der Tür stehen, gelten gesonderte Sicherheitsbestimmungen. Zwar darf man lachen und fröhlich sein und sich gegenseitig mit Farben bekleckern - aber bitte mit Maß. Größere Ansammlungen im Regierungsviertel und an anderen neuralgischen Punkten der Stadt sowie Wahlkampfauftritte im ganzen Lande sind während dem hinduistischen Fest Holi verboten.

So weit ist es gekommen mit regierenden Maoisten, vereinten oder nicht vereinten Kommunisten, Marxisten, Leninisten: sie alle beugen sich dem religiösen Kalender und den Traditionen des einstigen einzigen und jahrhundertealten Himalaya-Hindu-Königreichs. 

Sonntag, März 01, 2026

Bari 1943

Kürzlich las ich einen Artikel über die Entdeckung der Chemotherapie. Kürzlich ist relativ und in Wirklichkeit schon länger her, und eigentlich war es ein Artikel über Kriegsführung, wie er aktueller nicht sein könnte. Über Lügen, List, Vertuschung, Arroganz, Taktik, Dummheit und dergleichen mehr. Über Zufälle, die leidige Verkettung unglückseligster Umstände. Und über billigend in Kauf genommene - wie es neudeutsch so schön heißt: Kollateralschäden.

Im Dezember 1943 bombardierte die deutsche Luftwaffe den Hafen von Bari. Da war der Krieg, wie ich lese, für das Dritte Reich bereits entschieden - nämlich: verloren. Niemand (also: die Alliierten) erwartete von den Deutschen noch einen Angriff - und schon gar nicht in einem Nest in Süditalien, weit ab von der Front. Ein deutscher Aufklärer hatte aber Anfang Dezember dort eine ungewöhnlich große Konzentration von Schiffen in dem kleinen Hafen entdeckt. Das Hafenbecken war "mit 30 Versorgungsschiffen vollgestopft" und ein deutscher Luftflottenkommandeur nutzte die Gunst der Stunde. Sein Überraschungsangriff setzte eines Abends um 19:30 Uhr ein und war nach 15 Minuten beendet. Der Hafen war taghell erleuchtet gewesen, die Piloten konnten ihn aus 100 Kilometer Entfernung ausmachen, da Briten und Amerikaner wie Idioten ihre Kriegsindustrie rund um die Uhr laufen ließen. 17 Schiffe wurden versenkt, 8 beschädigt, über 1000 Soldaten und ungezählte Bewohner der Straßen und Häuser rund um den Hafen getötet. Die Explosionen der Munitionsschiffe sowie einer getroffenen Pipeline verstärkten das Inferno. 

In der Nacht erreichte die Feuersäule die "John Harvey". Das Schiff ging mitsamt seiner Fracht - 100 Tonnen Chemiewaffen, u.a. flüssiger Schwefelsenf sowie 2000 Senfgasbomben - in Flammen auf. Die Matrosen, die ins Wasser gefallen waren, wurden von einer öligen Mischung bedeckt, in der sich der Schwefelsenf festsetzte. Natürlich wusste niemand in Bari von der giftigen Fracht und die, die es wussten, schwiegen tunlichst. Die aus dem Hafenwasser Geborgenen wurden falsch oder gar nicht behandelt, sie bekamen Morphium gegen den Schock. Als sie Symptome einer Gasvergiftung zeigten, wurde behauptet, die Deutschen hätten Gas abgeworfen. Als ein Experte für chemische Kriegsführung in Bari eintraf, erkannte er, dass die Verletzten Senfgas ausgesetzt waren. Aber erst als Taucher Reste der Senfgasbomben vom Grund des Hafenbeckens holten, war klar, woher das Gift stammte: aus der eigenen Küche, nämlich aus dem Frachtraum der "John Harvey". Was nicht heißt, dass die Wahrheit ans Licht kam. Nein, sie wurde fröhlich weiter vertuscht und zwar von oberster Stelle. Eisenhower und Churchill wollten Hitler keine Steilvorlage für einen Giftgaskrieg bieten. Die Krankenberichte mussten frisiert, das Senfgas eliminiert und durch "Verbrennungen durch feindliche Einwirkung" ersetzt werden. Die 600 Überlebende blieben mit ihren Langzeitqualen allein und der Bericht des Experten wurde als geheim "weggesperrt". Aber irgendein schlauer Kopf (Krebsspezialist) konnte vorher einen Blick darauf werfen und nutzte die Gunst der Stunde: er erkannte, dass Senfgas ein "Killer" war: es hatte weiße Blutkörperchen abgetötet. Der schlaue Kopf schloss daraus, dass die Killersubstanz auch als Heilmittel eingesetzt werden könnte. Bei der Behandlung von Krebs. Die Idee der Chemotherapie war geboren.

Samstag, Februar 28, 2026

द्वादशी

Samstag. Ruhetag in Nepal. Der 16. Falgun, द्वादशी (Dwadashi) der shukla paksha. Wer gestern gefastet hat, kann heute wieder essen. Alle andern auch. Es ist der 12. Tag des zunehmenden Mondes. Ein schlechter Tag für die ganze Welt, das triple Feuerpferd, gerade mal 10 Tage alt, ist aus dem Stall ausgebrochen. 

Freitag, Februar 27, 2026

8848

Die Luft ist dick. Im wahrsten wie im unwahrsten Sinn. Wir husten beide und von der Stadt ist nichts zu sehen. Von der Sonne auch nichts. Nur dicker Smog. Unten und oben. Ich besorge auf Vorrat Katzenfutter (diesmal chicken, den fish aus der letzten Packung fraßen sie mittelmäßig begeistert und nur, wenn sie bei den Nachbarinnen nichts besseren bekamen), ein Karat Eier,  2 kg kar.ma coffee (1 x dark roast, beans und 1 x medium roast, für french press gemahlen), Hustensaft und Allegra. Mo:mos liegen noch reichlich auf Eis. Auf dem Heimweg vom Dragon überqueren wir die Golfutar, steigen über aufgetürmte Pflastersteine und offene Kabelschächte, kaufen eine Flasche 8848. Die Alkoholshutters sind alle wie immer offen. Das Alkoholausschank- und verkaufsverbot sollte bereits in Kraft getreten sein. In unserem Lieblingsshop sitzt um diese Tageszeit immer ein Polizist oder eine Polizistin. Ich habe jeweils den Eindruck, die ruhen sich da in der Ecke aus vom Regeln des Feierabendverkehrs. Diesmal ist es ein Mann, mit Schlagstock. An der Straße stehen sie zu mehreren. Alle mit ebensolchen Stöcken. Auch das hatte der deutsche Botschafter fürsorglich angekündigt: mehr Polizeipräsenz! Mehr Militärpatrouillen. Mehr Ausweiskontrollen. Aber uns sieht man von weitem an, dass wir nicht dazu gehören, keinen Aufstand planen und sicherlich keine Wahlurnen klauen wollen. Von uns geht keinerlei Gefahr aus. Im Gegenteil. Wir unterstützen die Nachbarn. Niemand hindert uns daran, unseren hochprozentigen Einkauf über die überfüllte Golfutar nach Hause zu balancieren. Die Luft ist am Abend noch dicker als am Morgen. Im übertragenen und nicht übertragenen Sinne.

Donnerstag, Februar 26, 2026

new year

Noch ein neues Jahr beginnt. W hat Geburtstag und schwört, dass dies sein letztes busy Lebensjahr werde. Er relativiert den Schwur schon nach wenigen Stunden.

Das Auswärtige Amt meldet sich wieder einmal rechtzeitig und fürsorglich an seine "Lieben Landsleute in Nepal". Unterschrieben ist das Schreiben vom deutschen Botschafter und der beginnt seine Hinweise mit dem schönen Satz "Inzwischen hat der Wahlkampf begonnen". Nun ja, es wird ja auch Zeit!  Im Internet tobt er natürlich schon lange, dort hat angeblich AI oder der Algorithmus längst entschieden und setzt entsprechende Präferenzen, beklagte kürzlich ein Printmedium. So ist es in modernen Zeiten. Die Grenzen zu Indien werden für 72 Stunden geschlossen, schreibt der Botschafter. Ich dachte, alle rundum, also auch die zu China. Aber von China befürchtet man wohl keine "Wahlbeeinflussung". Am Wahltag gilt ein Fahrverbot bis um 17 Uhr - in besagtem Printmedium klas ich, dass es gelten soll, bis die Stimmen ausgezählt sind (und das kann ja dauern ...). Nun ja, wir fahren eh nicht und richten uns auf so etwas wie curfew, Dashain und Tihar in einem ein.   

Zum Essen fahren wir nach Boudha. Zu den Buddhisten. Noch funktioniert InDrive. Dort überrascht uns Regen.

Mittwoch, Februar 25, 2026

Tradition

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Der Wahlkampf beginnt erst so richtig zu kochen. Morgen in einer Woche sollen die Parlamentswahlen stattfinden und keine Partei bzw deren sogenannte Spitzenkandidaten (sind ja mehrheitlich männlich) ist sich zu blöde, nochmals darauf hinzuweisen, dass nach wie vor nicht klar sein, ob sie tatsächlich zum festgesetzten Termin stattfänden. Unser Nachbar verkündet sogar, für seine Partei sei das kein Problem, man möge aber eine eventuelle Verschiebung bitte schön spätestens 4 Tage vor dem 5.3. mitteilen. Einen Kommentar lese ich - und reibe mir ungläubig die Augen - dass sei die politische Tradition. Vor allen Wahlen in den letzten Jahrzehnten sei bis zum Wahltag darüber spekuliert worden, ob die Wahlen pünktlich stattfinden oder nicht.

Die Grenzen werden geschlossen und der Privatverkehr ab Mitternacht des 4. oder 5.3. unterbunden, Inlandsflüge sollen entgegen erster Meldungen nun doch stattfinden und wer vom Flughafen zu seinem Wahllokal ein Transportmittel braucht, dem wird es zur Verfügung gestellt (wie auch immer). Die Wahlkommission empfiehlt dem Innenminister (oder umgekehrt? ), ein Alkohol-(verkaufs- und konsumierungs-)Verbot 7 Tage vor der Wahl zu erlassen. Das wäre ungefähr ab heute. Damit alle ihre Stimme nüchtern abgeben.