from golfutar
Montag, Juli 06, 2026
भूमिस्पर्श मुद्रा
Sonntag, Juli 05, 2026
Yala Chhen
Samstag, Juli 04, 2026
20 Tage
Samstag. In drei Wochen sind wir umgezogen. Ich muss mich ranhalten mit Tagerunterzählen. Die ersten Kisten habe ich aufgeklappt und die Böden zugeklebt. Nun stehen sie in Reih und Glied im Zimmer, das einst W's Arbeitszimmer war und seit Monaten leer steht. Der Regen kommt in der Nacht, ziemlich heftig. Ein Gewitter tobt sich stundenlang über unseren Köpfen aus. Wir hoffen, dass die Zimmerdecke noch Nässe speichern kann. Dass der Regen nicht durch das Dach in die bereitstehenden leeren Umzugskisten läuft.
Freitag, Juli 03, 2026
the own words
Ich habe in Nepal gelernt, keinem Wort zu trauen. Die meisten verstehe ich nicht und die wenigen anderen hinterfrage ich konsequent. Sortiere gnadenlos. Vieles erkläre ich mit dem Hang der Nepali zur Träumerei. Sie wünschen sich so vieles, das nie wirklich werden wird. Und das können sie sich getrost rund um die Uhr einreden. Ein Satz wie "don't worry", der mich am Anfang immer beruhigt hat, weckt nun mein allergrösstes Misstrauen. Sagt heute jemand "don't worry" zu mir, weiß ich, dass ich allen Grund habe, mir Sorgen zu machen. Das schult und stärkt die inneren Kräfte.
Was hat man nicht alles über Hillary Dawa Sherpas Schicksal am Everest gelesen, gehört, gesehen - hier spricht er selbst und räumt mit Mythen und Märchen auf: "My life is like a dream. How did I get here? How did I make it down alive?" (0:28) - Der Mann wundert sich schließlich, warum sein halbes Dorf in Kathmandu im Krankenhaus zusammenkommt, warum seine Frau Mönche und Lamas einbestellt hat für die अन्त्येष्टि - Antyesti - die letzten Dienste. Es ist das Wichtigste im Leben eines jeden Menschen: dass für sein unbeschadetes Karma gebetet und nach seinem Tod 13 Tage salzlose Nahrung gegessen wird.
Hillary Dawa Sherpa selbst fühlte sich dem Tod erst nahe, als er mehr als zwei Tage und Nächte in einer Gletscherspalte festsaß, mit gebrochenem Bein und ohne Hoffnung auf Rettung. Davor hatte er einfach seine Pflicht getan. Aber hört ihn selbst: Abandoned On Everest - Hillary Dawa Sherpa, in his own words (ins Englische übertragen von Ben Ayers): https://www.youtube.com/watch?v=RuIyupuIOZ8
Donnerstag, Juli 02, 2026
Die Erde
Ich weiß bereits, dass Bhumi mehr mit der Qualität, der Fruchtbarkeit, der nährenden Kraft des Bodens zu tun hat, als mit dessen geografischer Größe. Bhumis Tochter ist Sita - die Ackerfrucht. Deshalb soll, bevor eine Baugrube ausgehoben wird und der Acker - hier am Hill ganz konkret die einst mit viel Mühe, Schweiß und Steinen angelegten Reisterrassen - zweckentfremdet wird, eine Bhumi Puja abgehalten und die Göttin des Bodens und allen Ursprungs um ihren Segen für das Bauvorhaben gebeten werden.
Gestern Abend schritt eine Frau ganz allein kurz vor dem Eindunkeln das grässlich zugerichtete Gelände unter meinem Fenster ab und zündete viele Öllampen und Räucherstäbchen an, sang 108 mal das Bhumi Gayatri Mantra:Om Vasundharaya Vidmahe
Bhutadhatraya Dhimahi
Tanno Bhumi Prachodayat
Vielleicht war es die Käuferin des Grundstücks und zukünftige Eigentümerin der mehrstöckigen Mehrfamilienhäuser, die aus dieser Grube wachsen werden. Eine sogenannte landlady.
Mittwoch, Juli 01, 2026
Haatemaalo
Der Monsun marschiert ein, lese ich in der Zeitung. Am Himmel sieht immer alles anders auf. Der wieder ins Amt zurückgekehrte Innenminister verkündete unlängst, das Ziel seien 0 (null) Monsunopfer in diesem Jahr. Die NDRRMA (National Disaster Risk Reduction and Management Authority - so etwas wie Nationale Katastrophenverhinderungsbehörde) zählt aber bereits 27Unwetterbedingte Todesfälle seit Beginn des Jahres BS (= Mitte April AD): 6 Menschen sind ertrunken, 13 bei Sturm umgekommen, 5 wurden von Erdrutschen verschüttet, und 3 starben infolge heftiger Regenfälle.
Ich lerne derweil ein neues Wort: हातेमालो - haatemaalo von हाते - haat für die Hand und मालो - maalo für halten, umarmen, verlinken. Zusammenhalten. Zusammenstehen. Sich solidarisch verhalten, den Nachbarn helfen, in Not Geratene unterstützen, und so weiter. Und so fort. Ein schönes Wort. Eine gute Sache. Handreichung.
Außerdem wird eine App eingerichtet, über die über Ufer tretende Flüsse und abrutschende Hänge gemeldet werden können, damit entsprechende Hilfe ohne Verzögerung in die Wege geleitet wird. Wir werden sehen, was die nächsten Tage und Wochen bringen. Regen, Regen, Regen!
Dienstag, Juni 30, 2026
Erdbeermond
Dieser Juni-Vollmondname hat nichts mit Nepal zu tun. Hier ist auch nicht Juni sondern immer noch Ashad. Die Erdbeerernte ist längst vorbei. Wie in Japan reifen die Erdbeeren auch hier im Winter. Sie sind höchstens bis Anfang April im Angebot. Die Shutters haben nur saisonales Obst und Gemüse. Erdbeeren sind mir auf der Golfutar nicht begegnet, ich habe keine einzige gegessen.
Eine Kollegin von W wollte ihren Unijob und Kathmandu an den buchstäblichen Nagel hängen und sich voll und ganz nur noch ihrer Erdbeerfarm in Nuwakot widmen. Das hat noch nicht geklappt, und wenn es dann so weit ist, werden wir sie besuchen. Spätestens zur nächsten Ernte.



