Die Nacht war feucht, der abnehmende Mond trifft in der Früh Mars, bevor der Morgennebel Himmel und Erde verschluckt. Einige fangen trotzdem an, die umgewehten Halme zu schneiden und sie ordentlich zum Trocknen auszulegen. Es ist wahrscheinlich früher reifender Reis. Die meisten lassen die Felder, wie sie sind. Verwüstet, geknickt, in Wellen und Tälern. Von Wind und Regen gepeitscht. Postmonsun.
Gegen Mittag hat die Sonne den Nebel verschluckt und HImmel und Erde wieder freigegeben. Ein Viertel des Reisfeldes bleibt einen Tag lang stehen. Liegende Halme brauchen mehr Platz als stehende. Wenn sie geschnitten sind, sehe ich, wie ordentlich angepflanzt wurde. Und wie ordentlich jetzt geschnitten ist.
Der eigentliche Frühreis heißt चैते धान - Chaite Dhan. Das ist der Frühlingsreis, der vor dem Monsun geerntet wird und entsprechend früh, im Monat Falgun (= Februar/März) ausgesät, im Chaitra (= März/April) umgepflanzt und im Asar (=Juni/Juli) geerntet wird. Er hat den Namen चैते धान - Chaite Dhan nicht vo, Zeitpunkt der Ernte, sondern vom Zeitpunkt des Umpflanzens bekommen.
धान Dhan ist ungekochter, roher, ungeschälter Reis - Körner, die direkt vom Feld kommen. Im Gegensatz zu भात - Bhat, gekochter Reis den wir tagtäglich im Nationalgericht दाल भात - Dalbhat (dünne Linsensuppe mit Reis und diversen Zutaten) zu uns nehmen.
Was jetzt umgeknickt auf den Feldern vor meinem Fenster liegt ist बरखे धान - Barakhe Dhan. Monsunreis. Ein schöner Name! Der wird vor dem Monsun ausgesät, vor dem ersten starken Monsunregen umgepflanzt, damit er mit dem Monsun wachsen kann, und nach dem Monsun - also jetzt, gestern, heute oder morgen - geerntet. Meist erst nach Dashain und Tihar, da zu den ausgedehnten Festivalzeiten keiner arbeiten will.