Es regnet heftig und ich denke beim Aufwachen natürlich an Indra, den Gott des Regens. An Indra Jatra, das Fest, das wie alle Hindufeste mehr als einen Tag dauert, ungefähr 8 oder eine Woche. Letzten Donnerstag, am zweiten Tag fanden die traditionellen "Kinderumzüge" (ich nenne das profanerweise so, in Anlehnung an Fasnachts-Kinderumzüge in anderen Teilen der Welt) auf dem Hanuman Dhoka Durbar Square in Lalitpur statt. Im strömenden Regen! Regen stört niemanden, hindert niemanden, Regen gehört einfach dazu. Nicht nur die Echte Kumari wurde durch die Straßen der Altstadt getragen, hunderte kleine Mädchen nahmen an der Kumari Puja teil. Gekleidet, geschminkt und mit opulentem Schmuck behängt wie die richtige.
Die Eltern erhoffen sich durch das Massenritual Segen und Gesundheit für ihr Töchterchen, Frieden und Wohlstand für die ganze Familie. Teilnehmen dürfen nur Mädchen im vorpubertären Alter und während der Zeremonie gelten sie als wahrhaftige und lebende Stellvertreterinnen der Schutzgöttin Taleju Bhawani. Irgendwann ist der Spuk vorbei, die Girlies schlüpfen in ihre Alltagsklamotten zurück und hüpfen aufgeregt herum wie ganz normale Kinder.
Ich stehe seufzend auf. Kein Qi Gong auf dem zweiten Dach. Keine Zwiesprache mit सेतो टिकटिके - seto tiktike, der Weißbrauenstelze. Beim schnellen Rundgang durch den Garten betrachte ich die Beete. Alles steht unter Wasser. Wie sollen da Drachenfrüchte gedeihen? Wie der Bogenhanf, der absolute Trockenheit will? Die Achatschnecke hockt auf dem Mäuerchen. Sie ist jeden Morgen in einer anderen Ecke, legt in der Dunkelheit beachtliche Strecken zurück.
Und dann ist der Spuk vorbei. Irgendwann gegen Mittag. Ich kann nicht sagen, wann. Ein Fingerschnipsenmoment und die Berge stehen im Norden, majestätisch, als wäre nichts gewesen. Sie leuchten besonders frisch, denn was hier unten als Regen ankam, bescherte ihnen frischen Schnee. Der Himmel ist blau wie im Bilderbuch. Wir sitzen auf dem Dach und trinbken Kaffee. Reiben ungläubig die Augen.




