Donnerstag, Oktober 22, 2026

पापांकुशा एकादशी

Feiertag. Public holiday. पापांकुशा एकादशी - Papangkusha (auch transkribiert als: Papankusha) Ekadashi - der elfte Tag. Ekadashi ist immer der Elfte und kommt zweimal im Monat vor, in der zu- und abnehmenden Mondphase. Auch das hatten wir schon. Ekadashi ist immer ein Fasttag. Dashain hin oder her. Immer ein Tag der Ahnenverehrung, des Betens und Opferns.

पापांकुशा - papan(g)kusha kommt von पाप - pap wie Sünde und अंकुश - Ankush für wörtlich Stachel oder Elefantenhaken, figurativ für etwas unter Kontrolle bringen, einschränken, zügeln, eindämmen. Auf den heutigen Feiertag bezogen: Wer fastet, dem werden alle Sünden vergeben, denn der heutige Tag bringt die Sünden unter seine Kontrolle und vernichtet sie. Wunderbar! Außerdem werden die fastenden Gläubigen vorauseilend von allen (eventuellen) Torturen des furchteinflößenden Totengottes Yama befreit und ihre Vorfahren werden ins Vishnu Loka, in das ewige spirituelle Reich, die göttliche Wohngemeinschaft Lord Vishnus und seiner Gattin Laxmi aufgenommen. Der Ort des höchsten Friedens, den erlöste Seelen erreichen können.

Im nepali calendar Bikram Sambat ist heute der 5. Kartik - also अनशन चलन - ansan: chalan. Das trifft sich mit papankusha, bedeutet doch अनशन - ansan so etwas wie ritueller Hungerstreik und चालान - chalan ist der Brauch. Der Brauch des Hungerns. Fasten!

Mittwoch, Oktober 21, 2026

Bijaya Dashami

Feiertag. Public holiday. Es wird von Tag zu Tag stiller. Ich habe nur noch Sonntagsgefühle. Heute ist der zehnte Tag von Dashain,  विजयादशमी - Bijaya (oder Vijaya) Dashami. Der Sieg des Guten - der Göttin Durga über das Böse - den Dämon Mahishasura. Es kann auch Lord Rams Sieg über Ravana gefeiert werden. Vielleicht gibt es noch ein paar Tausend andere hinduistische Götter, die einen Widersacher besiegt haben. 

जया - jaya oder विजया - bijaya ist der Sieg und दशमी - dashami kommt von दस - das [dos ausgesprochen, hat nichts mit der deutschen Grammatik und ihren drei Artikeln zu tun] wie 10 und meint hier den zehnten, siegreichen Tag des aktuellen Feiertagsmarathons. Wie gehabt. 

Gleichzeitig ist es der allerwichtigste Tag von Dashain - und alle shutters, die bis gestern noch geöffnet waren, sind nun endgültig zu. दसैंको टीका oder in graphischer Variante दशैंको टीका - Dashainko Tika. Die Älteren (Eltern) verabreichen ihren Kindern oder den jüngeren Familienmitgliedern die Tika, salben deren Stirn mit einer Paste aus Reis, Joghurt und Vermillion. Die auspiscious time, der beste, glückverheißendste Moment dafür ist 10:26 Uhr local time. Das haben die staatlichen Kalendermacher ausgerechnet. Und die Astrologen empfehlen, dass wer Tika empfängt, nach Westen blicken soll. Das scheint einfach, denn die Sonne scheint. Wer aber den Ältesten Tika spendet, weiß ich nicht. Auch sie haben Segen, Fürsorge und gute Wünsche für ein langes Leben verdient.    

विजयादशमीको शुभकामना - bijayadashamiko subhakamana - happy Bijaya Dashami!

Dienstag, Oktober 20, 2026

Infrarot

Feiertag. Public Holiday. Nach meiner Zählung müsste heute der zehnte Tag von Dashain sein, aber es ist der Neunte. Auch das hatten wir schon und ich wundere mich nicht mehr. Der Achte lappte bereits in den neunten hinein und Maha Navami dauert eben bis heute. Die Zeitung listet weiter Zahlen auf. Die größte Ungleichheit, lese ich, zwischen reich und arm zeige sich in den Küchen des Landes. Wobei "zeigen" ein Euphemismus ist, denn zu sehen ist in dem Qualm meist nichts. Millionen - mehr als die Hälfte aller Haushalte im Lande! - mehrheitlich arme Familien, in mehrheitlich abgelegenen, ländlichen, gottverlassenen Bergregionen kochen auf offenem Feuer mit Holz oder anderer "Biomasse" wie land- oder forstwirtschaftlichen Abfallprodukten. Mit anderen Worten: Dung! 

Diese Küchen sind naturgemäß verqualmt. Während die Küchen der reichen Hauptstädter durchsichtig und rein sind. So sauber, wie es die Maids mit ihren Hexenbesen eben hinkriegen. Ich weiß, wovon ich rede. Ich koche bereits in der dritten nepalesischen Küche. Schätzungsweise 25 000 Menschen sterben in Nepal jedes Jahr an "indoor air pollution", an Innenraumsmog, an ungesundem Raumluft, Rauch von den Feuerstellen, auf denen oft rund um die Uhr gekocht sin. Im Winter spenden sie auch etwas Wärme in den Küchen. 25 Tausend Tote - das sind mehr als doppelt so viele, wie Flut- und Monsunopfer der letzten 12 Monate. Dunkelziffern sind bekanntlich dunkel und mehrheitlich hoch. Wer will schon jede Greisin in den Bergen obduzieren, nur um den Verdacht auf Rauchvergiftung zu bestätigen. Da Gas gerade knapp ist und immer teuerer wird (ohne staatliche Subvention könnte sich kein Haushalt leisten, mit Gas zu kochen), liegt die Lösung in der Luft. In elektrischen Freilandleitungen und Infrarotkochplatten. Ich habe kürzlich selber zu dieser Alternative gegriffen, das erstens der neu und angeblich voll gefüllt angelieferte Gaszylinder nach unserem Einzug nach knapp zwei Monaten leer war (auf dem Hill reichte uns, die wir kaum kochen, ein voller Zylinder fast ein Jahr lang) und zweitens gerade "gas shortage" - Gasknappheit herrsche. Die Zeitungen und das Internet zeigen Kilometer lange Schlangen vor Kochgasverkaufsstellen. Und ich wurde von Giri, unserem Hauslieferanten jeden Tag auf den nächsten vertröstet, so lange, bis mir der Kragen platzte und ich zur Konkurrenz ging. Die ganze Geschichte spare ich mir für später auf. Jetzt ist Dashain und Feiern angesagt.

Das ehrgeizige Programm, die Frauen im ganzen Land auf Elektroherde umzuerziehen, gibt es seit langem. Bis 2030 sollte der Prozess eigentlich abgeschlossen und die Leitungen bis in den hintersten und obersten Winkel gelegt sein. Aber wie das so ist, mit der Zeit und den Plänen in diesem Land. Man ist meilenweit vom Ziel entfernt, flächen-, Hügel-, Täler-, Gipfeldeckend rauchfreie Küchen zu garantieren. 

postscriptum: am Tag danach, nach diesem Blogeintrag, am 21.10. brannten am hellen Nachmittag in Kapasi im Banke Distrikt im südwestlichen Tarai 4 einstöckige, strohgedeckte und 3 einstöckige blechgedeckte Häuser komplett ab. An einem achten Haus aus Stein zerbarst eine Fensterscheibe. Menschen kamen nicht zu Schaden. Nach Mitteilung der Polizei entstand das Feuer durch elektrischen Kurzschluss. 

postscriptum zwo: am Abend desselben Tages - immer noch Bijaya Dashami und Dashainko Tika! - brannten 2 zweistöckige, Wellblechgedeckte Stein- und Lehmhäuser in Mangaltar vollständig ab. In der Halesi Twachung Municipality, im Khotang Distrikt der Koshi Provinz. Ganz im Osten des Landes. Wieder begann der Funkenschlag mit Kurzschluss in der Elektrik. 

Montag, Oktober 19, 2026

Spielsucht

Feiertag. Public holiday. Der neunte Tag - Maha Nawami. Alle Jahre wieder, die feierliche Krönung der Durga-Verehrung. Die Zeitung listet lauter Zahlen auf. Als ob es gerade nichts wichtigeres zu berichten gäbe. Zwei Millionen Kartenspiele hat Nepal in den letzten zwei Monaten importiert. Aus China. Auf welchem Wege wird nicht gesagt. Die drei wichtigsten Grenzübergänge sind nach wie vor geschlossen. Schon seit Wochen. Aufgrund von Unwettern, Bergrutschen, Eis-, Schnee- und Gerölllawinen, Überschwemmungen und dergleichen Unschönem mehr.

Traditionsgemäß spielen die Nepali tatsächlich an den Feiertagen stundenlang Karten. Und wenn es gilt, zu Ehren einer Göttin eine Nacht wach zu bleiben, auch nächtelang. Aufgezählt und verglichen werden in der Zeitung Importzahlen der letzten Fiskaljahre, Zolleinnahmen, Umsatzeinbußen, Einnahmen durch verhängte Strafen wegen unerlaubten Wettspielen und so weiter und so fort. Es wird aber betont, dass im privaten Rahmen Kartenspielen natürlich immer erlaubt ist.  

2 Mio Kartenspiele. Spielkarten gelangen über die Grenze. Auch Äpfel aus China, obwohl in Mustang gerade reichlich geerntet wird. Luxusgeschenke zu Dashain wie E-Autos hingegen nicht. Händler beklagen seit Wochen ein miserables Geschäft. Die Neuwagen stehen irgendwo im Niemandsland unter der brütenden Sonne und warten. Auf Abfertigung und freie Fahrt. Von Geröll freigeräumte Straßen. Wie sonst sollen sie die Hauptstadt erreichen, wenn nicht auf den eigenen vier Rädern?

Wir spielen बाघ चाल - bagh chal (wir hatten das schon, aber nicht in Original-Devanagari, ausgesprochen mit zwei langen "a", da den Anfangskonsonanten jeweils ein senkrechter Strich hinangefügt ist). Kürzlich entdeckten wir auf der Touristenmeile am See (= Lakeside) ein bescheiden aussehendes Holzbrett mit echten Holzfiguren. In einem Kissenbezugladen (warum ausgerechnet dort?), in dem auch Teppiche zu Bergen aufeinandergetürmt lagen, so dass wir das Spiel auf den Teppichen wie auf einem Tisch begutachten konnten. Wir kamen gerade vom Essen beim Japaner (anlässlich meines Geburtstages) und griffen mutig zu. Das Holzbrett ist eigenbtlich eine mit Samt ausgeschlagene Holzschachtel, in der die Figuren unterkommen. Es ist so groß, dass wir damit gut zurechtkommen und so klein, dass wir es auch mal mitnehmen können. Ins Flugzeug, im Handgepäck oder in einen Jeep über steinige Straßen in die Berge. Auch बाघ चाल - bagh chal ist ein beliebtes Nationalspiel in Nepal. Nicht nur die aus China importierten Spielkarten. Ein ungleiches Strategiespiel für zwei (ungleiche) Personen. Gemacht wie für uns beide. In nepali benannt nach बाघ  - bagh wie Tiger und चाल chal wie Bewegung, Zug oder Sprung. Der Tigersprung. Die 20 Ziegen, das immerhin eine ganze Herde, die von gerade mal 4 Tigern zu Tode gehetzt werden müssen, kommen im nepali Namen gar nicht vor.

Sonntag, Oktober 18, 2026

Massenschlachttag

Feiertag. Public holiday. Monatsanfang. Der erste Kartik. Ich blättere in meinem Monatskalender auf die Rückseiten. Also ist das halbe Jahr 2083 bereits um. Schlachttag. 
  
Diese 9 Bergziegen(böcke?) standen vorgestern etwas verschreckt und an den Hörnern angebunden vor dem Laden, in dem ich Eier kaufe. Gestern waren es noch 3. Ich nehme an, heute sind alle geschlachtet.

13.717 Schafe und Bergziegen hat Mustang in diesem Jahr ins ganze Land verkauft für das Dashein Festival. Die zottigen Tiere wachsen auf etwa 6000 Metern über Meer auf, dort ist es extrem kalt und zugig, die Luft aber wenig sauerstoffgesättigt. Sie fressen die edeltsten Gräser und Kräuter und gelten deshalb als Delikatesse. Heute (und morgen) ist Maha Ashtami. Oder Durga Asthami. Der achte Tag von Navrati und von Dashain. Wir hatten das schon mehr als einmal, denn es kommt alle Jahre wieder wie andernorts der Weihnachtsmann. Wir erleben bereits das dritte Dashainfestival. Die astronomische Ashtami Tithi ist heute Vormittag. Gemäß der hinduistischen Tradition findet die Hauptfeierlichkeit aber erst nach dem nächsten Sonnenaufgang statt. Also Morgen. Deshalb fällt der achte Tag auf den neunten, oder der neunte auf den achten. Mit anderen Worten: Maha Ashtami und Maha Navami werden in diesem Jahr - der zunehmende träge Mond ist schuld! - am selben Tag gefeiert. Morgen. Die Ziegen sind dann bereits geschlachtet und das Fleisch kann zum Verzehr zubereitet werden. Dazwischen, zwischen heute und morgen, um Mitternacht wird der furchterregenden und wilden Göttin Kali gedacht, die der Legende nach aus Durgas Stirn entsprang und die Dämonen Chanda, Munda und Raktabija vernichtete. Kali - die Schwarze - besiegt Dunkelheit und Ungerechtigkeit. 

Samstag, Oktober 17, 2026

Nol Sankranti

Feiertag. Endlich! Nach fünf Arbeitstagen, die auch zu Dashain gehören. फूलपाती - fulpati, oder auch phulpati. Der siebte Tag von Dashain. Public holiday. So etwas wie Bananenblättertag. Oder Blumenstraußtag. Das फूलपाती - fulpati ist ein kunstvolles Gebinde aus Blättern, Blüten, diversen Früchten und Gräsern. Hoffentlich nicht mit Tesa zusammengeklebt soll es in jedem Haus heute feierlich aufgestellt und verehrt werden.

Und Nol Sankranti. Die Sonne triott in das Sternzeichen Waage ein. Erntedank - oder eher Bitte um eine reiche Ernte in Westbengalen. Der letzte Tag des Monats Ashoj oder Ashwin. Nol oder Nal sind die Stängel einer robusten Schilfpflanze. Die Bauern stecken sie in die Ecken ihrer Reisfelder, denn jetzt formen sich die ersten Körner in den Reispflanzen und die müssen vor Schädlingen, Stürmen oder bösen Geistern (symbolisch) geschützt werden. Die Bauern sagen, das Reisfeld sei jetzt "schwanger" und essen heute nur kalte Speisen, die gestern gekocht wurden. Gemüse und Fisch.  

Wir feiern den fündundzwanzigsten Siebzehnten eines Monats. Und wissen nicht, wie wir das nennen sollen. Auf dem Heimweg sehen wir am HImmel den noch nicht ganz halben Mond. Als wir auf dem (ersten, überdachten) Dach sitzen, fängt es an zu regnen. Bis spät in die Nacht hören wir Flugzeuge starten oder landen. Die Heimreise vieler Nepali ist noch nicht abgeschlossen.

Freitag, Oktober 16, 2026

Äpfel

Die Äpfel werden zu Dashain teurer - lese ich. Der Feiertagsmarathon hat längst begonnen. Ich glaube, ich bin die Einzige in diesem Land, die Obst nur zum Verzehr kauft. Die meisten Hindus brauchen massenweise Bananen, Äpfel, was gerade im Angebot ist, um es ihren Heiligen darzubieten. Deshalb gewinnt eine Zeitungsmeldung, dass Äpfel teurer werden, gerade vor Dashain - oder auch mittendrin - an Brisanz. Ich kann das nicht bestätigen. Die Äpfel, die ich hier kaufe (aus Mustang, wie mir das Girl gestern stolz erklärte) sind teuer, aber nicht teurer als letzten Herbst, als ich noch auf der Golfutar bei dem alten Mann einkaufte: Rote Bioäpfel aus Jumla, Jumli Marsi (roten Reis aus Jumla - die am höchsten, bis auf 3000 MüM angebaute Reissorte der Welt, sehr schmackhaft, nähr- und ballaststoffreich) und rosarote Himalaya-Salz-Klumpen. 

Nepal ist auf den Import von Äpfeln angewiesen, lese ich und staune: das Land produziert nur etwa 40% des eigenen Bedarfs selbst, 60% müssen importiert werden. Im Fiskaljahr 2025/2026 wurden 102.484 Tonnen Äpfel importiert, davon 85.766 Tonnen (= 83,69%) aus China und 16.718 Tonnen (=16,31%) aus Indien. Da die Grenzübergänge Rasuwagadhi, Tatopani und Korala im Norden seit dem Sommer nicht mehr passierbar sind, werden chinesische Äpfel auf dem Seeweg über Kolkata importiert. Die Transportkosten haben sich mehr als verdoppelt. Und obwohl die Ernten im Lande nun in vollem Gange sind, machen einheimische Äpfel derzeit nur 10 % des Angebots aus. Lese ich und kann auch das nicht bestätigen. Alle meine Obsthändler in Laufnähe bieten nur noch nepali appels an. Ich frage nämlich immer, da ich keine ausländische Ware will, schon gar keine "gepamperten", botoxgespritzten, aufgeblasenen, genmanipulierten Rotbäckchenäpfel.  

Ich verstehe, dass importierte Äpfel aufgrund der gestiegenen Transportkosten teurer werden. Ich verstehe nicht, warum einheimische Äpfel dadurch nicht konkurrenzfähig sind. Warum die Leute zu Dashain teurer gewordene chinesische Äpfel kaufen und nicht die immer schon teuer gewesenen Bioäpfel aus Jumla, Mustang oder Manang vorziehen, Wahrscheinlich weil die Importware schöner aussieht auf dem Hausaltar oder Gabentisch. Und weil sie eh nicht zum Verzehr gedacht ist.