Ich habe mich geirrt - es gibt Aprilscherze in diesem Land: Gateway to Heaven.
Da die Nepali auf Aprilscherze offenbar nicht trainiert sind, erfolgt am Schluss die Auflösung.
Ich habe mich geirrt - es gibt Aprilscherze in diesem Land: Gateway to Heaven.
Da die Nepali auf Aprilscherze offenbar nicht trainiert sind, erfolgt am Schluss die Auflösung.
Einen 1. April kennt man in Nepal nicht. Sonst wäre ja die Entdeckung des Steinschmätzers am 1. April 1983 ein Aprilscherz gewesen. War es nicht. Heute wird in Bouddha Temal Jatra gefeiert. Immer am Vorabend vor dem letzten Vollmond des nepalesischen Jahres Bikram Sambat betet die Tamang Community für die Seelen der Verstorbenen. An der Bouddha Stupa brennen heute Hunderte, wenn nicht Tausende Butterlampen. Nach den Gebeten erfreuen sich die Lebenden des Lebens und singen in ihrer Sprache um die Wette im Duett Tamang Dohori.
Ein Monat geht zu Ende. Ein anderer ist erst in der Hälfte angekommen. Der Mond nähert sich dem Maximum. Er ist derzeit am Abendhimmel zu sehen, wenn nicht gerade ein Gewitter mit Starkregen niedergeht. Kopfüber oder mit Hängebauch, zu ungefähr 97,8% gefüllt. Das muss so ein Trabant erstmal aushalten! Und ein aufrechtes deutsches Z wie "zunehmend" wird daraus nie, nicht in Nepal!
Ich suche (immer noch) ein anderes Z - das der Zeit und lande ich bei den Sternen. Es gibt auch ein siderisches Jahr. Zu lateinisch sidus = der Stern, mit Genitiv sideris. Das Sternenjahr. Es ist, lese ich rund 20 Minuten und 24n Sekunden länger als das tropische Jahr. Das tropische Jahr kommt aus dem Griechischen. Zu tropos = Drehung, Wendung. Es ist die Zeit, zum Beispiel, von einer Frühlings-Tagundnnachtgleiche zur nächsten. Oder von Sommersonnenwende zu Sommersonnenwende. Das tropisch bezieht sich auf diese Wende, nicht auf die Temperatur. Das tropische Jahr bildet die Basis für unser bürgerliches Jahr, unser Kalenderjahr.
Das Z wird nicht schlüssiger, je länger ich darüber nachdenke. Auf die Lebenserwartung eines Menschen bezogen, soll der Unterschied zwischen siderischem, tropischem und bürgerlichem Jahr "vernachlässigbar" sein. Nur die Sternbilder am Himmel verschieben sich. Minimal. Über viele Jahrhunderte hinweg. Mich interessiert nicht die Lebenserwartung, sondern der Lauf der Zeit. Dass der Mond kopfüber am Himmel steht, sehe ich von bloßem Auge.
Vor zwei Tagen ist der गाजले भुइनरोबिन - Gajale Bhuinrobin, Northern wheatear oder Steinschmätzer nach 43 Jahren zum ersten Mal wieder in Nepal gesichtet worden. Am Rande des Chitwan Nationalparks, am Ufer des Narayani in Amaltari. Die nepalesischen Vogelgucker sind begeistert, denn am 1. April 1983 entdeckten zwei blutjunge britische Ornithologen, Clive Byers und Alan Adams, den Gajale Bhuinrobin zum ersten Mal in Nepal, nur ein paar Kilometer flussaufwärts von der aktuellen Sichtung, in Meghauli.
Adams begab sich anschließend auf eine (wahrscheinlich vogelkundliche) Trekkingtour durch das Langtanggebiet. Und kam nicht zurück. Er gilt seit Mai 1983 als verschollen. Sein Kollege Byers, der sich einen Namen als bird-artist und einer der ersten twitcher machte, starb vor wenigen Tagen, nach langer Krankheit, wie ich lese, in Norfolk im Alter von 68 Jahren.
Und der Steinschmätzer ist am Narayani zurück. Wahrscheinlich nur für ein paar Tage, aber immerhin, zum Auftanken. Er gilt als Langstreckenzieher, kommt aus Afrika oder Indien und will in sein Brutgebiet, nach China, in die Mongolei oder nach Sibirien.
Natürlich haben Olis Kumpel landesweit zu Protesten aufgerufen. Heute ab 12 Uhr Mittags soll der Sturm losgehen. Aber die, die kürzlich an der Wahlurne nicht für die vereinten Marxisten und Leninisten (UML) gestimmt haben, werden nun den Teufel tun, in deren Namen einen Volksaufstand anzuzetteln. Der Vorsitzende ist alt und krank und bedarf besonderer Pflege. Jedenfalls sagen das seine Ärzte. Er sitzt nicht im Knast sondern liegt im Krankenhaus. Die Presse handhabt den Datenschutz (Persönlichkeitsrechte, Privatsphären) von allen Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen transparent: als erstes wird der Name des Krankenhauses veröffentlicht, in das Oli zum check-up eingeliefert wurde, als zweites die Nummer des Bettes, in dem er sich dort auskuriert.
Die Regierung indes, die neue, junge, engagierte aber unerfahrene Truppe, lässt Untersuchungen einleiten gegen drei ehemalige Premierminister (den fünfmaligen Ex-PM Sher Bahadur Deuba, Kongresspartei, den ungefähr viermaligen Ex-PM KP Sharma Oli, Marxist, sowie den dreimaligen Ex-PM Pushpa Kamal Dahal, Maoist, genannt Prachanda, der Kämpferische) und deren Familien. Sowie gegen die beiden Ex-Minister Arzu Rana Deuba und Deepak Khadka. Letzter sitzt seit heute früh in U-Haft. Erstere ist die Gattin des Ex-5xPM Deuba, beide sowie ihre gesamte nähere und weitere Verwandtschaft befinden sich aus gutem Grunde außer Landes. Weil die Herren sich immer wieder reihum das Amt in die Hand gaben, ist der Kreis der Verdächtigen überschaubar. Ermittelt wird gegen sie wegen des Verdachts auf Geldwäsche im großen Stil und unsauberer Bereicherung im Amt. Das ambitionierte Ziel des erst zwei Tage alten Kabinetts: Die Besitzverhältnisse aller führenden Politiker bis zurück ins Jahr 1991 durchleuchten.
Es regnet fast den ganzen anstrengenden Arbeitstag mit ultrakurzen sonnigen Unterbrüchen.
Samstag. Wochenende. Kein Bike. Die ersten Gewitter gehen bereits früh am Morgen nieder. Begleitet von prasselndem Regen. Woher kommt das viele Wasser? Woher diese Spannung in der Atmosphäre, die sich nach einer angenehm abgekühlten Nacht mit so lautem Krachen entladen muss?
Die neue Regierung ist gebildet und arbeitet. Trotz Wochenende. Der frühere Premierminister KP Sharma Oli und der frühere Innenminister Ramesh Lekhak werden im Morgengrauen verhaftet. Auf Empfehlung des Untersuchungsberichts zu den brutalen Auseinandersetzungen von Polizei und Sicherheitsdiensten mit unbewaffneten Gen-Z-Demonstrierenden am 8. September 2025.
Der erst gestern ins Amt gekommene neue Innenminister bezeichnet die Festnahmen als Beginn der Gerechtigkeit. Er hat eine erste anstrengende Nachtschicht hinter sich.
Nun kommt der Höhepunkt. Public holiday. Kein Bike hinter der Municipality. Nicht, weil Balendra Shah heute zum jüngsten Premierminister in der Geschichte Nepals installiert wird, sondern weil die Hindus den Geburtstag von Ram (einer Inkarnation Vishnus) feiern. Ram Nawami. Oder Shree Ram Jayanti. Da Shah ein gläubiger Hindu ist, gilt der Tag für ihn doppelt auspicious. Er hat sich von einem Astrologen die beste Zeit für den Amtseid ausrechnen lassen: 12:34 Uhr local time. Er leistet ihn nach den vedischen Sanatan-Ritualen: 108 Batuks (vedische Priester) rezitieren Swasti Shanti, 16 buddhistische Mönche Ashtamangala und 7 Muschelbläser verrichten das Shankhanad.
Am Abend ziehen Gewitter auf. Es donnert und blitzt stundenlang. Sturzbäche fallen vom Himmel. Was will er uns bloß damit sagen? Wir halten uns still zu Hause und essen Mo:Mo's.