Montag, April 27, 2026

we don't teach females ...

... they learned anyway!

In Biratnagar, wo wir kürzlich waren, im südöstlichen Tarai, haben sich die Frauen durchgesetzt. Zwei Jahre lang nervten sie die Beamten im metropolitan office, bis Geld bewilligt und Räume zur Verfügung gestellt wurden, damit auch sie, nicht nur die Männer, traditionelle Instrumente spielen lernen konnten.

नौमती बाजा - Naumati baja ist ein nepalesisches Musikensemble aus 9 Instrumenten: नौ - nau ist die Zahl 9 und बाजा - baja sind die Instrumente. Naumati Baja besteht aber nur aus 6 verschiedenen Instrumenten, 3 sind doppelt vertreten: 2 Narsingha in Ost- und Zentralnepal (lange Horntrompete in der Form eines C) oder 2 Karnal im Westen Nepals (mehr als 1 Meter lange, gerade Trompete mit Schallbecher) , 2 Damaha (große Kesseltrommel), 2 Sanai (Folklore Oboe), je eine Tyamko (kleine Kesseltrommel), Dholaki (Trommel) und Jhyali (Cymbal).

नौमती बाजा - Naumati baja ist die erweiterte (lautere, wie ich lese und festlichere) Form von पञ्चे बाजा - panche baaja, das Ensemble aus fünf Instrumenten. पाँच - pac für 5 und बाजा - baja sind wie gehabt für Instrumente. Beide Ensembles treten bei Hochzeiten und religiösen Festen auf, die Musiker sind traditionell natürlich Männer und gehören den untersten Kasten der Damai oder Gaine, der untouchable - der Unberührbaren an. 

Und da kommen Frauen und wollen auch! Nur weil sie sich in Itahari auf einer Hochzeit prächtig amüsiert hatten. Ihnen wird gesagt, dass selbstverständlich keine Chhetri- oder Bahun-Frau Musik mache. Und sie werden hingehalten, abgewiesen, ausgelacht ... aber sie sind stur und entschlossen, etwas aus ihrem eigenen Leben zu machen. Sie finden einen Lehrer, werden unterstützt, lernen, lachen, freuen sich. Musik diene auch dem Stressabbau, sagen sie, dem sozialen Miteinander, dem gegenseitigen Aufmuntern und Motivieren. Ganz zu schweigen von dem, wenn auch vorläufig bescheidenen, Einkommen, das die Trommlerinnen und Trompeterinnen nebenher generieren. 

In Biratnagar wird die Tradition gerade umgekrempelt. Durch Frauen, who refused to stay silent. 

Sonntag, April 26, 2026

Januskopf

Bei der Luftqualität (AQI - Air Quality Index) ist Kathmandu wieder an der Weltspitze angekommen. Offiziell 192, bei uns auf dem Hill, in Golfutar 205 oder mehr. Im Everest Base Camp hängen seit einer Woche ein paar Hundert ausländische Bergsteiger und ihre nepalesischen Betreuer, Sherpas, Porters, Köche usw. fest. Sie können den Khumbu-Eisfall nicht queren, das immer schon schwierigste Nadelöhr auf dem Weg nach oben. Dort taut und gefriert es in einem, der Untergrund ist unberechenbar, in ständiger Bewegung. Nun drohen mehrere Eisklötze abzubrechen, wann und wohin die Eislawine ihren Weg nimmt, ist nicht abzusehen. So ist es auch nicht weiter schlimm, dass am Freitag sämtliche Morgenflüge nach Lukla ausfielen, due to weather, wie unserer nach Surkhet. Sonst würden sich im Base Camp noch mehr frustrierte Westler die Füße vertreten. Das Wetter ist kein Januskopf, es hat nicht zwei, sondern viele und vielfältige Gesichter in diesem Land.

Hätten wir rechtzeitig einen Blick auf die Regierungsseite Forest Fire Detection and Monitoring System in Nepal geworfen, hätten wir uns nicht wundern brauchen. Waldbrände sind im Tarai zu dieser Jahreszeit, in der Hitze vor dem Monsun, nichts Ungewöhnliches. Im District Surkhet sind aktuell 11 Waldbrände registriert, in Bardyia 7, in Banke 19. Dass brennende Wälder und Felder wesentlich dazu beitragen, dass die Luft kaum zum Atmen ist, wissen wir. Aber bislang war das ein theoretisches Wissen. Noch nie hat uns ein Flächenbrand persönlich betroffen. In unserer unmittelbaren Umgebung wird zwar ständig gezündelt,  im Winter, um die Hände zu wärmen und das ganze Jahr über, um den Müll loszuwerden. Ich habe mich aber immer schon gefragt, warum diese Feuer in den engen Hinterhöfen nie einen ordentlichen Hausbrand entfachen. 

Feuer ist also nicht der Rede wert. Feuer handeln die locals gekonnt und tragen dessen Konsequenzen mit stoischer Gelassenheit. Eis aber ist der Rede wert. Denn am Eis - an der Passage durch den Khumbu-Gletscher - hängt das (einzig) lukrative Geschäft des Bergsteigertourismus.

Samstag, April 25, 2026

Bardiya Nationalpark

Vorgestern wären wir in Karnali angereist, gestern hätte Wissenschaft für W auf dem Plan gestanden, für mich sightseeing und loneliness. Heute wären wir zusammen auf Safari im Bardiya Nationalpark und bestaunten seltene Wildtiere wie Asiatische Elefanten, Bengaltiger, Schweinshirsche oder Barasingha-Hirsche, Hirschziegenantilopen, Ganges-Gaviale, Sumpfkrokodile oder Panzernashörner - so sie denn unseren Weg kreuzten. Leoparden, Wildschweine, Muntjaks. Wir hörten mit etwas Glück den Gesang seltener Vogelarten, sähen einen Saruskranich schreiten, oder eine Flaggentrappe, den Gangesadler auffliegen ... und so weiter und so fort. Aber wir sind nach unseren beiden ausgedehnten Ausflügen zum domestic airport nur wieder zu Hause gelandet. Zu unserem Besten!

Denn heute lese ich in der Zeitung, dass im Bardiya Nationalpark seit zwei Wochen der Sal-Wald brennt, bereits mehr als 20 % der Gesamtfläche stehen in Flammen. Der Brand entstand in den nördlichen Chure-Hügeln und breitet sich aufgrund anhaltender Trockenheit nach Süden und Osten aus. Die Rauchentwicklung ist massiv und belastet umliegende Siedlungen. Das hat uns niemand verraten. Auch nicht die Ranger, die wir - typisch deutsch! - rechtzeitig vorab angefragt hatten für eine Ganz- oder Halbtagesführung. 

Vielleicht ist deshalb der Flughafen Surkhet seit Tagen wegen schlechter Sicht geschlossen. Auch das hat uns keiner verraten. Bei uns auf dem Hill kam letzte Nacht kühler Wind auf, es regnete, blitzte und donnerte heftig. Und gerade ist das nächste Gewitter mit Starkregen über unsere Köpfe gezogen. 

Freitag, April 24, 2026

Surkhet Zwei

Wir haben wenig geschlafen und starten zum zweiten Versuch. Umgebucht auf den Frühflug, brechen wir um 6 Uhr erneut auf. Gepackt wie gestern. Gelaunt gemischt. Haze auch in Kathmandu. Air pollution very high

W soll um 11 Uhr auf der Internationalen Konferenz der Mid-West University zu diesem Thema sprechen.

11:38 Uhr: back home! Diesmal ohne Rundflug. Vier Stunden in der Departure Lounge verbracht, gefrühstückt, beim ersten und zweiten Espresso auf die Anzeige "delay due to weather" gestarrt, bis sie auf "cancelled" wechselte, Surkhet Airport ist closed und wird es vielleicht noch lange bleiben! Das abgefertigte Gepäck wieder im Empfang genommen, nach Hause gefahren und Koffer ausgepackt.  

Heute ist der 11. Baisakh, also Loktantra Diwas. Tag der Demokratie. Genauer: der 20. Jahrestag der Demokratie. Kein public holiday, oder doch? Ich weiß es nicht. Die zweitägige Reise an Ort und Stelle hat mich erschöpft.  Loktantra Diwas erinnert an die "Zweite Volksbewegung" - लोकतन्त्र आन्दोलन Loktantra Andolan, am 11 Baisakh 2063 (= 24.4.2006). Sie beendete vor 20 Jahren in 19 Tagen die autokratische Herrschaft von König Gyanendra, stellte das 2002 von diesem aufgelöste Parlament wieder her, bereitete den Weg zur Abschaffung der Monarchie und Ausrufung einer demokratischen Republik. 

Donnerstag, April 23, 2026

Surkhet

Nachdem nun rundum Ruhe eingekehrt ist - ein Rücktritt aus freien Stücken ist etwas anderes als ein Rauschmiss - verlassen wir den Hill für ein paar Tage. Wir fliegen am Mittag etwa 600 km nach Westen. Wie immer verwirren die Namen. Das Ziel, der Flughafen heißt SKH - Surkhet, die Stadt वीरेन्द्रनगर - Birendranagar. Der Flughafen ist nach dem Distrikt benannt, die Stadt aber, zu der er gehört und in der er liegt, hat ihren Namen von König वीरेन्द्र वीर विक्रम शाह - Birendra Bir Bikram Shah Dev bekommen, der 2001 zusammen mit fast allen seinen königlichen Verwandten vom eigenen Sohn erschossen wurde. Surkhet ist das Distrikt, Surkhet Jilla - सुर्खेत जिल्ला und liegt in einem Talkessel im südlichen Teil der Provinz Karnali, कर्णाली प्रदेश - Karnali Prades. Also im heißen Tarai. Birendranagar ist die Hauptstadt der Provinz Karnali. Und Karnali sowie den Karnali Fluss liebe ich aus der kühlen Ferne, seit ich Karnali Blues gelesen habe. 

20:42 Uhr: wir sind wieder auf dem Hill angekommen.

Nach einem excellenten Abendessen im Walnut Bistro. Wir haben den ganzen Tag nichts gegessen außer einer warmen Zimtschnecke.

Nach einem beeindruckenden turnaround über Nepals Westen, einmal KTM - SKH und zurück. 

Nachdem der Flugkapitän kurz nach 17 Uhr die Reiseflughöhe nicht verließ, sondern die Maschine um 180° wendete, so dass alle schneebedeckten Gipfel über den Wolken plötzlich die Seite wechselten und mich kurz die Sonne blendete. Der Pilot aktualisierte seine letzte Durchsage: wir würden in ca 35 Minuten in Kathmandu landen. Surkhet sei wieder geschlossen.

Nachdem der Flugkapitän kurz vor 17 Uhr persönlich die Durchsage machte, man möge die Anschnallzeichen beachten, wir würden die Reiseflughöhe nun verlassen und in 25 Minuten in Surkhet landen. 

Nachdem wir die Buddha-Air-Maschine am domestic airport in Kathmandu erleichtert und fröhlich mit knapp zwei Stunden Verspätung doch besteigen durften.

Nachdem wir seit 13 Uhr vor den domestic-Schaltern in KTM vom freundlichen Bodenpersonal vetröstet wurden, Sukhet sei wegen schlechten Wetters (haze, schlechte Sicht) geschlossen, aber alle hofften, das der Flug später (bis maximal 17 Uhr müssten wir noch Geduld haben) durchgeführt werden könne. Die auf die Morgenmaschine (7:30 am) gebuchten Pasagiere würden alle auch noch warten.

Nachdem wir das Haus auf dem Hill kurz nach 12 Uhr kompakt gepackt und frohen Mutes verlassen hatten.

Mittwoch, April 22, 2026

Der Buhmann

Der Bodhibaum hat nun wieder alle Blätter verloren. Das war schon letztes Jahr so. Ich habe gelernt, dass hier die Bäume im Frühjahr die Blätter verlieren, und erschrecke darüber nicht mehr. Denn sie kommen bald wieder. Am Morgen besucht mich am Tempel ein Affe, beäugt mein Tun kritisch und klettert dann hoch in den Laxmibaum. Die Krähen warnen und kreischen.  

Am Nachmittag tritt der Innenminister zurück. Seine Amtsgeschäfte übernimmt stellvertretend vorübergehend der Premierminister. 

Dienstag, April 21, 2026

Der Milchmann

Alles wird teurer, von Tag zu Tag, Woche zu Woche. Das Trinkwasser, die Bananen, der Kaffee, die Gerichte auf der Speisekarte von Sukunda ...   

Nur mein Joghurtmann, der eigentlich ein Milchmann ist, verkauft open dahi nach wie vor zum selben Preis, seit ich bei ihm kaufe. 

Die neue Regierung ist noch keinen  Monat im Amt. Der Arbeitsminister wurde wegen Vetternwirtschaft letzte Woche entlassen, ohne großes Brimborium. Seine Kollegin im Gesundheitsministerium verwarnt. Weil sie die Vetternwirtschaft nicht verhindert bzw zugelassen hat. Still und leise. Lauter geht es zu und her rund um den Innenminister, der in der ersten Nacht seiner Amtszeit seinen Vorgänger sowie den Ex-PM verhaften ließ. Er schreite zügig zur Arbeit, verkündete er in den sozialen Medien und postete dazu ein Foto von sich, schlafend auf dem Sofa im Büro. Nun liegen seine Besitzverhältnisse offen und werfen Fragen auf. Er beantwortet sie ua mit selbstgeschaffenen bonmots. Es sei keine Sünde, arm geboren zu werden, aber eine Sünde arm zu sterben. Seinen Reichtum habe er vor Antritt seines politischen Amtes "angehäuft". Durch kluge Investitionen. Er werde aus seinen Fehlern lernen. Die Kritiker entgegnen zu recht, dass das Innenministerium kein Ort für learning by doing sei. Nun will er studieren. Rechtswissenschaften. Denn, auch das sagt er sozusagen vor laufender Kamera, er habe gedacht, er sei der mächtigste Mann im Staat. Und müsse nun begreifen, dass die Justiz über ihm stehe. 

Auch die Plastiktüten werden aus dem Alltag und der Umwelt verschwinden. Denn es fehlen die Rohstoffe zur Produktion derselben. Wie die Nepalis demnächst ihre tägliche Milch kaufen, werden wir sehen.