Donnerstag, Februar 05, 2026

श्री विधा गणेश

श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh.

Nun habe ich endlich den Konsonantencluster श्री Sri verstanden - kommt auch vor in श्रीमान Shriman, dem husband, Mister, oder Ehrwürdiger, Hocherhabener oder eben Heiligkeit. Shri ist sozusagen die Abkürzung, das Mr. und besteht aus den Konsonanten s und r und der Ergänzung i. Es gibt drei verschiedene Formen von s, hier brauchen wir dieses s(h): श. Dieses s ist eng verbunden (ohne Vokal a dazwischen) mit dem nachfolgenden r und wird deshalb verkürzt zum Halbkonsonant. Dieser Halbkonsonant sieht für sich allein (so taucht er aber nie und nimmer auf) so aus: श्

Der Konsonant r wird normalerweise so geschrieben: र . Im cluster, also in Verbindung mit einem vorausgehenden Halbkonsonant, hier mit s(h) श् wird daraus श्र (fragt mich bitte nicht WARUM?). Das i zum Schluss wird normal zur Rechten angehängt. Und so wird श्री - Shri oder Sri korrekt geschrieben.

श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh. Aufgenommen in Thimi. 

Parvati hat ihren Sohn Ganesh beim Bade "erschaffen", lese ich. Sie bat ihn, solange sie weiterbade, ihren heiligen Sitz zu bewachen und niemanden hereinzulassen. Shiva kam und meinte als angestammter Gatte ein Recht auf den Ort zu haben, an dem seine Gattin sich aufhielt. Ganesh tat, wie ihm befohlen und ließ Shiva nicht vor. Daraufhin schlug Shiva Ganesh kurzerhand den Kopf ab. Die Reaktion Parvatis können wir uns lebhaft vorstellen, und um ihren Zorn zu besänftigen, setzte Shiva dem kopflosen Sohn einen Elefantenkopf auf. Und so wird Ganesh nun überall dargestellt: mit Elefantenkopf. Hier zur Rechten nochmals in Nahaufnahme.

 श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh. Für Frideswida Zapateira Honorabilis Emerita.

Dienstag, Februar 03, 2026

Blei in सिन्दूर

Zahnpasta, Lidstrich, Sindoor und vieles andere mehr, Kurkuma und andere Gewürze des täglichen Bedarfs - schwermetallbelastet. In Konzentrationen, sagt eine neueste Studie, die internationale Standards zum Teil um das Hundertfache übersteigen. Auch jedes nepalesische Kind soll zweimal täglich die Zähne putzen. Jede nepalesische Frau schminkt sich, ganz unabhängig vom Alter. Sindoor oder Sindūr सिन्दूर - ist das Vermilion, das Zinnoberrot, das sich jede verheiratete Frau täglich mitten auf die Stirn oder hoch am Haaransatz applizieren soll. Kürzlich lernte ich doch, dass die anlässlich der Bel Mariage oder Ihi rituell an einen Steinapfel vermählten vorpubertären Newarigirls diese Lehre von ihren Müttern auf den weiteren Weg mitbekommen: das Zinnoberrot muss für den Rest des Lebens auf der Stirn bleiben, sogar falls dereinst der Gatte sterben sollte und das Kind in die Witwenschaft eintritt. Und die Kumaris, die lebendigen Kindergöttinnen! Zweijährige Mädchen, die bis zur ersten Periode das Gesicht vollgeschmiert (sorry für die Wortwahl) bekommen mit diesem vergifteten Zeug, man schaue sich nur die dicken schwarzen Lidstriche und die feuerrote Stirn rund um das dritte Auge an. 

Reines Gift! Auch wir verkürzen unser Leben in diesem Land, in dieser Stadt. Ohne bleilastigen Lidschatten, aber mit der täglichen Portion Luft zum Atmen. Und was im Gemüse steckt, das ich an der Golfutar kaufe, will ich gar nicht wissen. Wir tun alles freiwillig und bewusst. Aber die Kids hier werden nicht gefragt, sondern aufs Zähneputzen oder den Thron gedrillt. Und die Hindufrauen auf Schritt und Tritt ermahnt, Traditionen wie Fasten für die Gesundheit der Männer und Söhne einzuhalten.  

Nun also Blei in Sindūr सिन्दूर. 

Montag, Februar 02, 2026

Magh Shukla Purnima

शुक्ल पूर्णिमा - Shukla Purnima. Der Mond, der Magh-Mond, ist bei uns erst nach Mitternacht voll geworden. Magh Shukla Purnima. Im Rest der Welt snow moon, Februar Schneevollmond. Hier endet heute Swasthani Brata Katha - das Fasten, das gläubige Hindus am letzten Vollmond, dem Poush-Mond (oder Wolfsmond) begonnen haben. W hat den ganzen Januar kein Bier getrunken! Wir gewöhnen uns an viele Sitten in diesem Land und lieben es mittlerweile, zum Essen warmes Wasser zu trinken.

Heute - oder schon gestern, für manche auch schon vor dem Wochenende, das nur aus einem (Sams-)Tag besteht, am Freitag nämlich - endet endgültig dieser Monats-fruit-only-Fasten, das ich nicht wirklich verstehe. Es wird es mal so, mal anders dargestellt. Dafür bietet mir das Abschlussritual reichlich Wortfutter: Die gläubigen (Vedic Sanatan) Hindus sollen heute (eventuell schon gestern abend oder kürzlich nachts) an Magh Shukla Purnima der Göttin Swasthani folgende Opfer darbringen:

  • 108 जनै - janaj (geflochtene heilige Fäden)
  • 108 सुपारी - supari (betel nuts)
  • 108 सुपारीको पात - supariko pata (betel leaves) 
  • 108 Blumen
  • 108 Brote 
  • 108 अक्षत - akshat (unbroken rice - ganze, unbeschädigte und ungekochte Reiskörner symbolisieren Reinheit, Wohlstand und vollkommene Hingabe)
  • sowie Früchte, Weihrauch, Kerzen, Lampen, Sandelholzpaste, rotes Sandelholz, Zinnober ua Gaben 

Swasthani soll die Göttin des eigenen Zuhauses sein. Die Gläubigen verehren also mit ihr den Ort, an dem sie selbst leben. Eine überzeugende Art vollkommener Hingabe, wie mir scheint.

Sonntag, Februar 01, 2026

Das Pferd

Nein, das Jahr des Feuerpferdes hat noch nicht begonnen. Zuerst steht der Vollmond vor der Tür, bzw vor dem Fenster, über dem Dach, am Himmel, den wir auch in der Nacht nicht mehr sehen. Um auf andere Gedanken - als das Ausbluten eines ganzen Landes - zu kommen, versuche ich es mit Komik. Ich lese A Horse Walks into a Bar. Ist nicht taufrisch. David Grossmann, der Autor bekam dafür mit Jessica Cohen, seiner Übersetzerin ins Englische, den Man Booker International. Vor geraumer Zeit.  Zum Lachen ist mir nicht zumute. Ich lese, um mein english zu testen. Und zu testen, ob ich (noch) in der Lage bin, irgendetwas von dieser Welt zu verstehen. Schon der Witz im Titel geht an mir vorbei. Und in einer Rezension lese ich (wozu eigentlich?), dass Grossmann keine(n) comic novel geschrieben habe, also keinen komischen Roman, sondern eine Parabel! Eine Parabel über den Verlust einer (ganzen?) Nation! "As with all good prarables, it requires the reader to do some work in order to understand its meaning". Na bitte, da habe ich mir wieder etwas eingebrockt.

Samstag, Januar 31, 2026

Samstag

Samstag ist immer so etwas wie Feiertag. Der einzige freie Tag in der Woche für alle, die einer geregelten Arbeit nachgehen. Kein einziges Bike auf dem schiefen Parking unter meinem Fenster. Viele, die vergeblich so eine Arbeit suchen, verlassen das Land. Ungefähr 650 Tausend junge, gut ausgebildete Nepali reisten im letzten Fiskaljahr  (= nach unserer Zeitrechnung Mitte Juli 2024 bis Mitte Juli 2025) pro Monat aus mit einem Arbeitsvisum. Prozentual absteigend in die Golfstaaten, nach Saudi Arabien, Qatar, Kuwait, Malaysia, Japan, Rumänien, Kroatien ua.  Studierende nicht mit eingerechnet! Nach den Gen-Z-Protesten im September und dem Rücktritt der Regierung Oli dürfte der Exodus weiter angestiegen sein. Insgesamt gingen eineinhalb Millionen Menschen - und nur wir zwei kamen. Das ist ziemlich absurd. Tragisch und bitter.

Freitag, Januar 30, 2026

Feiertag

Freitag, 16. Magh. Feiertag. शहीद दिवस - Sahid Diwas. Märtyrergedenktag. शहीद - Sahid ist der Märtyrer, दिवस - Diwas der Tag. Kein Bike zu sehen. Nur eine müde Sonne.

Präsident Paudel appelliert an die politischen Parteien sowie an alle Bürgerinnen und Bürger (general public) - weise im Vorfeld der Wahlen vom 5. März - ernsthaft, mutig und inspiriert die Träume der Märtyrer umzusetzen, die ihr Leben für eine bessere Zukunft des Landes ließen. Er nannte die 75 Gen-Z-Märtyrer nicht explizit. Offiziell gilt der heutige Tag dem Andenken an die vier "großen" Märtyrer, die sich vor über 60 Jahren gegen das tyrannische Rana-Regime auflehnten. Und mit dem Tod bezahlten. 

Wir alle wissen, was gegenwärtig auf dem Spiel steht.

Donnerstag, Januar 29, 2026

Nebel

Heute früh ist gar nichts zu sehen. Und es fällt kein einziger Tropfen. Weder dick noch dünn, weder leicht noch schwer. Keine Sintflut. Kein Niesel. Kein Niederschlag. Nur Nebel. 

Er lichtet sich im Laufe des Vormittags. Hebt sich nach oben, verschwindet gen Himmel. Die Sonne kommt herunter, bis zu meinem Fenster unter dem Dach. Aber zu meinen Füßen, unten im Tal und über der ganzen Stadt immer noch Suppe.