Sonntag, Juli 26, 2026

Der erste Blick auf die Berge

Es regnet die halbe Zeit. Die andere halbe Zeit regnet es nicht. Ich schlafe unruhig. Es ist heiß, auch nachts. Die Luft ist klar, die Aussicht prächtig.

Ich sehe zum ersten Mal schneebedeckte Gipfel. Berge. Das Annapurnamassiv. Wenn auch versteckt in den Quellwolken. aber mit ein bißchem gutem Willen gut zu erkennen. Ebenso die Reisfelder zu unseren Füßen.

Samstag, Juli 25, 2026

Ankunft in Pokhara

Wir sind angekommen. Mit einem halben Tag Verspätung, aber ohne Scherben. Wir freuen uns, dass die Umzugsmänner gute Arbeit geleistet haben und legen den Mantel des Schweigens über einen Typen von InDrive, der uns einfach sitzen ließ. 

Der bis zum letzten Millimeter unter der signalorangefarbenen Plane vollbeladene Minitruck verließ pünktlich um 08:30 Uhr unsere Hauseinfahrt, die gated community, den Hill, die Golfutar Richtung Ring Road und die capital city nach Westen, nach Pokhara. Das Auto aber, eine first-class-Limousine mit ausreichend Stauraum für unser Handgepäck, erschien nicht. Der Fahrer, der uns noch am Abend zuvor vollmundig versichert hatte, sure, don't worry, we will be on time (wobei uns, im Nachhinein betrachtet, der Plural etwas irritiert hatte) kam nicht nur nicht pünktlich um die Ecke gebogen, er ging auch nicht ans Telefon, las keine Nachrichten, hatte sein Smartphone ausgeschaltet oder weggeschmissen. Schlief oder war tot. Wer weiß. Wir mussten einen anderen Wagen besorgen, was etwas Zeit in Anspruch nahm, saßen auf den Sofas im Empfangsraum, in dem wir nie jemanden empfangen hatten, sahen dem Himmel über dem Hill zu, wie er sich eintrübte, und warteten. 

Wir fuhren mit gut zweieinhalb Stunden Verspätung los, verbrachten die gute erste Stunde im Stau durch Kathmandu, dann auf Rüttelstrecken im Schritttempo durch ein enges Tal. Die Straße wurde etwa ab der Hälfte erheblich besser und breiter. Sonst ist es eher umgekehrt, werden die Wege schlechter, je weiter man sich von der Metropole wegbewegt. Hier ist alles anders. Wir erreichten viel zu spät, aber wunderbarerweise zeitgleich mit der wetterfesten signalorangen Plane über unserem Hausrat den östlichen Stadtrand von Pokhara. W. sprang aus unserer Limousine, wedelte mit den Armen und wir fuhren brav hintereinander her zur Dhungesaghu Marg. Das Ausladen ging flott und kurz nach Sonnenuntergang saßen wir bereits bei unserem neuen Lieblings Mo:Mo Mann. Beim Dragon, das ist hier der Supermarkt, hatten wir zwei Dosen Bier aus dem Kühlschrank geholt. Der Mo:Mo-Koch verkauft keinen Alkohol, hat aber nichts dagegen, dass wir Mitgebrachtes trinken. Ganz neue Welt!


Freitag, Juli 24, 2026

Abschied von Kathmandu

Mein Abschied von Kathmandu. Der Umzugswagen wird seit 7 Uhr beladen. Unser InDrive Auto kommt um 8:30 Uhr. Es regnet nicht und wenn wir Glück haben, kommen wir vor der Morgen-rush-hour aus der Stadt. Mit noch mehr Glück sind die Straßen unterwegs frei. Alle warnen natürlich seit Tagen und empfehlen die Luftreise. Wie sollen wir das mit 20 Umzugskisten bewerkstelligen? Monsoon, landslide ...  

Diesen Ganesh habe ich vor langer Zeit auf einem meiner Spaziergänge gefunden, an einer sehr steilen und sehr engen Straßenkehre. Der Tempel hängt halb in der Luft, etwas schief und halsbrecherisch, auch die Bank für die Gläubigen. Zum Fürchten! Aber standhaft rot in der tiefstehenden Abendsonne. 

श्री गणेश मन्दिर 
टोखा नं. पा. वडा नं. ६ धापासी
स्थापित २०५७ १० ३ गते

Shri Ganesh Mandir  
Tokha Ward nr 6 Dhapasi
established 2057 10 3 gate -  das war am 16. Januar 2001 AD.

Ade!

Donnerstag, Juli 23, 2026

abbaden

Ich bin gepackt - bis auf die Küche. Wir warten auf die Umzugsmänner. Alles Zerbrechliche wollen sie selber in Luftpolster einwickeln. Viel ist es nicht, und mir ist alles recht, was meine Hände schont. Ich springe noch einmal in den community-eigenen Pool, solange ich Teil der dieser community bin. Ich schwimme meine 54 Längen. Das ist die Hälfte von 108 - lucky number bei den Buddhisten. So früh am Nachmittag kreischen keine Kinder und überhaupt ist das Wetter zu unbeständig für Familienbadespass. Abbaden hieß das an der Nordsee, aber mitten im Sommer kaum vorstellbar. Den Nachrichten entnehme ich, dass auch das Wasser in der Dithmarscher Bucht unter der Hitze leidet. Für die Zimperlichen wahrscheinlich wieder von Algen besetzt. Mein Pool ist immer clean. Ich werde ihn nicht wirklich vermissen, denn पोखरा - Pokhara ist, wie wir bereits wissen, die Stadt der Seen. Ich werde mir dort eine outdoor Bademöglichkeit suchen und bald wieder anbaden!

Dienstag, Juli 21, 2026

Seilringe

Nicht ohne mein Trampolin! Zur Feier des Tages bespanne ich das Trampolin mit neuen Seilringen und überlasse die ausgeleierten verstaubten dem Müll. Das Leuchten habe ich noch aus Dithmarschen mitgebracht und sorgsam gehütet, bis die Zeit dafür reifist. Grün, gelb, blau. Frische Farben, eine stramme Sprungmatte. Ein neues Schwinggefühl! In Pokhara werde ich endlich meinen Trainingsplan mit P. zu Ende machen. Es war mir am Nachmittag immer viel zu heiß unter dem Dach und in der kühlen Früh beschränke ich mich auf meine zwölfeinhalb Minuten Aufwachroutine.  

Montag, Juli 20, 2026

Tulsi

Tulsi, das indische Basilikum gehört Lord Vishnu. Es gilt als seine irdische Manifestation. Wir hatten das schon, dass es gepflanzt werden soll, bevor Vishnu im क्षीर सागर - Kshir Sagar, im Milchozean für ein paar Monate entschläft. Bei mir wächst das Basilikum ungehemmt und ungeplant. Ich trage den übervollen Pflanztopf zum Tempel. Der Mönch erklärt mir, dass es schwarzes und grünes Tulsi gibt. Und dass demnächst, nämlich am Samstag, Harishayani Ekadashi ist. Dann sind wir bereits in Pokhara, sage ich, aber er versteht nicht, was ich meine. Wir leben in verschiedenen Gedankenwelten. Umziehen ist etwas ganz Unvorstellbares für die Leute hier. Er zupft sofort ein paar Pflänzchen heraus und setzt sie in den dafür vorgesehenen Quader, schön geometrisch angeordnet, vier zu vier. Den Rest trägt er nach Hause. First mission completed

Die zweite kommt am späten Nachmittag. Es regnet mit Unterbrüchen. Ich nehme die ausgebleichten, vom Wind gebeutelten Gebetsfahnen vom Dach. Wir warten eine Regenpause ab und marschieren dann zu zweit zum Tempel. Mit Streichhölzern und Feuerzeugen. Wir verbrennen die buddhistischen Fahnen in der Feuerstelle vor dem kopflosen Shiva und der stolzen Parvati. Sie werden uns das nicht übel nehmen! Der Himmel jedenfalls meint es gut mit uns, die Sonne kommt heraus und guckt neugierig zu. Der Wind bläst den Rauch in die richtige Richtung. 

Es fänge bald wieder an zu regnen. In der Baugrube herrscht Ruhe. Wir steigen den Tempelhügel hoch und überqueren noch einmal die laute Golfutar auf dem Weg zu Sukunda. Wir schütteln uns trocken wie nasse Hunde und essen noch einmal scharfe Newarigerichte. Alles passiert nun bereits ein letztes Mal.

Samstag, Juli 18, 2026

नागढुंगा सुरुङ्ग

नागढुंगा सुरुङ्ग - Nagdhunga surung ist der erste Straßentunnel Nepals. Er liegt praktischerweise auf unserem Weg. Unpraktischerweise ist er immer noch nicht für den Verkehr freigegeben. Die Eröffnung verzögert sich aus technischen und administrativen Gründen, wie es heißt. Die knapp drei Kilometer durch das Grundgestein der Sopyang-Formation zwischen Nagdhunga am westlichen Rand von Kathmandu und Sisnekhola im Dhading Distrikt sind schon seit einem guten Jahr fertig gebaut. Die geologischen Gegebenheiten waren schwierig, mehrere Scherzonen stellen ein hohes Risiko für Verformungsgefahr, Hangdruck und Nachbruch dar. Die Sopyang-Formation besteht aus "geringgradig metamorphem Gestein", wie ich lese, aus Phylit, tonigem Kalkstein und Quarzit.   

Nun soll aber der नागढुंगा सुरुङ्ग - Nagdhunga surung, der Tunnel zwischen genaugesagt Balambu und Sisnekhola, Teil des Tribhuvan Highway, am 27. Juli endlich - aber auch nur "stufenweise", wie ich lese und nicht verstehe - geöffnet werden. Wir bräuchten ihn bereits drei Tage früher, am 24. um unseren Umzug nach Pokhara etwas schneller zu bewerkstelligen, die Reisezeit für uns und unser Hab und Gut um etwa eine halbe Stunde zu verkürzen. Die Strecke von etwa siebeneinhalb Kilometern bergauf und bergab ist dann nur noch fünf Kilometer lang, die Fahrzeit halbiert sich dadurch.  

Heute dürfen "Fußgänger" den Tunnel passieren, was später streng verboten sein wird. Heute findet der "Nagdhunga Tunnel Fun Run and Walk" statt und es darf gefeiert, gerannt, gestaunt, geschwitzt und gelacht werden.