Mittwoch, September 09, 2026

Schultag

Mittwoch. Zwei Wochen nach der Flut. In बिदुर - Bidur öffnen die Schulen wieder. Bidur ist der Verwaltungssitz des Distrikts Nuwakot. Die Stadt liegt am Oberlauf des Trishuli und wurde beim Erdbeben 2015 schwer beschädigt. Nicht alles konnte in den letzten zehn Jahren wieder aufgebaut werden. Nuwakot und sein nördlicher Nachbardistrikt Rasuwa wurden von der Sturzflut am schlimmsten getroffen. Bidur will nun ein Zeichen der Normalität setzen und den traumatisierten Kindern Halt geben.

Vor der Flut gab es 54 öffentliche und 25 Privatschulen. Drei Gemeindeschulen und zwei Privatschulen wurden zerstört. Acht öffentliche Schulgebäude sowie eine Privatschule dienen als Notunterkünfte, Auffanglager für Überlebende und aus der Region Gerettete und Obdachlose. 

Die restlichen 65 nehmen ihren Betrieb heute wieder auf, auch wenn kein normaler Unterricht vorgesehen ist. Die Kinder sollen in die nächstgelegene Schule gehen, auch ohne Uniform und ohne Hefte, ohne Stifte. Hauptsache der Weg ist sicher.

In den drei Nachbardistrikten Rasuwa, Nuwakot und Dhading wurden insgesamt 23 Schulgebäude zerstört. Über 7000 Schüler haben keine Schulbank mehr. Und etwa 600 Kinder werden immer noch vermisst.

Dienstag, September 08, 2026

Gedenktag

Die Tage jagen sich. Heute जेन जेड शहीद दिवस - Gen Z Sahid Divas, Märtyrertag der Gen Z, im Gedenken an die Toten der Gen-Z-Proteste vor einem Jahr. Da es noch einen anderen Märtyrertag gibt, der schlicht शहीद दिवस - Sahid Divas heißt, muss der heutige konkretisiert werden. Diese Gen Z Märtyrer waren allesamt jung und unerfahren, hingerichtete Kinder in Schuluniformen und andere Unschuldige. Von hinten in den Kopf oder von vorne in die Brust Erschossene. Public holiday.

Ein September jagt den anderen. In meiner gedanklichen Nachlese, ist es bereits mein dritter Katastrophenseptember in diesem Land. Im ersten lief ich, kaum angekommen drei Tage lang mit einer Handvoll Buddhisten auf staubtrockenem Asphalt von Kathmandu nach Südosten, zum Namo Buddha Tempel. Kaum zurück im 10. Stock des einen der twintowers, in dem wir damals wohnten, ging ein folgenschweres post-monsoon-Unwetter nieder. Es regnete drei Tage lang ununterbrochen und sogar die Nachbarn in Kathmandu sagten, so etwas hätten sie noch nie erlebt. Der Koshi-Fluss schwoll an (dem wir peacewalker schwitzend gefolgt waren) und verwüstete u.a. Panauti, die alten Tempel  und das Kloster (wo wir verköstigt wurden) - wir hatten das schon -  sowie ungefähr 500 andere Gebäude vollständig und 713 teilweise, 20 Menschen nahm er mit. In den Tod. Damals war ich mir der Gefahr überhaupt nicht bewusst, der wir nur knapp, um gerade mal zwei Tage entgangen waren. Noch pflegte ich meinen jetlag. Und Schnupfen nach dem Marsch. 

Der Septemberschock vom letzten Jahr saß und sitzt immer noch tief. Er wirkt bis heute nach, bewusst oder unbewusst. Auf so einen Gewaltausbruch war ich nicht vorbereitet. Und wenn ich heute eine Nachlese lese, stehen mir noch einmal die Haare zu Berge. Wie blind und arrogant ("beratungsresistent") dürfen greise Politiker eigentlich sein? Vollkommen ungestraft. Sofort drängen sich in meinem Kopf Parallelen auf. Die verteibe ich mit dem अम्रिसो कुचो - amriso kuco, dem weichen traditionellen nepali Grasbesen.     

In diesem Jahr kam die Flut schon im August, oder besser im nepalesischen Monat Bhadra. Mitten in der Regenzeit, aber nicht der Regen hat sie ausgelöst. Es regnete tagelang überhaupt nicht. Der Monsun in diesem Jahr ist untypisch. Viel mehr Regen als üblich fiel bereist in der pre-monsun Zeit, also im Frühjahr, im März und April. Und während des eigentlichen Monsun gibt es unbtypische längere Trockenphasen. Die Bhadra-Sturzflut - oder Rasuwa-Flut, China-Nepal-Flut, Nepal-Tibet-Flut, Bhotekoshi-Flut, soviele Namen hat sie schon! - kam vom blauen Himmel über die Menschen im Trishuli-Korridor. Und das ist erstmal unfassbar. Kompliziert zu verstehen. Und zu bewältigen.

In Mustang, Manang, im nördlichen Gandaki (das ist unsere Provinz) bebt um 21:53 Ortszeit die Erde. 4,9 oder 5,3 - wie immer variieren die Angaben. Aber Schäden werden keine gemeldet.

Montag, September 07, 2026

Trauertag

National day of mourning - Staatstrauertag. Kein public holiday. Es wird gearbeitet, die Fahnen hängen auf Halbmast. Trauerbeflaggung im ganzen Land und in allen nepalesischen diplomatischen Vertretungen weltweit. 

Heute ist der 13. Tag nach der verheerenden Bhotekoshi-Sturzflut. Normalerweise wird von der "August 26 flood" gesprochen oder geschrieben. Kürzlich las ich zum ersten Mal in einem englischsprachigen Artikel (andere verstehe ich nicht) von der "Bhadra 10 flood". Diese Bezeichnung ist eigentlich angemessener und erleichtert für einmal die zeitliche Ein- und Zuordnung. Heute ist der 22. Bhadra und der 13. Tag nach der Flut (den ersten, den 10. miteingerechnet). In der hinduistischen Tradition hat der 13. Tag nach dem Tod eines Menschen eine besondere Bedeutung. Nichts ist hier ganz ohne Bedeutung. Aber die 13 Tage Trauerzeit sind wichtig im Leben eines jeden, auch ungläubigen Menschen. Trauernde separieren sich, sondern sich zum Schweigen (= nicht reden, kein Smartphone benützen) und Beten ab, verzichten auf Salz und sind in einfache weiße Tücher gekleidet, die sie jeden Morgen waschen. Ich habe unzählige Solche auf dem Hill an dem kleinen Shivatempel erlebt. Die Männer scheren sich den Kopf kahl. Die Frauen tun dies nur nach dem Tod des Gatten, wobei "scheren" in ihrem Fall "feminin" ausgelegt wird. Es reicht, wenn das oft hüftlange, dichte schwarze Haar auf Nackenlänge gekürzt wird. Der 13. Tag ist der feierliche Abschluss. Die Seele des Verstorbenen wird entlassen, die weitverzweigte Familie versammnelt sich und veranstaltet eine puja mit anschließendem Festessen. Dann kehren die Angehörigen in ihren Alltag zurück. Auf dem Hill bedeutete das: auf die geschäftige Golfutar. 

Dieser 13. Tag nach der Todesflut ist heute. Aber kaum jemand unter den Überlebenden hat noch einen Alltag. Und alle, die weiterhin warten, auf eine Rückkehr oder einen Anruf, haben noch gar nicht angefangen zu akzeptieren, zu zählen, zu trauern. Und die, die schweren Herzens willens sind, hatten in den letzten Tagen keine Gelegenheit, keinen Ort um sich zu separieren, zu schweigen, saubere weiße Tücher zu tragen und sie jeden Tag zu waschen. Wer verzichtet schon auf Salz, wenn er oder sie auf Notrationen angewiesen ist, die aus dem Helikopter abgeworfen werden. Ja, sie sammeln nun Kush-Gras und flechten die Kush-Effigies - aber dann heißt es (lese ich), dass für mehrere Mitglieder ein und derselben Familie die final rites, die letzten Dienste, auch bei der symbolischen Kremation einer Graspuppe, nicht an ein und demselben Kalendertag stattfinden dürfen ...  Die Menschen haben es wahrlich nicht leicht. Ganze Dörfer sind physisch zerstört und im wahrsten Sinne des Wortes ausgestorben.Weitverzweigte Sippschaften, Großfamilien eben, denn anders funktionierte das Leben in den Bergen nie, sind vom Schlamm mitgerissen worden und darin erstickt. Auf wieviele Tage, Wochen, Monate soll nun der heutige letzte, 13. Tag der Trauerrituals ausgedehnt werden?

Gestern gab die Regierung Zahlen bekannt: 

  • 1.355 Leichen wurden insgesamt geborgen, davon konnten 98 identifiziert werden
  • von 1.181 nicht mehr identifizierbaren Leichen oder Leichenteilen wurden DNA-Proben entnommen, die sterblichen Überreste anschließend aus hygienischen Gründen vorläufig erdbestattet
  • 1.186 Überlebende gaben Blutproben zum DNA-Abgleich ab
  • 13.396 Menschen wurden gerettet
  • 4.996 Menschen sind weiterhin out of contact = vermisst
  • Ungefähr 7.570 Häuser wurden zerstört, davon 48 Regierungsgebäude
  • 32.933 Menschen sind obdachlos geworden
  • 55 Kilometer Straße, 37 befahrbare Brücken, 68 Hängebrücken, etwa 1.806 Hektar Ackerland, 13 Wasserkraftwerke, 1 Solarkraftwerk, 2 Übertragungsleitungen wurden komplett zerstört, 783 MW Erzeugungskapazität aus Wasserkraft gingen verloren 
UNICEF berichtet darüber hinaus, dass 22.000 Kinder keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Sonntag, September 06, 2026

NH 18

Mir fehlt das schiefe Bike-Parking als Orientierung - nicht in der Landschaft, sondern in der Zeit. Heute ist Sonntag. Ich muss mein Hirn schon sehr anstrengen, um das zu begreifen. Es ist einigermaßen ruhig rundherum. Aber das kann vieles oder nichts bedeuten. 

Sonntag. Also Ausflug. Die meisten Highways in diesem Land sind nach historisch wichtigen Männern benannt, nach Herrschern, Tyrannen, Volksverächtern oder Königen. Manche tragen keinen Namen, aber alle, auch die (noch) namenlosen, die in die Kategorie NH wie National Highway gehören, sind nummeriert. Es gibt 80 davon. Wir sind auf dem NH 17, auf dem Prithvi Highway von Kathmandu nach Pokhara umgezogen. Gut haben wir das Ende Juli gemacht, denn einen Monat später, Ende August wären wir wahrscheinlich nicht weit gekommen. Den Prithvi Highway - benannt nach Prithvi Narayan Shah, den wir schon kennen - hat nämlich der steigende Pegel des Trishuli in Krishnabhir in Dhading unterspült. Und der Highway, der während des Monsuns immer für Kummer sorgt, für stunden- oder auch tagelanges Warten an verschütteten Stellen, bis ein Bagger das Schlimmste wegschiebt und danach Schritttempofahren über Kies und durch Schlaglöcher, ist diesmal auf mehreren Kilometern abgesackt und vorläufig vollständig gesperrt.

"Highway" ist ein Euphemismus. Oft sind es Staubpisten, nach Regen verschlammte Serpentinen, auf denen zwei PKWs oder Reisebusse "gerade so" - dank excellenter Fahrtechniken der Driver! -  aneinander vorbeikommen. Die einzige Frau, die auf dieser hohen Ebene in Nepals Straßennetz verewigt wurde, ist Pasang Lhamu Sherpa. Auch sie kennen wir bereits, sie war die erste Nepalesin auf dem Gipfel des Everest, überlebte aber den Abstieg nicht. Deshalb kam der NH 18 zu seinem - ihrem! - Namen. Der Pasang Lhamu Highway beginnt im Westen Kathmandus im Stadtteil Balaju und führt nach Nordwesten in die Berge, am Trishuli-Flussbett entlang durch das Nuwakot Distrikt nach Dhunche und weiter ins Rasuwa Distrikt. Er endet in Syafrubesi bzw geht dort in den namenlosen NH 42 über, der den in den letzten Jahren rapide ansteigenden Waren-, Personen- und Pilgerverkehr durch den Trishuli Korridor weiter nach Norden bis zur Grenzstation Rasuwagadhi ermöglichte. Ermöglichte! All diese Flurnamen sind uns in den letzten Tagen aus nicht gutem Grunde geläufig geworden. Orte, die allesamt verwüstet wurden, Dörfer, die von der Landkarte verschwanden. Brücken, die mitsamt ihrer Mess- und Alarmstationen einstürzten. Der nördlichste Abschnitt des NH 18 ist nicht mehr befahrbar, ganz zu schweigen vom NH 42. Der Trishuli Korridor ist mehr oder wenig vollständig zugeschüttet. Die Bewohner der höher gelegenen, unversehrten Dörfer an seinem Verlauf sind, wenn sie noch leben, gefangen. Sie sind auf Hilfe angwiesen, können nur noch aus der Luft versorgt werden oder müssen auf eben diesem Weg evakuiert werden. Wer es nicht glaubt, kann es hier nachlesen oder nachgucken. Also kein Sonntagsausflug heute.

Samstag, September 05, 2026

Kush-Effigie

Samstag. Wochenende. Freier Tag. Ruhe rundum. Fast gespenstig.

पहिरेबेसी - Pahirebesi war ein Dorf in der Gemeinde Uttargaya Rural Municipality im Rasuwa Distrikt. Es lag direkt am Ufer des Trishuli. Seit November 2024 Standort der Trishuli 3B Hub Substation, neben Thambuchet die zweite wichtige Umspannstation für die Chilime-Trishuli Übertragungsleitung. Das Dorf, die Masten, die Stationen - komplett zerstört. Ein knappes Viertel der Bewohner konnte sich retten, fast alle ihre Häuser liegen unter Felstrümmern, Schutt und zähelm Schlamm. 

Die Bewohner waren Kummer gewohnt, ihr Dorf war immer bedroht. Von oben und von unten. Von herabrutschenden Hängen, vom steigenden Flusspegel. Sie räumten nach jedem Monsun auf. Die Frauen entwickelten sogar ein Selbsthilfeprogramm, versuchten durch den gezielten Anbau von tiefwurzelnden Pflanzen die Erde an den steilen Hängen zu stabilisieren. Warum das Dorf an dieser Stelle überhaupt je entstand, kann ich nicht sagen. Es trug sein Schicksal, wie alle in diesem Land ihr Schicksal tragen: gefasst. Es hatte das Orakel im Namen: पहिरो - pahiro = Erdrutsch. बेसी - besi = Flachland (Bassin), Flussniederung, fruchtbares Land zwischen Bergen. Also etwa das Erdrutschtal. Das Dorf am Fuße einer Naturkatastrophe. In einem der ersten Kommentare eines nepalesischen Geologen nach der Katastrophe hörte ich (sinngemäß) den Satz: unsere Großeltern wohnten nie unten im Tal, dort bewirtschafteten sie auf dem fruchtbaren Boden ihre Felder, die Häuser aber bauten sie oben. 

Die Überlebenden von पहिरेबेसी - Pahirebesi, dem Erdrutschtaldorf leben nun in überfüllten Notunterkünften und beginnen, ihre vermissten Angehörigen symbolisch zu bestatten. Nach hinduistischer Tradition soll man spätestens am achten Tag die Trauerrituale beginnen, am 13. Tag müssen sie abgeschlossen sein, damit die Seele freikommt. Die Hinterbliebenen flechten eine Effigie, eine Puppe aus Kush Gras und zelebrieren eine कुश शव दहन - kush sav dahan. Eine Behelfs-Kremation. Ein Stellvertreterritual. Sie verbrennen eine Graspuppe anstelle des Leichnams. कुश - kush ist auch eines der höchst heiligen Hindu-Gräser, aber ich glaube, es wuchs nicht in meinen bescheidenen Beeten, also habe ich ihm kein Unrecht angetan! 

Auch in den buddhistischen Tamang-Dörfern Thulo Bharkhu und Sano Bharkhu - etwa Groß-Bharku und Klein-Bharkhu beginnt allmählich die "Akzeptanz", wie es der 83-jährige Lama nennt. Er macht den Anfang mit der eigenen Familie. Ein Sohn und zwei Schwiegertöchter sind vermisst - aber wie lange können wir warten? Fragt er. Auch in der buddhistischen Tradition muss am 7. Tag nach dem Tod das Trauerritual abgehalten werden, also tut er es. Geht voran. Wer es in der ersten Woche nicht schafft, kann es in der zweiten Woche versuchen, sagt der alte Priester. In der 7. Woche nach der Flut wird er eine gemeinschaftliche Trauerfeier abhalten, damit die Seelen ihren "ewigen Frieden" finden können. Dazu brauchen sie unsere Unterstützung, unsere Gebete, unsere Riten. Sagt der alte Priester. Die beiden Dörfer liegen auf fast 2000 Metern Höhe und blieben vor materieller Zerstörung verschont. Aber viele ihrer Bewohner arbeiteten unten, am Fluss, in den Tunneln der Kraftwerke und kehrten nach dem 26. August nicht mehr nach Hause zurück.

Freitag, September 04, 2026

Shree Krishna Janmashtami

Freitag. Feiertag,  public holiday, rund um um mein Arbeitszimmer wird gehämmert und gelärmt. Auf der Baustelle gegenüber ist ein Heer von Frauen in bunten Kopftüchern aufmarschiert. Das verheißt nichts Gutes. Wenn es etwas zu schaufeln und zu schleppen gibt, werden immer Frauen eingesetzt. Und unser direkter Nachbar im Süden - zwischen den Häusern ist ein winziger Spalt - stockt das Dach auf. Für den Nachwuchs (nehme ich an). Verheißt auch nichts Gutes. 

Aber immer mit der Ruhe. Shree Krishna Janmashtami - sagt mein nepali calendar. Geburtstag von Lord Krishna, dem achten Avatar Vishnus. Ram, wir erinnern uns, ist der siebte. Aber heute ist Astami, der achte Tag der krishna paksha, der dunklen Mondphase, im Monat Bhadra. Lord Krishna soll um Mitternacht im Gefängnis von Mathura in Nordindien zur Welt gekommen sein. 

  • Weil Krishnas Onkel mütterlicherseits Kansa, der grausamer Herrscher von Mathura, seine Schwester und deren Mann Vasudeva eingesperrt hatte. 
  • Weil ein Orakel vorausgesagt hatte, dass Devakis achter Sohn König Kansa töten werde. 
  • Weil der tobsüchtige Kansa dachte, er könnte seinem Schicksal entgehen, indem er jedes Neugeborene seiner Schwester in der Gefängniszelle umbringen ließ. 
  • Weil den Eltern nach Krishnas Geburt die Flucht gelang. 
  • Weil sich im Hinduismus jedes Orakel erfüllt. Früher oder später. Als Krishna herangewachsen und kräftig genug war, nahm er den Kampf mit dem bösen Onkel auf.

Rund um das einstige Gefängnis wurde Krishnas Geburtstempel errichtet - der Sri-Krishna-Janmasthan- Tempel. Dort - und anderswo - versammeln sich heute die Pilger zum Singen, Fasten und Beten. Und hier die message unseres PM Balendra Shah.

Donnerstag, September 03, 2026

Heilige Dreifaltigkeit

Donnerstag. दूर्वा - durva, oder दूर्वा घास - durva ghas, ist ein den Hindus heiliges Gras. Ich habe es wahrscheinlich kürzlich zuhauf eliminiert aus dem Garten. Weil ich alles ausriss, was mir zu sehr wucherte. Ich wollte sehen, was außer Gras und Sandsäcken in den Beeten steckt. Und potentiellen Blumen oder Sträuchern etwas Luft und Licht verschaffen. Ihnen die Gelegenheit geben, sich auch zu entwickeln. Stürmisch oder nicht 

Durva Gras oder zu deutsch Hundszahngras, auch Bermudagras ist eine, wie ich erst jetzt lerne, in hinduistischen Ritualen "unverzichtbare Opfergabe". Soll göttlichen Segen bringen und göttlichen Ursprungs sein. Das Haar der Mutter Erde. Nun denn, hin ist hin ... aber nein: es ist so robust und so tief verwurzelt, dass es sofort nachwächst, wenn man einen Halm abzwackt oder vermeintlich mitsamt Wurzel aus dem weichen Boden zieht. दूर्वा - durva ist ein kriechendes, widerstandsfähiges, sich flugs regenerierendes Gras. Deshalb steht es für Fruchtbarkeit, Neubeginn, Wiedergeburt. Und: es ist Ganeshs Lieblingsgras. Das hätte ich ihm vorgestern, am Dienstag, an Mangal Chauthi darbringen müssen. Keine Puja für Ganesh ist vollständig ohne Durva. Lese ich. Nun denn. Ich habe ihm bloß ein kurzes Verweilen auf dem Karmaholz gegönnt.

Die Halme verzweigen sich dreiblättrig. Daran erinnere ich mich. Dass ich an dreiblättrigen Gräsern zog und mir sofort kilometerlange Stränge und Verwachsungen in die Hände fielen. दूर्वा - durva lässt sich tatsächlich widerstandslos aus, unter oder über der Erde entfernen. Das Dreiblättrige ist aber auch heilig! Diese natürlich gewachsene Form, lese ich, vereine die göttlichen Kräfte von Shiva, Parvati und Ganesh. Heilige Dreifaltigkeit!  

Ein vielleicht schwacher Trost - nebst den Rhizomen - ist, dass viele meiner Halme bereits Rispen trugen. Samentragende Gräser sind nutzlos für religiöse Rituale. Blühen oder Reifen verringert die Vitalität der Pflanze. Dann ist ihre biologische Kraft aufgebraucht und der göttliche Zauber wirkt nicht mehr.