Es regnet, wie vorhergesagt, immer noch. Nun schon den dritten Tag in Folge. Ohne Pause. So habe ich mir einst, naiv wie ich war, die Regenzeit vorgestellt. Regen ohne Ende. Bis vor ein paar Tagen habe ich in Nepal nie Regen ohne Ende erlebt.
Heute ist im Valley, in dem ich nicht mehr wohne, Feiertag. Die Newaris huldigen dem Regengott Indra. Danken für seinen reichen Segen während des Monsuns. So etwas wie Erntedank. Ernten kann man nur, wenn genug Regen gefallen ist. Trotzdem mutet es heute zynisch an, den Regengott zu verherrlichen. Unser PM, der einstige Rapper, spricht im Morgengrauen (nepali time) im gewohnten outfit in New York vor der UN Vollversammlung. Ua über die Bhotekoshi-Trishuli-Flutkatastrophe, deren Folgen noch niemand, nicht einmal er, in Worte fassen oder mit Zahlen beziffern mag. Derweil fällt in ganz Nepal gerade soviel Wasser vom Himmel, in der Höhe (am Manaslu, im Annapurnagebiet, in Manang und Mustang) als Schnee, dass ihn vielleicht bei der Rückkehr nach Hause bereits die nächste Katastrophe erwartet.
Kathmandu und das Valley feiert Indra Jatra. Hindus außerhalb des Valleys feiern अनन्त चतुर्दशी - Ananta caturdashi. Ananta ist ein Beiname, eines der unzähligen Epitetha von oder für Lord Vishnu. Ananta kommt fast in jedem Mantra vor, damit kann nach meinem Dafürhalten jeder Gott besonders inbrünstig angerufen werden. Bedeutet der oder die oder das Unendliche. Caturdashi ist der Vierzehnte Tag einer Mondphase, derzeit der heller werdenden. Vierzehn Tage nach Neumond, einfacher gesagt: ein Tag vor Vollmond. Zusammengefasst bedeutet अनन्त चतुर्दशी - Ananta caturdashi schlicht der unendliche Vierzehnte. Wie so oft, ist das Davor wichtiger als das Eigentliche.
Vor zehn Tagen, am vierten Tag dieser momentanen shukla paksha erbaten die Ganesh-Verehrerinnen mit spiritueller Disziplin und dem गणेश चतुर्थी व्रत - Ganesh caturthi vrat, dem Fasten am Vierten Tag nach Neumond, die Segnungen von Lord Ganesh. Und begannen hungrig das zehntägige Ganesh-Festival, das nun also heute, wie berichtet, sein Ende findet.
Die Welt ist so kompliziert wie ihre Zahlen und deren Wörter, wie ihre Götter und deren Namen.






