Montag, Juli 06, 2026

भूमिस्पर्श मुद्रा

Wir sind im Newariland, im Buddhaland, im peacewalkland. Nach dem Frühstück reicht die Zeit für einen kleinen Spaziergang zum Buddha Peace Park. Hier sitzt Lord Buddha in Gold als भूमिस्पर्श मुद्रा - Bhumisparsha Mudra, als "Earth Touching Buddha". Der die Erde berührende Buddha. भूमि - Bhumi kennen wir schon als Göttin der Erde. Ihr wird unter meinem Fenster in Kathmandu jetzt regelmäßig gehuldigt. Die Bauherren und Baudamen wollen kein disaster! Hier aber, in Nagarkot, unweit von Bhaktapur, unweit von Namo Buddha, sitzt Lord Buddha auf dem goldenen Sockel, seine rechte Hand zeigt zur Erde (mehr symbolisch als wirklich). Der Mittelfinger dieser Hand berührt das goldene Kissen, auf dem der in Meditation Versunkene thront und das die Erde symbolisiert, als Zeichen der Erleuchtung.  

Der Legende nach saß Buddha unter einem Bodhibaum und meditierte. Der Dämon Mara versuchte ihn dabei mit wüsten Worten zu stören, aber Buddha widerstand den verbalen Versuchungen. Er rief Bhumi, die Göttin der Erde an, sie möge seine Erleuchtung bezeugen, wenn er mit dem Finger sie - also die Erde - berühre.
Bhumi war nicht nur Zeugin, sondern auch Beschützerin. Sie setzte eine mächtige Flut in Bewegung, die den immer noch laut schimpfenden Dämon Mara fortriss und Lord Buddha erlaubte, seinen spirituellen Weg zu beenden.  

Deshalb भूमिस्पर्श मुद्रा - Bhumisparsha Mudra:
भूमि - Bhumi, die Göttin der Erde und 
स्पर्श - sparsha = berühren und  
मुद्रा - mudra (in Sanskrit ursprünglich Siegel)  = die symbolische Handstellung 

Der die (Göttin) Erde mit dem Mittelfinger der rechten Hand (im Moment der Erleuchtung) berührende Lord Buddha.

Wir fahren am Nachmittag zurück in die laute Stadt.

Sonntag, Juli 05, 2026

Yala Chhen

Bevor wir abgeholt werden, sehe ich den Mond über den Dächern der Nachbarn untergehen (wer sieht ihn nicht?). Der Himmel strahlt am Morgen auch über der Capital City und über dem Hill, wenn in der Nacht viel Regen gefallen ist. 

Um die Zeit zu nutzen, fahren wir noch einmal nach Nagarkot. Ungefähr zum vierten - und wahrscheinlich vorerst letzten Mal ans östliche Ende des Valleys. Wir tanken frische Luft und genießen eine unverstellte Aussicht, so lange es eben geht. Der Himmel zieht sich zu, wie schon beim letzten Mal, kaum sind wir angekommen. Diesmal sind es Monsunwolken und sie entleeren sich, während wir beim Mittagessen sitzen.
Wir wohnen im Yala Chhen - in Yalas Palast! Das ist das Haus von Yala in Newari. "Chhen" ist das Haus, die Hütte, das Gebäude oder eben der Palast! Und "Yala" nannten die Newari ihre Stadt, die heute Lalitpur heißt und einst Patan war. Ich wusste nicht, dass der südlich gelegene Stadtteil von Kathmandu (wo wir einst vorhatten, wohnen zu wollen - wer erinnert sich nicht?) einen dritten, noch älteren Namen besitzt: Yala  nach dem ersten Kirati-König यलम्बर - Yalambar.
Wir wohnen also in यलम्बर - Yalambars bescheidener Kate, in der Königssuite. यलम्बर - Yalambar ist auch, das wissen wir schon, der Namensgeber für den Mondkalender der Kirat, Yelam Sambat. Der Wechsel von YA zu YE erklärt sich dadurch, dass König Yalambar auch Yalamber oder verkürzt Yalam oder Yele genannt wurde (vielleicht eine Art Kosename?).

Samstag, Juli 04, 2026

20 Tage

Samstag. In drei Wochen sind wir umgezogen. Ich muss mich ranhalten mit Tagerunterzählen. Die ersten Kisten habe ich aufgeklappt und die Böden zugeklebt. Nun stehen sie in Reih und Glied im Zimmer, das einst W's Arbeitszimmer war und seit Monaten leer steht. Der Regen kommt in der Nacht, ziemlich heftig. Ein Gewitter tobt sich stundenlang über unseren Köpfen aus. Wir hoffen, dass die Zimmerdecke noch Nässe speichern kann. Dass der Regen nicht durch das Dach in die bereitstehenden leeren Umzugskisten läuft.

Freitag, Juli 03, 2026

the own words

Ich habe in Nepal gelernt, keinem Wort zu trauen. Die meisten verstehe ich nicht und die wenigen anderen hinterfrage ich konsequent. Sortiere gnadenlos. Vieles erkläre ich mit dem Hang der Nepali zur Träumerei. Sie wünschen sich so vieles, das nie wirklich werden wird. Und das können sie sich getrost rund um die Uhr einreden. Ein Satz wie "don't worry", der mich am Anfang immer beruhigt hat, weckt nun mein allergrösstes Misstrauen. Sagt heute jemand "don't worry" zu mir, weiß ich, dass ich allen Grund habe, mir Sorgen zu machen. Das schult und stärkt die inneren Kräfte. 

Was hat man nicht alles über Hillary Dawa Sherpas Schicksal am Everest gelesen, gehört, gesehen - hier spricht er selbst und räumt mit Mythen und Märchen auf: "My life is like a dream. How did I get here? How did I make it down alive?" (0:28) - Der Mann wundert sich schließlich, warum sein halbes Dorf in Kathmandu im Krankenhaus zusammenkommt, warum seine Frau Mönche und Lamas einbestellt hat für die अन्त्येष्टि - Antyesti - die letzten Dienste. Es ist das Wichtigste im Leben eines jeden Menschen: dass für sein unbeschadetes Karma gebetet und nach seinem Tod 13 Tage salzlose Nahrung gegessen wird. 

Hillary Dawa Sherpa selbst fühlte sich dem Tod erst nahe, als er mehr als zwei Tage und Nächte in einer Gletscherspalte festsaß, mit gebrochenem Bein und ohne Hoffnung auf Rettung. Davor hatte er einfach seine Pflicht getan. Aber hört ihn selbst: Abandoned On Everest - Hillary Dawa Sherpa, in his own words (ins Englische übertragen von Ben Ayers): https://www.youtube.com/watch?v=RuIyupuIOZ8 

Donnerstag, Juli 02, 2026

Die Erde

Wie für alles andere auf dieser Erde, gibt es auch für sie, die Erde selbst, mehrere, aber mindestens zwei weibliche Göttinnen. भूमि - Bhumi oder पृथ्वी - Prthvi. Etwas leichter auszusprechen पृथिवी - Prthivi. Die einen Quellen sagen mir,  पृथ्वी माता - prthvi mata sei die archetypische Muttererde-Gottheit und Prthvi die älteste vedische Erdgöttin. Ihr Name bedeute im Sanskrit "Weite" oder "Breite". Damit wird die physische Dimension der Erde eingefangen. भूमि - Bhumi hingegen komme von Sanskrit "Boden" oder "Ursprung". Die Erde als Ursprung aller Dinge. Andere Quellen sagen mir, Bhumi habe einfach Prthvi abgelöst, vom Sockel gestoßen, als deren Zeit um war. Bhumi als Inkarnation von Prthvi. 

Ich weiß bereits, dass Bhumi mehr mit der Qualität, der Fruchtbarkeit, der nährenden Kraft des Bodens zu tun hat, als mit dessen geografischer Größe. Bhumis Tochter ist Sita - die Ackerfrucht. Deshalb soll, bevor eine Baugrube ausgehoben wird und der Acker - hier am Hill ganz konkret die einst mit viel Mühe, Schweiß und Steinen angelegten Reisterrassen - zweckentfremdet wird, eine Bhumi Puja abgehalten und die Göttin des Bodens und allen Ursprungs um ihren Segen für das Bauvorhaben gebeten werden. 

Gestern Abend schritt eine Frau ganz allein kurz vor dem Eindunkeln das grässlich zugerichtete Gelände unter meinem Fenster ab und zündete viele Öllampen und Räucherstäbchen an, sang 108 mal das Bhumi Gayatri Mantra:

Om Vasundharaya Vidmahe

Bhutadhatraya Dhimahi 

Tanno Bhumi Prachodayat 

Vielleicht war es die Käuferin des Grundstücks und zukünftige Eigentümerin der mehrstöckigen Mehrfamilienhäuser, die aus dieser Grube wachsen werden. Eine sogenannte landlady.

Mittwoch, Juli 01, 2026

Haatemaalo

Der Monsun marschiert ein, lese ich in der Zeitung. Am Himmel sieht immer alles anders auf. Der wieder ins Amt zurückgekehrte Innenminister verkündete unlängst, das Ziel seien 0 (null) Monsunopfer in diesem Jahr. Die NDRRMA (National Disaster Risk Reduction and Management Authority - so etwas wie Nationale Katastrophenverhinderungsbehörde) zählt aber bereits 27Unwetterbedingte Todesfälle seit Beginn des Jahres BS (= Mitte April AD): 6 Menschen sind ertrunken, 13 bei Sturm umgekommen, 5 wurden von Erdrutschen verschüttet, und 3 starben infolge heftiger Regenfälle.

Ich lerne derweil ein neues Wort: हातेमालो - haatemaalo von हाते - haat für die Hand und मालो - maalo für halten, umarmen, verlinken. Zusammenhalten. Zusammenstehen. Sich solidarisch verhalten, den Nachbarn helfen, in Not Geratene unterstützen, und so weiter. Und so fort. Ein schönes Wort. Eine gute Sache. Handreichung.

Außerdem wird eine App eingerichtet, über die über Ufer tretende Flüsse und abrutschende Hänge gemeldet werden können, damit entsprechende Hilfe ohne Verzögerung in die Wege geleitet wird. Wir werden sehen, was die nächsten Tage und Wochen bringen. Regen, Regen, Regen!

Dienstag, Juni 30, 2026

Erdbeermond

Dieser Juni-Vollmondname hat nichts mit Nepal zu tun. Hier ist auch nicht Juni sondern immer noch Ashad. Die Erdbeerernte ist längst vorbei. Wie in Japan reifen die Erdbeeren auch hier im Winter. Sie sind höchstens bis Anfang April im Angebot. Die Shutters haben nur saisonales Obst und Gemüse. Erdbeeren sind mir auf der Golfutar nicht begegnet, ich habe keine einzige gegessen. 

Eine Kollegin von W wollte ihren Unijob und Kathmandu an den buchstäblichen Nagel hängen und sich voll und ganz nur noch ihrer Erdbeerfarm in Nuwakot widmen. Das hat noch nicht geklappt, und wenn es dann so weit ist, werden wir sie besuchen. Spätestens zur nächsten Ernte.