Dienstag, Februar 10, 2026

श्री हरि

Auch श्री हरि - Shri Hari ist ein Name Lord Vishnus. Er besitzt ungefähr so viele Namen wie Avater. Und auch das hatten wir schon. Der kleine Tempel in Dhapasi Devi mit dem in einem Miniwasserbecken liegenden Mini-Vishnu ist laut Inschrift श्री हरि विष्णु नारायण - Shri Hari Vishnu Narayan gewidmet. Das ist - wie ich erst jetzt verstehe - das Nonplusultra oder der gesamte cluster an Ehrerbietung und Hochachtung. Aber der Reihe nach. श्री हरि - Shri Hari, lese ich, sei der, der allen alle Sorgen und Schmerzen abnehme. Shri Hari ist ein weiteres Epitheton Lord Vishnus und meint hier, im Beiname des Obersten Hindugottes, Befreier von Sünden. Ich wusste nicht, dass Hindus auch sündigen. Ich dachte, das sei Rom vorbehalten und die Absolution dem Papst. Aber siehe da: wer inbrünstig genug (with a pure heart - mit einem reinen Herzen) zu श्री हरि विष्णु - Shri Hari Vishnu betet, wird von allen Sünden erlöst. Und wenn die Hingabe Wohlgefallen findet, kann Shri Hari Vishnu sogar die größten Krisen wegputzen. Mit einem Handstreich. Hände hat er mehrere.

Warum huldigen wir also nicht einfach alle Shri Hari und die Welt ist erlöst von allem Bösen und allen Irren?

Montag, Februar 09, 2026

Abwasser

Keine Phantasie und keine Mythologie, reine Chemie: 60 Prozent des Trinkwassers landesweit sind abwasserbelastet. Also ungesund. Verseucht. Wir schaufeln hier unser eigen Grab. Mit Luft, Wasser, grünem Gemüse, Zahnpasta und wer weiß was noch.

Im Labor wurden gefährliche Mikroben gefunden, Kolibakterien und Coliforme. Das sei nicht neu in Nepal, sagen die Wissenschaftler. Neu und alarmierend sei, dass pathogene Mikroorganismen in 60 Prozent der aus Haushalten aus allen Landesteilen entnommenen Proben vorhanden seien. Das bedeute, dass die Mehrheit der Bevölkerung krank machendes Wasser trinke. Die Untersuchung zeige auch, dass 98,2 Prozent der Bevölkerung Trinkwasser aus sogenannt improved sources konsumiere, also Wasser, das aufbereitet und deklariert als Trinkwasser verkauft wird. Abgefüllt in großen oder kleinen Plastikflaschen. Hygienisch sauber versiegelt. Wie wir auch. 

This means, sagt ein Mitarbeiter der entsprechenden Behörde, the so called improved sources have yet to be improved. Anonym. Sein Name soll nicht in der Zeitung erscheinen, er ist nicht autorisiert, mit der Presse zu sprechen.

Sonntag, Februar 08, 2026

Epitheton

Noch einmal Narayan. Noch einmal Wasser. Noch einmal Bewegung. Narayan, wir hatten das schon einmal, ist ein Epitheton für Lord Vishnu. Ein Beiwort. Eine Attribut. Eine nähere (wissenschaftliche, biologische, typisierende oder schlicht ästhetisierende) Bestimmung. Vishnu ist im Götteruniversum des Hinduismus der Schöpfer und die Quelle ein und alles - bzw einer drei Höchsten vereint im Trimurti. Auch das hatten wir schon.

Ich lese und lerne - ich soll jeden Tag etwas lernen - dass नारायण Narayan ein vielschichtiger und breitgefächerter Terminus ist, und das Wort mannigfaltig aufgespalten werden kann:

Nara + Yana = man + vehicle. Etwas, das den Menschen faktisch und physisch trägt und vorwärtsbewegt. Durch das Universum. Oder zu Wasser, Luft und Erde. So verstehe ich das.

Nar + Ayana  = man + residence. Also so etwas wie das Gegenteil vom Vorherigen. Etwas was den Menschen an Ort und Stelle sichert und beschützt. Dasselbe kann aber auch bedeuten: water + residence. Der im Wasser wohnt.

Nara + ayana = water + body. Die niemals versiegende Wasserquelle, der Ursprung allen Seins. Oder auch die Summe allen Seins. Höchstes Bewusstsein. 

Zu dieser rhetorisch hübschen Abhandlung, die ich hier in meiner Interpretation literarisch verkürzt wiedergebe, gibt es einen niederschmetternden Kommentar: "Narayan is a creation of mythology, he never existed in the real world." Narayan als Ausgeburt der reinen Phantasie. Nun gut. Aber das sind doch alle anderen (Götter) auch? Wer oder was existiert denn wirklich in der realen Welt? Höchstens die Beilage, das Epitheton im Wörterbuch, oder der Nachtisch.

Samstag, Februar 07, 2026

Wasserspeier

Der damals parteilose Senkrechtstarter Balendra Shah sagte nach seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Kathmandu  in einem podcast (ich zitiere den Wortlaut in englisch aus der Annapurna Press):  "In a city with thousands of stone spouts, ancient canals, rivers and ponds - we still want desperately [water] for [from] Melamchi. How foolish of us." Ergänzung bzw Korrektur in Klammern von mir, ebenso die deutsch Version. "In einer Stadt mit tausenden Steinquellen, alten Kanälen, Flüssen und Teichen wollen wir verzweifelt Wasser von Melamchi. Wie dumm von uns."

Tatsächlich hat er in seiner kürzlich vorzeitig freiwillig beendeten Amtszeit viele alte Brunnen wieder zugänglich machen lassen und dafür gesorgt, dass sie auch regelmäßig vor dem Monsun geschrubbt und von Pflanzenbewuchs befreit werden. Trotzdem sichert derzeit das Melamchi-Wasserversorgungsprojekt die Trinkwasserversorgung des Valley inclusive der Metropolitan city mit etwa 170 Millionen Litern Trinkwasser pro Tag. An dieser Wasserversorgung wurde Jahrzehnte geschraubt, von 1998 bis 2021, es gab Verzögerungen natürlicher (Erdbeben 2015), politischer (Ende der Shah-Dynastie 2008, Umwandlung in eine föderale, demokratische, parlamentarische Republik), gesellschaftlicher (Bürgerkrieg 1996-2006) und anderer wie Vertragsbrüche, Vertragsbeendigungen, Pleiten, Korruption und dergleichen mehr. This is Nepal.

Freitag, Februar 06, 2026

Eine Oase

Auch an meiner Golfutar, am unteren Ende, steht nun so ein Wartehäuschen, Falcha, Pati oder eben hier My Haven - Bansbari. Bansbari ist der Stadtteil südlich von Hattigauda. Von Sand und Lärm umgeben eine Oase der Ruhe im Abendlicht. Wirkt riesig und massiv. Bietet viel Platz zum Plaudern und echten Schutz vor Starkregen oder glühender Mittagssonne. 
Die Bänke sind schon verschraubt, die Ziegelberge und Sandhaufen werden sicherlich noch abgetragen und der Boden stolperfest planiert. In die noch offenen Gräben rund herum könnte eine Trinkwasserleitung verlegt werden. Eine Stadt im Werden und was ist eine Oase ohne Wasser?

Donnerstag, Februar 05, 2026

श्री विधा गणेश

श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh.

Nun habe ich endlich den Konsonantencluster श्री Sri oder Shri verstanden - kommt auch vor in श्रीमान Shriman, dem husband, Mister, oder Ehrwürdiger, Hocherhabener oder eben Heiligkeit. S(h)ri ist sozusagen die Abkürzung, das nepali pendant zum englischen Mr. Sri besteht aus den Konsonanten s und r und der Ergänzung i. Es gibt drei verschiedene Formen von s: स ष श, hier brauchen das letzte: श , das mit oder ohne h transkribiert wird. Im Fall von Sri ist das s eng verbunden (ohne Vokal a dazwischen) mit dem nachfolgenden r. Es wird deshalb verkürzt zum Halbkonsonant. Dieser Halbkonsonant sähe für sich allein (taucht aber in dieser Schreibweise nur vorläufig im Entwurf auf) so aus: श्

Der Konsonant r wird normalerweise so geschrieben: र . Im cluster, also in Verbindung mit einem vorausgehenden Halbkonsonant, hier mit dem dritten s(h) श् wird daraus श्र (fragt mich bitte nicht WARUM?). Das i zum Schluss wird normal zur Rechten angehängt. Und so wird श्री - Shri oder Sri korrekt geschrieben.

श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh. Aufgenommen in Thimi. 

Parvati hat ihren Sohn Ganesh beim Bade "erschaffen", lese ich. Sie bat ihn, solange sie weiterbade, ihren heiligen Sitz zu bewachen und niemanden hereinzulassen. Shiva kam und meinte als angestammter Gatte ein Recht auf den Ort zu haben, an dem seine Gattin sich aufhielt. Ganesh tat, wie ihm befohlen und ließ Shiva nicht vor. Daraufhin schlug Shiva Ganesh kurzerhand den Kopf ab. Die Reaktion Parvatis können wir uns lebhaft vorstellen, und um ihren Zorn zu besänftigen, setzte Shiva dem kopflosen Sohn einen Elefantenkopf auf. Und so wird Ganesh nun überall dargestellt: mit Elefantenkopf. Hier zur Rechten nochmals in Nahaufnahme.

 श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh. Für Frideswida Zapateira Honorabilis Emerita.

Mittwoch, Februar 04, 2026

Die Parabel

Ich meine, die Parabel verstanden zu haben. Vielleicht ist es auch ein Gleichnis. Und der Titel des Buches ist einer der (schlechten) Witze, die der comedian im Laufe seiner angeblich letzten Vorstellung zum Besten gibt. Im Original lautet er so (steht in meiner englischen Ausgabe - ich liebe mittlerweile unlesbare Alphabete):

  .סוס אחד נכנס לבר 

Sus echad nichnas lebar. 

Englisch: A Horse walks into a Bar. Deutsch: Kommt ein Pferd in die Bar. Wenn ich mich nicht irre, taucht das Pferd im ganzen Text nur an dieser einen Stelle auf. Als es die Bar betritt und sich einen drink nach dem anderen servieren lässt. Ohne umzufallen. Sowie natürlich im Titel. 

Die Parabel hat mit dem Pferd nichts zu tun. Das Pferd im Titel ist eine reine Werbemaßnahme. Die Parabel hat mit dem Ende der Geschichte und der Geschichten zu tun. Obwohl das Publikum längst gegangen ist, schließt der comedian seine show ordentlich ab. The show must go on - even if the ends! 

Nur für den letzten Gast, sein Gegenüber, den einstigen Schulkameraden, den er telefonisch eingeladen hatte, eindringlich, auf Knien sozusagen, gebeten und gebettelt hatte, er möge und gedroht, er müsse unbedingt kommen. Der am anderen Ende der Leitung zeigte akustisch mitten in einer Nacht null bock auf stand-up-comedy

Aber der comedian, der Protagonist, das Stehaufmännchen, der Purzelbaumschlagende traurige Clown braucht das Gegenüber, den Spiegel, um sichtbar zu werden. Und er bekommt ihn. Das ist die literarische Parabel: wie man die zwei Enden der Kurve doch zusammenbringt.