Der letzte Monat des Jahres beginnt: चैत्र - Chaitra. Ich blättere meinen Wandkalender zum letzten Mal um. Dies ist das letzte Blatt des nepali patro 2082. So steht es obendrüber in güldenen Lettern. Darunter sieben Kugeln auf- und absteigend im Halbkreis angeordnet. Die Wochentage. In der Mitte, unter बुधबार (budhabar = Mittwoch) steht der Name des aktuellen Monats: चैत्र - Chaitra. Der Mittwoch hat in Nepali nichts mit der Mitte zu tun, auch wenn er auf dem Kalenderblatt genau dort steht. Mittwoch ist hier der Tag des Planeten Merkur: बुध ग्रह. Fünf Wochentage sind einem Planeten zugeordnet (dazu ein andermal mehr) plus einer, der Sonntag (wie überall) der Sonne (Fixstern oder gelber Zwerg) und ein anderer, der Montag (dito) dem Mond (unserem Trabanten).
Von heute an kann und muss ich Ausschau halten in den shutterstores auf der Golfutar nach dem Kalender für das Jahr 2083.
Die Übergänge sind nicht fließend sondern abrupt. Schon ist es so heiß tagsüber, dass ich nachts lüfte und tagsüber die Vorhänge zuziehe. Schon brennt die Sonne so gnadenlos auf das Dach, dass ich es dort, wo ich noch vor ein paar Tagen etwas Wärme suchte, nicht mehr aushalte. Die Bäume verlieren ihre Blätter. Das war schon letztes Jahr so. Nun erschreckt es mich nicht mehr. Alles wiederholt sich. Auch die Schreie der Vögel kenne ich mittlerweile, die den Frühling ankündigen. Alles vertraut und normal. Mitten am Tag kommt heftiger Wind auf, es wird finster und donnert und blitzt, ein paar wenige Regentropfen fallen. Kaum der Rede wert und vorbei der Spuk. Aber die Sicht über der Stadt ist plötzlich klar wie schon lange nicht mehr.



