Donnerstag, Mai 28, 2026

Feiertag

Public Holiday. Kein Bike auf dem seit einigen Tagen wieder überfüllten schiefen Parking. Mein Nepali Calendar zeigt mir den Tag erst heute früh rot an. So ist das hier. Es kommt auch vor, dass ein freier Tag erst im Nachhinein als solcher erklärt wird. Trotzdem funktioniert alles. 

प्रदोष व्रत - Pradosh Vrat oder auch Pradosham ist der hinduistische Fastentag, der jeden Monat zweimal begangen wird - wohl auch im derzeitigen Purushottam, dem Adhikmaas oder Malamaas. Immer am 13. Tag der shukla paksha, des zunehmenden Mondes (das ist heute) sowie am 13 Tag der krishna paksha, des abnehmenden Mondes (das wird in ca 2 Wochen sein). Die Gläubigen, meist sind es Frauen, fasten für Shiva und Parvati. प्रदोष - pradosh bedeutet Dämmerung und meint die "heilige" Zeitspanne von ca 3 Stunden rund um den Sonnenuntergang. Die eineinhalb Stunden vor und eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang eignen sich am besten für Gebete und Meditation. Man kann sich so von Sünden befreien und Wünsche formulieren. Dieses günstige Zeitfenster heißt auch प्रदोष काल - pradosh kaal - die Zeit der Dämmerung. Die Hindus glauben, dass Lord Shiva während प्रदोष काल - pradosh kaal, seinen kosmischen Tanz ताण्डव - Tandava aufführt. 

Die Muslime (nicht nur in Nepal) feiern das Gegenteil von fasten. Eid-Ul-Adha, oder Bakra-Eid oder Idul Zuha. Das zweitgrößte Fest im islamischen Kalender. Das Opferfest. Oder Ziegenfest. 70 Tage nach Eid-al-Fitr, dem Fastenbrechen nach dem Ramadan. Bakra ist die Ziege und Eid das Fest. Es soll ein Tier geschlachtet werden (Ziege, Schaf, Kuh oder Kamel!) und das Fleisch in drei Teile geteilt werden. Für die Familie, für die Freunde und für die Armen. 

Von offizieller Seit werden allen die besten Wünsche ausgesprochen und Nepal als multi-ethnisches, multi-sprachliches, multi-religiöses und multi-kulturelles Land beschworen.

Mittwoch, Mai 27, 2026

Reisfelder

Genaugenommen wohnten wir auch auf dem Hill am Rande von terrassierten Reisfeldern. Nur sind sie verbuscht und vergrast. Die Bäuerinnen holen hier regelmäßig Futter für ihr Vieh. Auf der einen leergetretenen Terrasse spielen am Morgen zwei Erwachsene, meist eine Frau und ein Mann Federball. Und am Nachmittag die Jungs, die außerhalb unserer gated community leben, Fußball. Dazwischen gehört das Feld allen freilebenden schwarzen Hunden. Ein halbes bis ganzes Dutzend tollt sich da, dass es eine wahre Freude ist. Bleibt ein Fußball mal liegen, wird es in Stücke gerissen.   

Vor über 20 Jahren wohnten wir einen kurzen Winter lang an Reisfedern. In Tsukuba. Dort ging alles gesitteter zu und her. 

Dienstag, Mai 26, 2026

Zeichen der Zeit

Wozu ich das alles mache? Heute früh - so etwas kann ich nur ganz früh am morgen machen, riss ich büschelweise Gras aus. Das ist hier "Rasenmähen". Das Gras wächst derzeit ungefähr einen halben Meter pro Tag. Viel Gras ist es nicht. Mehr Klee und sonstiges Wucherzeug. Das muss ich daran hindern, dass es meine zarten Plantagen verschlingt. Wozu ich das alles mache? Um ein - oder mehrere Zeichen zu setzen. Die Nachbarn haben tausende Blumentöpfe rund um ihre Häuser, auf den Dächern, Terrassen, Mauervorsprüngen und rund um ihr Auto vor den Wohnzimmerfenstern stehen. Die werden täglich aufwändig gewässert. Dafür ist ein boy oder eine maid angestellt. Die meisten Töpfe stehen so, dass sie von dem Regen, der ab und zu sintflutartig niedergeht, gar nichts abbekommen.

Wozu ich das alles mache? Um Zeichen gesetzt zu haben. Wir haben gestern abend unsere Bleibe in dieser stolzen Festung auf dem Hill gekündigt. Und vorgestern in Pokhara einen neuen Mietvertrag unterschrieben. Wir verlassen das Valley und ziehen in ein Reisfeld.  

Seit unser Entschluss steht, ist das schiefe Bike-Parking hinter der Municipality wieder bis auf den letzten Platz gefüllt.    

Montag, Mai 25, 2026

Gartenarbeit

Der erste Mangobaum begrüßt mich im Topf. Aus der Erde heraus. Er hat meine Abwesenheit trotz Hitze überstanden.

Den zweiten wickele ich aus seinem improvisierten Tropenhaus. Er kommt nun auch in die Erde. In einen Tontopf. Er hat unter Gewächshausbedingungen auf meinem Fensterbrett eine kräftige Wurzel und den Beginn einer Krone ausgebildet. Den dritten zeige ich nicht, da ist nicht viel zu sehen, ich setze ihn hoffnungsvoll trotzdem in die Erde. Denn aller guten Dinge sind Drei. Die Kerne, die ich austrocknen ließ, dienen höchstens noch als Kompost.  

Auf der Golfutar sind bereits fliegende Händler mit Litschibüscheln unterwegs. Im Garten wachsen, wenn ich mich nicht irre, drei Litchibäume heran. Ich habe letztes Jahr Dutzende von Kernen verbuddelt. Ich verbuddele hier alles. Kürzlich warf ich eine überreife Tomate in eine Ecke im Garten, weil der Mülleimer nicht der geeignete Platz für so etwas schien. Ich zerquetsche sie leicht mit den Zehenspitzen, der Saft spritzte nach allen Richtungen. Dann schob ich ein bisschen Erde darüber. Ganz ohne mich zu bücken. Wie es aussieht, haben die Kerne verstanden, was ich von ihnen will. Vor ein paar Wochen entdeckte ich im Gestrüpp neben meinem Tempel jungen Bambus. Zart und frisch. Ich habe keine Ahnung, woher der plötzlich kam. Am nächsten Morgen steckte ich mein ein und alles-Werkzeug in die Tasche, den कुटो कोदालो - kuto kodalo und zog nach dem Morgenqiogong drei Triebe aus dem weichen warmen Boden. Es hatte die ganze Nacht geregnet und ich setzte den Bambus in die den Tomaten entgegengesetzte Ecke. Zuerst sahen die Triebe höchst unglücklich aus, mittlerweile aber haben auch sie sich an mich gewöhnt. 

Sonntag, Mai 24, 2026

Pokhara drei

Wir fliegen zurück ohne das berauschende Hochgebirgspanorama gesehen zu haben. Dafür haben wir berauschenden Regen erlebt, Wasserbüffel, Reisfelder und weiße Kraniche bestaunt. Und frischen Fisch aus dem See gegessen. 

Back on the hill. Mit sozusagen null Verspätung. Ohne Himalayasicht,. Wir flogen durch dicke Gewitterwolken und mussten während des ganzen Fluges angeschnallt bleiben. Später, als es dunkel und wir müde waren, sahen wir vom Dach aus den Mond über Kathmandu. Schon über halb voll. 

Samstag, Mai 23, 2026

Pikhalakhu

पिखालखु - pikhalakhu bedeutet in der Sprache der Newari "draußen vor der Tür".  

पिखालखु - pikhalakhu ist ein kleines Symbol aus Stein, Marmor oder auch Metall, meist in Form einer offenen Lotusblüte. पिखालखु - pikhalakhu hat seinen festen Platz draußen vor der Tür, eingelassen in den Boden, in die Erde, in das Pflaster. Unverrückbar vor dem Haupteingang des Hauses. In Thimi haben wir viele solche gesehen in der Innenstadt, पिखालखु - pikhalakhu gehört dort zu jedem Haus. Es ist der absorbierende Stein, die geschmückte kleine erhabene und tief verehrte Stelle draußen vor der Tür, die Unreinheiten, Dreck und Staub, aber auch alle bad omens und bad vibrations von den Innenräumen fernhält. Die Newari sind überzeugt, dass Lord Kumar sie immerfort beschützt, wenn sie den Tag mit einem Gebet "draußen vor der Tür", an पिखालखु - pikhalakhu beginnen. Viele Häuser unserer Nachbarn auf dem Hill zieren übermenschlich mächtige Ganeshskulpuren. Die Newari sind weniger auf Pomp und Prunk bedacht in der Verehrung von Ganeshs Bruder Kumar.

Wir sind in Pokhara, out of the Kathmandu Valley, draußen vor der Tür.  पोखरा - Pokhara kommt von पोखरी - pokhari = Teich, See, Tümpel, Wasserloch. पोखरा - Pokhara ist die Stadt der Seen und liegt exakt in der geografischen Mitte des Landes, das lang und schmal zwischen zwei Großmächten liegt. Klimatisch längs dreigestreift ins subtropische Tarai, das gemäßigte Mittelgebirge, hilly region mit Kathmandu Valley und die hochalpine, arktische Himalayakette. Hier in पोखरा am See und am Fuße des Annapurnamassivs ist es heiß und gewittrig.

Freitag, Mai 22, 2026

Sithi Nakha

Wir fliegen nach Pokhara. Es regnet. Es ist der 6. Tag der shukla paksha im Monat Jesh, also der hellen Mondphase. Der Mond nimmt von Abend zu Abend merklich zu. 

Es müsste Sithi Nakha gefeiert werden, wenn gefeiert würde und wir uns nicht im Malamaas befänden, im Monat des Nichtfeierns. Die Natur nimmt ihren Lauf und keine Rücksicht auf weltliche Kalender. Für die Newari bedeutet Sithi Nakha das Ende der Trockenzeit. Sie reinigen nun trotzdem, wie bereitsvor einer Woche berichtet, vor dem Monsun ihre hitis und verehren weiterhin  कुमार - Kumar, Shivas Sohn, Ganeshs Bruder.