Freitag, März 06, 2026

Freitag

Immer noch Feiertag. Was niemand der Interimsregierung zutrauen wollte und bis in die letzten Tage immer wieder von allen Seiten angezweifelt wurde: die Wahl hat im ganzen Lande ohne größere Zwischenfälle termingemäß am 21. Falgun 2082 stattgefunden. Die Tagestemperatur steigt gerade rapide. Und obwohl gestern ein allgemeines Fahrverbot galt, sind wir heute wieder weltweit auf Platz drei der Luftverschmutzung.

Ein politischer Tsunami fegt durchs Land, die Nepali haben ihre korrupten und unfähigen Langzeitpolitiker, die dachten, sie hätten ein Recht auf Lebenszeitpolitiker, abgestraft.   

Liveticker zum Fortschritt der Auszählungen "election 2082" hier: https://election.ekantipur.com/?lng=eng

Donnerstag, März 05, 2026

प्रतिनिधि सभा निर्वाचन

Wahltag. Feiertag. Ruhetag. Landesweites Fahrverbot, eingeschränkterFlugverkehr, geschlossene Grenzen. Ein Besinn-dich-Tag. 

प्रतिनिधि सभा निर्वाचन  - pratinidhi sabha nirvacan. Pratinidhi sabha = HoR House of Representatives, Abgeordnetenhaus. Nirvacan = election, Wahl. Also: Parlamentswahl. 

3406 Direktkandidaten, davon 3017 männlich, 388 weiblich, 1 divers stellen sich der Mehrheitswahl in 165 Wahlkreisen. 2263 der Direktkandidaten gehören einer der 65 Parteien an, 1143 sind unabhängig.

Daneben werden 110 Sitze nach Verhältniswahl vergeben, darum bewerben sich 3135 weitere Kandidaten, davon sind 1363 männlich, 1772 weiblich.  

Die Wahllokale sind von 7 am bis 5 pm geöffnet. Danach beginnt das Auszählen.  

Mittwoch, März 04, 2026

Lachnummer

Feiertag. Der Tag vor der Wahl. Alle haben frei, damit sie nach Hause fahren können, bzw an den Ort, wo die für sie zuständige Wahlurne steht. 

Ich gehe spazieren. Vor ein paar Tagen ist zuerst der Schnürsenkel am linken Schuh und jetzt auch am rechten gerissen. Beide ungefähr an derselben Stelle, nämlich im obersten rechten Loch. Dort wird der Schuhbändel am meisten strapaziert. Es gibt weitere Sollbruchstellen, zB am untersten linken Loch. Noch kann ich mit beiden verkürzten Schnüren die Schuhe notdürftig binden. Ich meine immer noch, Halt am Fuß zu brauchen. Vielleicht ist das gar nicht so. Mutig mache ich mich über holperige Gehsteige auf die Suche nach Schuhbändeln in einem Land, in dem kaum jemand mit geschnürten Schuhen an den Füßen anzutreffen ist. Aber Schuh-Shutters gibt es alle paar Meter. Slipper-Shutters. Plastikslippers in allen Größen und Farben, vorausschauend stehen auch schon die Gummistiefel in Reih und Glied. Nächste Woche soll es nämlich regnen. Aber auf meine Frage nach laces - laces??? - ernte ich nur unbändiges Lachen. Die nepalesische Bezeichnung जुत्ताको फिता - juttako fita - wörtlich der Schuhe Bändel - sagt ja auch alles. जुत्ता - jutta sind feste Schuhe. Die sind geschnürt oder auch nicht. Was hier an allen Ecken angeboten wird, sommers wie winters, auch an Feiertagen und Tagen vor Feiertagen oder am Tag vor der alles entscheidenden Parlamentswahl, sind चप्पल - cappal. Schlupfschuhe. Slippers. Schlärpli. 

Dienstag, März 03, 2026

होली पुन्ही

होली पुन्ही - Holi Punhi. Holi Zwo. Falgu Purnima, Falgun Vollmond. Andernorts worm moon - Wurmmond (die Regenwürmer erwachen zum Leben!) oder Krähenmond, Saftmond, Lenzmond genannt. Der Vollmond im März bedeutet das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings auf der ganzen Nordhalbkugel. Also auch in Nepal. Und totale Mondfinsternis dort, wo sie zu sehen ist. Bei uns nicht. Bei uns wird nach wie vor mit feurigen Farben gesprüht. होली पुन्ही - Holi Punhi. Eigentlich Feiertag nur im Terai. Aber natürlich arbeitet in der capital city keiner, der nicht unbedingt muss, zwischen den Feiertagen. Zwischen gestern und morgen, vorgestern und übermorgen, dem Wochenende und was danach auch immer kommen mag. Den ganzen Tag steht nur ein einziges himmelblaues Bike auf dem Parkplatz. So etwas wie Ausnahmezustand. Oder Ruhe vor dem Sturm. Der Staatspräsident wünscht sich und seinen Landsleuten, dass Holi Inspiration sein möge, die nationale Kultur zu fördern und böse Bräuche in der Gesellschaft auszurotten. Nepal first - verkündete schon kürzlich der pretender in seiner Videobotschaft. 

Seit Mitternacht gilt Wahlruhe - 72 Stunden vor Öffnung der Wahllokale ist der Wahlkampf vorbei, die Parteien müssen ihr Propagandamaterial aus dem öffentlichen Raum entfernt haben. Holi hat den Kandidaten auf der letzten Strecke tüchtig eingeheizt, sie mussten ihre Abschlussbotschaften rechtzeitig platzieren, wo auch immer. 

Wir essen im Singatown einen ganzen Fisch. Auf dem Heimweg regnet es.

Montag, März 02, 2026

होली चिरदह

Feiertag. Gestern schon war das schiefe Parking höchstens halb besetzt und auch das nur den halben Tag. Heute होली चिरदह - Holi Chirdaha und gar kein Bike. Das Festival der Farben, des Feuers, des Frühlings. Der erste bzw. letzte oder vorletzte Tag eines wie immer mehrtägigen Festivals.  चिर - Chir, die massive Bambusstange mit den bunten Stoffteilen, die an Falgun Shukla Astami, also am 8. Tag des zunehmenden Mondes, am Basantapur Durbar Square in Kathmandu feierlich aufgerichtet wurde, wird heute, am Tag vor Vollmond, wieder abgebaut. Wer kann, nimmt einen bunten Fetzen nach Hause und bewahrt ihn gut auf. Der soll Glück bringen. Feiertag in Kathmandu, in der hilly region und im inner Madhes.

Weil die Wahlen vor der Tür stehen, gelten gesonderte Sicherheitsbestimmungen. Zwar darf man lachen und fröhlich sein und sich gegenseitig mit Farben bekleckern - aber bitte mit Maß. Größere Ansammlungen im Regierungsviertel und an anderen neuralgischen Punkten der Stadt sowie Wahlkampfauftritte im ganzen Lande sind während dem hinduistischen Fest Holi verboten.

So weit ist es gekommen mit regierenden Maoisten, vereinten oder nicht vereinten Kommunisten, Marxisten, Leninisten: sie alle beugen sich dem religiösen Kalender und den Traditionen des einstigen einzigen und jahrhundertealten Himalaya-Hindu-Königreichs. 

Sonntag, März 01, 2026

Bari 1943

Kürzlich las ich einen Artikel über die Entdeckung der Chemotherapie. Kürzlich ist relativ und in Wirklichkeit schon länger her, und eigentlich war es ein Artikel über Kriegsführung, wie er aktueller nicht sein könnte. Über Lügen, List, Vertuschung, Arroganz, Taktik, Dummheit und dergleichen mehr. Über Zufälle, die leidige Verkettung unglückseligster Umstände. Und über billigend in Kauf genommene - wie es neudeutsch so schön heißt: Kollateralschäden.

Im Dezember 1943 bombardierte die deutsche Luftwaffe den Hafen von Bari. Da war der Krieg, wie ich lese, für das Dritte Reich bereits entschieden - nämlich: verloren. Niemand (also: die Alliierten) erwartete von den Deutschen noch einen Angriff - und schon gar nicht in einem Nest in Süditalien, weit ab von der Front. Ein deutscher Aufklärer hatte aber Anfang Dezember dort eine ungewöhnlich große Konzentration von Schiffen in dem kleinen Hafen entdeckt. Das Hafenbecken war "mit 30 Versorgungsschiffen vollgestopft" und ein deutscher Luftflottenkommandeur nutzte die Gunst der Stunde. Sein Überraschungsangriff setzte eines Abends um 19:30 Uhr ein und war nach 15 Minuten beendet. Der Hafen war taghell erleuchtet gewesen, die Piloten konnten ihn aus 100 Kilometer Entfernung ausmachen, da Briten und Amerikaner wie Idioten ihre Kriegsindustrie rund um die Uhr laufen ließen. 17 Schiffe wurden versenkt, 8 beschädigt, über 1000 Soldaten und ungezählte Bewohner der Straßen und Häuser rund um den Hafen getötet. Die Explosionen der Munitionsschiffe sowie einer getroffenen Pipeline verstärkten das Inferno. 

In der Nacht erreichte die Feuersäule die "John Harvey". Das Schiff ging mitsamt seiner Fracht - 100 Tonnen Chemiewaffen, u.a. flüssiger Schwefelsenf sowie 2000 Senfgasbomben - in Flammen auf. Die Matrosen, die ins Wasser gefallen waren, wurden von einer öligen Mischung bedeckt, in der sich der Schwefelsenf festsetzte. Natürlich wusste niemand in Bari von der giftigen Fracht und die, die es wussten, schwiegen tunlichst. Die aus dem Hafenwasser Geborgenen wurden falsch oder gar nicht behandelt, sie bekamen Morphium gegen den Schock. Als sie Symptome einer Gasvergiftung zeigten, wurde behauptet, die Deutschen hätten Gas abgeworfen. Als ein Experte für chemische Kriegsführung in Bari eintraf, erkannte er, dass die Verletzten Senfgas ausgesetzt waren. Aber erst als Taucher Reste der Senfgasbomben vom Grund des Hafenbeckens holten, war klar, woher das Gift stammte: aus der eigenen Küche, nämlich aus dem Frachtraum der "John Harvey". Was nicht heißt, dass die Wahrheit ans Licht kam. Nein, sie wurde fröhlich weiter vertuscht und zwar von oberster Stelle. Eisenhower und Churchill wollten Hitler keine Steilvorlage für einen Giftgaskrieg bieten. Die Krankenberichte mussten frisiert, das Senfgas eliminiert und durch "Verbrennungen durch feindliche Einwirkung" ersetzt werden. Die 600 Überlebende blieben mit ihren Langzeitqualen allein und der Bericht des Experten wurde als geheim "weggesperrt". Aber irgendein schlauer Kopf (Krebsspezialist) konnte vorher einen Blick darauf werfen und nutzte die Gunst der Stunde: er erkannte, dass Senfgas ein "Killer" war: es hatte weiße Blutkörperchen abgetötet. Der schlaue Kopf schloss daraus, dass die Killersubstanz auch als Heilmittel eingesetzt werden könnte. Bei der Behandlung von Krebs. Die Idee der Chemotherapie war geboren.

Samstag, Februar 28, 2026

द्वादशी

Samstag. Ruhetag in Nepal. Der 16. Falgun, द्वादशी (Dwadashi) der shukla paksha. Wer gestern gefastet hat, kann heute wieder essen. Alle andern auch. Es ist der 12. Tag des zunehmenden Mondes. Ein schlechter Tag für die ganze Welt, das triple Feuerpferd, gerade mal 10 Tage alt, ist aus dem Stall ausgebrochen.