Nicht packen! Kühlen Kopf bewahren - ungefähr so verhält es sich mit der Geistesgegenwart. Es ist jeden Morgen etwas kälter. Wenn ich aufstehe. Wenn ich die Treppe hochsteige. Wenn ich die Treppen wieder hinunter steige. Wenn ich das Haus zu meiner Morgenmeditation am Shivatempel verlasse. Es ist gerade kein Kunststück, seinen Kopf kühl zu bewahren. Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich trage nun auch schon eine Mütze und die guards reiben sich die Hände beim Salutieren. Ich vertraue auf Pulswärmer und die Morgensonne unter dem Laxmibaum. Ich kann mich nicht erinnern, an der rauen Nordsee tägliche Temperaturunterschiede je so exakt auf der bloßen Haut registriert zu haben. Irgendetwas ist immer der reinen Luft ausgesetzt. Die Nasenspitze, die Fingerspitzen, die Zehenspitzen. Später am Tag sitze ich auf dem Dach. Dort oben ist es heiß wie im Hochsommer.
Geistesgegenwart sei die Fähigkeit (lese ich), ganz im Hier und Jetzt zu sein. Das bin ich. Ich bin nirgendwo anders. Geistesgegenwart sei eine Tugend, lese ich weiter und könne wie jede Tugend bei Übertreibung ins Gegenteil kippen. Also Untugend werden. Als Laster auf die schmalen Schultern drücken. Ein wohl schwieriger Balanceakt zwischen vollständiger Abwesenheit konkreter Gedanken und blitzschneller Reaktionsfähigkeit im Fall einer Gefahr (zB Feuersbrunst). Zwischen Halbschlaf und Handschlag. Nicht packen!
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