Montag, August 17, 2026

Nag Panchami

Es kommt wieder alles auf einmal. Der erste des Monats, der 1. भाद्र - Bhadra sowie der 17. August. Für uns der Dreiundzwanzigste 17. in diesem Land. Für die Hindus und Buddhisten der fünfte Tag (= पंचमी oder पञ्चमी  - panchami) der Shukla Paksha, der hellen, zunehmenden Mondphase. Sie feiern  नाग पंचमी - Nag Panchami. Das Schlangenfest. Sie verehren die Nagas, die Schlangengötter, nageln Schlangenbilder über die Haustüren und bitten um Schutz vor Schlangenbissen. Sowie um Segen, eine reiche Ernte, viel Regen. In der Nacht hat es heftig geregnet und der Morgen dümpelt und dampft vor sich hin. Eigentlich gehört Nag Panchami in den Monat Shrawan, aber in diesem Jahr ist alles etwas verschoben und wir sind bereits im Bhadra, dem fünften Monat des Jahres angekommen. Man soll heute auf keinen Fall in der Erde buddeln - um keine der Schlangen im Untergrund unnötig aufzustören. Das zöge Unglück nach sich und brächte im schlimmsten Fall das ganze Ökosystem durcheinander. Also lass ich es. Ich sollte nämlich das winzige Rasenquadrat in unserem Garten "trimmen" (nicht so, wie das in Dithmarschen geschieht), dazu habe ich mir zum Dreiundzwanzigsten 17. eine handliche Rasenschere geschenkt, mit schön polierten Holzgriffen.

Sonntag, August 16, 2026

Der letzte Tag des Monats

Sonntag. Der 31. Shrawan, der letzte Tag des Monats. Nach zwei vergeblichen Versuchen (beim ersten war die Werkstatt offen, aber ich hatte die Schuhe nicht dabei, beim zweiten hatte ich die Schuhe dabei und die Werkstatt war offen, aber der Schuhmacher, denn ein solcher ist er, beim Essen, wie mir die Nachbarshutterfrau zweifelsfrei durch entsprechene Gestik zu verstehen gab) treffe ich heute den Schuhmacher beim Arbeiten an. Er legt den Schuh, an dem er arbeitet, zur Seite und repariert mir auf der Stelle die ausgeleierten, zum Teil gerissenen Elastikbänder an insgesamt 4 Schuhen. Für die Orangefarbenen fädelt er eine Orangefarbene Fadenspule in seine Schuhmachernähmaschine. Ich warte, sitze auf einem Hocker und denke die ganze Zeit an meine emeritierte Menznauer Schuhmacherin mit ihrer Aversion gegen Näharbeiten, die sie ihr ganzes aktives Berufsleben begleitet hatte.

Der Schuhmacher gibt mir jeden Schuh einzeln zum Anprobieren, ob er fest genug sitzt, an einem trennt er die Nähte klaglos wieder auf und arbeitet nach. Schließlich laufe ich überglücklich in den uralten grünen Vabenes durch die street no 11 und nehme die Abkürzung am Kanal entlang nach Hause. Gekostet hat die ganze Sache so viel wie kürzlich das perfekte Gasherdkreuz. Oder eine Portion scharfe Chicken Chowmein. 

Freitag, August 14, 2026

Mitbewohner

Drei Wochen Pokhara. Ich huste schon lange nicht mehr. Wir wohnen mitten in Reisfeldern. Mitten in Neubauten. Die Häuser werden täglich etwas höher. In Zukunft werden sie sicher auch mehr und die Felder weniger. Noch herrscht die Natur vor.  

Wir haben viele Mitbewohner im Haus und rund um das Haus herum. Kleinzeug vetreibe ich mit rabiaten Mitteln. In der Küche verfolge ich Cockroaches erbarmungslos. Wenn sie sich nicht freiwillig ergeben - und das tun sie nie, warum sollten sie? - erschlage ich sie mit einer leeren Wasserflasche. Für irgendetwas muss das viele Plastik gut sein, das wir hier anhäufen.  

Schuhschränke stehen traditionsgemäß vor den Hauseingängen. Sie sind riesig. An ihren Dimensionen erkenne ich, wie viele Menschen welchen Alters in welchem Haus leben. Schuhe lässt man immer draußen stehen.  

In unserem Schuhschrank vor der Haustür wohnt eine Maus. Er ist noch relativ leer, weil ich mich scheue, meine Sonntagsschuhe (zum Beispiel) draußen aufzubewahren. Die Erfahrung auf dem Hill hat mich gelehrt, dass nicht alle Schuhe das wirklich schätzen. Außerdem ist die Hälfte des Schuhschranks voll mit altem Zeug der landlords, einem kaputten Motorradhelm, ausgetrochneter brauner Schuhwichse, Boden-, Wand- oder Badfliesen, rostigen Werkzeugen, bröselnden Blumendüngerpackungen usw. Ausgerechnet in diesem gastlichen Teil hat es sich eine Maus bequem gemacht. Sie guckt mich mit ihren Knopfaugen erschrocken an, wenn ich die Schiebetür zur Seite schiebe. Und verzieht sich in eine Ecke. Solange sie allein ist, mag sie bleiben, denke ich. 

Donnerstag, August 13, 2026

Ehrgeiz

Ehrgeiz ist nicht nur sprachlich eine Art von Geiz. Im Sinne von Gier. Das Wort setzt sich aus den althochdeutschen Begriffen für Ehre (êre) und Habgier, Gier oder Geiz (gite) zusammen und bedeutete ursprünglich eine unersättliche Sucht nach Ehre und Anerkennung.

Ich habe "Beyond possible" längst ausgelesen. Ich wusste von Anfang an, dass mir dieser ältere Bruder Nims nicht sympathisch ist. Ich bin biografisch vorbelastet durch meinen echten älteren Bruder. Ich habe nie verstanden, wie man sich für das Militär, den Krieg, den sinnlosen Drill und absoluten Gehorsam bis hin zur Selbstverleugnung begeistern kann. Wie man freiwillig sein ganzes Leben in eine Militärkarriere investiert. Mein wahrer Bruder hat den Ernstfall nie erlebt, für ihn war es immer nur ein Spiel auf dem Trockenen. Aber trotzdem so todernst, dass es für mich nur lächerlich wirkte! Nimsdai hingegen war ein britischer Elitesoldat und erzählt in "Beyond possible" voller Stolz, wie er das als erster Nepali überhaupt geschafft hat. Mich interessiert das nicht. Und statt seiner Frau die Schmerzen, die er während der Ausbildung leiden musste, zu verschweigen (wie er schreibt), hätte er ihr vielleicht besser davon erzählt. Aber das ist seine Privatsache und nun zu spät. Nicht seine Privatsache ist, dass er das Bergsteigen in extremen Höhen, das Funktionieren in der sogenannten Todeszone (über 8000 müM) ständig mit Krieg vergleicht, mit Angriffen, Schlachten, bombensicheren Plänen usw. Sein Vokabular ist widerlich! Er funktioniert dort oben wie der oberste Befehlshaber - der er naturgemäß nicht ist, niemals sein kann. Aber was bleibt seinen Trägern und Helfern, den Sherpas, sowie den zahlenden Kunden anderes übrig, als zu gehorchen?

Krieg zu führen ist für mich keine akzeptable Lebenshaltung, denn es bedeutet immer das Gegenteil von Leben. Nämlich Tod, und Tod nicht unbedingt des Schwächeren, Tod nicht als Gerechtigkeit. Nun hat Nimsdai der Ehrgeiz das Leben gekostet. Leider nicht nur seines, sondern auch das von 9 weiteren Bergsteigern.

Die Lawine (avalanche) taucht in dem Buch von der ersten bis zur letzten Seite ständig auf. Als Nimsdai es niederschrieb (2020) war er ein Neuling, ein Grünschnabel in Sachen Prominenz und Ehrsucht. Hätte er auf sich selbst gehört, auf seine innere Stimme, die ihm das Wort "avalanche" immer wieder in die Hand diktierte und auf den Bildschirm legte, wäre vielleicht alles anders gekommen. Vielleicht auch nicht. Denn die Lawine war sein Schatten, sein zweites Selbst. Sie begleitete ihn überallhin. In Pakistan hatte er im Juli 2019 am Nanga Parbat wahrscheinlich begründet Sorge vor einem Racheakt der Taliban. Aufgrund seiner Vergangenheit als Kämpfer der UK Special Forces. Dort fällt - in der Erinnerung im Buch - der Satz "I've rather have died in an avalanche than in an execution". Dieser Wunsch zumindest ist ihm in Erfüllung gegangen. Die Lawine vor zwei Wochen kam vom Broad Peak. In Pakistan. 

Wenn ich den Berichten glauben darf, war es eine doppelte Lawine. Sie führte die Schneelast von zwei Flanken ab, und vereinigte sie genau dort, wo zehn Leute unvernünftigerweise hochkletterten. Es hatte seit Tagen heftig geschneit und alle anderen Expeditionen waren abgestiegen und nach Hause geflogen. Es gilt als ungeschriebenes Gesetz in diesen Höhenlagen, dass nach anhaltendem Schneefall erst mal abgewartet werden soll. Bis der Neuschnee sich setzt. Oder die steilen Hänge herunter gekommen ist.

Mittwoch, August 12, 2026

Neumond

Von Sonnenfinsternis ist hier nichts zu sehen. Ein ganz normaler Neumond, eine ganz normale finstere Nacht. Auch von Sternschnuppenschauern ist nichts zu sehen. Es gießt gnadenlos. Eine ganz normale Monsunnacht. Das ist gut so. Der Reis unter meinem Fenster muss wachsen.

Dienstag, August 11, 2026

Karela Ko Acar

Die Ernte geht weiter. Das Gemüse übersteigt meine Kochkünste. Und meine Experimentierlaune.  

करेलाको अचार - Karelako acar. Bitter Gourd. Deutsch Bittermelone, Bittergurke oder Balsambirne. Oder eben Karela. Man kann daraus Pickle machen. Oder spicy salad. Ist sehr sehr bitter. Sehr sehr aufwändig. Wir haben diesen spicy salad schon gegessen. Meist vorsichtig. In homöopatischen Mengen. Es ist eine der Zutaten bei Thakali. Und dort ist es auch ok. Aber in meiner Küche geht das nicht. Das runzlige Grün ist über Nacht gelb geworden und voller übermütig springender Maden. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich gebe die Gurken dem Garten zurück. Dort brechen sie in schwindellerregendem Tempo auf, zeigen ein blutrotes Inneres. Die Vögel toben vor Freude. Von den Ameisen ganz zu schweigen. 

Montag, August 10, 2026

Das weiße Huftier

Heute ist der vierte und letzte Shrawansombar. Der Monat geht seinem Ende entgegen. Die heiligen Montage schwinden.

Auch an die Geräusche in und um das Haus muss ich mich gewöhnen. Seit ich am Morgen auf dem zweiten Dach stehe, rückt alles an seinen festen Ort und in seinen feste Ordnung. Auch das Klopfen am Tag und in der Nacht. Je nach Wind und Wetter mal aufdringlicher, mal zurückhaltender. Mal heftiger, mal sanfter. Wir leben in einem Hindu-Haus. Wir haben einen Andachtsraum unter dem zweiten Dach, am Ausgang auf die Terrasse, das erste Dach. Und an der nordöstlichen Ecke das Hauses ist ein massiver Bambuspfahl aufgestellt und befestigt. Er ist höher als das Haus und seine immer dünner werdende Spitze neigt sich nach unten und wiegt m Wind. Der Bambuspfahl dient als religiöser Flaggenmast. Und die Flagge klopft, nicht der Bambus. Wahrscheinlich ist es eine Dharmafahne. Sie ist schon etwas verblichen, aber darauf reitet ein Gott auf einem weißen Pferd. Entweder ist es Kalki, der auf Devadatta reitet. Kalki ist der erwartete zehnte Avatar Vishnus, der Retter, der das jetzige finstere Zeitalter, die Kali Yuga beenden und die Welt von allem Bösen reinigen wird. Oder es ist Lord Shiva himself, und das Pferd ist kein Pferd, sondern der weiße Stier Nandi. Wie auch immer, wir sind beschützt vom Getrappel eines weißen Huftiers.

Sonntag, August 09, 2026

Die erste Ernte

Im Gemüsebeet auf dem zweiten Dach entdecke ich kleine rote, kreisrunde Chillis. Sie sind scharf wie der Teufel und es sind so viele,  dass ich sie unmöglich frisch verzehren kann. Ich muss sie trocknen. Aber wie? In der Küche gibt es viele nachtaktive Mitesser. 

Ich lerne, dass die verführerisch roten Beeren viele Namen haben: डल्ले खुर्सानी - Dalle khursani (runde Chillis); अकबारे खुर्सानी - Akbare khursani (Königschilli - nach dem Mogulkaiser Akbar) oder  ज्यानमारा खुर्सानी - Jyanmara khursani (Mörderchili - wegen ihrer tödlichen Schärfe). Es sind die schärfsten Chillis im Land. Wenn nicht überhaupt im Universum. Nepali world. Frau Sherpa hat mir schon vor langer langer Zeit die Lektion erteilt, dass nur runde Chillis wahre Chillis sind. Jetzt weiß ich warum: sie stehen auf der Scoville-Skala - dem Schärfeindex - ganz oben. Haben bis zu 350 000 SHU - Scoville Heat Units, Schärfeeinheiten, vergleichbar in etwa mit den mexikanischen Habaneros. 

Die Maßeinheit SHU ist benannt nach ihrem Erfinder, dem amerikanischen Pharmakologen Wilbur Lincoln Scoville. Mr Scoville war kein besonderer Freund von scharfem Essen, ihn trieb nur die wissenschaftliche Neugier: Wieviel schärfemachendes Capsaicin ist in welcher Chillisorte enthalten. Um dies herauszufinden, entwickelte er 1912 eine denkbar simple Methode: Das Capsaicin wird solange mit  Wasser verdünnt, bis die Schärfe nicht nur nicht mehr brennt auf den Schleimhäuten im Mund und Rachen, sondern ganz und gar aus dem menschlichen Empfinden verschwindet. Auch hat Mr Scoville in Selbsttests bewiesen, dass Milch das beste Gegenmittel gegen "Pfefferhitze" ist.

Ich habe heute vormittag um die Ecke endlich diesen shutter entdeckt : श्री कृष्ण दुघ डेरी - Shri Krishna dugh deri, Shri Krishnas Dugh Diary. Shri Krishnas Milchkäserei.

Samstag, August 08, 2026

Das zweite Dach

Wir haben ein erstes Dach, das ist die Terrasse. Sie ist riesengroß und überdacht mit einer soliden Blechkonstruktione. Darunter sitzen wir in der Nacht auch bei Regen im Trockenen und tagsüber im kühlen Schatten. Auf das zweite Dach führt vom ersten eine Wendeltreppe. Das Dach über der Terrasse ist nicht begehbar. Der Boden des zweiten Dachs ist aus massivem Beton und eine ebenso massive Brüstung schützt Kinder und Senioren vor einem Sturz auf die Straße. Nach oben ist alles offen und der Regen fällt ein, wann immer es ihm gefällt. Das ist gut so, denn es gibt ein Gemüsebeet auf dem zweiten Dach. Sowie unsere solarbetriebene Heißwasseranlage. Beides braucht die Verbindung zum Himmel. Das dritte Dach ist klein und keine Aussichtsplattform. Es gibt keine Sicherheitsmauern. Menschen sollen nur im Notfall über die schmale Leiter aufsteigen. Vögeln, Geistern oder Göttern ist der Zutriff nie verwehrt. Auf dem dritten Dach stehen zwei silberne Eintausendliter-Wassertanks. Sie weden automatisch aufgefüllt, dafür sorgt eine elektrisch betriebene Pumpe und ein Sensor. Menschen haben dort oben nur etwas zu suchen, wenn die Technik versagt und zum Beispiel die Tanks überlaufen. Normalerweise passiert das nicht und wir sind mit Wasser bestens versorgt. Es muss immer zuoberst stehen. Wegen der Schwerkraft und dem Druck in den Leitungen.

Ich beschließe, zum Sonnenaufgang aufs zweite Dach zu steigen, wenn es nicht gerade in Strömen regnet. An guten Tagen kann ich im Angesicht des schneebedeckten Zweizacks (माछापुच्छ्रे - Machapucchre, fishtail) sowie der anderen gemässigt gewölbt und geneigten Gipfel der Annapurnakette mein Morning QiGong absolvieren. The only way is up ... das war schon das Motto im ULNÖ in Krems an der Donau vor Jahren, Jahrzehnten und ist es wohl bis heute. Nun sehe ich oben zur Linken, wenn ich nach Norden stehe und nach Westen gucke, die zweitgrößte Shivastatue des Landes. Lord Giant Shiva schaut vom Pumdikot Hill auf mich herab. Und direkt daneben, auf dem Ananda Hill, leuchtet die weiße Shanti Stupa, die buddhistische Weltfriedenspagode. Auch mit der Gnade von ganz oben bin ich bestens versorgt.

Freitag, August 07, 2026

Der erste Sprung in der Schüssel

W ist in der Nacht auf dem Dach ein Glas aus der Brille gefallen. Ich weiß nicht, was das bedeutet. Wahrscheinlich nichts. Pech. In der Dunkelheit. Das Glas ist ganz geblieben und er fährt am Nachmittag zu einem Optiker nach Lakeside. Das ist dort, wo sich die Touristen tummeln. Das Internet sagt, der Optiker würde das Glas zeitnah wieder in die Fassung setzen. Ich bleibe, wo ich bin. Damside. Das ist am südlichen Ende des Sees, out of trouble.

Natürlich geht er in den Buchladen, wenn er schon mal wieder in die Welt des entfesselten commerce eintaucht. Und bringt mir "Beyond possible" mit. Natürlich wollte ich das Buch haben, aber nicht jetzt gleich. Der Autor - Nimsdai Purja laut Cover, eigentlich Nirmal Purja - hat letzte Woche in der Lawine am Broad Peak sein Leben gelassen. Wenige Tage nach seinem 43. Geburtstag. Zusammen mit seinem ganzen Team, den Sherpas und internationalen Gästen. निम्सदाई - Nimsdaj heißt einfach "Bruder Nims". In Nepal sind alle Brüder und दाई ist der Ältere. 

निम्सदाई पुर्जा - Nimsdaj Purja reiht sich nun ein in die glückliche Schar all jener Extrembergsteiger, die mit plus minus 40 von ihrer Leidenschaft erlöst werden. Sie sterben "viel zu früh", meinen die einen,  während andere der Ansicht sind, der Tod komme immer zum einzig richtigen  Zeitpunkt. Ob sie mit dem Leben bezahlen für Leichtsinn, Waghalsigkeit, Selbstüberschätzung, oder ob sie einfach einmal, meist zum ersten Mal Pech haben unter einem strahlend blauen Himmel, ob es Zufall ist und sie dummerweise zur falschen Zeit am falschen Ort sind, ist nicht wichtig. Natürlich wollte ich das Buch lesen, aber nicht jetzt gleich. Ich wollte warten, bis die Sprünge rund um den Globus etwas gekittet sind. 

Nun liegt die Lebensbeichte des Älteren Bruders Nims an meinem Bett, obwohl er Jahrzehnte nach mir geboren wurde und ich kann nicht mehr ruhig schlafen.

Donnerstag, August 06, 2026

Der erste Espresso

Weil wir einen anderen Gasherd haben, passt die Espressomaschine nicht mehr auf die Flamme. Das heißt, sie passte prima und würde direkt auf den Brenner und ins Feuer fallen. Der Kreuz-Aufsatz, den ich aus alten Zeiten mit mir herumtrage - für alle Fälle, man weiß ja nie - passt noch weniger. Aber ich weiß, dass es hier für alles eine Lösung gibt. Ich muss nur im richtigen shutter vorbeikommen, die richtige Frage stellen und nach Möglichkeit das richtige Ding dabei haben. Den Topfträger. Und die Espressomaschine. Im ersten Anlauf gelingt es nicht. Ich hatte nur das Topfgitter dabei und die junge Frau sprach kein Wort Englisch. Außerdem musste sie der Nachbarshutterbesitzer, ein Gemüsehändler, von weither, aus dem gegenüberliegenden Haus ganz von oben nach unten rufen. Sie kam angerannt, war außer Atem und schwer von Begriff. Ich kaufte zwei kleine Messer, damit der weite Weg nicht ganz umsonst war und zahlte 200 Rupee. Heute der zweite Anlauf.  Ich hatte den Laden an der Ecke von Anfang an im Visier, aber beim ersten Versuch vor ein paar Tagen war er geschlossen. Wohl wegen Samstag. Manchmal dauert es eben. Die ebenfalls junge Frau strahlt und holt das perfekte Gasherdkreuz aus dem Innern ihres ordentlich sortierten Lagers. Es ist ein Reduzierstern, wie ich nun lerne. Ich bin very happy. Sie sagt 120 Rupee, but you give me 100.

Mittwoch, August 05, 2026

from 7 to 8

Heute findet in Halberstadt der 17. Klangwechsel statt. Genau um 15 Uhr MESZ, das ist bei uns 18:45 Uhrt und da geht schon bald die Sonne unter. In Halberstadt aber, das ist in Sachsen-Anhalt, entsteht aus dem bisherigen Klang aus den sieben Tönen c, des, d, dis, e, ais, e durch die Orgelbestückung mit dem neuen Ton a ein Achtklang: c, des, d, dis e, a, ais, e. Wie der neue Klang sich musikalisch aufbaut, verstehe ich natürlich nicht, aber hören kann hier das eintretende a ganz deutlich, ungefähr am Minute 2 und ein paar Sekunden, für alle die es eilig haben bei dem langsamsten Musikstück der Welt: John Cage, ASLSP - As Slow as Possible.

Wir machen derweil einen kurzen Ausflug in die Pampa, 7 Minuten durch die Pfützen unseres Neubaugebiets auf dem Weg zum Eco Restaurant Biruwa Cottage. बिरुवा  - biruva ist die Pflanze und das Restaurant versteckt sich gut hinter riesigen Gewächshäusern. Die locals weisen uns unbeirrt den Weg und am Schluss sind wir genau 8 Minuten unterwegs.

Dienstag, August 04, 2026

Die Hitze

Wenn nach dem Regen die Sonne wieder da ist, wird es sofort heiß. Ich schwitze nonstop. Die Temperaturen scheinen nicht höher als in Kathmandu. Trotzdem bin ich ständig schweißgebadet. Auch wenn ich nichts tue und nur auf dem Bett liege. Tagsüber aus dem Haus gehen ist mission impossible. Nur auf dem unteren Dach ist es erträglich. Einmal habe ich schon fast einen Hitzschlag erlitten. Auf der Suche nach irgendetwas Unwichtigem. Ich meine, mich bewegen, die Umgebung erkunden, mich orientieren zu müssen. Wo ich hier eigentlich gelandet bin. 

Wir wohnen an dieser Straße. Aber das heißt gar nichts, ich bin schon an so vielen Street No. 4 mit Pfeil in die eine oder andere Richtung vorbeigekommen, dass mir der Kopf schwirrt. Auch ist, außer der street der erklärende Rest, zB der Name dieser street, auf den Straßenschildern nur in Devanagari aufgedruckt. Überhaupt wird hier vorwiegend nepali gesprochen, geschrieben und verstanden. Warum auch nicht. Ich bin eine von der Hauptstadt verwöhnte alte Tante und muss endlich meine Hausaufgaben machen.

Montag, August 03, 2026

Der graue Tag

Der dritte Shrawan Sombar. Der zweite Pokhara Montag. Der erste richtige Regentag. Wie er nie im Bilderbuch steht. Die Terrasse ist überdacht, ich erreiche meinen Schreibtisch trockenen Fußes. Der Regen klärt die Luft und die Gedanken. Ich muss alles neu lernen. Die Himmelsrichtungen. Wo ich Zwiebeln bekomme, Bananen und Mangos. Von Joghurt ganz zu schweigen. Ums Haus herum entdecke ich Riesengurken und so etwas wie Schlangenzucchini. Abertausende von Ameisen, die der Regen nun wegspült. Bei den Nachbarn wohnt ein Wasserbüffel. Und aus den Reisfeldern wird heute Unkraut entfernt. Das ist nicht unbedingt romantisch, die Frauen in ihren bunten Arbeitsklamotten, die sich, Regen hin oder her, in dem saftigen Grün bücken. Den lieben langen Tag. Hier gibt es eine visual story.

W sagt, in China machen das Fische, die in den Reisfeldern leben und das Unkraut fressen, die Reispflanzen aber unangetastet lassen. Die Fische brauchen nur ständig fließendes Wasser und hier steht es eher. Dümpelt vor sich hin.   

Sonntag, August 02, 2026

Das blaue Zimmer

Alles braucht seine Zeit. Ein jedes Ding und Unding. Ob wichtig oder unwichtig, nötig oder unnötig. Mitgenommen ist mitgenommen. Mitgegangen, mitgehangen. Ich bin mit meinem Schreibtisch und fünf Umzugskisten wieder im Zimmer unter dem Dach gelandet. Es ist blau gestrichen und hat blaue Vorhänge. Es ist nicht das erste blaue Zimmer, das ich in diesem Land ganz oben unter dem Dach eines Hauses entdecke. Blau ist die Verbindung zum Himmel. Höchste Reinheit. Eine spirituelle und glückseligmachende Farbe. Mein Arbeitszimmer ist derzeit das wärmste im Haus, en-suite! Seit der Routerverstärker draußen vor der Tür, an der Regengeschützten Wand der Dachterrasse hängt, ist es gut vernetzt mit der Außenwelt. Zutritt nur über die Terrasse. Fassadenkletterer wie Spinnen, Geckos oder Cockroaches sind willkommen. Auch Flugschüler, Anfänger und Fortgeschrittene, Moskitos, gemeine Stubenfliegen, Stechmücken usw.

Die blauen Schindelinschuhe sind zum wiederholten Mal zum Vorschein gekommen, diesmal unversehrt und korrekt im Plural. Ich verbanne alles Rot aus dem Zimmer und lege die türkisblauen Steine aufs Fensterbrett. Irgendwo muss ich ja anfangen. Die Fenster sind alle vergittert, bis in den obersten Stock hinauf. Auch in den Nachbarhäusern. Ich weiß immer noch nicht, wovor die Nepali sich eigentlich so sehr fürchten. Auch Beats "Sevilla '90" ist wieder da. Es lehnt am Boden. Wie eh und je. Noch scheue ich mich, Nägel in die blauen Wände zu schlagen.

Samstag, August 01, 2026

Der erste August

Die einen feiern, die andern nicht.

Nepal hat auf einen Schlag seine besten und international anerkanntesten Hochgebirgs-Bergsteiger-Experten verloren. Eine junge, leidenschaftliche, erfolgreiche Riege - die so schnell nicht zu ersetzen sei, sagt einer, der es wissen muss. Mit aller gebührenden Betroffenheit. "An international-standard mountain guide cannot be produced overnight", so der Direktor von Seven Summit Treks, "It takes years of training, repeated expeditions and practical experience." Seine Firma rekrutiert die Jungs aus entlegenen Himalayadörfern, trainiert sie über mehrere Saisons, bis sie "world-class professionals" werden. "Loosing climbers of this calibre is a devastating blow, not only for Nepal but also for the global mountaineering community." 

Am Donnerstag Mittag verschüttete eine Lawine am Broad Peak in Pakistan die zehnköpfige Expedition unter der Leitung von Nirmal Purja alias Nimsdai. GPS-Daten zeigen, dass die Gruppe bis zu 800 Meter in die Tiefe gerissen wurde. Keine und keiner hatte eine Überlebenschance. Weder der prominente Nimsdai, noch seine ebenso prominenten Sherpas: Pur Bahadur Gurung alias Yukta, Kili Pemba Sherpa alias Kilu, Nima Rinji Sherpa (der Jüngste, erst 20 Jahre alt und bereits mit Eintrag im Guiness Buch der Rekorde; als 18-Jähriger erklomm er alle 14 Achttausender der Welt, als Jüngster eben), Nawang Tendu Sherpa (der erste Beinamputierte auf dem Everest) und Gyaljen Sherpa alias Gyalu. Weder die arbeitende Klasse, die Lasten tragenden Sherpas. Noch ihre ambitionierten Kundinnen. Die Omanerin Nadhira Al Harthy (sie war 2019 die erste Frau ihres Landes auf dem Everest). Noch die Texanerin Sarah Mallory Geis (die einzige Anfängerin: es war ihr erster Versuch, einen Achttausender zu besteigen). Noch die Kunden. Der bescheidene Pakistani Sohail Sakhi. Noch der Chinese Wang Zhong. 

Die Bergung dauert an. Das Gelände ist schwierig, das Wetter unsicher, die Gefahr weiterer Schneeabgänge nicht gebannt. 

Mögen sie ruhen in Frieden. Dort, wo sie hingegangen und angekommen sind. 

Nimsdai übrigens hat der Welt das erste legendäre Foto vom Stau am Everest beschert - sowie die Diskussion darüber, wie mit den Massen am Berg umzugehen ist.

Freitag, Juli 31, 2026

Die erste Woche

Das Gehen fällt hier viel leichter, weil die Straßen flach und mehr oder minder stolperfrei gepflastert sind. Das Atmen fällt leichter, weil die Luft besser ist. Ich schlafe gut und viel. Trotzdem komme ich nicht vom Fleck. Eine Woche Pokhara und ich weiß immer noch nicht wohin am Morgen. Wasser wird jeden Tag geliefert, soviel können wir gar nicht trinken. Eine 19-Liter Gallone kostet ein Drittel von dem, was wir in der capital city berappten. Dafür wird der Müll nur alle zwei Wochen einmal abgeholt und muss den Müllmännern auf den Wagen hochgehoben werden. You have to give it to them! Was würde ich bloß ohne die achtsame Nachbarin machen? Dass der Müll nicht an der Straße stehen darf, hatte der landlord verraten, auch dass das Müllauto nicht zu überhören sei.     

Donnerstag, Juli 30, 2026

Energie

Energie muss fließen und alles irgendwann wieder an seinen Platz zurückkehren. Ein jedes Ding. Auch wenn es nur wenige sind. Allerdings muss zuerst jedes wieder zum Vorschein kommen. Aus einer der Kisten. Ich entdecke einen lädierten Zeh am rechten Fuß und kann mir überhaupt nicht erklären, wo und wann ich ihn angeschlagen habe. Er ist rot und geschwollen, falls gebrochen, werde ich ihn an seinen Nachbarn, den Großen ankleben. 

Die Elektriker kommen und laufen durchs ganze Haus, betätigen alle Lichtschalter und inspizieren Sicherungskästen. Sie montieren eine Batterie, die uns bei stundenlangen Stromausfällen Strom liefert, aber nur an bestimmte Steckdosen, damit wir nicht übermütig werden. Es ist ein converter, wie wir schon auf dem Hill einen unter der Treppe stehen hatten und nie wussten, was der da eigentlich tut. Im Nachhinein klärt sich nun das Mysterium auf, dass dort bei Stromausfall einige Lampen brannten und andere nicht. Das war das Notstromaggregat. Zusätzlich zum generator

Mittwoch, Juli 29, 2026

Der erste Vollmond

Guru purnima - der Vollmond, an dem die spirituellen und akademischen Lehrer geehrt werden - gehört eigentlich in den Monat Ashad. In diesem Jahr haben wir in Nepal bereits Shrawan. In Nordindien aber, lese ich, beginnt Shrawan erst morgen. Was den heutigen Vollmondtag zusätzlich energetisch aufheizen soll. In der vedischen Kosmologie, lese ich, erreicht Jupiters Energie heute den Höhepunkt des Jahres. Jupiter gilt als Planet der Weisheit, des spirituellen Wissens und der Lehrer-Schüler (guru-disciple) Beziehung schlechthin. Der Vollmond - purnima verstärkt diese Energie zusätzlich. Mehr geht gar nicht! Und alles ist wunderbar beweglich, vor allem die Zeit. Und die Umblätterkalender. Wir haben in allen Zimmern Ventilatoren an der Decke, die ständig alles verwirbeln. Bei Stromausfall bleiben sie allerdings stehen. Heute ungefähr den ganzen Arbeitstag lang. Wir sind nicht mehr auf dem Hill, haben keinen fürsorglichen community manager mehr, der allzeit bereit für alle und jedes einspringt. Im Notfall zuverlässig den generator anhaut. Das Internet funktioniert auch mit Strom mehr schlecht als recht, jedenfalls in meinem neuen Arbeitszimmer unter meinem neuen Dach.

Die WLAN-Spezialisten kommen zu dritt mit einer mobilen Batterie und installieren einen zweiten Router sowie für mich einen Verstärker auf dem Dach. Die Batterie nehmen sie natürlich wieder mit, sie ist ihr Arbeitsgerät in Zeiten wie diesen, und wir bleiben den Rest des Tages mehr oder weniger tatenlos offline.

गुरु - Guru - lerne ich heute, setzt sich zusammen aus den Silben गु - gu (Sanskrit für Dunkelheit, Unwissenheit) und रु - ru (für Licht oder Entferner). Ein Guru ist einer, der die Finsternis der Ignoranz vertreibt. Schön gesagt!

Montag, Juli 27, 2026

Der zweite Shrawan Sombar

Der zweite Montag im Monat Shrawan, der zweite श्रावण सोमबार. Ich glaube, es ist mein erster Montag überhaupt in Pokhara. So weit ich mich entsinne, bin ich bisher entweder am Sonntag abgereist oder erst am Dienstag angereist. Für einen Montag war nie Zeit. Nun also ist mein erster Montag ausgerechnet einer der heiligen Montage des heiligsten Monats überhaupt nach der nepalesisch-hinduistischen Zeitrechnung. So etwas kommt hier immer gänzlich unverhofft über mich. Wie die Hitze. Oder der Staub. Und der Lärm. Natürlich wird auch an der Straße Nummer 4, an der wir nun wohnen, gebaut. Zwar in einer anderen Dimension, der Bauplatz ist überschaubar eingezwängt zwischen zwei Neubauten gegenüber. Aber auch hier geschieht alles von Hand.      

Sonntag, Juli 26, 2026

Der erste Blick auf die Berge

Es regnet die halbe Zeit. Die andere halbe Zeit regnet es nicht. Ich schlafe unruhig. Es ist heiß, auch nachts. Die Luft ist klar, die Aussicht prächtig.

Ich sehe zum ersten Mal schneebedeckte Gipfel. Berge. Das Annapurnamassiv. Wenn auch versteckt in den Quellwolken, aber mit ein bißchem gutem Willen gut zu erkennen. Ebenso die Reisfelder zu unseren Füßen.

Samstag, Juli 25, 2026

Ankunft in Pokhara

Wir sind angekommen. Mit einem halben Tag Verspätung, aber ohne Scherben. Wir freuen uns, dass die Umzugsmänner gute Arbeit geleistet haben und legen den Mantel des Schweigens über einen Typen von InDrive, der uns einfach sitzen ließ. 

Der bis zum letzten Millimeter unter der signalorangefarbenen Plane vollbeladene Minitruck verließ pünktlich um 08:30 Uhr unsere Hauseinfahrt, die gated community, den Hill, die Golfutar Richtung Ring Road und die capital city nach Westen, nach Pokhara. Das Auto aber, eine first-class-Limousine mit ausreichend Stauraum für unser Handgepäck, erschien nicht. Der Fahrer, der uns noch am Abend zuvor vollmundig versichert hatte, sure, don't worry, we will be on time (wobei uns, im Nachhinein betrachtet, der Plural etwas irritiert hatte) kam nicht nur nicht pünktlich um die Ecke gebogen, er ging auch nicht ans Telefon, las keine Nachrichten, hatte sein Smartphone ausgeschaltet oder weggeschmissen. Schlief oder war tot. Wer weiß. Wir mussten einen anderen Wagen besorgen, was etwas Zeit in Anspruch nahm, saßen auf den Sofas im Empfangsraum, in dem wir nie jemanden empfangen hatten, sahen dem Himmel über dem Hill zu, wie er sich eintrübte, und warteten. 

Wir fuhren mit gut zweieinhalb Stunden Verspätung los, verbrachten die gute erste Stunde im Stau durch Kathmandu, dann auf Rüttelstrecken im Schritttempo durch ein enges Tal. Die Straße wurde etwa ab der Hälfte erheblich besser und breiter. Sonst ist es eher umgekehrt, werden die Wege schlechter, je weiter man sich von der Metropole wegbewegt. Hier ist alles anders. Wir erreichten viel zu spät, aber wunderbarerweise zeitgleich mit der wetterfesten signalorangen Plane über unserem Hausrat den östlichen Stadtrand von Pokhara. W. sprang aus unserer Limousine, wedelte mit den Armen und wir fuhren brav hintereinander her zur Dhungesaghu Marg. Das Ausladen ging flott und kurz nach Sonnenuntergang saßen wir bereits bei unserem neuen Lieblings Mo:Mo Mann. Beim Dragon, das ist hier der Supermarkt, hatten wir zwei Dosen Bier aus dem Kühlschrank geholt. Der Mo:Mo-Koch verkauft keinen Alkohol, hat aber nichts dagegen, dass wir Mitgebrachtes trinken. Ganz neue Welt!

Freitag, Juli 24, 2026

Abschied von Kathmandu

Mein Abschied von Kathmandu. Der Umzugswagen wird seit 7 Uhr beladen. Unser InDrive Auto kommt um 8:30 Uhr. Es regnet nicht und wenn wir Glück haben, kommen wir vor der Morgen-rush-hour aus der Stadt. Mit noch mehr Glück sind die Straßen unterwegs frei. Alle warnen natürlich seit Tagen und empfehlen die Luftreise. Wie sollen wir das mit 20 Umzugskisten bewerkstelligen? Monsoon, landslide ...  

Diesen Ganesh habe ich vor langer Zeit auf einem meiner Spaziergänge gefunden, an einer sehr steilen und sehr engen Straßenkehre. Der Tempel hängt halb in der Luft, etwas schief und halsbrecherisch, auch die Bank für die Gläubigen. Zum Fürchten! Aber standhaft rot in der tiefstehenden Abendsonne. 

श्री गणेश मन्दिर 
टोखा नं. पा. वडा नं. ६ धापासी
स्थापित २०५७ १० ३ गते

Shri Ganesh Mandir  
Tokha Ward nr 6 Dhapasi
established 2057 10 3 gate -  das war am 16. Januar 2001 AD.

Ade!

Donnerstag, Juli 23, 2026

abbaden

Ich bin gepackt - bis auf die Küche. Wir warten auf die Umzugsmänner. Alles Zerbrechliche wollen sie selber in Luftpolster einwickeln. Viel ist es nicht, und mir ist alles recht, was meine Hände schont. Ich springe noch einmal in den community-eigenen Pool, solange ich Teil der dieser community bin. Ich schwimme meine 54 Längen. Das ist die Hälfte von 108 - lucky number bei den Buddhisten. So früh am Nachmittag kreischen keine Kinder und überhaupt ist das Wetter zu unbeständig für Familienbadespass. Abbaden hieß das an der Nordsee, aber mitten im Sommer kaum vorstellbar. Den Nachrichten entnehme ich, dass auch das Wasser in der Dithmarscher Bucht unter der Hitze leidet. Für die Zimperlichen wahrscheinlich wieder von Algen besetzt. Mein Pool ist immer clean. Ich werde ihn nicht wirklich vermissen, denn पोखरा - Pokhara ist, wie wir bereits wissen, die Stadt der Seen. Ich werde mir dort eine outdoor Bademöglichkeit suchen und bald wieder anbaden!

Mittwoch, Juli 22, 2026

Letzte Überraschung

Noch zwei Tage. W bestellte in meiner Lieblingsapotheke auf der rechten Seite der Golfutar rechtzeitig seine Medikamente. Manche shutters sind nur auf der einen, die anderen nur auf der anderen Seite. Gemüse links, Apotheken rechts. Obst rechts, Eisenwaren links. Büromaterial wie Klebeband für die Umzugskisten nur rechts, auch permanent markers für die Beschriftung. 

Von einem Medikament hatte die Apothekerin "two strips" zu wenig bekommen. Sie würde sofort nachordern und mich benachrichtigen. Das war vor drei Tagen. Gestern lief ich hin und sie war total erstaunt, was ich nun noch wolle. Die rosarote handgeschriebene winzige Quittung hatte W leider in seiner Hemdentasche. Ich half dem Gedächtnis der Apothekerin auch ohne Zettel auf die Sprünge.     

Heute tat ihr alles furchtbar leid. Sie hatte mich mit "hello sir" angetextet, "you (sic) medicine is ready". Also holten wir es auf dem Weg zum Sekuwa Adda ab. Zum Letzten Mal Matka Biryani (chef recommendation). Zu meiner Verblüffung musste ich nichts mehr bezahlen. Ich hatte alles bezahlt, was bestellt war. Alles, auch das, was ich nicht bekommen hatte. Hätte die Apothekerin die "two strips" erfolgreich vergessen, wärs das gewesen. Zwei Tage vor dem Umzug.

Dienstag, Juli 21, 2026

Seilringe

Nicht ohne mein Trampolin! Zur Feier des Tages bespanne ich das Trampolin mit neuen Seilringen und überlasse die ausgeleierten verstaubten dem Müll. Die leuchtenden Farben habe ich noch in Dithmarschen besorgt, mitgebracht und sorgsam gehütet, bis die Zeit reift. Grün, gelb, blau. Frisch! Eine stramme Sprungmatte. Ein neues Schwinggefühl! In Pokhara werde ich meinen Trainingsplan mit meinem Lieblingstrainer zu Ende machen. Es war mir am Nachmittag immer viel zu heiß unter dem Dach und P. ist fordernd! In der kühlen Früh beschränke ich mich auf meine zwölfeinhalb Minuten Aufwachroutine.  

Montag, Juli 20, 2026

Tulsi

Der erste Shrawan Sombar. Tulsi, das indische Basilikum gehört Lord Vishnu. Es gilt als seine irdische Manifestation. Wir hatten das schon, dass es gepflanzt werden soll, bevor Vishnu im क्षीर सागर - Kshir Sagar, im Milchozean für ein paar Monate entschläft. Bei mir wächst das Basilikum ungehemmt und ungeplant. Ich trage den übervollen Pflanztopf zum Tempel. Der Mönch erklärt mir, dass es schwarzes und grünes Tulsi gibt. Und dass demnächst, nämlich am Samstag, Harishayani Ekadashi ist. Dann sind wir bereits in Pokhara, sage ich, aber er versteht nicht, was ich meine. Wir leben in verschiedenen Gedankenwelten. Umziehen ist etwas ganz Unvorstellbares für die Leute hier. Er zupft sofort ein paar Pflänzchen heraus und setzt sie in den dafür vorgesehenen Quader, schön geometrisch angeordnet, vier zu vier. Den Rest trägt er nach Hause. First mission completed

Die zweite kommt am späten Nachmittag. Es regnet mit Unterbrüchen. Ich nehme die ausgebleichten, vom Wind gebeutelten Gebetsfahnen vom Dach. Wir warten eine Regenpause ab und marschieren dann zu zweit zum Tempel. Mit Streichhölzern und Feuerzeugen. Wir verbrennen die buddhistischen Fahnen in der Feuerstelle vor dem kopflosen Shiva und der stolzen Parvati. Sie werden uns das nicht übel nehmen! Der Himmel jedenfalls meint es gut mit uns, die Sonne kommt heraus und guckt neugierig zu. Der Wind bläst den Rauch in die richtige Richtung. 

Es fängt bald wieder an zu regnen. In der Baugrube herrscht Ruhe. Wir steigen den Tempelhügel hoch und überqueren noch einmal die laute Golfutar auf dem Weg zu Sukunda. Wir schütteln uns trocken wie nasse Hunde und essen noch einmal scharfe Newarigerichte. Alles passiert nun bereits ein letztes Mal.

Sonntag, Juli 19, 2026

Shrawan Sombar

Es ist Sonntag, der dritte Tag des Monats Shrawan. Ich greife um ein paar Stunden vor. Auf den Montag. Den ersten श्रावण सोमबार - Shrawan Sombar, den ersten Montag im Monat Shrawan. Den Hindus ist so gut wie alles heilig. Der ganze Monat Shrawan ist heilig und besonders heilig sind die Montage im Monat Shrawan, die श्रावण सोमबार - Shrawan Sombars. Es wird gefastet - die unverheirateten Frauen fasten für einen guten Zukünftigen, die Verheirateten für die Gesundheitet ihrer Familie.

Für mich eine gute Gelegenheit, mir heute schon, am आइतबार - Aitabar = Sonntag, die Wochentage in nepali in Erinnerung zu rufen.

Samstag, Juli 18, 2026

नागढुंगा सुरुङ्ग

नागढुंगा सुरुङ्ग - Nagdhunga surung ist der erste Straßentunnel Nepals. Er liegt praktischerweise auf unserem Weg. Unpraktischerweise ist er immer noch nicht für den Verkehr freigegeben. Die Eröffnung verzögert sich aus technischen und administrativen Gründen, wie es heißt. Die knapp drei Kilometer durch das Grundgestein der Sopyang-Formation zwischen Nagdhunga am westlichen Rand von Kathmandu und Sisnekhola im Dhading Distrikt sind schon seit einem guten Jahr fertig gebaut. Die geologischen Gegebenheiten waren schwierig, mehrere Scherzonen stellen ein hohes Risiko für Verformungsgefahr, Hangdruck und Nachbruch dar. Die Sopyang-Formation besteht aus "geringgradig metamorphem Gestein", wie ich lese, aus Phylit, tonigem Kalkstein und Quarzit.   

Nun soll aber der नागढुंगा सुरुङ्ग - Nagdhunga surung, der Tunnel zwischen genaugesagt Balambu und Sisnekhola, Teil des Tribhuvan Highway, am 27. Juli endlich - aber auch nur "stufenweise", wie ich lese und nicht verstehe - geöffnet werden. Wir bräuchten ihn bereits drei Tage früher, am 24. um unseren Umzug nach Pokhara etwas schneller zu bewerkstelligen, die Reisezeit für uns und unser Hab und Gut um etwa eine halbe Stunde zu verkürzen. Die Strecke von etwa siebeneinhalb Kilometern bergauf und bergab ist dann nur noch fünf Kilometer lang, die Fahrzeit halbiert sich dadurch.  

Heute dürfen "Fußgänger" den Tunnel passieren, was später streng verboten sein wird. Heute findet der "Nagdhunga Tunnel Fun Run and Walk" statt und es darf gefeiert, gerannt, gestaunt, geschwitzt und gelacht werden. 

Freitag, Juli 17, 2026

Luto falne

Der zweiundzwanzigste und letzte 17. in Kathmandu. Noch eine Woche. Ich packe punktuell. Wir besitzen so gut wie nichts und doch sammle ich im ganzen Haus unglaublich viel Krimskrams ein. Was klein ist und besonderen Schutz braucht, stecke ich in die Schuhe. Damit fülle ich die erste Umzungskiste!

Heute ist der 1. श्रावण - Shrawan. Oder der 1. सावन - Sawan oder der 1. साउन - Saun. Und: लुतो फाल्ने - luto falne - throwing away scabies. Zu deutsch vielleicht der Krätze entgegenwirken. Juckreiz vermeiden, indem man Insekten jeglicher Art vom Haus fernhält. Ich mache das so, wie die alle Leute hier: mit Fliegengittern an den Fenstern. Ich schlafe aber nicht unter einem Moskitonetz, sondern stecke zum Einschlafen den liquid vaporiser an den Strom. Auf dem Dach zünden wir Panchdevi Agarbatti an, Räucherstäbchen. Am frühen Morgen, bevor ich zum Tempel laufe, reibe ich exponierte Stellen wie Hand- und Fußgelenke sowie die Stirn und den Nacken mit Odomos ein. Etwas sticht trotzdem immer. Von Denghi und anderen bösartigen Blutsaugern sind wir bislang verschont geblieben. 

Luto falne. Die Nepali verehren heute Kandarak, den Gott der juckenden Krankheiten. Sie bringen ihm Zitronen und Gurken dar und reinigen das Haus mit Kuhdung. Das scheint mir eher kontraproduktiv bei der Fliegenabwehr. Aber vielleichgt helfen die Rankos - kleine Holzstücke, die sie nach dem Eindunkeln entzünden und in alle vier Himmelsrichtungen werfen. Dabei rufen sie laut und lauter लुतो जा - luto ja, go luto. Verschwinde Krankheit.       

Es regnet den ganzen Tag. Mit Unterbrüchen, die gegen Abend weniger werden. Also trinken wir den Monatssekt in der Bibliothek. 

Donnerstag, Juli 16, 2026

Jaya Jagannath

courtesy ISKCON
Wie bereits vor einem Jahr, geht auch heute, am 32. Ashad, der längste Monat des nepalesischen Jahres zu Ende. Die Hindus in Kathmandu feiern die 41. Shri Jagannath Rath Yatra Mahotsava und ziehen den Wagen mit dem Bildnis des Gottes Jagannath, des Herrn des Universums, durch die Stadt. Von Kamaladi (Nepal Academy) durch die Ghantaghar, Durbar Marg, Putali Sadak (das ist die Schmetterlingsgasse!), Bhadrakali bis zur New Road. Die Prozession endet in Khulla Manch.  

Ich habe den Jagannath Tempel Mahankal fast in Sichtweite. Das ist gut so, er ist der Haupttempel des Triumvirats, das unsere stolze Stacheldrahtsiedlung umgibt. Unten im Tal wird gebaut. Wie immer alles von Hand. Und zu Fuß. 

Gleichzeitig ist heute eines der wichtigen Sankrantis, Karka Sankranti - die Sonne tritt in das Tierkreiszeichen Krebs ein und beginnt ihr दक्षिणायन - Dakshinayana, die sechsmonatige südliche Reise. दक्षिण - dakshin bedeutet Süden und die Endung -(a)yana kommt wahrscheinlich von जान - jana = gehen, sich bewegen. Die Sonne hat im hinduistischen astronomischen Konzept den Gang nach Norden, ihr उत्तरायण - Uttarayana erst jetzt beendet. उत्तर - uttar ist der Norden und die Endung entsprechend. Es beginnt nun eine gesegnete Zeit, so oder so. Regen, Wachsum, Monsun, Reisernte ... Umzug!  

Jaya Jagannath - Glory to Lord Jagannath. Schon eine einzige Umdrehung der Räder seines Wagens während der heutigen Prozession bringt unbegrenzten spirituellen Segen!

Mittwoch, Juli 15, 2026

Café Zero

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In Kathmandu gibt es das erste zero-waste Café. Der anfallende Müll wird weiterverarbeitet. Die Kunden können, während sie Buttertee schlürfen oder Reis kauen, lernen, wie sie mit einfachen Veränderungen ihren ökologischen Fußabdruck verbessern. Dies in einer Stadt, in der es keinen funktionierenden öPNV und keinen einzigen öffentlichen Mülleimer gibt. Jeder und jede ist mit einem stinkenden Benziner unterwegs und lässt alles überall fallen, was er oder sie gerade nicht mehr benötigt. 

Nun also: zero-waste in Lalitpur. Einst (in Japan, lang ist's her) waren es die drei berühmten R für Reduce, Re-use und Recycle, heute kommt das vierte R für Refuse dazu und soll am Anfang der R-Kette stehen. Gerade das Ablehnen (zB von Plastik) ist schwierig in einem Land, in dem sogar frische Milch in Plastiktüten abgefüllt über den Tresen gereicht wird, mit einem Gummiband gekonnt auslaufsicher verschnürt und in eine zweite Plastiktüte für den Transport über die Straße gepackt.

Im Café Zero werden Kartoffelschalen als Chips servierte, der harte Strunk eines Blumenkohls als Pakor frittiert. Nicht alle Gemüsereste kommen wirklich gut weg oder an. Es gibt aber auch den natürlichen Weg über den Kompost. Überhaupt sind nicht die Gemüsereste aus der Küche das Hauptproblem. Aus Wai Wai-Plastik - der Verpackung der allseits geliebten Instantnudeln, die die Nepali am liebsten roh verzehren! - entstehen modische Taschen. Aus Deckeln der Plastikflaschen (eingesammelt im Gebirge, wo sie tonnenweise liegenbleiben) coasters (Untersetzer). Und hier beginnt das Problem - oder endet. Wer geht und sammelt den Müll ein, sortiert ihn, säubert ihn, verwandelt ihn? Nicht die Kellnerinnen oder Köche des Cafè Zero!  Kinder können, wenn es ihnen zu langweilig wird, das Platikschredderfahrrad besteigen. In die Pedale treten und leere bottels in Schnipsel verwandeln. Das ist zwar lustig und vielleicht auch kreativ. Daraus soll später in kreativen Händen Schmuck entstehen. Nicht dass ich mir so etwas unbedingt um den Hals hängen muss. Und die kids lassen am nächsten Tag auf dem Schulweg ihre Chipstüte wie gewohnt fallen. Denn wohin sonst damit?

Dienstag, Juli 14, 2026

Neumond

औंशी - Aunshi. Neumond! Da ich an einem Neumondtag eingezogen bin (W war damals auf Dienstreise im Ausland), und es im ersten Monat einen Schwarzen Mond oder Black Moon (zweiter Neumond - der tritt so oft an den Himmel wie ein zweiter Vollmond, nämlich ungefähr alle 29 Monate) gab, ist die mein 20. und letzter Neumond auf dem Hill (und wieder ist W auf Dienstreise im Ausland). Noch zehn Tage liegen vor mir und kann ich den zunehmenden Mond am Himmel über Kathmandu beobachten    

Extra für mich fährt heute in der Baugrube nochmals der Bagger auf und mehrere Männer sowie die landlady, als einzige leuchtend signalgelb gewandet, füllen leere Reis- und Zementsäcke mit Erde und stapeln sie zu einem zweiten Erdsackschutzwall auf. Der Baggerfahrer muss mehrmals an seinen Schaufeln (er hat zwei und kann sich im Innern seines Fahrraums zur einen oder anderen drehen) ölen und schrauben und so zieht sich das Umwälzen des nassen Bodens bis in den Abend hin. Bhumi scheint nicht glücklich. Aber es regnet den ganzen Tag nicht.

Montag, Juli 13, 2026

Bhanu Jayanti

Heute ist der 29. Ashad BS. AD der 13. Juli, ein Montag, an dem nichts Besonderes passiert, außer dass ich in einer Regenpause beim Zahnarzt war. Der hat mir unkompliziert den rechten Eckzahn wieder eckig zementiert. Ging auf Garantie, Gewährleistung. Bricht die Ecke noch einmal ab, wird er die uralte Amalgamfüllung herausbohren und eine Krone aufsetzen.

Heute vor 213 Jahren, am 29. Ashad 1871 BS wurde भानुभक्त आचार्य - Bhanubhakta Acharya geboren. Deshalb wird heute Bhanu Jayanti gefeiert - Bhanus Geburtstag. Bhanu gilt als आदिकबि - Aadikabi, (the first-ever-poet). Der erste Dichter, der in Nepali schrieb und aus dem Sanskrit ins Nepali übersetzte. Ua das indische Epos "Ramayana". Natürlich werden wieder Kränze niedergelegt und Blumengirlanden um den Hals der Statue gehängt vor dem भानु शिक्षा सदन - Bhanu Shikshya Sadan, der Bhanu Secondary School direkt gegenüber dem Ranipokhari Teich . Der neue Bildungsminister wiederholt mehr oder minder das, was vor einem Jahr der alte gesagt hat. Dass Bhanu das Land sprachlich geeint hat, so wie König Prithvi Narayan Shah es territorial geeint hatte. Beides ist, wie so oft, schöngeredet und nur die halbe Wahrheit. Aber ich habe Glück: da wir nicht nach Thimi ziehen, muss ich nicht Newari lernen.

Sonntag, Juli 12, 2026

Yarsagumba

यार्सागुम्बा - Yarsagumba gilt als das Viagra des Himalaya, ein natürliches Aphrodisiakum. Stärkt aber auch allgemein das Immunsystem und die Leistungsfähigkeit der Menschen. Vor allem bei Nieren- oder Lungenkrankheit soll es helfen.Der Name kommt aus dem Tibetischen und bedeutet Sommergras, Winterwurm. In der Natur eine ziemlich eklige Angelegenheit, wissenschaftlich souverän Ophiocordyceps sinensis. Die Chinesen lieben dieses Zeug wie alles, was die Potenz verstärkt. Und zahlen einen guten Preis.

Die Bewohner aus den abgelegendsten und ärmsten Distrikten Nepals, aus Mugu und Dolpa steigen im Frühjahr mit Kind und Kegel ins Gebirge, auf bis zu 5000 Meter, und sammeln das kostbare Gut unter Lebensgefahr ein. Auch sie können stolpern im steilen Gelände, sich verletzen, zu Tode stürzen oder irre werden in der Höhe. Die Erträge sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Warum, weiß niemand so genau. Klimawandel, Wetterwechsel? Auch die Preise sinken. Und das Risiko für die Sammler steigt. Der Wurm - die Raupen eines Wurzelspinners - scheint sich nicht mehr wohlzufühlen. Oder dem parasitischen Pilz, der sich von diesen Raupen ernährt, schmeckt etwas nicht mehr. Normalerweise wächst aus dem mumifizierten Kopf der Raupe der Fruchtkörper. Ein dünner, bräunlicher Stiel. Das यार्सागुम्बा - Yarsagumba. Das "biologische Gold" - das teuerste biologische Naturprodukt der Welt. 

Es schwindet und die Bergbauern können ihre Kinder nicht mehr ernähren. Die Biologen sagen, verschiedene Faktoren führten zum Rückgang. Unberechenbare heftige Niederschläge wechselnd mit extremen Trockenperioden sowie zunehmende Waldbrände verschlechtern den Lebensraum des fragilen alpinen Ökosystems. Während der Covic-19-Pandemie war das Yarsagumba-Sammeln drei Jahre lang verboten. Die nicht abgeernteten Stiele könnten zusätzlich zu allen anderen widrigen Entwicklungen den natürlichen Reproduktionszyklus der Species nachhaltig gestört haben.

Samstag, Juli 11, 2026

Das blaue Dreieck

Das größte Haus der Siedlung, das seit wir hier wohnen, leer steht, dafür aber lange, aufwändig, staubig und lärmend renoviert wurde, ist endlich bewohnt. Von einer Großfamilie - den Schuhen nach zu urteilen, die vor dem Eingang herumliegen. Als erstes kam eine Wagenladung Pflanzen, dann der mächtige Schuhschrank und alles andere.

Auf dem Dach weht nun neben dem Wassertank eine riesige, hellblaue dreieckige Fahne. Gänzlich unbeschriftet und ohne Symbole. Also keine politische Manifestation. Ich befrage, wie immer in solchen Fällen, das Netz. Und eine KI antwortet, dies sei kein offizielles Staatssymbol Nepals. Davon bin ich ausgegangen. 

Eine andere Weisheitsquelle berichtet, im tibetischen Buddhismus sei eine einzelne reinblaue dreieckige Fahne ein wichtiges spirituelles Symbol. Es stehe für den Himmel, den offenen Raum und das offene Herz, bedeute Weite und unendlichen Frieden. Die Farbe Blau soll helfen, den Geist zu reinigen und zu öffnen, Unwissen in Wissen zu verwandeln und der Seele innere Ruhe zu geben.

Mein neues Arbeitszimmer in Pokhara befindet sich zuoberst im Haus, seine Wände sind blau gestrichen.

Freitag, Juli 10, 2026

Marubhumi

Freitag - noch zwei Wochen KTM. Ich schalte in den Packmodus und denke über Götter und Dämonen nach. Wenn ich aus meinem hohen Fenster unter dem Dach hinausschaue, sehe ich unten in die Baugrube hinein. Trotz wiederholter Bhumimantras und Räuchereien, tut der umgewälzte Boden, was er will. Der Regen füllt Senken und spült ungeahnte Schlünde frei.

मरुभूमि - marubhumi ist die Wüste in Nepali. In Nepal gibt es keine Wüste. Trotzdem kennen die Nepali das Wort. Mir hat es Pranai in Thamel beigebracht durch eine seiner listigen Fragen:

के नेपालमा हिमाल, नदी, खोला, मरुभूमि र बुनजङ्गल छन्? - Ke Nepalma himal, nadi, khola, marubhumi ra bunjangala chan? [Does Nepal have mountains, rivers, streams, deserts and jungles? - man beachte: kein einziges Substantiv mit dem Nepali-Pluralsuffix -haru!]

Meine korrekte Antwort lautete: नेपालमा मरुभूमि छैन - Nepalma marubhumi chaina. In Nepal gibt es keine Wüste. 

Vor meinen [äußeren?] Augen schon. Unter meinem Fenster erstreckt sich eine wüste Stadtlandschaft, die gerade unter Wasser steht. Und vor dem inneren Augen sitzt immer noch der Earth-Touching-Buddha, der kurz vor der Erleuchtung vom Dämon Mara mit wüsten Worten bedrängt wird. Die Wüste ist ödes, abgestorbenes, ausgetrocknetes Land - maru-bhumi. Maru in Sanskrit meint genau das und soll auf eine indoeuropäische Wurzel mer für sterben zurückgehen. Ich frage mich nun natürlich, ob das etwas mit dem teuflisch schimpfenden Mara zu tun hat. Hat es (sagt AI), denn im Buddhismus ist Mara, wie wir bereits wissen, die Personifizierung des Bösen und vereint aller der Erleuchtung entgegenwirkenden Energien in sich. Ein listiger Versucher, der mit allen Kräften verhindern wollte, dass Buddha unter dem Bodhimbaum das Ziel seiner Reise, seiner letzten Inkarnation erreicht. Mara ist der buddhistische Teufel schlechthin, der Dämon des Todes, der Vergänglichkeit, der Illusion. Sein Name kommt von Sanskrit mr für sterben oder tot. Und das ist nicht sehr weit weg von indogermanisch mer. Und von Marubhumi, der Erde, die kein Leben mehr spenden kann.

Donnerstag, Juli 09, 2026

Dhurbe

Elefanten sind keine Engel. Dhurbe ist ein rogue elephant, ein aggressiver Einzelgänger-Elefantenbulle aus dem Chitwan Nationalpark. Elefanten sind frei wie Bengalgeier. Sie müssen sich nicht an Grenzen halten, schon gar nicht an die eines Nationalparks. Immer wieder gibt es Übergriffe auf Dörfer der Umgebung. Immer wieder tödliche. Die wilden Elefanten terrorisieren die Menschen.

Dhurbe trampelte im Dezember 2012 Shanicharas Eltern in Madi tot. Madi gilt als malerisches Öko-Reiseziel südlich des Chitwan Nationalparks. Shanichara beschloss in seiner Verzweiflung, mit seiner Frau und den drei Söhnen wegzuziehen. Sie zogen nach Norden, überquerten zwei Flüsse und wähnten sich in Jagatpur in  Sicherheit. Vor einer Woche kam Dhurbe wieder. Ob er wirklich Shanichara verfolgte oder einer blinden Zerstörungswut folgte, bleibt dahingestellt. Dhurbe griff Shanicharas neue Hütte an. Shanicharas ältester Sohn versuchte den Angreifer mit Feuer zu vertreiben. Das gelang ihm schließlich, aber zu spät. Seine Frau und der 4-jährige Sohn waren bereits tot und was Dhurbe nicht zertrampelt hatte, ging in den Flammen auf. Der Rest der 9-köpfigen Großfamilie überlebte und hat nun kein Dach mehr über dem Kopf!

Elefanten sind keine Glücksbringer. Dhurbe ist ein Killer und wird seit Jahren überwacht. Er trägt ein Satelliten-Ortungs-Collier. Sein erweiteres Revier außerhalb des Nationalparks ist den Behörden gut bekannt. Auch seine menschlichen Opfer, nun auf 25 angestiegen, darunter zwei Armeeangehörige, die für die Sicherheit im Nationalpark abgestellt waren. Versuche, Dhurbe mit Feuerschusswaffen zu töten, scheiterten. Elefanten sind Dickhäuter! Die Ortung schlägt immer wieder fehl. 2023 wurde ihm bereits das dritte Halsband appliziert.

Mittwoch, Juli 08, 2026

Der weiße Elefant

Eine Ecke des Buddha Peace Park in Nagarkot ist Mayadevi, der Mutter Siddhartha Gautamas gewidmet. Ein Wegweiser führt zu ihrem Tempel, der aber noch im Bau scheint. Der vergitterte Käfig mit dem kargen Interieur mutet wie eine Gefängniszelle an. Nebst einer bereits verwitternden leeren Liege betört (mich) einzig der kleine Elefant auf dem hohen Sockel. Auf einer stilisierten Lotosblüte.

Der weiße Elefant erschien Mayadevi im Traum. Er berührte ihre rechte Seite und kündigte die Geburt eines "starken Sohnes" an. Wir hatten das schon und die Geschichte gehört eigentlich in den Königspalast nach Kapilavastu. In anderen Kulturen wird das Überbringen solch glückverheißender Nachrichten anderen, eher ätherischen, leichten, schwebenden, himmlischen Wesen wie beispielsweise Engeln zugeordnet. Hier ist es ein Elefant und die "Berührung" durch das bodenständige schwere Tier hätte auch gut gern "erdrückend", also mit dem Tod der Schlafenden enden können.

Aber Siddharta Gautama ward geboren und vielleicht ist die "Gefängniszelle" in Nagarkot deshalb leer, weil der "starke Junge", aus der Rechten der Mutter entsprungen, genau an der Stelle, wo der weiße Elefant sie in einer Nacht (unsittlich?) berührt hatte, mit Geburt bereits laufen konnte. Eine Art Garten-Eden-Szene ist hinter dem leeren Tempel installiert. Noch lebt die Mutter, sie stirbt erst eine Woche nach der Geburt. Schon steht sie aufrecht, obwohl gerade entbunden. Unter einem Plastikbaum, obwohl rundum wahrlich genug natürliches Grün in den Himmel wächst. Sie winkt dem weglaufenden Kind hinterher. Was bleibt ihr denn anderes übrig? 

Dienstag, Juli 07, 2026

देव भूमि

Noch mehr Bhumi. देव भूमि - Dev Bhumi. Das (heilige) Land der Götter. Oder kurz gesagt: Nepal. 

In diesem Kontext bedeutet भूमि - Bhumi nicht die Göttin, nicht die Mutter Erde, sondern konkret den Boden, die Fläche, das Territorium. Frei interpretierbar zu: Heimat. देव - Dev ist schon der Gott oder die Göttin, die Gottheit im Allgemeinen. Ob die Götter im Wortspiel देव भूमि - Dev Bhumi im Singular oder Plural auftreten, darüber streiten sich die native speaker, die ich befragt habe. Tatsächlich mutet es mich wie doppeltgemoppelt an, denn ich verstehe: Gott oder Göttin im Allgemeinen + die spezielle Göttin Bhumi. Für mich ist देव - Dev ein Singular. Kombiniert mit भूमि - Bhumi entsteht daraus natürlich ein Plural, sofern Bhumi auch als Göttin auftritt. Wenn Bhumi aber der schnöde Erdboden meint, müsste an das Substantiv Dev zur Kennzeichnung des Plurals das Suffix हरू - haru angehängt werden und das Land der Götter hieße korrekt  देवहरू भूमि - Devharu Bhumi. Das ist holperig und umständlich, wie viele Wege in diesem Land. Allerdings habe ich auch gelernt, dass auf das Plural-Suffix verzichtet werden kann, wenn aus dem Kontext, etwa in Verbindung mit Zahlen, dieser logisch hervorgeht. 

देव भूमि - Dev Bhumi - ist der neue Slogan der neuen Regierung für das neue Fiskaljahr 2083/2084 BS (2026/2027 AD). Nepal soll sich als wichtigste Destination für den globalen spirituellen Tourismus etablieren. Ein hochgestecktes Ziel. Zumal Indien, vor allem die Provinzen Uttarakhand und Himachal Pradesh, diesen Werbespruch schon lange für sich beansprucht. Mit identischen Inhalten: Sitz der Götter, Quelle der goßen heiligen Flüsse (zB der "Zwillinge" Ganges und Yamuna), alte Klöster und Tempel als Pilgerstätten und Meditationzentren.   

Nepals Flüsse fließen allesamt nach Süden, nach Indien. Sie sollen nun im eigenen Land geschützt und reingehalten werden. Als Orte der Biodiversität, der Kultur und der Zivilisation. Tempel und Klöster sind auch da, zuhauf, altehrwürdig, spirituell hochprozentig: Pashupatinath, Lumbini (Buddhas Geburtsort), Janakpurdham, Muktinath ua. In Randregionen wie Karnali, Sudurpaschim, Madhesh und Koshi sollen touristische Angebote und Flugverbindungen (weil, bis Straßen von Menschenhand gebaut sind ...) verbessert werden. Alles kundenorientiert digitalisiert. देव भूमि - Dev Bhumi!

Montag, Juli 06, 2026

भूमिस्पर्श मुद्रा

Wir sind im Newariland, im Buddhaland, im peacewalkland. Nach dem Frühstück reicht die Zeit für einen kleinen Spaziergang zum Buddha Peace Park. Hier sitzt Lord Buddha in Gold als भूमिस्पर्श मुद्रा - Bhumisparsha Mudra, als "Earth Touching Buddha". Der die Erde berührende Buddha. भूमि - Bhumi kennen wir schon als Göttin der Erde. Ihr wird unter meinem Fenster in Kathmandu jetzt regelmäßig gehuldigt. Die Bauherren und Baudamen wollen jedes weitere disaster (eines gab es schon, aber davon vielleicht ein ander Mal) unbedingt vermeiden! Hier aber, in Nagarkot, unweit von Thimi (wo wir mal hinziehen wollten, wo das Denkmal der Kiratkönigs Yalambar steht), unweit von Bhaktapur, unweit von Namo Buddha, sitzt Lord Buddha auf dem goldenen Sockel, seine rechte Hand zeigt zur Erde (mehr symbolisch als wirklich). Der Mittelfinger dieser Hand berührt das goldene Kissen, auf dem der in Meditation Versunkene thront und das die Erde symbolisiert, als Zeichen der Erleuchtung.  

Der Legende nach saß Buddha unter einem Bodhibaum und meditierte. Der Dämon Mara versuchte ihn dabei mit wüsten Worten zu stören, aber Buddha widerstand den verbalen Versuchungen. Er rief Bhumi, die Göttin der Erde an, sie möge seine Erleuchtung bezeugen, wenn er mit dem Finger sie - also die Erde - berühre.
Bhumi war nicht nur Zeugin, sondern auch Beschützerin. Sie setzte eine mächtige Flut in Bewegung, die den immer noch brüllenden Dämon Mara fortriss und Lord Buddha erlaubte, seinen spirituellen Weg zu Ende zu gehen.  

Deshalb भूमिस्पर्श मुद्रा - Bhumisparsha Mudra:
भूमि - Bhumi, die Göttin der Erde und 
स्पर्श - sparsha = berühren und  
मुद्रा - mudra (in Sanskrit ursprünglich Siegel)  = die symbolische Handstellung 

Der die (Göttin) Erde mit dem Mittelfinger der rechten Hand (im Moment der Erleuchtung) berührende Lord Buddha.

Am Nachmittag fahren wir zurück in die laute Stadt.

Sonntag, Juli 05, 2026

Yala Chhen

Bevor wir abgeholt werden, sehe ich den Mond über den Dächern der Nachbarn untergehen (wer sieht ihn nicht?). Der Himmel strahlt am Morgen auch über der Capital City und über dem Hill, wenn in der Nacht viel Regen gefallen ist. 

Um die Zeit zu nutzen, fahren wir noch einmal nach Nagarkot. Ungefähr zum vierten - und wahrscheinlich vorerst letzten Mal ans östliche Ende des Valleys. Wir tanken frische Luft und genießen eine unverstellte Aussicht, so lange es eben geht. Der Himmel zieht sich zu, wie schon beim letzten Mal, kaum sind wir angekommen. Diesmal sind es Monsunwolken und sie entleeren sich, während wir beim Mittagessen sitzen.
Wir wohnen im Yala Chhen - in Yalas Palast! Das ist das Haus von Yala in Newari. "Chhen" ist das Haus, die Hütte, das Gebäude oder eben der Palast! Und "Yala" nannten die Newari ihre Stadt, die heute Lalitpur heißt und einst Patan war. Ich wusste nicht, dass der südlich gelegene Stadtteil von Kathmandu (wo wir einst vorhatten, wohnen zu wollen - wer erinnert sich nicht?) einen dritten, noch älteren Namen besitzt: Yala  nach dem ersten Kirati-König यलम्बर - Yalambar.
Wir wohnen also in यलम्बर - Yalambars bescheidener Kate, in der Königssuite. यलम्बर - Yalambar ist auch, das wissen wir schon, der Namensgeber für den Mondkalender der Kirat, Yelam Sambat. Der Wechsel von YA zu YE erklärt sich dadurch, dass König Yalambar auch Yalamber oder verkürzt Yalam oder Yele genannt wurde (vielleicht eine Art Kosename?).

Samstag, Juli 04, 2026

20 Tage

Samstag. In drei Wochen sind wir umgezogen. Ich muss mich ranhalten mit Tagerunterzählen. Die ersten Kisten habe ich aufgeklappt und die Böden zugeklebt. Nun stehen sie in Reih und Glied im Zimmer, das einst W's Arbeitszimmer war und seit Monaten leer steht. Der Regen kommt in der Nacht, ziemlich heftig. Ein Gewitter tobt sich stundenlang über unseren Köpfen aus. Wir hoffen, dass die Zimmerdecke noch Nässe speichern kann. Dass der Regen nicht durch das Dach in die bereitstehenden leeren Umzugskisten läuft.

Freitag, Juli 03, 2026

the own words

Ich habe in Nepal gelernt, keinem Wort zu trauen. Die meisten verstehe ich nicht und die wenigen anderen hinterfrage ich konsequent. Sortiere gnadenlos. Vieles erkläre ich mit dem Hang der Nepali zur Träumerei. Sie wünschen sich so vieles, das nie wirklich werden wird. Und das können sie sich getrost rund um die Uhr einreden. Ein Satz wie "don't worry", der mich am Anfang immer beruhigt hat, weckt nun mein allergrösstes Misstrauen. Sagt heute jemand "don't worry" zu mir, weiß ich, dass ich allen Grund habe, mir Sorgen zu machen. Das schult und stärkt die inneren Kräfte. 

Was hat man nicht alles über Hillary Dawa Sherpas Schicksal am Everest gelesen, gehört, gesehen - hier spricht er selbst und räumt mit Mythen und Märchen auf: "My life is like a dream. How did I get here? How did I make it down alive?" (0:28) - Der Mann wundert sich schließlich, warum sein halbes Dorf in Kathmandu im Krankenhaus zusammenkommt, warum seine Frau Mönche und Lamas einbestellt hat für die अन्त्येष्टि - Antyesti - die letzten Dienste. Es ist das Wichtigste im Leben eines jeden Menschen: dass für sein unbeschadetes Karma gebetet und nach seinem Tod 13 Tage salzlose Nahrung gegessen wird. 

Hillary Dawa Sherpa selbst fühlte sich dem Tod erst nahe, als er mehr als zwei Tage und Nächte in einer Gletscherspalte festsaß, mit gebrochenem Bein und ohne Hoffnung auf Rettung. Davor hatte er einfach seine Pflicht getan. Aber hört ihn selbst: Abandoned On Everest - Hillary Dawa Sherpa, in his own words (ins Englische übertragen von Ben Ayers): https://www.youtube.com/watch?v=RuIyupuIOZ8 

Donnerstag, Juli 02, 2026

Die Erde

Wie für alles andere auf dieser Erde, gibt es auch für sie, die Erde selbst, mehrere, aber mindestens zwei weibliche Göttinnen. भूमि - Bhumi oder पृथ्वी - Prthvi. Etwas leichter auszusprechen पृथिवी - Prthivi. Die einen Quellen sagen mir,  पृथ्वी माता - prthvi mata sei die archetypische Muttererde-Gottheit und Prthvi die älteste vedische Erdgöttin. Ihr Name bedeute im Sanskrit "Weite" oder "Breite". Damit wird die physische Dimension der Erde eingefangen. भूमि - Bhumi hingegen komme von Sanskrit "Boden" oder "Ursprung". Die Erde als Ursprung aller Dinge. Andere Quellen sagen mir, Bhumi habe einfach Prthvi abgelöst, vom Sockel gestoßen, als deren Zeit um war. Bhumi als Inkarnation von Prthvi. 

Ich weiß bereits, dass Bhumi mehr mit der Qualität, der Fruchtbarkeit, der nährenden Kraft des Bodens zu tun hat, als mit dessen geografischer Größe. Bhumis Tochter ist Sita - die Ackerfrucht. Deshalb soll, bevor eine Baugrube ausgehoben wird und der Acker - hier am Hill ganz konkret die einst mit viel Mühe, Schweiß und Steinen angelegten Reisterrassen - zweckentfremdet wird, eine Bhumi Puja abgehalten und die Göttin des Bodens und allen Ursprungs um ihren Segen für das Bauvorhaben gebeten werden. 

Gestern Abend schritt eine Frau ganz allein kurz vor dem Eindunkeln das grässlich zugerichtete Gelände unter meinem Fenster ab und zündete viele Öllampen und Räucherstäbchen an, sang 108 mal das Bhumi Gayatri Mantra:

Om Vasundharaya Vidmahe

Bhutadhatraya Dhimahi 

Tanno Bhumi Prachodayat 

Vielleicht war es die Käuferin des Grundstücks und zukünftige Eigentümerin der mehrstöckigen Mehrfamilienhäuser, die aus dieser Grube wachsen werden. Eine sogenannte landlady.

Mittwoch, Juli 01, 2026

Haatemaalo

Der Monsun marschiert ein, lese ich in der Zeitung. Am Himmel sieht immer alles anders auf. Der wieder ins Amt zurückgekehrte Innenminister verkündete unlängst, das Ziel seien 0 (null) Monsunopfer in diesem Jahr. Die NDRRMA (National Disaster Risk Reduction and Management Authority - so etwas wie Nationale Katastrophenverhinderungsbehörde) zählt aber bereits 27Unwetterbedingte Todesfälle seit Beginn des Jahres BS (= Mitte April AD): 6 Menschen sind ertrunken, 13 bei Sturm umgekommen, 5 wurden von Erdrutschen verschüttet, und 3 starben infolge heftiger Regenfälle.

Ich lerne derweil ein neues Wort: हातेमालो - haatemaalo von हाते - haat für die Hand und मालो - maalo für halten, umarmen, verlinken. Zusammenhalten. Zusammenstehen. Sich solidarisch verhalten, den Nachbarn helfen, in Not Geratene unterstützen, und so weiter. Und so fort. Ein schönes Wort. Eine gute Sache. Handreichung.

Außerdem wird eine App eingerichtet, über die über Ufer tretende Flüsse und abrutschende Hänge gemeldet werden können, damit entsprechende Hilfe ohne Verzögerung in die Wege geleitet wird. Wir werden sehen, was die nächsten Tage und Wochen bringen. Regen, Regen, Regen!

Dienstag, Juni 30, 2026

Erdbeermond

Dieser Juni-Vollmondname hat nichts mit Nepal zu tun. Hier ist auch nicht Juni sondern immer noch Ashad. Die Erdbeerernte ist längst vorbei. Wie in Japan reifen die Erdbeeren auch hier im Winter. Sie sind höchstens bis Anfang April im Angebot. Die Shutters haben nur saisonales Obst und Gemüse. Erdbeeren sind mir auf der Golfutar nicht begegnet, ich habe keine einzige gegessen. 

Eine Kollegin von W wollte ihren Unijob und Kathmandu an den buchstäblichen Nagel hängen und sich voll und ganz nur noch ihrer Erdbeerfarm in Nuwakot widmen. Das hat noch nicht geklappt, und wenn es dann so weit ist, werden wir sie besuchen. Spätestens zur nächsten Ernte.

Montag, Juni 29, 2026

Jya: Punhi:

Zur Feier des Tages finde ich eine tote Maus auf der Auffahrt. Sie sieht äußerlich unversehrt aus. Der Kater, der sie gejagt hat, will offenbar wieder einmal seine unendliche Liebe zu mir zum Ausdruck geben und kommuniziert auf diese Weise, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche, wenn er nicht regelmäßig um Futter bettelt an meiner Küchentür. Er ist nicht am Verhungern. Ich verstehe und entsorge den Kadaver in die Mülltonne. Die Ameisen haben sich schon darüber hergemacht. 

Dann fällt Regen und spült alles weg. Vollmond ist morgen früh, aber schon heute feiern die Hindus Masta Purnima oder in Newari Jya: Punhi: Der Vollmond, der den Beginn der Reisaussähzeit markiert. Im Park über dem Jagannath Tempel wird ein riesiges Zelt mit rotem Dach aufgestellt. Das ist wetterfest und nicht zu übersehen. Genaugenommen wird रोपाई महोत्सव - Ropai mahotsav - der (bereits 23.) Nationale Reispflanztag gefeiert, der immer auf den 15. Ashad BS / 29. Juni AD fällt. Wir hatten diesen Feiertag schon, den दही चिउरा खाने दिन - Dahi Chiura Khane Din. Exakt vor einem Jahr. Damals war der Monsun bereits in Höchstform. Aber der Reispflanztag bzw der Tag des Joghurt-und-gestampfte-Reisflocken-essens fiel nicht auf den Vollmond, auch nicht auf den Vorabend desselben.

Purnima - Vollmond, ist der letzte Tag der Shukla Paksha, der hell(er) werdenden Mondphase. Das ist logisch. Gläubige Hindus fasten heute von Sonnenaufgang bis Mondaufgang, praktischerweise geht der Mond auf, wenn die Sonne untergeht. Purnima Vrat - Vollmondfasten. Damit sichern sie sich nicht nur die Gunst und den Schutz von Lord Vishnu und Lord Shiva, sondern auch die unendliche Kraft und Gnade des vollen Mondes! 

Wie die Newari das Vollmondfasten mit dem Reispflanzen vereinbaren, lese ich in der Zeitung. In Khumaltar, Lalitpur wird von Drohnen Dünger auf die Reisfelder abgeworfen und der Reis mit Maschinen gepflanzt. Im Sinne von klimafreundlicher Technologie zur Selbstversorgung mit Reis und Wohlstand. Gegessen wird natürlich nichts, da der Reis noch nicht geerntet werden kann.

Sonntag, Juni 28, 2026

Bengalgeier

Ein Bengalgeier machte sich auf die Reise. Er flog aus dem Wildreservat Suklaphanta - शुक्लाफाँटा वन्यजन्तु आरक्ष Suklaphanta vanyajantu araksa - im äußersten südwestlichen Zipfel Nepals nach Indien. Das ist nicht weiter verwunderlich, liegt doch das Reservat an drei Seiten direkt an der Landesgrenze zu Indien.

Am 16. März wurde der Bengalgeier auf der Tarapur-Höhe (199 MüM) innerhalb des Reservats mit einem GPS-Sender ausgestattet und in die Freiheit entlassen. Am 18. März erreichte er den Pong Staudamm (Maharana Pratap Sagar) in Himachal Pradesh in Indien. Der Bengalgeier hat ohne Halt den indischen Jim Corbett Nationalpark überflogen und insgesamt 520 Kilometer zurückgelegt. In zwei Tagen. Er soll weiterhin im Wald rund um den Stausee hocken oder kreisen. Auf Kadaversuche. Das gehört sich auch so für einen Aasfresser.

Die Bengalgeier - Gyps bengalensis oder in nepali बंगाल गिद्ध - bengal giddha sind aufgrund von mittlerweile erklärbarem Massensterben in den letzten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. In hinduistisch geprägten Gesellschaften Südasiens, die kein Rindfleisch essen, werden tote Rinder auf den Weiden liegen gelassen. Wurden die Rinder vorher mit Diclofenac, einem entzündungshemmenden Medikament behandelt, starben die Geier, die von dem Kadaver fraßen, an Nierenversagen. Mittlerweile ist Diclofenac in der Tiermedizin auch in Nepal verboten, wird aber trotzdem verwendet, da alternative Mittel teurer sind.

Die wenigen Bengalgeier werden nun gehätschelt und gepflegt. Ein grenzüberschreitendes ornithologisches Beobachtungsprogramm begleitet die gechipten die Vögel auf ihren Streifflügen. Verhält sich ein Tier auffällig, oder bewegt sich längere Zeit nicht von der Stelle, wird sofort ein Rettungstrupp losgeschickt.

Das Wildreservat Suklaphanta bietet eigentlich ideale Bedingungen, sperrt aber keine Tiere ein sondern lässt sie ziehen. Es umfasst die größte zusammenhängende Graslandfläche Nepals und diesem Superlativ verdankt es seinen Namen शुक्ला फाँटा - Sukla Phanta ist das Grasland. Hier wachsen Schilfrohre und Süßgräser wie Silberhaargras, Japanisches Blutgras, Gedrehtes Bartgras. An den Uferzonen und im Flachwasser der sieben kleinen Seen wachsen Wildes Zuckerrohr, Gerber-Akazien, Palisanderhölzer, in den Wäldern hauptsächlich Salbäume.

Samstag, Juni 27, 2026

Siebenschläfer

Der echte Siebenschläfer hat den schönen Namen Glis glis und kommt in Nepal in freier Wildbahn nicht vor. In den Rhododendronwäldern lebt die हिमाली मुसा - himali musa, die Nepalesische Waldmaus oder Himalaya-Waldmaus, wissenschaftlich Apodemus gurkha. Bei mir um die Ecke, rund um den kleinen Shiva-Tempel haben sich die लोखर्के - lokarkhe, die Streifenhörnchen massenhaft vermehrt - und jede Scheu verloren! - seit wir hier wohnen. Das ist weniger unserer Anwesenheit zu verdanken, als der Angewohnheit (aber-)gläubiger Hindus geschuldet, ihren Göttern nebst leuchtenden Blüten täglich mundgerecht zerkleinerte Früchte, Nüsse und Körner darzubieten. Wir hatten die लोखर्के, die Streifenhörnchen schon, so und andersrum.   

Glis glis aber, der lateinische Name für den echten Siebenschläfer, hat seine Wurzel in einer indogermanischen Ursprache, wie ich lese und ist verwandt mit Sanskrit गिरि - giri für Maus sowie mit dem altgriechischen γαλέη - galée für Wiesel. 

Mein Schwager ist ein Berliner Siebenschläfer und wird heute 75. Happy birthday und sto lat!

Freitag, Juni 26, 2026

Die Regenwarteschlange

Der Monsun sei da, berichtet das DHM (Department of Hydrology and Meteorology), verspätet und vorläufig ohne (heftige) Regenfälle. Die werden Mitte nächster Woche erwartet.

Was ist Monsun, wenn es nicht regnet? Die Winde sollen von Süden, Südosten kommen und die feuchtigkeitsgeladenen Monsunwolken aus dem Golf von Bengalen vor sich hertreiben. Über dem Indischen Ozean, heißt es, entwickelt sich gerade ein tropisches Wettersystem, begünstigt von einem Tiefdruckgebiet über dem Äquator, das die Regenaktivität hoffentlichg verstärken wird und den Monsun erstmal tiefer ins indische Festland bringt. Und später, wenn er richtig Fahrt aufgenommen hat, weiter nach Norden. Nach Nepal. So die Hoffnung aller Reisbauern im Tarai, die über sengende Hitze und staubtrockene Felder klagen.

Monsun, so die Meteorologen, bedeutet nicht zwingend zeitgleich Regen im ganzen Lande. Der Monsun beginnt, wenn die Südwestwinde so stark geworden sind, dass sie die Regenwolken an den Himalaya ziehen und langanhaltende Niederschlänge über großen Gebieten gewähren. Noch befinden wir uns in der Regenwarteschlange.

Donnerstag, Juni 25, 2026

Handarbeit

Heute wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Der Sommer der Hundertjährigen Dichterinnen ist angebrochen.  

In der Baugrube unter meinem Fenster beginnt die Feinarbeit. Von Hand und mit Spaten. In Slippers. Ohne Handschuhe. Ohne Lärm. Den lieben langen Tag werden leere Zement- oder Reissäcke mit Erde gefüllt und aufgestapelt als Schutzwall in dem stark abfallenden Gelände. Gegen Erdrutsche oä. Solange es nicht regnet, passiert bestimmt nichts. Vielleicht kommt irgendwann vor den neu errichteten Wall noch eine richtige Mauer. Hinter dem Wall steht nämlich schon eine seit mindestens einem Jahr. Die wurde aus riesigen Steinblöcken gebaut. Die Zwischenräume wurden damals zugepflastert und oben drüber Zement gegossen. Das sah so lange für die Ewigkeit gemacht aus, bis Gestrüpp aus den Ritzen wucherte, das jetzt erstmal abgehackt werden muss. Kurz vor Feierabend legt auch der Chef Hand an.

Mittwoch, Juni 24, 2026

Kalender und Sanduhr

Im Original Kalendarz i klepsydra. Bis heute nicht ins Deutsche übersetzt, das Lügentagebuch (lże-dziennik) Meister Konwickis aus dem Jahr 1974, 1976 stark zensiert erschienen bei Czytelnik in Warschau. Lang ist's her. Erst 2005 veröffentlichte der Verlag den vollständigen Text. Ab heute zähle ich die Tage des aktuellen Monats herunter. Egal nach welchem Kalender werden wir noch genau einen Monat in CG Hill verbringen. Vom 24. Juni bis zum 24. Juli AD. Oder vom 10. Jesh bis 8. Shrawan BS. Dazwischen der Nepali Monat Ashad mit 32 Tagen, mehr als jeder westliche Monat. Die Differenz wird mich aber nicht aus dem Takt bringen. 

Es ist heiß wie fast überall auf der Welt - mit dem Unterschied, dass hier die Hitze nicht ungewöhnlich ist. So lange wir noch in dieser stolz eingezäunten Siedlung wohnen, schwimme ich jeden früheren oder späteren Nachmittag im communityeigenen pool meine 50 Längen. Da ich manchmal im Wasser beim Zählen aus dem Takt gerate, gebe ich zur Sicherheit immer noch 2 Längen zu. Der Monsun lässt weiter auf sich warten.

Dienstag, Juni 23, 2026

Das Vakuum

Ich habe kürzlich beim hiesigen Onlinehändler zufällig eine einfache Wasserpumpe entdeckt, bestellt und am nächsten Tag an die Haustür geliefert bekommen. Die schraube ich oben auf den 20-Liter-Trinkwasserbottich und sie pumpt mir, das des langen Schlauchs, das Wasser bis zum allerletzten Rest nach oben. Ich muss nur ein paar Mal manuell auf den Pumpkopf drücken, je weniger Wasser in der Gallone, desto öfter muss ich drücken. Easy working

Davon träume ich schon lange. Anders gesagt, ich wundere mich, seit ich in Nepal bin, dass es keine andere Systeme gibt, um die Trinkwassergallonen anzuzapfen als das Kopfüberstülpen-Prinzip. Vom simplen dispenser bis hin zur pfiffigen Anlage, die, solange sie am Strom hängt, eiskaltes, zimmerwarmes oder kochendes Wasser spendiert, funktioniert alles nur, indem man den Flaschenhals der Gallone öffnet und die Gallone mit dem offenen Hals nach unten auf ein Gefäß aufsetzt, das immer kleiner ist als sie selbst. 

Zwar habe ich gelernt, meine inneren Blockaden zu überwinden und den offenen Bottich kopfüber auf den Dispenser zu setzen, obwohl mein Hirn mich auch nach 21 Monaten und ungefähr 87 Gallonen Trinkwasser immer noch zuverlässig versucht, mich davon abzuhalten. Es warnt mich, weil das nicht gut gehen kann. Weil das Wasser überlaufen muss. Die 20 Liter von oben passen nie und nimmer in das kleine Gefäß unten. Die Küche wird überschwemmt!

Mein Hirn weiß nichts von Physik. Von Schwerkraft und Unterdruck. Von der Vakuumsperre, die verhindert, dass mehr Wasser in den Dispenser fließt als dort Platz hat. Sobald der Wasserstand unten den offenen Flaschenhals von oben erreicht, fließt kein Wasser mehr nach unten und steigt keine Luft mehr nach oben = Vakuum! So einfach ist das. Easy working! Wenn ich unten Wasser zapfe, schwebt die Öffnung der Gallone wieder frei in der Luft. Die Luft steigt blubbernd auf und genausoviel Wasser, wie ich entnommen habe, fließt wieder nach unten.

Auch die Pumpe nutzt, wie ich in der Bedienungsanleitung lese, mit Vakuum, genauer mit innovativem Vakuum - innovative vacuum action for easy pumping. Tatsächlich kostet es mich kaum Kraft und das Wasser fließt. Der Kopf gibt Ruhe, denn auf die Hand ist Verlass. 

Montag, Juni 22, 2026

100-lecie Mistrza

Der Umzugsmann kommt und schaut sich alles an, was mit muss. Er wird in den nächsten Tagen 40 Kisten liefern und ich kann anfangen zu packen. Er meint, die Hälfte würde reichen. Wir kamen mit 20 DHL's an und ein paar Koffern. Ein bisschen was ist dazugekommen. 2 Schreibtische (die nicht in die Kisten passen müssen), 2 Stühle, 3 Heater, 1 Ventilator ... 3 Töpfe, 1 Bratpfanne, 4 Teller, ein paar Tassen und Gläser.

Mein Meister, Tadeusz Konwicki wäre heute 100 Jahre alt geworden. Es ist gut, dass er nicht mehr da ist. Seine Welt ist untergegangen, Czytelnik umgewidmet, Blikle verkauft oder geschlossen, die Nowy Swiat keine neue Welt mehr. Nur der Kulturpalast steht noch, wo er immer stand.  

Sonntag, Juni 21, 2026

Rabi Saptami

Der astronomische Sommer beginnt bei uns um 2:09 pm Ortszeit, Nepaltime. Die Sonne geht bereits seit vier Tagen wieder eine Minute später auf, aber, wie bereits berichtet, immer noch kontinuierlich später unter. Die Tageslänge nahm, wie es sich gehört bis heute zu, und nimmt ab morgen wieder ab.  

In der Nacht fiel der letzte Frühlingsregen und füllte die Baugrube. Weiße Reiher versammeln sich in der Früh am Ufer. Kobaltblaue Eisvögel baden. Frösche quaken. Die Jungs, die sonst Fußball spielten veranstalten am Nachmittag so etwas wie Wattölympiade. Schlammschlachten.

Weil heute der siebente Tag des zunehmenden Mondes ist und gleichzeitig Sonntag, feiern die Hindus रवि सप्तमी - Rabi Saptami. Rabi oder Ravi ist ein anderer Name für Surya, den Sonnengott. Für mich war Surya immer weiblich, aber hier wird Lord Surya gedacht, heute ganz besonders in Erwartung seines göttlichen Segens für Gesundheit, Weisheit und Wohlstand. Der Sonntag - आइतबार - Aaitabar gehört auch im Hindukosmos der Sonne. Der Name geht auf das alte Sanskritwort आदित्य - Aaditya für Sonne zurück. Aber सप्तमी - Saptami gehört dem Mond und kommt von der Zahl 7, in Sanskrit सप्त - sapta, in Nepali heute eher सात - saat. Saptami kommt jeden Monat zweimal, wie alle anderen 14 Tage auch (beispielsweise Ekadashi). Saptami ist immer am 7. Tag des zu- oder abnehmenden Mondes. Derzeit nimmt er zu und steigt immer höher, wie wir jeden Abend vom Drach aus beobachten können. 

Fällt dieser 7. Mond-Tag auf einen Sonn-Tag, wie heute, verstärken sich die göttlichen Energien von Sonne und Mond. Die Synergie am Himmel hilft, sagen die Gläubigen Hindus, bei allerlei Zipperlein, aber auch bei größeren Leiden. W verbringt gerade den halben Tag im OP der Zahnklinik.

may light and life always favor