Samstag. In drei Wochen sind wir umgezogen. Ich muss mich ranhalten mit Tagerunterzählen. Die ersten Kisten habe ich aufgeklappt und die Böden zugeklebt. Nun stehen sie in Reih und Glied im Zimmer, das einst W's Arbeitszimmer war und seit Monaten leer steht. Der Regen kommt in der Nacht, ziemlich heftig. Ein Gewitter tobt sich stundenlang über unseren Köpfen aus. Wir hoffen, dass die Zimmerdecke noch Nässe speichern kann. Dass der Regen nicht durch das Dach in die bereitstehenden leeren Umzugskisten läuft.
Samstag, Juli 04, 2026
Freitag, Juli 03, 2026
the own words
Ich habe in Nepal gelernt, keinem Wort zu trauen. Die meisten verstehe ich nicht und die wenigen anderen hinterfrage ich konsequent. Sortiere gnadenlos. Vieles erkläre ich mit dem Hang der Nepali zur Träumerei. Sie wünschen sich so vieles, das nie wirklich werden wird. Und das können sie sich getrost rund um die Uhr einreden. Ein Satz wie "don't worry", der mich am Anfang immer beruhigt hat, weckt nun mein allergrösstes Misstrauen. Sagt heute jemand "don't worry" zu mir, weiß ich, dass ich allen Grund habe, mir Sorgen zu machen. Das schult und stärkt die inneren Kräfte.
Was hat man nicht alles über Hillary Dawa Sherpas Schicksal am Everest gelesen, gehört, gesehen - hier spricht er selbst und räumt mit Mythen und Märchen auf: "My life is like a dream. How did I get here? How did I make it down alive?" (0:28) - Der Mann wundert sich schließlich, warum sein halbes Dorf in Kathmandu im Krankenhaus zusammenkommt, warum seine Frau Mönche und Lamas einbestellt hat für die अन्त्येष्टि - Antyesti - die letzten Dienste. Es ist das Wichtigste im Leben eines jeden Menschen: dass für sein unbeschadetes Karma gebetet und nach seinem Tod 13 Tage salzlose Nahrung gegessen wird.
Hillary Dawa Sherpa selbst fühlte sich dem Tod erst nahe, als er mehr als zwei Tage und Nächte in einer Gletscherspalte festsaß, mit gebrochenem Bein und ohne Hoffnung auf Rettung. Davor hatte er einfach seine Pflicht getan. Aber hört ihn selbst: Abandoned On Everest - Hillary Dawa Sherpa, in his own words (ins Englische übertragen von Ben Ayers): https://www.youtube.com/watch?v=RuIyupuIOZ8
Donnerstag, Juli 02, 2026
Die Erde
Ich weiß bereits, dass Bhumi mehr mit der Qualität, der Fruchtbarkeit, der nährenden Kraft des Bodens zu tun hat, als mit dessen geografischer Größe. Bhumis Tochter ist Sita - die Ackerfrucht. Deshalb soll, bevor eine Baugrube ausgehoben wird und der Acker - hier am Hill ganz konkret die einst mit viel Mühe, Schweiß und Steinen angelegten Reisterrassen - zweckentfremdet wird, eine Bhumi Puja abgehalten und die Göttin des Bodens und allen Ursprungs um ihren Segen für das Bauvorhaben gebeten werden.
Gestern Abend schritt eine Frau ganz allein kurz vor dem Eindunkeln das grässlich zugerichtete Gelände unter meinem Fenster ab und zündete viele Öllampen und Räucherstäbchen an, sang 108 mal das Bhumi Gayatri Mantra:Om Vasundharaya Vidmahe
Bhutadhatraya Dhimahi
Tanno Bhumi Prachodayat
Vielleicht war es die Käuferin des Grundstücks und zukünftige Eigentümerin der mehrstöckigen Mehrfamilienhäuser, die aus dieser Grube wachsen werden. Eine sogenannte landlady.
Mittwoch, Juli 01, 2026
Haatemaalo
Der Monsun marschiert ein, lese ich in der Zeitung. Am Himmel sieht immer alles anders auf. Der wieder ins Amt zurückgekehrte Innenminister verkündete unlängst, das Ziel seien 0 (null) Monsunopfer in diesem Jahr. Die NDRRMA (National Disaster Risk Reduction and Management Authority - so etwas wie Nationale Katastrophenverhinderungsbehörde) zählt aber bereits 27Unwetterbedingte Todesfälle seit Beginn des Jahres BS (= Mitte April AD): 6 Menschen sind ertrunken, 13 bei Sturm umgekommen, 5 wurden von Erdrutschen verschüttet, und 3 starben infolge heftiger Regenfälle.
Ich lerne derweil ein neues Wort: हातेमालो - haatemaalo von हाते - haat für die Hand und मालो - maalo für halten, umarmen, verlinken. Zusammenhalten. Zusammenstehen. Sich solidarisch verhalten, den Nachbarn helfen, in Not Geratene unterstützen, und so weiter. Und so fort. Ein schönes Wort. Eine gute Sache. Handreichung.
Außerdem wird eine App eingerichtet, über die über Ufer tretende Flüsse und abrutschende Hänge gemeldet werden können, damit entsprechende Hilfe ohne Verzögerung in die Wege geleitet wird. Wir werden sehen, was die nächsten Tage und Wochen bringen. Regen, Regen, Regen!
Dienstag, Juni 30, 2026
Erdbeermond
Dieser Juni-Vollmondname hat nichts mit Nepal zu tun. Hier ist auch nicht Juni sondern immer noch Ashad. Die Erdbeerernte ist längst vorbei. Wie in Japan reifen die Erdbeeren auch hier im Winter. Sie sind höchstens bis Anfang April im Angebot. Die Shutters haben nur saisonales Obst und Gemüse. Erdbeeren sind mir auf der Golfutar nicht begegnet, ich habe keine einzige gegessen.
Eine Kollegin von W wollte ihren Unijob und Kathmandu an den buchstäblichen Nagel hängen und sich voll und ganz nur noch ihrer Erdbeerfarm in Nuwakot widmen. Das hat noch nicht geklappt, und wenn es dann so weit ist, werden wir sie besuchen. Spätestens zur nächsten Ernte.
Montag, Juni 29, 2026
Jya: Punhi:
Zur Feier des Tages finde ich eine tote Maus auf der Auffahrt. Sie sieht äußerlich unversehrt aus. Der Kater, der sie gejagt hat, will offenbar wieder einmal seine unendliche Liebe zu mir zum Ausdruck geben und kommuniziert auf diese Weise, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche, wenn er nicht regelmäßig um Futter bettelt an meiner Küchentür. Er ist nicht am Verhungern. Ich verstehe und entsorge den Kadaver in die Mülltonne. Die Ameisen haben sich schon darüber hergemacht.
Dann fällt Regen und spült alles weg. Vollmond ist morgen früh, aber schon heute feiern die Hindus Masta Purnima oder in Newari Jya: Punhi: Der Vollmond, der den Beginn der Reisaussähzeit markiert. Im Park über dem Jagannath Tempel wird ein riesiges Zelt mit rotem Dach aufgestellt. Das ist wetterfest und nicht zu übersehen. Genaugenommen wird रोपाई महोत्सव - Ropai mahotsav - der (bereits 23.) Nationale Reispflanztag gefeiert, der immer auf den 15. Ashad BS / 29. Juni AD fällt. Wir hatten diesen Feiertag schon, den दही चिउरा खाने दिन - Dahi Chiura Khane Din. Exakt vor einem Jahr. Damals war der Monsun bereits in Höchstform. Aber der Reispflanztag bzw der Tag des Joghurt-und-gestampfte-Reisflocken-essens fiel nicht auf den Vollmond, auch nicht auf den Vorabend desselben.
Purnima - Vollmond, ist der letzte Tag der Shukla Paksha, der hell(er) werdenden Mondphase. Das ist logisch. Gläubige Hindus fasten heute von Sonnenaufgang bis Mondaufgang, praktischerweise geht der Mond auf, wenn die Sonne untergeht. Purnima Vrat - Vollmondfasten. Damit sichern sie sich nicht nur die Gunst und den Schutz von Lord Vishnu und Lord Shiva, sondern auch die unendliche Kraft und Gnade des vollen Mondes!
Wie die Newari das Vollmondfasten mit dem Reispflanzen vereinbaren, lese ich in der Zeitung. In Khumaltar, Lalitpur wird von Drohnen Dünger auf die Reisfelder abgeworfen und der Reis mit Maschinen gepflanzt. Im Sinne von klimafreundlicher Technologie zur Selbstversorgung mit Reis und Wohlstand. Gegessen wird natürlich nichts, da der Reis noch nicht geerntet werden kann.
Sonntag, Juni 28, 2026
Bengalgeier
Ein Bengalgeier machte sich auf die Reise. Er flog aus dem Wildreservat Suklaphanta - शुक्लाफाँटा वन्यजन्तु आरक्ष Suklaphanta vanyajantu araksa - im äußersten südwestlichen Zipfel Nepals nach Indien. Das ist nicht weiter verwunderlich, liegt doch das Reservat an drei Seiten direkt an der Landesgrenze zu Indien.
Am 16. März wurde der Bengalgeier auf der Tarapur-Höhe (199 MüM) innerhalb des Reservats mit einem GPS-Sender ausgestattet und in die Freiheit entlassen. Am 18. März erreichte er den Pong Staudamm (Maharana Pratap Sagar) in Himachal Pradesh in Indien. Der Bengalgeier hat ohne Halt den indischen Jim Corbett Nationalpark überflogen und insgesamt 520 Kilometer zurückgelegt. In zwei Tagen. Er soll weiterhin im Wald rund um den Stausee hocken oder kreisen. Auf Kadaversuche. Das gehört sich auch so für einen Aasfresser.
Die Bengalgeier - Gyps bengalensis oder in nepali बंगाल गिद्ध - bengal giddha sind aufgrund von mittlerweile erklärbarem Massensterben in den letzten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. In hinduistisch geprägten Gesellschaften Südasiens, die kein Rindfleisch essen, werden tote Rinder auf den Weiden liegen gelassen. Wurden die Rinder vorher mit Diclofenac, einem entzündungshemmenden Medikament behandelt, starben die Geier, die von dem Kadaver fraßen, an Nierenversagen. Mittlerweile ist Diclofenac in der Tiermedizin auch in Nepal verboten, wird aber trotzdem verwendet, da alternative Mittel teurer sind.
Die wenigen Bengalgeier werden nun gehätschelt und gepflegt. Ein grenzüberschreitendes ornithologisches Beobachtungsprogramm begleitet die gechipten die Vögel auf ihren Streifflügen. Verhält sich ein Tier auffällig, oder bewegt sich längere Zeit nicht von der Stelle, wird sofort ein Rettungstrupp losgeschickt.
Das Wildreservat Suklaphanta bietet eigentlich ideale Bedingungen, sperrt aber keine Tiere ein sondern lässt sie ziehen. Es umfasst die größte zusammenhängende Graslandfläche Nepals und diesem Superlativ verdankt es seinen Namen शुक्ला फाँटा - Sukla Phanta ist das Grasland. Hier wachsen Schilfrohre und Süßgräser wie Silberhaargras, Japanisches Blutgras, Gedrehtes Bartgras. An den Uferzonen und im Flachwasser der sieben kleinen Seen wachsen Wildes Zuckerrohr, Gerber-Akazien, Palisanderhölzer, in den Wäldern hauptsächlich Salbäume.
Samstag, Juni 27, 2026
Siebenschläfer
Der echte Siebenschläfer hat den schönen Namen Glis glis und kommt in Nepal in freier Wildbahn nicht vor. In den Rhododendronwäldern lebt die हिमाली मुसा - himali musa, die Nepalesische Waldmaus oder Himalaya-Waldmaus, wissenschaftlich Apodemus gurkha. Bei mir um die Ecke, rund um den kleinen Shiva-Tempel haben sich die लोखर्के - lokarkhe, die Streifenhörnchen massenhaft vermehrt - und jede Scheu verloren! - seit wir hier wohnen. Das ist weniger unserer Anwesenheit zu verdanken, als der Angewohnheit (aber-)gläubiger Hindus geschuldet, ihren Göttern nebst leuchtenden Blüten täglich mundgerecht zerkleinerte Früchte, Nüsse und Körner darzubieten. Wir hatten die लोखर्के, die Streifenhörnchen schon, so und andersrum.
Glis glis aber, der lateinische Name für den echten Siebenschläfer, hat seine Wurzel in einer indogermanischen Ursprache, wie ich lese und ist verwandt mit Sanskrit गिरि - giri für Maus sowie mit dem altgriechischen γαλέη - galée für Wiesel.
Mein Schwager ist ein Berliner Siebenschläfer und wird heute 75. Happy birthday und sto lat!
Freitag, Juni 26, 2026
Die Regenwarteschlange
Der Monsun sei da, berichtet das DHM (Department of Hydrology and Meteorology), verspätet und vorläufig ohne (heftige) Regenfälle. Die werden Mitte nächster Woche erwartet.
Was ist Monsun, wenn es nicht regnet? Die Winde sollen von Süden, Südosten kommen und die feuchtigkeitsgeladenen Monsunwolken aus dem Golf von Bengalen vor sich hertreiben. Über dem Indischen Ozean, heißt es, entwickelt sich gerade ein tropisches Wettersystem, begünstigt von einem Tiefdruckgebiet über dem Äquator, das die Regenaktivität hoffentlichg verstärken wird und den Monsun erstmal tiefer ins indische Festland bringt. Und später, wenn er richtig Fahrt aufgenommen hat, weiter nach Norden. Nach Nepal. So die Hoffnung aller Reisbauern im Tarai, die über sengende Hitze und staubtrockene Felder klagen.
Monsun, so die Meteorologen, bedeutet nicht zwingend zeitgleich Regen im ganzen Lande. Der Monsun beginnt, wenn die Südwestwinde so stark geworden sind, dass sie die Regenwolken an den Himalaya ziehen und langanhaltende Niederschlänge über großen Gebieten gewähren. Noch befinden wir uns in der Regenwarteschlange.
Donnerstag, Juni 25, 2026
Handarbeit
Heute wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Der Sommer der Hundertjährigen Dichterinnen ist angebrochen.
In der Baugrube unter meinem Fenster beginnt die Feinarbeit. Von Hand und mit Spaten. In Slippers. Ohne Handschuhe. Ohne Lärm. Den lieben langen Tag werden leere Zement- oder Reissäcke mit Erde gefüllt und aufgestapelt als Schutzwall in dem stark abfallenden Gelände. Gegen Erdrutsche oä. Solange es nicht regnet, passiert bestimmt nichts. Vielleicht kommt irgendwann vor den neu errichteten Wall noch eine richtige Mauer. Hinter dem Wall steht nämlich schon eine seit mindestens einem Jahr. Die wurde aus riesigen Steinblöcken gebaut. Die Zwischenräume wurden damals zugepflastert und oben drüber Zement gegossen. Das sah so lange für die Ewigkeit gemacht aus, bis Gestrüpp aus den Ritzen wucherte, das jetzt erstmal abgehackt werden muss. Kurz vor Feierabend legt auch der Chef Hand an.
Mittwoch, Juni 24, 2026
Kalender und Sanduhr
Im Original Kalendarz i klepsydra. Bis heute nicht ins Deutsche übersetzt, das Lügentagebuch (lże-dziennik) Meister Konwickis aus dem Jahr 1974, 1976 stark zensiert erschienen bei Czytelnik in Warschau. Lang ist's her. Erst 2005 veröffentlichte der Verlag den vollständigen Text. Ab heute zähle ich die Tage des aktuellen Monats herunter. Egal nach welchem Kalender werden wir noch genau einen Monat in CG Hill verbringen. Vom 24. Juni bis zum 24. Juli AD. Oder vom 10. Jesh bis 8. Shrawan BS. Der Nepali Monat Jesh hat 32 Tage, mehr als jeder westliche Monat. Die Differenz wird mich aber nicht aus dem Takt bringen.
Es ist heiß wie fast überall auf der Welt - mit dem Unterschied, dass hier die Hitze nicht ungewöhnlich ist. So lange wir noch in dieser stolz eingezäunten Siedlung wohnen, schwimme ich jeden früheren oder späteren Nachmittag im communityeigenen pool meine 50 Längen. Da ich manchmal im Wasser beim Zählen aus dem Takt gerate, gebe ich zur Sicherheit immer noch 2 Längen zu. Der Monsun lässt weiter auf sich warten.
Dienstag, Juni 23, 2026
Das Vakuum
Ich habe kürzlich beim hiesigen Onlinehändler zufällig eine einfache Wasserpumpe entdeckt, bestellt und am nächsten Tag an die Haustür geliefert bekommen. Die schraube ich oben auf den 20-Liter-Trinkwasserbottich und sie pumpt mir, das des langen Schlauchs, das Wasser bis zum allerletzten Rest nach oben. Ich muss nur ein paar Mal manuell auf den Pumpkopf drücken, je weniger Wasser in der Gallone, desto öfter muss ich drücken. Easy working!
Davon träume ich schon lange. Anders gesagt, ich wundere mich, seit ich in Nepal bin, dass es keine andere Systeme gibt, um die Trinkwassergallonen anzuzapfen als das Kopfüberstülpen-Prinzip. Vom simplen dispenser bis hin zur pfiffigen Anlage, die, solange sie am Strom hängt, eiskaltes, zimmerwarmes oder kochendes Wasser spendiert, funktioniert alles nur, indem man den Flaschenhals der Gallone öffnet und die Gallone mit dem offenen Hals nach unten auf ein Gefäß aufsetzt, das immer kleiner ist als sie selbst.
Zwar habe ich gelernt, meine inneren Blockaden zu überwinden und den offenen Bottich kopfüber auf den Dispenser zu setzen, obwohl mein Hirn mich auch nach 21 Monaten und ungefähr 87 Gallonen Trinkwasser immer noch zuverlässig versucht, mich davon abzuhalten. Es warnt mich, weil das nicht gut gehen kann. Weil das Wasser überlaufen muss. Die 20 Liter von oben passen nie und nimmer in das kleine Gefäß unten. Die Küche wird überschwemmt!
Mein Hirn weiß nichts von Physik. Von Schwerkraft und Unterdruck. Von der Vakuumsperre, die verhindert, dass mehr Wasser in den Dispenser fließt als dort Platz hat. Sobald der Wasserstand unten den offenen Flaschenhals von oben erreicht, fließt kein Wasser mehr nach unten und steigt keine Luft mehr nach oben = Vakuum! So einfach ist das. Easy working! Wenn ich unten Wasser zapfe, schwebt die Öffnung der Gallone wieder frei in der Luft. Die Luft steigt blubbernd auf und genausoviel Wasser, wie ich entnommen habe, fließt wieder nach unten.
Auch die Pumpe nutzt, wie ich in der Bedienungsanleitung lese, mit Vakuum, genauer mit innovativem Vakuum - innovative vacuum action for easy pumping. Tatsächlich kostet es mich kaum Kraft und das Wasser fließt. Der Kopf gibt Ruhe, denn auf die Hand ist Verlass.
Montag, Juni 22, 2026
100-lecie Mistrza
Der Umzugsmann kommt und schaut sich alles an, was mit muss. Er wird in den nächsten Tagen 40 Kisten liefern und ich kann anfangen zu packen. Er meint, die Hälfte würde reichen. Wir kamen mit 20 DHL's an und ein paar Koffern. Ein bisschen was ist dazugekommen. 2 Schreibtische (die nicht in die Kisten passen müssen), 2 Stühle, 3 Heater, 1 Ventilator ... 3 Töpfe, 1 Bratpfanne, 4 Teller, ein paar Tassen und Gläser.
Mein Meister, Tadeusz Konwicki wäre heute 100 Jahre alt geworden. Es ist gut, dass er nicht mehr da ist. Seine Welt ist untergegangen, Czytelnik umgewidmet, Blikle verkauft oder geschlossen, die Nowy Swiat keine neue Welt mehr. Nur der Kulturpalast steht noch, wo er immer stand.
Sonntag, Juni 21, 2026
Rabi Saptami
Der astronomische Sommer beginnt bei uns um 2:09 pm Ortszeit, Nepaltime. Die Sonne geht bereits seit vier Tagen wieder eine Minute später auf, aber, wie bereits berichtet, immer noch kontinuierlich später unter. Die Tageslänge nahm, wie es sich gehört bis heute zu, und nimmt ab morgen wieder ab.
In der Nacht fiel der letzte Frühlingsregen und füllte die Baugrube. Weiße Reiher versammeln sich in der Früh am Ufer. Kobaltblaue Eisvögel baden. Frösche quaken. Die Jungs, die sonst Fußball spielten veranstalten am Nachmittag so etwas wie Wattölympiade. Schlammschlachten.
Weil heute der siebente Tag des zunehmenden Mondes ist und gleichzeitig Sonntag, feiern die Hindus रवि सप्तमी - Rabi Saptami. Rabi oder Ravi ist ein anderer Name für Surya, den Sonnengott. Für mich war Surya immer weiblich, aber hier wird Lord Surya gedacht, heute ganz besonders in Erwartung seines göttlichen Segens für Gesundheit, Weisheit und Wohlstand. Der Sonntag - आइतबार - Aaitabar gehört auch im Hindukosmos der Sonne. Der Name geht auf das alte Sanskritwort आदित्य - Aaditya für Sonne zurück. Aber सप्तमी - Saptami gehört dem Mond und kommt von der Zahl 7, in Sanskrit सप्त - sapta, in Nepali heute eher सात - saat. Saptami kommt jeden Monat zweimal, wie alle anderen 14 Tage auch (beispielsweise Ekadashi). Saptami ist immer am 7. Tag des zu- oder abnehmenden Mondes. Derzeit nimmt er zu und steigt immer höher, wie wir jeden Abend vom Drach aus beobachten können.
Fällt dieser 7. Mond-Tag auf einen Sonn-Tag, wie heute, verstärken sich die göttlichen Energien von Sonne und Mond. Die Synergie am Himmel hilft, sagen die Gläubigen Hindus, bei allerlei Zipperlein, aber auch bei größeren Leiden. W verbringt gerade den halben Tag im OP der Zahnklinik.
may light and life always favor
Samstag, Juni 20, 2026
Sithi Nakha II
Die Newari reinigen heute ihre Brunnen. Wieder ist, wie bereits vor einem Monat, der 6. Tag der hellen Mondphase. Also des zunehmenden Mondes. Wieder Sithi Nakha. Immer noch - Glück gehabt, trotz des Schaltmonats Adhik Maas, der zwar alle weltlichen Festivitäten aufhalten kann, nicht aber das Wetter oder die Wolken - premonsoon. Also vor dem großen Regen. Das Brunnenputzen lohnt sich. Sithi Nakha, sagt auch mein Nepali Calendar.
Und Rato Machhindranath - das längste "Wagen"-Festival Nepals geht endlich zu Ende. Die Prozession begann an Baisakh Shukla Pratipada, am ersten Tag nach Neumond im ersten Monat des nepalesischen Jahres, am 5. Baisakh BS oder 18. April AD. Der Wagen mit Machhindranath, dem Gott des Regens und einer guten Ernte, durfte nicht weiter gezogen werden, als der Schaltmonat Adhikmaas begann, der Monat ohne besondere Anlässe wie Jatras, Umzüge, Festivitäten. Machhindranaths Wagen blieb in den frühen Morgenstunden des 17. Mai in Thati Tole, Lagankhel stehen und durfte erst vor 5 Tagen seine Fahrt fortsetzen. Heute erreichte er endlich sein Ziel Jawalakhel in Lalitpur. Der Regengott darf nun in seinen Haustempel Bungamati zurückkehren.
Traditionell endet Rato Machhindranath mit der Botho Jatra, einem spektakulären happening in Jawalakhel, an dem ua unser Premierminister sowie der kürzlich (ich glaube, der hatte 2 Adhikmaas) wieder ins Amt geholte Innenminister teilnehmen.
Freitag, Juni 19, 2026
Shivas Tränen Zwo
Es gibt DI Skin Hospital und DI Dental Hospital. Praktischerweise in einem Haus. Wir betreten nur den rechten Flügel. Heute ist W dran.
| courtesy DISHARC |
Vor dem Lingam, an der Wurzel des toten Baumes, unten am Lingam und in der Mitte der Muschel sitzt Lord Shiva behängt mit mehreren seiner eigenen Tränen, den Rudrakshaketten: रुद्र सिद्धेश्वर महादेव - Rudra Siddheshwar Mahadev.
Donnerstag, Juni 18, 2026
Dangre Rupi
Mittwoch, Juni 17, 2026
Der 21. Siebzehnte
21 Monate काठमाडौँ - Kathmandu. Ein-Dreiviertel Jahr. Nach unserem Kalender und nach dem Nepali Patro. Wir bleiben noch einen guten Monat auf dem Hill, dann verlassen wir ihn und das ganze Valley. Wir ziehen etwa 200 Kilometer nach Westen. Wie bereits berichtet in die geografische Mitte des langgezogenen Landes. Nach पोखरा - Pokhara und werden zu पोखरेली - Pokhareli. So heißen die Bewohner Pokharas. Menschen aus Kathmandu hingegen werden पुर्बेलि - Purbeli genannt. Von der Himmelsrichtung पूर्व - purva = Osten. Also Ossis! Die Wessis siedeln auch hier im Fernen Westen und heißen पसिमेलि - Pasimeli oder korrekter पश्चिमेली - Pascimeli. Zu der geografischen Bezeichnung पश्चिम - pascim = Westen. Die Endung -ली - "-li" (= Konsonant ल wie "la" mit i-Erweiterung) hat hier meines Wissens keine diminutivische, verkleinernde, abwertende oder ins Lächerliche ziehende Relevanz, sondern nur eine der örtlichen Zugehörigkeit.
Im Gegensatz zu Deutschland sind in Nepal die Wessis arm. Zu den Far und Mid Western Development Region zählen die beiden am wenigsten entwickelten Provinzen Sudurpaschim und Karnali. Die Ossis hingegen, zumeist Hauptstädter, sind eher reich. Die aus dem Westen auf der Suche nach Arbeit Zugewanderten bleiben unter sich, arm wie eh und je. Da die Pokhareli in der Mitte des Landes leben und diese Mitte schätzen, sind sie frei von allen Zuordnungen, Etiketten, Prädikaten oder Wandergelüsten. पोखरेली eben!Noch sehen wir die Venus jeden Abend vom Dach auf dem Hill. Mit ein bisschen Glück auch den Jupiter. Der Mond ist noch verhältnismäßig jung (8,8% Füllung! Hängemattenmond). Er zeigt sich aber großzügig und geht erst um 21:28 Ortszeit unter.
Die Kamera meines Smartphones sieht mehr als das Auge. Der Neue Mond erscheint auf dem Bild prall und dick mitten im Nachthimmel, kugelrund, mit einem Hof. Der ganze Mond! Schräg darüber strahlt die Venus und fast senkrecht darunter zieht sich Jupiter bereits zurück.
Dienstag, Juni 16, 2026
Wolkenmeer
Montag, Juni 15, 2026
Adhikmaas Samapatti
Ein neuer Monat im Nepali Calendar: असार - Asar, oder auch Ashad. Ein neuer Mond am Himmel: औंसी - Aunsi. Das Ende des Adhikmaas, also अधिकमास समापत्ति - Adhikmaas Samapatti. Ende aller Ausnahmezustände. Man versammelt sich noch einmal zum Gebet, zur Meditation, zur inneren Einkehr. Zu Hause in den पुजा कोठा - Pujazimmern unter dem Dach, oder rund um die Tempel unter freiem Himmel. Zum Rezitieren der Vishnu- oder Krishna-Mantras. Zum Fastenbrechen. Manche runden den Monat ohne besondere Ereignisse spirituell ab mit dem vedischen Feuerritual Homa und einer Vishnu-Puja. Feuer reinigt und transformiert. Trägt den Segen nach unten und nach oben.
Für uns einfach nur Neumond und Mitte Juni. Heiß und schwül. Es regnet nicht. Die Gewitter lassen auf sich warten, auch der Monsun. Am Abend stehen immer noch Jupiter und Venus am Himmel. Jeden Tag etwas weiter voneinander entfernt. Die kosmische Vereinigung hat nicht lange gehalten.
Sonntag, Juni 14, 2026
Urnengang
Ich habe nicht abgestimmt. Die Abstimmungsunterlagen sind zwar rechtzeitig auf dem Hill in Kathmandu, Hattigauda eingetroffen. Aber das E-Voting des Kantons Basel-Stadt ist aufgrund einer Panne bei der letzten Abstimmung bis Ende des Jahres 2026 ausgesetzt. Pannenhilfe kann zuweilen dauern. Am 8. März konnte "die elektronische Urne nicht entschlüsselt werden", teilt mir ein Vizestaatsschreiber in einem Vierzeiler mit. Also sind - wie mir auch mitgeteilt wird - 2048 elektronisch abgegebene Stimmen nicht in das Abstimmungsresultat des Halbkantons Basel-Stadt eingeflossen. Theoretisch könnte ich nun wahrscheinlich eine Lawine lostreten, protestieren und Einspruch erheben. Auf meine politischen Rechte in einem Land pochen, in dem ich seit Jahrzehnten nicht mehr lebe. Und eine Wiederholung jener Abstimmung fordern.
Das lasse ich lieber. Auch das Abstimmen. Es ist mir gerade weder auf dem Postweg noch persönlich möglich, meine Stimme rechtzeitig im Stimmlokal abzugeben oder in einem dazu gehörigen Briefkasten legen zu lassen. Postalisch hätte dies bis gestern 12 Uhr MEZ erfolgen müssen, persönlich hätte ich 24 Stunden länger Zeit. Aber heute ist es mir zuwider wie noch nie, über angeblich gute "Nachhaltigkeit" abzustimmen, wo nur bösartige Ausländerfeindlichkeit dahinter steckt. Bleibt unter Euch! 10 Millionen Rütliwiesenbewohner.
Samstag, Juni 13, 2026
Schmerzwege
Gestern in der DI Dental Clinic hat nichts weh getan. Ich war nach zwei Stunden Liegen so übermütig, dass ich auf den Hill laufen wollte. W hielt mich vernünftigerweise davon ab. Zu Hause legte ich mich sofort ins Bett. Ich sollte 40 Minuten nichts trinken und mehrere Stunden nichts essen. Und danach möglichst auf nichts Hartes beißen. Also schlief ich und der Schmerz tobte sich aus. Ich weiß nicht, woher er kam und wohin er ging. Er ist kugelrund und überall. Jede Stelle, die gestern von wem oder was auch immer berührt wurde, regt sich. Überstimulierte Nerven. Das Ziel ist das Hirn.
Es dauert über 24 Stunden, bis sich mein Mund beruhigt und der Schmerz oben aus der Kopfhaut tritt. . Am Nachmittag gehe ich schwimmen. Damit andere Muskeln und andere Nerven zum Zuge kommen. Am Abend essen wir beim Dragon Brinjal. Eggplant. Die sind weich und fett.
Freitag, Juni 12, 2026
Zähnebröckeln
Ich habe mir vor ein paar Tagen an einem zweiten Zahn auf der rechten Seite, nun aber oben, eine Ecke abgebissen. Wo sie abgeblieben ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich habe ich sie verschluckt. Die erste scharfe Kante habe ich seit ein paar Monaten rechts unten. Weh tut nichts, nur die Zunge eckt an. Sie ist neugierig und überprüft immer wieder, ob sich nichts rundschleift. Tut es natürlich nicht. Aus irgendeinem Grunde schone ich seit längerem die linke Gebissseite.
Nun hat auch W einen Wackelzahn verloren. Also ist es höchste Zeit für einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin.
Ihm geschieht heute nichts außer einem x-ray. Das Bild, auch meines, kommt später in mein Smartphone. Nun weiß auch Big Brother, wie es um unsere Zähne steht und fällt. Ich liege geschlagene zwei Stunden auf dem Stuhl und lasse mich rundum säubern, pflegen, restaurieren. Noch nie habe ich eine so schmerzfreie Zahnreinigung erlebt, obwohl die Hälse immer länger und empfindlicher werden. Auch schnattert mich niemand an, warum ich nicht früher und regelmäßiger komme und ob ich überhaupt wisse (in meinem Alter!), was Mundhygiene sei. Nein, die professionelle Zähneputzerin - sie ist blutjung, wie ihre Kolleginnen rund um die Welt - fordert mich zwischendurch nur immer wieder auf, den Mund kurz zu schließen. Dann hält sie mir die Wangen. Ihre Hände sind sehr warm.
Donnerstag, Juni 11, 2026
Parama Ekadashi
Der Adhikmaas geht dem Ende entgegen. Noch gibt und gab es ein paar Besonderheiten in diesem ereignisleeren, aber sehr heiligen Monat: das heutige Parama Ekadashi (11. Juni - 28 Jestha) und das Padmini Ekadashi vor zwei Wochen (27. Mai - 13. Jestha) gelten als die Krönung aller Ekadashi, den 11. Tagen der hellen, zunehmenden oder dunkeln, abnehmenden Mondphase. Wir befinden uns in der dunkeln, in krishna paksha. Bald ist Neumond und dann ist Purushottam Maas um. Heute haben die Gläubigen noch einmal die Chance, wirklich von all ihren Sünden reingewaschen zu werden, wenn sie nur den ganzen Tag das Phalahar-Fasten einhalten und auf Getreide, Reis und Bohnen verzichten, Wasser trinken, höchstens ein paar Mangos schlürfen, dabei beten, das Vishnu Sahasranama-Mantra singen und die Vrat Katha - die Geschichte der Parama Ekadashi - lesen. Der heutige Tag verspricht höchste spirituelle Nahrung - so etwas kommt erst in über 32 Monaten wieder! - löst tiefliegendes schlechtes Karma auf und garantiert die ultimative Erlösung.
In der Nacht ging wieder sintflutartiger Regen nieder. Nun ist es schwül und der Himmel hält sich bedeckt.
Mittwoch, Juni 10, 2026
Wandelröschen
Dienstag, Juni 09, 2026
cosmic kiss
Es bleib uns verwehrt, die beiden hellsten Planeten am Himmel, Jupiter und Venus beim Turteln zu beobachten. Der Himmel ist seit dem späten Nachmittag zu, closed, geschlossen wie die Route durch den Khumbu-Icefall hoch auf den Everest seit dem berühmten Sagarmatha Day. Es gießt in Kübeln, aber das ist beileibe noch kein monsoon, lese ich. Denn der Wind bläst aus der falschen Richtung und die Feuchtigkeitssättigung der untern und oberen Wolkenschicken hat noch nicht ihr Maximum erreicht. Die Wolken stehen stur und bedecken den Himmel. Sie wollen sich auch nach Sonnenuntergang nicht verziehen und uns den Blick ins Universum freigeben.
Die letzten Abende habe ich die beiden Planeten gesehen, wie wie sich Schritt für Schritt über dem Flachdach der Nachbarn, zwischen den beiden W wie Wäscheleinen und Wassertank, näher kamen.Das Ganze ist aber eine Illusion. Da wird uns eine Liebesgeschichte vorgegaukelt, die mit einem Kuss im Kosmos gekrönt wird, dabei sind die beiden ungleichen Partner Hunderte Millionen Kilometer voneinander entfernt in der Unendlichkeit. Die Venus soll gerade 190 Millionen Kilometer von der Erde entfernt kreisen, der Jupiter um die 900 Millionen Kilometer. Kann ich mir gar nicht vorstellen. Jupiter gilt als Gasriese, erscheint aber am Nachthimmel über Kathmandu kleiner als die viel heller strahlende Venus. Die optische Täuschung ist der Entfernung geschuldet, das Licht der relativen Sonnennähe oder -ferne, sowie einer reflektierenden Wolkendecke. Die Besonderheit der Konjunktion nur unserem Aberglauben.
Montag, Juni 08, 2026
Lumi
Da die wilden Katzen auf dem Hill launische und treulose Kreaturen sind, hat W von seiner letzten Reise im Handgepäck einen Hund mitgebracht. Er hört auf den Namen "Lumi" und wacht auf, sobald ich seinen Namen zweimal rufe: "Lumi, Lumi". Ich kann ihn auf Gehorsam, Disziplin und vielleicht sogar Akrobatik trainieren. Er hört entweder auf meine Stimme oder folgt den Knöpfen der Fernbedienung, die ich drücke (vorwärts, rückwärts, nach links, nach rechts laufen, grüßen, nicken, springen, Handstand usw., auch Kung Fu und Slow Dance stehen als Optionen zur Verfügung). Falls er schmutzig wird beim Spielen, ist er einfach zu reinigen mit einem staubtrockenen weichen Tuch.
Ich hänge die Lithium Batterie an den Strom. Bis sie voll aufgeladen ist, dauert es etwa 120 Minuten. Die Zeit nutze ich, um die wuselige Golfutar zu überqueren und im Lampenladen auf der anderen Straßenseite zwei normale AAA Batterien zu besorgen.
Sonntag, Juni 07, 2026
Gurjo und Chutro
Die Bauern im District Surkhet, dort wo kürzlich wegen der Waldbrände tagelang keine Flugzeuge starten und landen konnten, ernten in ebendiesen Wäldern nun गुर्जो - Gurjo und चुत्रो - Chutro. Im Dschungel, in der Wildnis, in den Gärten.
Die neuen Exportschlager. Die Chinesen haben den Wert der natürlichen Heilpflanzen erkannt und in Kharayochaur eine Sammelstelle und Fabrik zur Weiterverarbeitung der Kräuter, Wurzeln, Rinden eingerichtet.
Gurjo - Tinospora cordifolia oder Sanskrit Guduchi, Hindi Giloy, englisch heart-leaved moonseed ist eine Ayurveda Heilpflanze aus der Familie der Mondsamengewächse. Ein Antioxidans, das während der Covid-Pandemie in Nepal an Popularität gewann und zur Stärkung des Immunsystems "massenhaft" - wie ich lese - konsumiert wurde.
Chutro ist der nepalesische Name für die indische Berberitze, berberis aristata. Ein dorniger Strauch, der einst auch in meinem Garten an der Nordsee wuchs. Ihre süß-sauren Früchte sind reich an Vitamin C - Rainer Maria Rilke hat sie in seinem Gedicht "Sommerreife" wohl mehr der Farbe als der Gesundheit wegen beschrieben: Jetzt reifen schon die roten Berberitzen ... Und natürlich als Zeichen der Vergänglichkeit. Aus den Wurzeln und der Rinde wird ein Extrakt gewonnen, der Berberin enthält - den Stoff, der der Pflanze ihren Namen gab und in der Ayurvedamedizin vielfältig angewendet wird, gegen Augenentzündungen, Gelbsucht, Verdauungsprobleme und dergleichen mehr.
Die Chinesen haben anders als tote deutsche Lyriker unendlichen Bedarf an Gesundheit. Und spornen die Nepali an, Gurjo und Chutro einzusammeln und abzuliefern, Früchte, Stängel, Wurzeln. Gegen Entgelt, versteht sich. Und schon sind Bauern happy, was gibt es einfacheres, als rote Berberitzen in privaten und öffentlichen Forsten zu ernten. Natürlich regt sich Widerstand und Protest in ganz Karnali. Die Chinesen kaufen nicht nur aus Surkhet, sondern aus zehn anderen Distrikten der Provzinz. Gemeingut ist Gemeingut. Die Bauern wollen nun Chutro, die indische Berberitze auf ihren Feldern kultivieren. Die Früchte sind zwar schwieriger zu ernten in den stachligen Sträuchern (davon könnte ich ein Lied aus der Vergangenheit singen) als Gurjo, aber die Chinesen zahlen mehr als das Doppelte pro Kilo.
Die Erntezeiten entsprechen übrigens hier nicht deutscher Schullektüre. Der Sommer steht ja erst vor der Tür.
Samstag, Juni 06, 2026
Puderquasten
Jetzt schon, liegt doch eine der puscheligen Blüten auf meiner Küchenzeile.
Die Bäume wurden vor ein paar Monaten brutal zurückgeschnitten. Bevor die Bürgersteige aufgerissen und Erdkabel vergraben wurden. Ich dachte, das hätte logistische Gründe. Dass Bodenarbeiten besser erledigt werden können, wenn die Bäume über den Köpfen der Arbeiter zurückgeschnitten sind. Im übrigen hängen dort in luftiger Höhe immer noch die Kabel, die in die Erde verlegt werden sollen. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Nicht in Nepal. Alle Bäume werden überall brutal gestutzt. Auch rund um meinen Tempel. Alle heiligen und unheiligen Bäume. Die locals wissen, was sie tun und brauchen keine Belehrungen. Ich traue meinen Augen nicht, wie schnell das Grün nach dem ersten bisschen Regen (noch haben wir pre-monsoon) ausschießt und bereits wieder Kronen bildet. Schatten spendet.
Es ist heiß geworden. Die Arbeiten am Boden ruhen seit Wochen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Nicht in diesem Land.
Freitag, Juni 05, 2026
Hillary Sir
Niemand kommt ohne die Hilfe der locals, der Sherpas auf den höchsten Gipfel der Erde. Niemand darf die Mutter Qomolangma besteigen, ohne die Begleitung eines Sherpas, der die ungeschriebenen Gesetze dieser Welt kennt und respektiert. Das war immer so und so wird es bleiben. Gerade nach der alle Grenzen des Vorstellbaren sprengenden Selbstrettung eines 57 Jahre alten Sherpas, Hillary Zwo.
Sir Edmund Hillary wäre ohne Sardar Tenzing Norgay Sherpa nie auf den Gipfel gekommen. Und ohne die anderen - Köche, Porter, Logistiker - schon gar nicht. Dass die beiden am 29. Mai 1953 die Ersten waren, ist Zufall. Es hätte auch anders kommen können. Sardar Tenzing war im Jahr zuvor mit einer Schweizer Expedition bereits kurz vor dem Gipfel. Ein Wetterumschwung zwang sie auf 8600 m zur Umkehr.
Damals - davon mögen Extremsportler und Einzelgänger heute träumen - erlaubte das hinduistische Himalaya-Königreich Nepal eine einzige Everest-Expedition pro Jahr. Hätte Mutter Qomolangma auch Hillary Sir im entscheidenden Moment einen Hagelsturm geschickt, wären wieder die Helvetier an der Reihe gewesen. Die kamen 1956 wieder.
Heute ist es eine Industrie - The Everest Expedition Industry, der Hillary Zwo fast zum Opfer gefallen wäre. Er ist ein erfahrener Bergsteiger und erprobter Krisenmanager. Den Spitznamen "Hillary" bekam er 2008, als er beim Abstieg vom Makalu das Steigeisen am linken Schuh verlor - und es erst merkte, als er die steilsten Stellen überwunden und wieder festen Boden unter beiden Füßen hatte. Erst dann fiel ihm das Ungleichgewicht auf. 2019 stürzte er in eine Eisspalte, er war aber nicht allein und wurde gerettet, hatte zwei gebrochene Rippen. Letztes Jahr war er schon einmal auf sich selbst gestellt. Im späten Frühjahr fiel am Chulu West heftiger Schnee und die Expedition musste abgebrochen werden. Die Kunden wurden mit dem Helikopter ausgeflogen und die beiden Sherpas durften zu Fuß zum Base Camp zurückkehren. Die beiden waren lange unterwegs und galten schon als vermisst, als sie nach Tagen unvermutet aus dem Wald auftauchten. Hillary Zwo weiß sich (und anderen) zu helfen. In diesem Jahr ging er ausgerechnet am Sagarmatha Day am Everest zwischen Camp 4 und Camp 3 "verloren". Am 73. Jahrestag der Erstbesteigung von Sardar Tenzing Norgay Sherpa und Hillary Sir.
Donnerstag, Juni 04, 2026
Hillary Zwo
Woher "Hillary" Dawa Sherpa seinen Spitznamen hat, kann ich mir denken. Aber warum er ihn hat - und alle ihn offensichtlich rege nutzen - weiß ich nicht. Er war nie auf dem Gipfel des Everest, sagt seine Tochter im HAMS in Kathmandu den versammelten Reportern. Ihr Vater lebt! Er war gerade eingeflogen und auf die Intensivstation gebracht worden. Was niemand für möglich gehalten hat, ist eingetreten. Das Wunder am Everest, oder besser im Khumbugletscher. Ein Team, das damit beschäftigt war, nach der Rekordfrühjahrssaison das Base Camp aufzuräumen und Müll zusammenzutragen, entdeckte den seit Tagen vermissten, tot geglaubten Sherpa heute früh. Er kroch mehr, als dass er ging. Wie er durch den Eisbruch kam, bleibt ein Rätsel. Er hat sich selbst gerettet, wie, das wird er vielleicht eines Tages erzählen. Sieben Tage ohne Nahrung, ohne Hilfe, am Rande der Todeszone ohne Sauerstoff. Er war bei dieser letzten Expedition der Saison nicht als guide eingesetzt, sondern als Koch, Träger, Logistiker. Es war nicht seine Aufgabe, die beiden letzten Ausländer, einen Briten und einen Polen auf den Gipfel zu bringen.
Aber wer weiß. Vielleicht hat er deshalb 7 Tage "ohne Nahrung" überlebt. Der Koch wusste, wo in den verlassenen Camps noch Vorräte lagern können. Einige Nächte muss er in einem der Zelte verbracht haben. In einem der Camps. Zweieinhalb Tage verbrachte er in einer Gletscherspalte. Befreien konnte er sich erst nach heftigem Schneefall. Der Schnee füllte das Loch und Hillary kroch hoch. Es sind viele Fragen offen in dieser kaum zu glaubenden Geschichte.
Der Brite, mit dem er bis kurz vor Camp III zusammen abgestiegen war, äußerte sich mit einem Video betroffen über den angeblichen Tod "Hillarys". Er erntete - wie das heute üblich ist - einen massiven shitstorm. Weltweit fühlten sich alle von ihren weichen Sofas aus berufen, den Mann zu beschimpfen und als "Mörder" zu verurteilen, weil er einen Sherpa seinem Schicksal überlassen hatte. Dass er sich stattdessen um den polnischen Bergsteiger gekümmert hatte, interessierte niemanden. Die beiden Ausländer waren die letzten am Berg, die letzten einer Rekordsaison und in den letzten langen Stunden ihres Abstiegs allein, zu zweit, auf sich selbst gestellt. Mit einer halben Flasche Sauerstoff, die sie sich, mangels Nachschub, teilten.
Mitten im Massenansturm vor ein paar Tagen wäre die Geschichte anders verlaufen und niemand hätte je davon erfahren. Bartek Ziemski, der Bodenverbundene polnische Skifahrer tut wahrlich gut daran, keine socialmedia-Kanäle zu bedienen.
Niemand fragte, warum nicht sofort eine Rettungsaktion für "Hillary" eingeleitet wurde, spätestens am 30. Mai morgens, als klar war, dass er nicht in Camp II übernachtet hatte. Niemand fragte, warum alle Fixseile ab Camp IV nach unten bereits entfernt waren und warum am 31. Mai fast alle Leitern im Khumbu-Eisfall abgebaut wurden. Obwohl "Hillary" noch irgendwo oberhalb des Gletschers sein musste. Niemand fragte, warum der erste Helikopter erst nach 5 Tagen, nämlich gestern, am 3. Juni zu einem Erkundungsflug bis ungefähr auf die Höhe von Camp III aufstieg und unverrichteter Dinge nach Lukla zurückflog. Man habe nichts und niemanden gefunden, erklärte der Pilot. "Hillary" hingegen sagt heute, endlich wieder unter Menschen, bei Bewusstsein und klarem Verstand, nach ein paar Schlucken warmen süßen Tees, er habe den Helikopter gehört und gesehen. Er habe zweimal die Arme gehoben, aber vergeblich. Das um Tage verspätete Rettungsteam suchte wahrscheinlich nicht nach winkenden Armen, sondern nach einem reglosen Körper.
Aber wer weiß. Vielleicht hat "Hillary" deshalb den Abstieg fast bis ins Base Camp aus eigener Kraft geschafft. Vielleicht gab ihm, dem seit Tagen am Berg Alleingelassenen, dieser Helikopter am Himmel den entscheidenden letzten Schub - sie haben mich nicht vergessen! Mein Arbeitgeber scheut die Kosten für eine Rettung aus der Luft nicht länger! Vielleicht verlieh ihm der gerade am Himmel wieder verschwundene Rettungsanker die Portion Energie, die er noch brauchte, um das schwierigste und letzte Stück seiner Selbstrettung in Angriff zu nehmen. Den Khumbu-Eisbruch zu queren. Rutschend. Kriechend. Auf allen Vieren. Die ganze Nacht durch.
Mittwoch, Juni 03, 2026
Der früheste Sonnenaufgang
3. Juni oder 20. Jeshta. Die Sonne geht um 05:07 auf, dabei bleibt es jetzt bis zum 17. Juni. Noch vor der Sommersonnenwende dreht sie wieder ab. Geht am 18. Juni eine Minute später auf, so wie gestern. Das behält sie für ein paar Tage bei, genau bis zum Tag nach dem Solstitium. Der Sonnenuntergang zieht sich weiter in den Abend hinein, so dass die Tageslänge von heute 13:47:59 kontinuierlich anwächst bis auf 13:53:47 am längsten Tag des Jahres. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: wir hängen hier etwas schräg im Universum, aber wir hängen! Und pendeln.
Am Morgen ist auch der Mond noch zwei Stunden am Himmel. Fast, denn irgendwann verschwindet er im Dunst des Tages. Und am Abend stehen Jupiter und Venus im Westen schon ziemlich nah beieinander.
Dienstag, Juni 02, 2026
Rekorde
Ein Jahr der Rekorde, sagen alle, die dabei waren. Ob virtuell über irgend ein Fenster und in diversen chatrooms. Oder real, live. Frierend und zitternd. Auf dem Hin und Her zwischen den Camps genannten Zeltlagern. Zwecks Akklimatisierung. Und in der ständigen Hoffnung auf besseres Wetter.
Ein kurzes Frühjahr der Rekorde. Am Everest hat das Jahr nur zwei Geh-Zeiten. Die Frühjahrs- und die Herbstsaison. Dazwischen ist der Berg closed. Seit Freitag, seit dem legendären Sagarmatha-Day, ist die erste Saison des Jahres beendet. Das ist immer so, höre ich. Immer am 29.5. ist Schluss. Ein paar zerstreute Bergsteiger waren noch auf dem Abstieg. Und - das wusste man spätestens seit dem Morgen des 30.5. - ein Sherpa war über Camp III, auf ungefähr 7.600 m "verloren" gegangen. Seine beiden ausländischen Kunden stiegen ab, selbst am Ende der Kräfte, der eine mit Frostbeulen und ohne Sauerstoff. Der zweite Sherpa dieser Gruppe ging auch "verloren", allerdings in der anderen Richtung. Der war als erster sicher im Camp II angekommen. Als am 31. Mai auch die Letzten das Base Camp erreichten, wurden die Leitern im Khumbu-Eisbruch abgebaut. Die Saison ist zu Ende.
Der Sherpa mit dem Spitznamen "Hillary" - Hillary Dawa Sherpa - wird nach wie vor vermisst.
Bleiben wir bei den Rekorden. Einer der ersten auf dem Gipfel war der Pole Bartek Ziemski (der Name kommt vom polnischen Substantiv "ziemia" (= die Erde), das Adjektiv dazu kann also so etwas wie geerdet, irdisch, bodenverbunden meinen). Wir hatten ihn hier schon, er war der einzige Ausländer, der den Sherpas half, Leitern und Fix-Seile für einen sicheren Aufstieg der Massen zu installieren. Bartek hatte seine Hintergedanken dabei, teilte aber seine Pläne mit niemandem. Er ist der bescheidenste Mensch am Berg, trägt alles selbst, sein Zelt, sein Essen, die Skier. Er macht alles allein, ist gut vorbereitet, hat keinen Sponsor, nutzt keinen zusätzlichen Sauerstoff, keine social media Kanäle, ist kein selfie-man, (wohl aber ein self-made-man) und muss jeweils andere bitten, ein Foto von ihm machen, wenn er eines haben will. Am 12. Mai steht er auf dem Nachbarberg Lhotse (8.516 m) und fährt auf den Skiern ab. Die Abfahrt führt zum Everest Camp I und durch den Khumbu-Gletscher ins Base Camp. Nur eine Woche später, am 19. Mai, steht er auf dem Everest (8.848 m), weiß, dass er keine Zeit verlieren darf, schnallt die Skier an und fährt hinunter. Macht in Camp IV einen kurzen Halt, um sein Zelt einzupacken, das er dort für alle Fälle hatte stehen lassen. Wieder ohne Sauerstoff. Wieder durch das Nadelöhr, den Khumbu-Icefall. Er kommt unten im Base Camp an, ehe überhaupt jemand bemerkt hat, dass er oben war. Glücklich vor den 274 Bergsteigern, die am 20. Mai den Gipfel stürmen, die höchste je verzeichnete Anzahl an einem einzigen Tag in der Geschichte der Qomolangma, der Göttin Mutter dieser Erde.
Eine Saison der Rekorde. Der bescheidenen und unbescheidenen. Bartek ist der zweite Mensch, der vom Everest auf Skiern abfuhr. Andrzej Bargiel, sein Landsmann kam ihm letzten Herbst zuvor: als erster auf Skiern vom Everest-Gipfel ins Base Camp. Auch ohne Sauerstoff, aber mit der Mütze seines Sponsors auf dem Kopf. Durch die gefährlichste Strecke, den Khumbu Eisbruch ließ er sich von einer Drohne leiten. Aber das ist Schnee von gestern.
Die Saison der Rekorde. Der schweizerisch-ecuadorianische Speedbergsteiger Karl Egloff musste seinen Versuch, nonstop und ohne Sauerstoff vom Base Camp auf den Gipfel zu kommen, in den frühen Morgenstunden des 27. Mai auf 7903 Metern abbrechen. Seinem Kletterparter Miranda ging es nicht gut und sie beschlossen umzukehren. Der US mountain runner, Extrem- und Ausdauersportler Tyler Andrews startete am Abend desselben Tages und schaffte es in 9 Stunden und 55 Minuten vom Base Camp auf den Gipfel, die schnellste je gemessene Zeit (FKT - fastest known time) - allerdings mit Sauerstoffunterstützung. Er konnte, wie Egloff auch, seinen Rekordversuch erst gegen Ende der Saison planen - sonst hätten ihm ein paar Hundert Leute im Weg gestanden, die er auf dem letzten Abschnitt unter dem Gipfel nicht überholen durfte, nicht überholen konnte. Er brach am Abend des 27.5. um 7:11 pm auf und erreichte den Gipfel am nächsten Morgen um 5:06 am. Für den run down brauchte er nur 6 Stunden und 37 Minuten. Abwärts geht es immer schneller. Insgesamt war er 16 Sunden und 32 Minuten auf den Beinen. Egloff war 20 Stunden und 45 Minuten unterwegs, ohne den Gipfel erreicht zu haben. Auch wer aus Vernunft abbricht, muss den Weg zurück schaffen.
Ein anderer Rekord: Mingma David Sherpa, der erste gewählte nepalesische Abgeordnete der Geschichte hisste die Fahne des Nepalesischen Parlaments am 27. Mai auf dem Gipfel. Er ist ein neues Mitglied des Parlaments, aber kein Neuling auf den Achttausendern.
Die 1008 Bergsteiger auf dem Gipfel hatten wir schon, auch die Mountain Queen und den Everest Man. Verglichen dazu sind 5 Todesopfer (zwei indische Touristen, 3 Sherpas) zwar bedauerlich, aber im Verhältnis zu anderen Jahren gemäßigt.
Die internationale Presse verbreitete viel Propaganda über die tödliche Todeszone und den von der Regierung zugelassenen Massenandrang. Ich möchte mal wissen, was wäre, wenn der höchste Berg der Erde nicht im ärmsten Land Südasiens stünde, sondern in einem der reichsten überhaupt.
Montag, Juni 01, 2026
बाँदर
Ab und zu kommt ein einzelner Affe vorbei, wenn ich am Morgen am Tempel in mein Qigong versunken bin. बाँदर - badar ist der Affe, wir hatten den schon, vor fast genau einem Jahr, aber heute erst in Devanagari. Er interessiert sich nicht für mich, auch nicht für die komplizierten Buchstaben in meinem Kopf, sondern schwingt sich in die Bäume hoch auf der Suche nach etwas Essbarem. Die Vorhut, denke ich immer. Wenn hier ein Bananenstand stünde, ein Obstshutter voll beladen mit Mangos und Litchis, versammelte sich bestimmt gleich die ganze Großfamilie. Auch stellte ich kürzlich fest, dass die Angestellten der Municipality, die den Hintereingang benutzen, dem einen Affen, der hier ab und zu auf Streife ist, mit Respekt begegnen. Sie gehen ihm großzügig aus dem Weg.
Der heute scheint noch zu lernen. Er kommt vom schrägen Parking heruntergeschlendert, tapst durch die wilde Wiese und hockt sich dann mitten auf das neu begradigte Stück der unfertigen Straße. Wie um zu meditieren. Die Krähen, die immer ein Höllenspektakel veranstalten, kaum nähert sich ein बाँदर (die काग - kag = Krähe / कागहरू - kagharu = Krähen kommunizieren sicherlich ausschließlich in nepali), sausen im Tiefflug über den Pelzigen hinweg und bereiten sich darauf vor, ihm das Hirn oder den Hintern aufzuhacken, aber der junge Affe begreift, dass er schleunigst Schutz suchen muss. Er klettert flugs über das Blechdach, unter dem ich stehe, in den Bodhibaum. Er braucht ein Blätterdach. Ein Shiva-Dach! Die Krähen kreischen hysterisch weiter, wahrscheinlich wütend, weil sie ihr Ziel nicht mehr ansteuern können. Sie verteidigen Nester und Jungvögel. बाँदर aber hält sich still. Ich kann ihn von unten sehen. Er hat so etwas wie Angst in den Augen. Duckt sich. Ist überhaupt nicht mehr an Futter interessiert. Tut so, als gäbe es ihn nicht.
Irgendwann ist er des Gekrächzes leid. Er trollt sich. Zieht ab. Auf dem Weg, auf dem er gekommen ist. Ab und zu bleibt er stehen, dreht sich noch einmal um. Als ob ihm etwas leid täte. Die Krähen haben gesiegt und sind verstummt.
Hier noch die anderen Wörter von vor einem Jahr in Devanagari - weil gerade ein बाँदर, ein भोको बाँदर - bhoko badar, ein hungriger Affe unterwegs ist:
बादल - badal = Wolke(n)
बदाम - badam = Nüsse, Erdnüsse oder Mandeln
हाडे बदाम - hade badam = geschälte Nüsse
काँचो बदाम - kamco badam = rohe Nüsse
कछुवा बदाम - kachuva badam = turtle almond, zu deutsch Karamellmandeln, klebriges süßes Zeug, gibt es auch als Eis oder Kuchen
Sonntag, Mai 31, 2026
Feiertag
Weil Sonntag. Neuerdings auch Wochenende. Vollmond, der zweite im Monat Mai des westlichen Kalenders. Ein sogenannter blue moon, heute sogar ein blue micro moon, ein winziger Vollmond, der kleinste des ganzen Jahres 2026 AD. Denn er befindet sich auf seiner Umlaufbahn gerade im Apogäum, an dem Punkt, der am weitesten entfernt von der Erde liegt. Weiter geht nicht. Außer unser Erdtrabant würde plötzlich aus seiner Bahn austreten - oder durch etwas Unvorhergesehenes aus ihr hinauskatapultiert.
Ein blue apogee micro moon kommt selten vor (nicht ganz so selten wie kshaya maas), sagt die Fachwelt. Der letzte zeigte sich am 31. Oktober 2020, und der nächste kommt erst am 30. Juli 2053 wieder an unseren Nachthimmel. Dieselbe Fachwelt sagt, die Bezeichnung blue moon beruhe auf einem Missverständnis. In einem Artikel von 1946 im Fachjournal "Sky and Telescope Magazin" bezog sich der Autor auf eine frühere, komplexere Definition des blue moon und interpretierte sie falsch. Ursprünglich war ein blue moon der dritte Vollmond einer Jahreszeit (Frühling, Sommer, Herbst und Winter), in der vier statt üblicherweise nur drei Vollmonde auftreten. Blue moon meint also eigentlich den dritten Vollmond einer Jahreszeit und nicht den zweiten Vollmond eines Monats. Der heutige Vollmond wäre auf den Frühling (März, April, Mai) bezogen, der dritte oder der vierte. Je nach dem, wie man die Jahreszeit definiert. Ob kalendarisch oder astronomisch. Im Endeffekt eine rein fachweltliche Haarspalterei!
Für die Hindus fällt der heutige Vollmond mitten in den Malamaas - in den Schaltmonat ohne besondere Anlässe. Da gibt es nur einen Vollmond und der heißt अनला पुन्ही - Anala Punhi. Der Vollmond in Anala. Anala ist ein weiterer Name für den zusätzlichen Monat, in dem nichts Wichtiges unternommen werden soll, nicht einmal in Gedanken!
Und so "blau" geht der blue apogee micro moon auf am Abend. Die Stadt liegt mir zu Füßen. In der Nacht ist sie lichtverschmutzt. Von meinem Dach aus gesehen trifft अनला पुन्ही - Anala Punhi die Sache besser!Samstag, Mai 30, 2026
Feiertag
Samstag. Der erste Tag des freien Wochenendes. Es regnet. Immer noch Prämonsunniederschlag, wie es heißt. Auch die ersten Erdrutsche und Schlammlawinen, verschütteten Straßen und eingestürzten Brücken. In Pokhara sackte in der Nacht in Nadipur, am westlichen Ufer des Seti Flusses ein Stück Straße ab, und beeinträchtigte das anliegende Haus. Bis zum Morgen erstreckte sich die Senkung im Boden auf über 10 Meter. Prämonsunwetterereignisse.
16. Jestha 2083 BS, ein bescheidener Feiertag: राष्ट्रिय महिला अधिकार दिवस - Rastriya mahila adhikar divas - Nationaler Tag der Frauenrechte. Er wird erst zum achten Mal begangen und nicht als public holiday. Aber weil Samstag ist, haben alle frei. Außer die Hausfrauen und Mütter, Shutterstorebesitzerinnen, Gemüse- und Obstverkäuferinnen usw. Der Nationale Tag für Frauenrechte steht unter dem offiziellen Motto Campaign for Respect for Women's Rights, Self-Reliance, and Prosperity (महिला अधिकारको सम्मान, आत्मनिर्भरता र समृद्धिको अभियान) und Präsident Paudel spricht in seinem Grußwort große Dankbarkeit an alle aus, die Frauenrechte ermöglichen. Die Anerkennung von Fähigkeiten und Führungsqualitäten der Frauen trage entscheidend zum nationalen Wohlstand bei, sagt das Staatsoberhaupt. In einer gesunden Gesellschaft müsse jede Form von Diskriminierung, Gewalt und Ungleichbehandlung gegen Frauen ausgeräumt werden. Das sei "unsere gemeinsame" Verantwortung. PM Shah bekräftigt in seiner Botschaft, dass die Verfassung Nepals die Rechte der Frauen als fundamentale Rechte gewährleistet. Er unterstreicht aber, dass rechtliche wie gesellschaftliche Anstrengungen notwendig seien, um "schädliche Bräuche" wie Hexenverfolgung, Frühverheiratung, chhaupadi (Menstruationshütten), dowry (Mitgift-Praktiken) und Tilak Traditionen zu unterbinden sowie genderbasierter, häuslicher und digitaler Gewalt entgegenzutreten.
Vor acht Jahren rief die damalige Frauen- und Familienministerin Tham Maya Thapa den Nationalen Tag der Frauenrechte ins Leben. Das Datum verknüpfte sie mit einer historischen Abstimmung im nepalesischen Parlament vom 16. Jestha 2063 BS (2006 AD). Die Abgeordneten fassten damals auf Antrag von Bidya Dewi Bhandari einstimmig einen Beschluss auf Frauenförderung in drei Punkten: 1. Das Recht auf Staatsbürgerschaft über den Namen der Mutter. 2. Den Frauenanteil von mindestens einem Drittel in allen staatlichen Gremien. 3. Die Beendigung jeglicher Form von Gewalt gegen Frauen. Als der Nationale Tag der Frauenrechte zum ersten Mal in Nepal gefeiert wurde, am 16 Jestha 2076 BS (= 30. Mai 2019 AD), war die einstige Abgeordnete Bhandari Staatspräsidentin.
Freitag, Mai 29, 2026
Feiertag
Public holiday. Wie gestern. Heute ist der 15. Jestha und es wird गणतन्त्र दिवस - Ganatantra Diwas gefeiert. Ein politischer Feiertag. Also kann er auch mitten im hinduistischen Malamaas begangen werden. Der Tag der Republik. गण - gan oder gana sind die Auserwählten, die Gewählten, तन्त्र - tantra ist das System, das Regime. Die Macht im Staat gehört den gewählten Repräsentanten, seit am 15 Jestha 2065 BS (= 28.5.2008 AD) die Shah-Monarchie in Nepal abgeschafft und ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg beendet wurde.
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| Foto: WGA auf Flug KTM - KMG |
Donnerstag, Mai 28, 2026
Feiertag
Public holiday. Kein Bike auf dem seit einigen Tagen wieder überfüllten schiefen Parking. Mein Nepali Calendar zeigt mir den Tag erst heute früh rot an. So ist das hier. Es kommt auch vor, dass ein freier Tag erst im Nachhinein als solcher erklärt wird. Trotzdem funktioniert alles.
प्रदोष व्रत - Pradosh Vrat oder auch Pradosham ist der hinduistische Fastentag, der jeden Monat zweimal begangen wird - wohl auch im derzeitigen Purushottam, dem Adhikmaas oder Malamaas. Immer am 13. Tag der shukla paksha, des zunehmenden Mondes (das ist heute) sowie am 13 Tag der krishna paksha, des abnehmenden Mondes (das wird in ca 2 Wochen sein). Die Gläubigen, meist sind es Frauen, fasten für Shiva und Parvati. प्रदोष - pradosh bedeutet Dämmerung und meint die "heilige" Zeitspanne von ca 3 Stunden rund um den Sonnenuntergang. Die eineinhalb Stunden vor und eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang eignen sich am besten für Gebete und Meditation. Man kann sich so von Sünden befreien und Wünsche formulieren. Dieses günstige Zeitfenster heißt auch प्रदोष काल - pradosh kaal - die Zeit der Dämmerung. Die Hindus glauben, dass Lord Shiva während प्रदोष काल - pradosh kaal, seinen kosmischen Tanz ताण्डव - Tandava aufführt.
Die Muslime (nicht nur in Nepal) feiern das Gegenteil von fasten. Eid-Ul-Adha, oder Bakra-Eid oder Idul Zuha. Das zweitgrößte Fest im islamischen Kalender. Das Opferfest. Oder Ziegenfest. 70 Tage nach Eid-al-Fitr, dem Fastenbrechen nach dem Ramadan. Bakra ist die Ziege und Eid das Fest. Es soll ein Tier geschlachtet werden (Ziege, Schaf, Kuh oder Kamel!) und das Fleisch in drei Teile geteilt werden. Für die Familie, für die Freunde und für die Armen.
Von offizieller Seit werden allen die besten Wünsche ausgesprochen und Nepal als multi-ethnisches, multi-sprachliches, multi-religiöses und multi-kulturelles Land beschworen.
Mittwoch, Mai 27, 2026
Reisfelder
Genaugenommen wohnten und wohnen wir auch auf dem Hill am Rande von terrassierten Reisfeldern. Nur sind sie verbuscht und vergrast. Die Bäuerinnen holen hier regelmäßig Futter für ihr Vieh. Auf der einen leergetretenen Terrasse spielen am frühen Morgen zwei Erwachsene, meist eine Frau und ein Mann Federball. Und am Nachmittag die Jungs, die außerhalb unserer gated community leben, Fußball. Dazwischen gehört das Feld allen freilebenden schwarzen Hunden. Ein halbes bis ganzes Dutzend tollt und trollt sich da, dass es eine wahre Freude ist. Bleibt mal ein Ball von den Buben über Nacht liegen, wird er freudig in Stücke gerissen.
Auch vor über 20 Jahren wohnten wir einen kurzen Winter lang an Reisfeldern. In Tsukuba. Dort lag Schnee auf dem Feld und nichts geschah. Reisfelder heißen in Japan Seiden.
Dienstag, Mai 26, 2026
Zeichen der Zeit
Wozu ich das alles mache? Heute früh - so etwas kann ich nur ganz früh am morgen machen, riss ich büschelweise Gras aus. Das ist hier "Rasenmähen". Das Gras wächst derzeit ungefähr einen halben Meter pro Tag. Viel Gras ist es nicht. Mehr Klee und sonstiges Wucherzeug. Das muss ich daran hindern, dass es meine zarten Plantagen verschlingt. Wozu ich das alles mache? Um ein - oder mehrere Zeichen zu setzen. Die Nachbarn haben tausende Blumentöpfe rund um ihre Häuser, auf den Dächern, Terrassen, Mauervorsprüngen und rund um ihr Auto vor den Wohnzimmerfenstern stehen. Die werden täglich aufwändig gewässert. Dafür ist ein boy oder eine maid angestellt. Die meisten Töpfe stehen so, dass sie von dem Regen, der ab und zu sintflutartig niedergeht, gar nichts abbekommen.
Wozu ich das alles mache? Um Zeichen gesetzt zu haben. Wir haben gestern abend unsere Bleibe in dieser stolzen Festung auf dem Hill gekündigt. Und vorgestern in Pokhara einen neuen Mietvertrag unterschrieben. Wir verlassen das Valley und ziehen in ein Reisfeld.
Seit unser Entschluss steht, ist das schiefe Bike-Parking hinter der Municipality wieder bis auf den letzten Platz gefüllt.
Montag, Mai 25, 2026
Gartenarbeit
Den zweiten wickele ich aus seinem improvisierten Tropenhaus. Er kommt nun auch in die Erde. In einen Tontopf. Er hat unter Gewächshausbedingungen auf meinem Fensterbrett eine kräftige Wurzel und den Beginn einer Krone ausgebildet. Den dritten zeige ich nicht, da ist nicht viel zu sehen, ich setze ihn hoffnungsvoll trotzdem in die Erde. Denn aller guten Dinge sind Drei. Die Kerne, die ich austrocknen ließ, dienen höchstens noch als Kompost.
Sonntag, Mai 24, 2026
Pokhara drei
Wir fliegen zurück ohne das berauschende Hochgebirgspanorama gesehen zu haben. Dafür haben wir berauschenden Regen erlebt, Wasserbüffel, Reisfelder und weiße Kraniche bestaunt. Und frischen Fisch aus dem See gegessen.
Back on the hill. Mit sozusagen null Verspätung und ganz ohne Himalayasicht. Wir flogen durch dicke Gewitterwolken und mussten während des ganzen Fluges angeschnallt bleiben. Später, als es dunkel war und wir bereits müde, sahen wir vom Dach aus den Mond über Kathmandu. Schön! Und schon über halb voll.
Samstag, Mai 23, 2026
Pikhalakhu
पिखालखु - pikhalakhu bedeutet in der Sprache der Newari "draußen vor der Tür".
पिखालखु - pikhalakhu ist ein kleines Symbol aus Stein, Marmor oder auch Metall, meist in Form einer offenen Lotusblüte. पिखालखु - pikhalakhu hat seinen festen Platz draußen vor der Tür, eingelassen in den Boden, in die Erde, in das Pflaster. Unverrückbar vor dem Haupteingang des Hauses. In Thimi haben wir viele solche gesehen in der Innenstadt, पिखालखु - pikhalakhu gehört dort zu jedem Haus. Es ist der absorbierende Stein, die geschmückte kleine erhabene und tief verehrte Stelle draußen vor der Tür, die Unreinheiten, Dreck und Staub, aber auch alle bad omens und bad vibrations von den Innenräumen fernhält. Die Newari sind überzeugt, dass Lord Kumar sie immerfort beschützt, wenn sie den Tag mit einem Gebet "draußen vor der Tür", an पिखालखु - pikhalakhu beginnen. Viele Häuser unserer Nachbarn auf dem Hill zieren übermenschlich mächtige Ganeshskulpuren. Die Newari sind weniger auf Pomp und Prunk bedacht in der Verehrung von Ganeshs Bruder Kumar.
Wir sind in Pokhara, out of the Kathmandu Valley, draußen vor der Tür. पोखरा - Pokhara kommt von पोखरी - pokhari = Teich, See, Tümpel, Wasserloch. पोखरा - Pokhara ist die Stadt der Seen und liegt exakt in der geografischen Mitte des Landes, das lang und schmal zwischen zwei Großmächten liegt. Klimatisch ist es der Länge nach dreigestreift ins subtropische Tarai, das gemäßigte Mittelgebirge, hilly region mit Kathmandu Valley sowie und die hochalpine, arktische Himalayakette.
Hier in पोखरा am See und am Fuße des Annapurnamassivs ist es heiß und gewittrig.
Freitag, Mai 22, 2026
Sithi Nakha
Wir fliegen nach Pokhara. Es regnet. Es ist der 6. Tag der shukla paksha im Monat Jesh, also der hellen Mondphase. Der Mond nimmt von Abend zu Abend merklich zu.
Es müsste Sithi Nakha gefeiert werden, wenn gefeiert würde und wir uns nicht im Malamaas befänden, im Monat des Nichtfeierns. Die Natur nimmt ihren Lauf und keine Rücksicht auf weltliche Kalender. Für die Newari bedeutet Sithi Nakha das Ende der Trockenzeit. Sie reinigen nun trotzdem, wie bereits vor einer Woche berichtet, vor dem Monsun ihre hitis und verehren weiterhin कुमार - Kumar, Shivas Sohn, Ganeshs Bruder.
Donnerstag, Mai 21, 2026
kshaya maas
Es gibt im Hindukalender nicht nur den zusätzlichen Monat अधिक मास - adhik maas, sondern auch den verlorenen Monat: क्षय मास - kshaya maas. Das ist irgendwie logisch. Kommt einer dazu, muss auch mal einer wegfallen. Aber so einfach ist es nicht. Der Schaltmonat adhik maas schaltet sich alle 32 Monate, 16 Tage, 1 Stunde und 36 Minuten ein. Der Fallmonat kshaya maas hingegen fällt nur sehr selten aus, ungefähr alle 141 bis 190 Jahre. Das letzte Mal geschah dies im Jahr 2040 BS (= 1983 AD), das nächste Mal wird es voraussichtlich im Jahr 2181 BS (= 2124 AD) sein.
Beide außergewöhnlichen Monate - adhik, der zusätzliche und kshaya, der verlorene - sind selbstregulierende Elemente einer komplizierten Zeitrechnung. Sie haben die Aufgabe, den Lauf der Sonne und den Lauf des Mondes für uns Irdische wieder etwas aneinander anzugleichen. Sie sorgen für eine perfekte Balance im Universum. Und im Feiertagskalender. Wenn auch jeweils nur für einen kurzen Moment.
Ein Monat geht dann verloren, wenn zwischen seinem ersten und letzten Tag zwei Sankranti auftreten, dh wenn die Sonne zweimal in ein neues Sternzeichen übertritt. Das kann nur in den Monaten Kartik (= AD Mitte Oktober - Mitte November), Mangsir (Mitte November - Mitte Dezember) oder Poush (Mitte Dezember - Mitte Januar) vorkommen.
Wenn die Sonne in einem Monat zwei Sankrantis ansteuert und der ganze Monat deshalb als kshaya maas verloren geht, schaltet sich sowohl davor wie danach ein adhik maas - ein zusätzlicher Monat ein. Das Jahr, das durch den kshaya maas eigentlich nur noch 11 Monate hat, hat dann wieder 13 Monate - wie jedes Jahr mit adhik maas.
Adhik maas - das wissen wir schon, ist der zusätzliche Monat ohne Sankranti. Auch das scheint logisch. Wenn die Sonne im kshaya maas so schnell unterwegs ist, dass sie zwei Sternzeichen passiert, muss sie davor Luft holen und danach verschnaufen.
Natürlich haben die beiden Schaltmonate andere Namen, wenn sie als Platzhalter für kshaya maas auftreten: संसर्प - samsarpa ist der zusätzliche Monat vor und अहंस्पति - ahamspati der zusätzliche Monat nach क्षय मास - kshaya maas, dem verloren gegangenen Monat.
Mittwoch, Mai 20, 2026
swimmingpool
Ich habe gestern meine Schwimmsaison eröffnet. Der Pool wurde über die Wintermonate entleert und ich fragte mich lange Zeit, wo das Wasser wohl hin gegangen ist. Die blauen Fliesen wurden aufwändig geputzt, geflickt und dann das Wasser sehr langsam wieder eingelassen.
Dienstag, Mai 19, 2026
namegame
Die kurze Frühjahrhochgebirgsklettersaison dauert noch ein paar Tage, also kann ich meine Gedanken weiterhin um den Berg kreisen lassen, den die Tibeter und die Sherpas Qomolangma oder Chomolungma nennen. Den Namen "Everest" hat ihm, wie wir wissen, die ehrwürdige "Royal Geographical Society" (von der mein Gatte ein ehrwürdiger fellow ist) 1865 verliehen und in die Welt verbreitet.
Die Tibeter hatten ihren Namen schon immer. Jedenfalls ist mir nichts Gegenteiliges bekannt. Eine französische Karte von 1733, die offenbar Zeichnungen von Kapuzinermönchen als Grundlage nutzte, die im frühen 18. Jahrhundert in Lhasa lebten, nennt den Berg "Tschoumou-Lancma". Die orthographische Verwandtschaft und/oder die artikulatorische Nähe zu Qomolangma oder Chomolungma ist nicht zu überhören. Noch vor der Erstbesteigung, nämlich im Juni 1952 erklärte übrigens das offizielle Peking per Dekret, dass der Mount Everest im Chinesischen nur seinen ursprünglichen Namen Chomolungma tragen soll.
Dieser Umstand mag den damals amtierenden König Mahendra dazu bewogen haben, dem Berg, der immerhin zur Hälfte in seinem Hoheitsgebiet, dem einzigen Hindu-Himalayakönigreich steht, endlich einen nepalesischen Namen zu geben. Er schickte seine Untertanen auf die Suche nach dem eigentlich richtigen Namen und die fanden in einem Artikel des Historikers Baburam Acharya von 1938 den Namen bereits im Titel "Sagarmatha or Jhyamolongma" angelegt. Soweit sind meine bescheidenen Nepalikenntnisse bereits gediehen, dass ich in dem zweiten Namen natürlich den tibetischen erkenne, in nepalesischer Aussprache eben. Nicht so Barubam, der nepalesische Historiker. Angeblich (ich berufe mich auf Informationen aus zweiter Hand, die mir zugänglich sind, da mir das Original nicht zugänglich ist) lässt er sich in seinem wissenschaftlichen Essay intensiv darüber aus, dass "Jyhamolongma" ein - wie man heute sagen würde - no-name sei. Ist es auch, bei Lichte betrachtet. Um Sagarmatha hingegen baut er Berge und Abgründe von Spekulationen über die Kiratsparche - die keiner seriösen Überprüfung standhalten dürften. Acharya selbst soll Jahrzehnte später erklärt haben, der Name sei ihm "zugefallen". Das sind die weltweit bekannten Erinnerungslücken bei Erklärungsnot. Alles deutet darauf hin, dass ihm der Name auf dem Flur zwischen den Büros der Behörde, bei der er damals beschäftigt war, zugefallen ist oder zugetragen wurde. In einem Pausengespräch oder neudeutsch small talk. Eine "third-hand" Fundsache. Aber immerhin. Den König überzeugte sie nach heftigen internen Querelen (der Hof warf dem Historiker ua mangelnddn Patriotismus vor) doch. Nach fast 20 Jahre. Und so erhob sich Sagarmatha - die Stirn der Erde, die den Himmel berührt - aus dem Himalayamassiv.
Montag, Mai 18, 2026
women climbers
Der neue Mond ist am Abend zu sehen, eine dünne liegend Sichel, bereits 4,9 % gefüllt!
Gestern gab es Rekorde am Everest. Lhakpa Sherpa stand um 9:30 am zum elften Mal auf dem höchsten Gipfel der Erde. Und ist - wie berichtet wird - mittlerweile gesund wieder im Base Camp angekommen. Damit hat sie ihren eigenen Rekord von 10 Besteigungen übertroffen. Keine Frau der Welt war öfter auf dem Qomolangma (wie die Sherpas den Berg nach wie vor nennen). Sie stieg acht mal von Norden, von der tibetischen Seite hoch und gestern zum dritten Mal von Süden, von der nepalesischen Seite.
Lhakpa Sherpa war nicht die erste Nepalesin auf dem Sagarmatha (wie der Berg offiziell in Nepal heißt), aber sie war die erste ihres Landes, die nicht nur hoch- sondern auch wieder heruntergekommen ist. Zum ersten Mal am 18. Mai 2000.
Die erste Frau auf dem Everest war die Japanerin Junko Tabei, sie erreichte den Gipfel am 16. Mai 1975 über die Südroute. Elf Tage später stieg die Tibeterin Phanthog über die Nordroute auf. Die dritte Frau war die Polin Wanda Rutkiewicz am 16. Oktober 1978. Die vierte, die Deutsche Hannelore Schmatz, war die erste Frau, die hoch, aber nicht mehr herunterkam. Sie starb auf dem Abstieg am 2. Oktober 1979. Es folgten viele viele Frauen, aber erst 1993 eine Nepalesin - Pasang Lhamu Sherpa. Auch sie starb auf dem Abstieg, keine 100 Meter unter dem Gipfel, auf etwa 8,750 Metern. An Entkräftung, wie es heißt. Und aufgrund miserabler Wetterverhältnisse.
Pasangs Gipfelgeschichte, bzw. die Geschichte der ersten nepalesischen 3-Frauen-Expedition kann man hier nachlesen. Die Autorin des Buches "Forty Years in the Mountains", Lhakpa Phuti Sherpa, ist natürlich nicht objektiv, sie muss es auch nicht sein. Es sind schließlich ihre autobiographischen Aufzeichnungen aus vier Jahrzehnten, die sie mit uns teilt. Sie war Teil des Frauentrios, Pasang war ihre "Schwester", Freundin, Gefährtin. Sie glichen sich auch äußerlich, berichtet Lhakpaphuti, und wurden oft verwechselt. Auch und gerade nach dem Tod der einen. Die Erinnerung an jene Tage und Wochen zwischen dem 8. März und dem 22. April 1993 sind schmerzhaft - das Scheitern und die Katastrophe kündigten sich in mehreren bad omens, schlechten Träumen und eindeutigen Orakeln mehrerer Lamas und Astrologen an. Alle Sherpas beten, bevor sie sich auf den Weg machen und befragen den Himmel, das Universum, Hell- und Schwarzseher. Auch der Donnerstag war für Pasang als Wochentag der denkbar ungünstigste Moment für den Gipfelsturm. Das sagte ihr Ehemann und Vater der drei gemeinsamen Kinder, der es wissen muss und im Base Camp vergeblich auf ihre Rückkehr wartete. Hätte Pasang einen Tag zugewartet, wäre entweder Lhakpaphuti mit ihr gegangen (die dritte im Bunde, Nanda Rai, musste wegen Höhenkrankheit aufgeben), oder der Wetterumschwung hätte beide rechtzeitig davon abgehalten. Letztlich - dies ist meine persönliche Interpretation am Schreibtisch unter dem Dach, nach der nochmaligen Lektüre der sehr umsichtig formulierten (nicht congenial ins Englische übersetzten) gut 50 Seiten - zahlte Pasang ihren Preis für ihr Verhalten. Sie kommt mir in Lahpaphutis Erinnerungen unsolidarisch, unkollegial und herrisch entgegen. Wenn nicht geradezu bösartig. Sie hatte Lakhpaphuti mit der kranken Nanda ins Base Camp zurückgeschickt. Und nutzte die Abwesenheit der beiden für einen egoistischen Alleingang. Sie wollte die Erste sein und den Erfolg nicht teilen. Auch den Superlativ nicht! Einer der vier Sherpas, die sie auf den Gipfel begleiteten, blieb bis zum Schluss bei ihr. Er bezahlte seine Solidarität mit seinem Leben. Die anderen drei stiegen ab und bereiteten die Spur. Vergeblich. Eine traurige Geschichte! Pasang war unbestritten die erste Nepalesin auf dem Gipfel und sie ist bis heute die einzige nepalesische Frau, die am Everest ihr Leben ließ. Alle nach ihr waren vernünftig und vorsichtig. Statistiken belegen, dass Frauen am Everest eher als Männer erkennen, wann ihre Grenzen erreicht sind und sie besser umkehren.
Heute ist alles einfacher am Berg, der, wie auch immer wir ihn nennen, immer noch den Sherpas gehört. Lhakpa Sherpa war gestern zum 11. Mal oben, in Eigenregie und Eigenverantwortung, Frauenrekord! Kami Rita Sherpa zum 32. Mal als Expeditionsleiter, Männerrekord. Sie wird "Mountain Queen" genannt, er "Everest Man".
Sonntag, Mai 17, 2026
Schaltmondmonat
अधिकमास - Adhikmaas - der zusätzliche, dreizehnte, heilige Schalt-Mondmonat im Hindukalender beginnt mit dem heutigen Neumond um 01:46 local time und dauert bis zum nächsten, am 15. Juni 08:39. Das Zeitfenster ist logisch und der Name verständlich: अधिक - adhik heißt extra, मास - maas Monat. Wie immer existieren auch dafür viele andere Namen. So heißt der Monat auch Purushottam nach Lord Vishnu oder Malamaas - der Monat ohne besondere Anlässe. Wir hatten das schon.
Dieser "leere" Monat ist von Zeit zu Zeit (ganz genau alle 32 Monate, 16 Tage, 1 Stunde und 36 Minuten) notwendig, um den hinduistischen Feiertags- und Mondkalender wieder mit dem bürokratischen Sonnenkalender zu synchronisieren. Ob das immer genau auf die Minute zutrifft, ist fraglich, denn natürlich setzt ein Komitee - Nepal Panchanga Nirnayak Bikas Samiti (Nepal Calendar Determination Development Committee) - jeweils fest, wann der Adhikmaas beginnt und endet. Ausgewählt wird von den Kalendermachern immer ein Mondmonat, in dem kein Surya Sankranti stattfindet, also die Sonne nicht in ein neues Sternbild übertritt.
Adhikmaas, der Schaltmondmonat soll frei bleiben von kamya karmas, von emotions- oder geschäftsgetriebenen Tätigkeiten wie Hochzeiten, Hausbau, Geldanlagen oder anderen Investitionen, denn er bietet keinen einzigen auspicious - glücksverheißenden und erfolgsversprechenden Moment an. Man darf kein Kind zeugen, denn es könnte krank sein oder werden. Jungvermählte sollen sich für diesen Monat sogar trennen. Die Ehefrau kehrt mit Einverständnis ihres Ehemannes zu den Eltern zurück, damit ja kein Unglück geschieht. Die Gläubigen sind angehalten, sich auf nishkama karmas, selbstloses Tun, Enthaltsamkeit und spirituelle Disziplin in der Verehrung Vishnus zu konzentrieren. Wer in diesem Monat eine Pilgerreise zum Matsyanarayan Tempel unternimmt, den Tempel, der Lord Vishnus erster Inkarnation als Fisch (Matsya) geweiht ist und dort in den Wasserteich eintaucht, oder zum reinigenden Bad in die Höhe wandert, zum Gosaikunda Snan, dem höchstgelegenen und heiligsten alpinen See Nepals auf 4.380 Metern über Meer, wird bestimmt von allen Sünden befreit.
Samstag, Mai 16, 2026
Shani Jayanti
Samstag. शनिबार - sanibar in Nepali. Der Tag des Planeten Saturn शनि ग्रह - sani graha. Heute ist ein besonderer Samstag, ein besonderer Saturntag, ein besonderer Tag überhaupt. Der Mond wird heute Nacht, kurz nach Mitternacht, also eigentlich morgen neu. Aber bereits der heutige Samstag sowie die Nacht auf morgen Sonntag gelten im hinduistischen Kalender als Amavasya - mondlos. Die mondlose Zeit ist spirituell die kraftvollste für Ahnenrituale.
Und es ist ein besonderer Neumond - an Neumond im Monat Jesh oder Jeshta (der gestern begonnen hat) wird der Geburtstag von Lord Shani - der Gott des Saturn gefeiert. Es ist Zufall - oder auch nicht - dass Shanis Geburtstag in diesem Jahr auf einen Samstag, also auf den Tag des Saturn fällt. Das verstärkt die kosmischen Energien. Wer heute innehält, fastet, meditiert, einen Tempel besucht, eine Weile unter einem Baum verbringt, Pflanzen wässert und Bedürftigen schwarze Dinge (schwarze Kleidung, schwarze Sesamsamen, schwarzes Sesamöl, schwarze Bohnen, Urad Dal usw.) aber auch Gegenstände aus Eisen, Saphir oder Glas spendet, der durchbricht negative Einflüsse des Saturn und reinigt sein eigenes Karma. Denn Lord Shani - oder Lord Saturn - der Sohn von सूर्य - Surya (Sonne) und छायाँ - Chaya (Schatten) ist der Gott der Gerechtigkeit und des Karma.
Aber noch immer ist des Guten nicht genug: in diesem Jahr fällt Shani Jayanti, der Geburtstag Saturns am Jesh-Neumond auch zusammen mit Vat Savitri Vrat. Savitri soll der Legende nach ihren Gatten Satyavan erfolgreich von Lord Yama, dem Gott des Todes zurückerobert haben! Es ist einer der Festtage, an denen die Hindufrauen für die Gesundheit und das lange Leben ihrer Ehemänner fasten.









