Donnerstag, April 30, 2026

Sri Narasimha Jayanti

Shukla Chaturdashi - der vierzehnte Tag des zunehmenden Mondes. Die Hindus feiern नरसिंह - Narasimha, die vierte der zehn Hauptinkarnationen, der दशावतार - Dashavatara Vishnus. Lord Narasimha ist, was sein Name sagt: halb Mann, halb Löwe. नर - nar für männlich(er Mensch) und सिंह - simha für Löwe.

Narasimha Jayanti ist Narasimhas Geburtstag. Er erschien hienieden in der Abenddämmerung von Shukla Chaturdashi im Monat Baisakh, deshalb sollen gläubige Hindus heute bis Sonnenuntergang auf Getreide, Fleisch und schlechte Gedanken verzichten.

Der Legende nach hatte Narasimha die Aufgabe, seinen treuen Anhänger Prahlada vor dessen mächtigem Vater Hiranyakashipu zu beschützen. Hiranyakashipu war ein Dämonenkönig und der Erzfeind Vishnus, seit Varaha, die dritte Inkarnation Vishnus, seinen jüngeren Bruder tötete. Durch strenge Bußübungen erlangte Hiranyakashipu von Lord Brahma einen besonderen Segen, der ihm unendliche Macht und quasi Unsterblichkeit verlieh: so konnte er nicht getötet werden von einem durch Brahma erschaffenen Lebewesen (weder Halbgott, Dämon, Mensch oder Tier), weder drinnen noch draußen, weder tags noch nachts, weder auf Erden noch im Himmel, weder durch eine Waffe noch ein lebendes oder lebloses Wesen. Hiranyakashipu hasste seinen Sohn Prahlada und versuchte ihn zu töten, weil er Vishnu verehrte.

Vishnu inkarnierte sich in Gestalt von Narasimha, als halb Mensch-halb Löwe (dies ist weder ein Mensch noch ein Tier). Narasimha tötete den Dämon Hiranyakashipu am Abend (dies ist weder Tag noch Nacht) unter der Tür auf der Schwelle zu einer Versammlungshalle (dies ist weder drinnen noch draußen), indem er ihn im Schoß hielt (dies ist weder Erde noch Himmel) und seinen Leib mit seinen Krallen zerriss (dies ist weder eine Waffe noch ein lebendes oder lebloses Wesen). So bezwang Narasimha den Dämon trotz des besonderen Schutzes Brahmas.     

Heute früh versammelten sich so viele gläubige und festlich angezogene Hindus rund um meinen kleinen Haustempel, wie ich hier noch nie gesehen haben. Sie feierten eine अभिषेक - Abisheka. Verehrten Shiva und Parvati, Vishnu und beteten zu Narasimha, er möge sie von allen Gefahren und Turbulenzen auf dem spirituellen Weg bewahren, sie empfingen selbst Segen vom Priester, besprengten das Lingam mit Wasser, Milch, Honig und Ghee. Eine panche baaja spielte auf, Feuer wurde gemacht. Am Mittag war alles vorbei. Der Himmel hatte ein Einsehen, der Regen setzte erst am Nachmittag ein.

Mittwoch, April 29, 2026

Mother Qomolangma

Die Polen machen auch hier von sich reden. Pan Bartek hat mitgeholfen, Leitern und Fixseile durch den Khumbu Eisbruch zu befestigen. Es hat sich nichts geändert in den letzten Tagen, der Eisklotz - eine instabile, etwa 30 Meter hohe Eismasse, ein riesiger Eisturm, eine Eispyramide oder auch Serac - kann jederzeit und ohne Vorwarnung abbrechen. Entweder als ganzes oder in Teilen. Trotzdem wird heute - acht Tage verspätet und, wie es heißt, auf zunehmenden Druck der "Institutionen" - die Passage geöffnet. Eine Voraustruppe, darunter auch der Pole Bartek, ist über den Serac hoch geklettert und wieder herunter gekommen. Safe, wie sie sagen: "We believe Mother Qomolangma has shown us a path to make a safe climb." Sie glauben, dass Mutter Qomolangma ihnen den sicheren Weg gezeigt hat. Manchmal bleibt in der Tat nur beten. 

Qomolangma (oder Chomolungma) ist der tibetische Name für den Mount Everest. Kommt von tibetisch ཇོ་མོ་གླང་མ jo-mo-glang-ma und bedeutet Göttin Mutter der Welt. Oder des Schnees. Oder auch des Lebens. Die universal weibliche göttliche Kraft! Die Nepali nennen den Mount Everest सगरमाथा - Sagarmatha. Auch weiblich. Göttin des Himmels.

Auf dem Hill am kleinen Tempel ist die holy family wieder getrennt. Jemand hat Shiva und Parvati entfernt, zurückgeblieben ist Ganesh. Am Himmel über unseren Köpfen grummelt es den ganzen Morgen.

Dienstag, April 28, 2026

Czy będę mógł wrócić?

In Polen wird gefeiert. An der Ostgrenze, am Übergang Białowieża-Piererow nimmt Donald Tusk den seit 1860 Tagen in belarussischen Straflagern inhaftierten Journalisten Andrzej Poczobut in Empfang. Umarmt ihn, heißt ihn willkommen. Und was antwortet der sichtlich mitgenommene, abgemagerte, unbeugsame Verfechter des Wortes? 

"Czy będę mógł wrócić? Zostali tam ludzie, którzy we mnie wierzą ..." 

Werde ich zurückkehren können? Dort sind Menschen, die an mich glauben. 

Człowiek Skała - Ein Mann wie ein Fels. Oder besser Granit. Der ist anders als der Mann aus Marmor (Człowiek z marmuru, 1976) oder der Mann aus Eisen (Człowiek z żelaza, 1981). 

Montag, April 27, 2026

we don't teach females ...

... they learned anyway!

In Biratnagar, wo wir kürzlich waren, im südöstlichen Tarai, haben sich die Frauen durchgesetzt. Zwei Jahre lang nervten sie die Beamten im metropolitan office, bis Geld bewilligt und Räume zur Verfügung gestellt wurden, damit auch sie, nicht nur die Männer, traditionelle Instrumente spielen lernen konnten.

नौमती बाजा - Naumati baja ist ein nepalesisches Musikensemble aus 9 Instrumenten: नौ - nau ist die Zahl 9 und बाजा - baja sind die Instrumente. Naumati Baja besteht aber nur aus 6 verschiedenen Instrumenten, 3 sind doppelt vertreten: 2 Narsingha in Ost- und Zentralnepal (lange Horntrompete in der Form eines C) oder 2 Karnal im Westen Nepals (mehr als 1 Meter lange, gerade Trompete mit Schallbecher) , 2 Damaha (große Kesseltrommel), 2 Sanai (Folklore Oboe), je eine Tyamko (kleine Kesseltrommel), Dholaki (Trommel) und Jhyali (Cymbal).

नौमती बाजा - Naumati baja ist die erweiterte (lautere, wie ich lese und festlichere) Form von पञ्चे बाजा - panche baaja, das Ensemble aus fünf Instrumenten. पाँच - pac für 5 und बाजा - baja sind wie gehabt für Instrumente. Beide Ensembles treten bei Hochzeiten und religiösen Festen auf, die Musiker sind traditionell natürlich Männer und gehören den untersten Kasten der Damai oder Gaine, der untouchable - der Unberührbaren an. 

Und da kommen Frauen und wollen auch! Nur weil sie sich in Itahari auf einer Hochzeit prächtig amüsiert hatten. Ihnen wird gesagt, dass selbstverständlich keine Chhetri- oder Bahun-Frau Musik mache. Und sie werden hingehalten, abgewiesen, ausgelacht ... aber sie sind stur und entschlossen, etwas aus ihrem eigenen Leben zu machen. Sie finden einen Lehrer, werden unterstützt, lernen, lachen, freuen sich. Musik diene auch dem Stressabbau, sagen sie, dem sozialen Miteinander, dem gegenseitigen Aufmuntern und Motivieren. Ganz zu schweigen von dem, wenn auch vorläufig bescheidenen, Einkommen, das die Trommlerinnen und Trompeterinnen nebenher generieren. 

In Biratnagar wird die Tradition gerade umgekrempelt. Durch Frauen, who refused to stay silent. 

Sonntag, April 26, 2026

Januskopf

Bei der Luftqualität (AQI - Air Quality Index) ist Kathmandu wieder an der Weltspitze angekommen. Offiziell 192, bei uns auf dem Hill, in Golfutar 205 oder mehr. Im Everest Base Camp hängen seit einer Woche ein paar Hundert ausländische Bergsteiger und ihre nepalesischen Betreuer, Sherpas, Porters, Köche usw. fest. Sie können den Khumbu-Eisfall nicht queren, das immer schon schwierigste Nadelöhr auf dem Weg nach oben. Dort taut und gefriert es in einem, der Untergrund ist unberechenbar, in ständiger Bewegung. Nun drohen mehrere Eisklötze abzubrechen, wann und wohin die Eislawine ihren Weg nimmt, ist nicht abzusehen. So ist es auch nicht weiter schlimm, dass am Freitag sämtliche Morgenflüge nach Lukla ausfielen, due to weather, wie unserer nach Surkhet. Sonst würden sich im Base Camp noch mehr frustrierte Westler die Füße vertreten. Das Wetter ist kein Januskopf, es hat nicht zwei, sondern viele und vielfältige Gesichter in diesem Land.

Hätten wir rechtzeitig einen Blick auf die Regierungsseite Forest Fire Detection and Monitoring System in Nepal geworfen, hätten wir uns nicht wundern brauchen. Waldbrände sind im Tarai zu dieser Jahreszeit, in der Hitze vor dem Monsun, nichts Ungewöhnliches. Im District Surkhet sind aktuell 11 Waldbrände registriert, in Bardyia 7, in Banke 19. Dass brennende Wälder und Felder wesentlich dazu beitragen, dass die Luft kaum zum Atmen ist, wissen wir. Aber bislang war das ein theoretisches Wissen. Noch nie hat uns ein Flächenbrand persönlich betroffen. In unserer unmittelbaren Umgebung wird zwar ständig gezündelt,  im Winter, um die Hände zu wärmen und das ganze Jahr über, um den Müll loszuwerden. Ich habe mich aber immer schon gefragt, warum diese Feuer in den engen Hinterhöfen nie einen ordentlichen Hausbrand entfachen. 

Feuer ist also nicht der Rede wert. Feuer handeln die locals gekonnt und tragen dessen Konsequenzen mit stoischer Gelassenheit. Eis aber ist der Rede wert. Denn am Eis - an der Passage durch den Khumbu-Gletscher - hängt das (einzig) lukrative Geschäft des Bergsteigertourismus.

Samstag, April 25, 2026

Bardiya Nationalpark

Vorgestern wären wir in Karnali angereist, gestern hätte Wissenschaft für W auf dem Plan gestanden, für mich sightseeing und loneliness. Heute wären wir zusammen auf Safari im Bardiya Nationalpark und bestaunten seltene Wildtiere wie Asiatische Elefanten, Bengaltiger, Schweinshirsche oder Barasingha-Hirsche, Hirschziegenantilopen, Ganges-Gaviale, Sumpfkrokodile oder Panzernashörner - so sie denn unseren Weg kreuzten. Leoparden, Wildschweine, Muntjaks. Wir hörten mit etwas Glück den Gesang seltener Vogelarten, sähen einen Saruskranich schreiten, oder eine Flaggentrappe, den Gangesadler auffliegen ... und so weiter und so fort. Aber wir sind nach unseren beiden ausgedehnten Ausflügen zum domestic airport nur wieder zu Hause gelandet. Zu unserem Besten!

Denn heute lese ich in der Zeitung, dass im Bardiya Nationalpark seit zwei Wochen der Sal-Wald brennt, bereits mehr als 20 % der Gesamtfläche stehen in Flammen. Der Brand entstand in den nördlichen Chure-Hügeln und breitet sich aufgrund anhaltender Trockenheit nach Süden und Osten aus. Die Rauchentwicklung ist massiv und belastet umliegende Siedlungen. Das hat uns niemand verraten. Auch nicht die Ranger, die wir - typisch deutsch! - rechtzeitig vorab angefragt hatten für eine Ganz- oder Halbtagesführung. 

Vielleicht ist deshalb der Flughafen Surkhet seit Tagen wegen schlechter Sicht geschlossen. Auch das hat uns keiner verraten. Bei uns auf dem Hill kam letzte Nacht kühler Wind auf, es regnete, blitzte und donnerte heftig. Und gerade ist das nächste Gewitter mit Starkregen über unsere Köpfe gezogen. 

Freitag, April 24, 2026

Surkhet Zwei

Wir haben wenig geschlafen und starten zum zweiten Versuch. Umgebucht auf den Frühflug, brechen wir um 6 Uhr erneut auf. Gepackt wie gestern. Gelaunt gemischt. Haze auch in Kathmandu. Air pollution very high

W soll um 11 Uhr auf der Internationalen Konferenz der Mid-West University zu diesem Thema sprechen.

11:38 Uhr: back home! Diesmal ohne Rundflug. Vier Stunden in der Departure Lounge verbracht, gefrühstückt, beim ersten und zweiten Espresso auf die Anzeige "delay due to weather" gestarrt, bis sie auf "cancelled" wechselte, Surkhet Airport ist closed und wird es vielleicht noch lange bleiben! Das abgefertigte Gepäck wieder im Empfang genommen, nach Hause gefahren und Koffer ausgepackt.  

Heute ist der 11. Baisakh, also Loktantra Diwas. Tag der Demokratie. Genauer: der 20. Jahrestag der Demokratie. Kein public holiday, oder doch? Ich weiß es nicht. Die zweitägige Reise an Ort und Stelle hat mich erschöpft.  Loktantra Diwas erinnert an die "Zweite Volksbewegung" - लोकतन्त्र आन्दोलन Loktantra Andolan, am 11 Baisakh 2063 (= 24.4.2006). Sie beendete vor 20 Jahren in 19 Tagen die autokratische Herrschaft von König Gyanendra, stellte das 2002 von diesem aufgelöste Parlament wieder her, bereitete den Weg zur Abschaffung der Monarchie und Ausrufung einer demokratischen Republik. 

Donnerstag, April 23, 2026

Surkhet

Nachdem nun rundum Ruhe eingekehrt ist - ein Rücktritt aus freien Stücken ist etwas anderes als ein Rauschmiss - verlassen wir den Hill für ein paar Tage. Wir fliegen am Mittag etwa 600 km nach Westen. Wie immer verwirren die Namen. Das Ziel, der Flughafen heißt SKH - Surkhet, die Stadt वीरेन्द्रनगर - Birendranagar. Der Flughafen ist nach dem Distrikt benannt, die Stadt aber, zu der er gehört und in der er liegt, hat ihren Namen von König वीरेन्द्र वीर विक्रम शाह - Birendra Bir Bikram Shah Dev bekommen, der 2001 zusammen mit fast allen seinen königlichen Verwandten vom eigenen Sohn erschossen wurde. Surkhet ist das Distrikt, Surkhet Jilla - सुर्खेत जिल्ला und liegt in einem Talkessel im südlichen Teil der Provinz Karnali, कर्णाली प्रदेश - Karnali Prades. Also im heißen Tarai. Birendranagar ist die Hauptstadt der Provinz Karnali. Und Karnali sowie den Karnali Fluss liebe ich aus der kühlen Ferne, seit ich Karnali Blues gelesen habe. 

20:42 Uhr: wir sind wieder auf dem Hill angekommen.

Nach einem excellenten Abendessen im Walnut Bistro. Wir haben den ganzen Tag nichts gegessen außer einer warmen Zimtschnecke.

Nach einem beeindruckenden turnaround über Nepals Westen, einmal KTM - SKH und zurück. 

Nachdem der Flugkapitän kurz nach 17 Uhr die Reiseflughöhe nicht verließ, sondern die Maschine um 180° wendete, so dass alle schneebedeckten Gipfel über den Wolken plötzlich die Seite wechselten und mich kurz die Sonne blendete. Der Pilot aktualisierte seine letzte Durchsage: wir würden in ca 35 Minuten in Kathmandu landen. Surkhet sei wieder geschlossen.

Nachdem der Flugkapitän kurz vor 17 Uhr persönlich die Durchsage machte, man möge die Anschnallzeichen beachten, wir würden die Reiseflughöhe nun verlassen und in 25 Minuten in Surkhet landen. 

Nachdem wir die Buddha-Air-Maschine am domestic airport in Kathmandu erleichtert und fröhlich mit knapp zwei Stunden Verspätung doch besteigen durften.

Nachdem wir seit 13 Uhr vor den domestic-Schaltern in KTM vom freundlichen Bodenpersonal vetröstet wurden, Sukhet sei wegen schlechten Wetters (haze, schlechte Sicht) geschlossen, aber alle hofften, das der Flug später (bis maximal 17 Uhr müssten wir noch Geduld haben) durchgeführt werden könne. Die auf die Morgenmaschine (7:30 am) gebuchten Pasagiere würden alle auch noch warten.

Nachdem wir das Haus auf dem Hill kurz nach 12 Uhr kompakt gepackt und frohen Mutes verlassen hatten.

Mittwoch, April 22, 2026

Der Buhmann

Der Bodhibaum hat nun wieder alle Blätter verloren. Das war schon letztes Jahr so. Ich habe gelernt, dass hier die Bäume im Frühjahr die Blätter verlieren, und erschrecke darüber nicht mehr. Denn sie kommen bald wieder. Am Morgen besucht mich am Tempel ein Affe, beäugt mein Tun kritisch und klettert dann hoch in den Laxmibaum. Die Krähen warnen und kreischen.  

Am Nachmittag tritt der Innenminister zurück. Seine Amtsgeschäfte übernimmt stellvertretend vorübergehend der Premierminister. 

Dienstag, April 21, 2026

Der Milchmann

Alles wird teurer, von Tag zu Tag, Woche zu Woche. Das Trinkwasser, die Bananen, der Kaffee, die Gerichte auf der Speisekarte von Sukunda ...   

Nur mein Joghurtmann, der eigentlich ein Milchmann ist, verkauft open dahi nach wie vor zum selben Preis, seit ich bei ihm kaufe. 

Die neue Regierung ist noch keinen  Monat im Amt. Der Arbeitsminister wurde wegen Vetternwirtschaft letzte Woche entlassen, ohne großes Brimborium. Seine Kollegin im Gesundheitsministerium verwarnt. Weil sie die Vetternwirtschaft nicht verhindert bzw zugelassen hat. Still und leise. Lauter geht es zu und her rund um den Innenminister, der in der ersten Nacht seiner Amtszeit seinen Vorgänger sowie den Ex-PM verhaften ließ. Er schreite zügig zur Arbeit, verkündete er in den sozialen Medien und postete dazu ein Foto von sich, schlafend auf dem Sofa im Büro. Nun liegen seine Besitzverhältnisse offen und werfen Fragen auf. Er beantwortet sie ua mit selbstgeschaffenen bonmots. Es sei keine Sünde, arm geboren zu werden, aber eine Sünde arm zu sterben. Seinen Reichtum habe er vor Antritt seines politischen Amtes "angehäuft". Durch kluge Investitionen. Er werde aus seinen Fehlern lernen. Die Kritiker entgegnen zu recht, dass das Innenministerium kein Ort für learning by doing sei. Nun will er studieren. Rechtswissenschaften. Denn, auch das sagt er sozusagen vor laufender Kamera, er habe gedacht, er sei der mächtigste Mann im Staat. Und müsse nun begreifen, dass die Justiz über ihm stehe. 

Auch die Plastiktüten werden aus dem Alltag und der Umwelt verschwinden. Denn es fehlen die Rohstoffe zur Produktion derselben. Wie die Nepalis demnächst ihre tägliche Milch kaufen, werden wir sehen.

Montag, April 20, 2026

Der Reisweg

Weiter im Text: Der Reis, den wir im Kathmandu Valley täglich verzehren, ist laut einer neuesten Studie "angereichert" mit bis zu 11 verschiedenen Pestiziden, darunter Fungizide, Insektizide und Rodentizide. Letzteres sind spezielle Nagergifte, die Antikoagulanzien enthalten, also blutgerinnungshemmende Stoffe. Die Ratten, die man damit bekämpft, verbluten innerlich. Jämmerlich!

Die Studienmacher untersuchten Reis, der in den drei Distrikten Kathmandu, Bhaktapur und Lalitpur angeboten wird. In der capital city konsumieren wir den weitaus giftigsten Reis: darin finden sich Azoxystrobin, Chlorpyrifos, Clothianidin, Difenoconazole, Imidacloprid, Malathion, Paclobutrazol, Propiconazole, Tebuconazole, Thiamethoxam, Tricyclazole. Basmati-Reis ist im Vergleich zu nicht-Basmati-Reis doppelt so hoch kontaminiert. Die Erklärung ist simpel, sagen die Fachleute: Basmatireis lässt sich zu einem höheren Preis verkaufen, weist aber eine geringere Resistenz gegen Schädlinge auf. Also verdoppeln die Reisbauern die Dosierung der Pflanzenschutzmittel und wenden sie häufiger als empfohlen an. 

83 % der Proben enthalten Pestizide, davon 80 % zwei oder mehr Arten. Unter den 11 gefundenen Pestiziden übersteigen Tricyclazole, Thiamethoxam und Tebuconazole die Höchstgrenzen, die beispielsweise in der EU gelten, um ein Vielfaches. Nachgewiesen werden Konzentrationen von 5,09 Mikrogramm bis 312,54 Mikrogramm pro Kilo Reis. Außerdem sind in den Reiskörnern verbotene Substanzen wie Chlorpyrifos, Alpha-Cypermethrin und Profenofos enthalten.

Ich muss das alles nicht im Detail verstehen, weder die Bedeutung der Wörter noch die toxische Kurz- und Langzeitwirkung dieser Chemikalien. Ungesund ist Reisessen allemal. Der Mond hingegen hat sich gestern abend zum ersten Mal wieder am Himmel gezeigt. Liegend wie eine Schaukel.

Sonntag, April 19, 2026

Der Milchweg

Es ist heiß geworden. Auch nachts. Es gibt hier keine Übergänge. Keine Schonfristen. Wir haben uns von den Winterdecken verabschiedet. Sie liegen von einer Nacht zur nächsten plötzlich unerträglich schwer auf den müden Leibern und müssen in den Schrank!

Die Bäuerinnen in den Dörfern rund um Kamalamai nennen ihre schwarz-weißen Kühe "korean cows". Es gibt aber keine koreanischen Kühe. Es sind Holsteiner Kühe! Die Dörfer gehören wie die Stadt zum Distrikt Sindhuli und liegen im südöstlichsten Zipfel der Provinz Bagmati. Also gar nicht so weit weg von mir. Im Dezember 2022 kamen im Rahmen des Projekts zur Förderung der Milchproduktion in Nepal mit dem schönen Namen "milky way" 101 Holstein-Färsen und acht Holstein-Zuchtbullen aus Südkorea nach Nepal. Deshalb sind es im Volksmund korean cows. 80 dieser Tiere landeten im Distrikt Sinduli. Am 6. Februar 2024 wurde das erste Holstein-Kalb in Nepal geboren und "Gamsa" (= danke in koreanisch) bzw धन्यवाद (= dhanyavad, danke in nepali) genannt. 

Neuerdings heißen die Holsteiner Hochleistungsviecher in Sinduli "AI cows", denn statt einer Kuhglocke tragen sie einen Sensor um den Hals. Der bimmelt nicht, sondern liefert den Bäuerinnen - es sind immer Frauen, die solche Haus-und-Hof-Arbeiten verrichten - nicht nur den genauen Standort, sondern auch Daten zur Gesundheit, zum Fress-, Trink-, Kauverhalten, zu Bewegungs- und Ruhephasen usw in real time aufs Smartphone. Damit soll die Arbeit erleichtert und die Milchproduktion gesteigert werden. Die ladies sind begeistert. Eine erzählt, sie verdiene nun netto monatlich das zweieinhalbfache ihres Gatten, der als Securityguard an einer Schule arbeite. Früher hielt sie 3 "local cows", die zusammen pro Tag 24 Liter Milch gaben. Nun hat sie zwei Holsteiner alias "korean AI cows", die pro Tag zusammen 60 Liter Milch produzieren. Eine Holsteiner, rechnet sie uns vor, entspreche ungefähr 5 local cows. 

Die einst 80 Tiere sind in Sinduli mittlerweile auf 123 angewachsen, davon sind aktuell 11 trächtig. Die Herde gedeiht! "For us", sagt die Bäuerin, "Holstein is hope."

Samstag, April 18, 2026

Wegbereiten

Samstag. Wochenende. Und ich steige wie jeden Tag früh auf mein Trampolin. Morningroutine. Am Tempel sind viele fromme Frauen, die Shiva mit Wasser, Blumen, Früchten, Bändern und stillen Gebeten verehren. Das ist immer so am Samstag. Weil Wochenende. Oder weil Samstag. Wer will das schon wissen. Heute stört die Ruhe ein Bagger, der pünktlich um 6:30 am  die halbfertige Straße unter dem Tempel hoch brummt. Hinter ihm ein Lastwagen, der lange röhrt und spult beim Versuch zu wenden. Damit die leere Ladefläche zum Bagger zeigt und dieser sie füllen kann. Kurz vor 7 am ziehen sie wieder ab. Der Kiesberg, der einst, vor fast einem Jahr, aufgeschüttet wurde damit, wie ich damals annahm, die Straße zu Ende gebaut werden kann, und der in der Zwischenzeit von allerlei Grünzeug, halben Bäumen überwuchert war, ist entfernt. Mit drei vollen Schaufelladungen auf die leere Ladefläche gekippt. Und fertig ist die Sache. Der Trampelpfad, den die Schulkinder und alle Mütter mit Kindern auf dem Rücken oder Gras für die Kühe im Laufe der Zeit um den Hügel herum festgetrampelt haben, ist nun verschwunden unter der Erde, die die Baggerschaufel zuletzt unordentlich darüber geschoben hat. Die Straße ist nicht fertig, nur der Durchgang wieder frei, und das Material zur Fertigstellung derselben abtransportiert.

Samstag, 5. Baisakh. Der letzte Tag von Biska Jatra in Bhaktapur. Die Neujahrsfeierlichkeiten enden so, wie sie begonnen haben: mit einem von begeistertem Jubel begleiteten Tauziehen zwischen Thane und Kwone. Danach kehren die Götter wieder dorthin zurück, wo die Menschen sie hergeholt haben und Ruhe kehrt ein.

Nachtrag: Vor zwei Tagen fand das erste Frauen-Tau-Ziehen in der Geschichte der Biska Jatra statt: Die sisters zogen mit vereinten Kräften den Wagen der Göttin Bhadrakali Devi. Hin und Her. Im Wettstreit zwischen der einen und der anderen Seite. Das Newari-Neujahrsfest ist ein einziges lachendes Hin und Her. Zwischen alt und neu, oben und unten, gut und bös. Das Gute, das ist die Gute Nachricht des Tages, siegt immer. Egal, auf welcher Seite es gerade steht.

Freitag, April 17, 2026

Neumond

Neumond in dieser Minute: 17:36 local time. Muttertag seit dem frühen Morgen. Er folgt in Nepal, anders als das Neujahr, dessen Festivitäten in Newarigemeinden immer noch im Gange sind, nicht der Sonne, sondern dem Mond. Der nepalesische Muttertag, माता तिर्थ औंसी - mata tirthi aunsi oder आमाको मुख हेर्ने दिन - aamako mukh herne din, ist nicht fest, sondern beweglich. Er fällt immer auf den Neumond im Monat Baisakh, also auf den ersten Neumond im nepalesischen Bikram Sambat Kalenderjahr. Wir hatten ihn hier schon, den Tag, den das Gesicht der Mutter prägt, vor etwas mehr als einem Jahr. Alles wiederholt sich unweigerlich. Wer keine Mutter (mehr) hat, pilgert heute zum Muttertagspilgersee, zum Matatirtha-Kund in Chandragiri, südwestlich von Kathmandu. Der Legende nach kam einst ein armer Viehhirte an diesen Teich und weinte um seine verstorbene Mutter. Als er in das Wasser blickte, erschien ihm darin ihr Gesicht. Seither kommen sie zu Tausenden, bringen Milch, Wasser, Reis und Blumen, waten duch den Teich und glauben fest daran, dass sie an diesem Ort mit der Mutter verbunden sind.

In Bhaktapur ist heute Sagun Jatra. Alle wichtigen Göttinnen und Götter werden aus den Tempeln und Shrines befreit und auf die Straßen, die Gassen, die Hinter- oder Vorderhöfe an die Sonne gestellt und bewirtet. Mit traditionellen Speisen wie Wo oder Bara (= herzhafter Linsenkuchen). Aber auch mit Eiern, जुजु धौ - Juju Dhau (Königsjoghurt aus Büffelmilch) oder Fisch.

Wir feiern unseren bescheidenen neunzehnten 17. Tag des Monats Anno Domini in diesem Land am Abend auf dem Dach mit dem bereits traditionellen Gläschen Baron d'Arignac

Donnerstag, April 16, 2026

Judhaunu Jatra

Ein weiteres Wettrennen oder Kollidieren. Gegenüberstellen. Die Khats von Mahakali und Mahalaxmi treffen heute in Bhaktapur aufeinander.  जुधाउनु - Judhaunu bedeutet kämpfen oder neutraler: aufeinandertreffen, gegenübertreten oder -stellen. Von Angesicht zu Angesicht bringen. Heute stehen sich also die beiden Göttinnen, Mahakali (die furchteinflößende große Kali, die höchste Göttin der Zeit, der Zerstörung und der Befreiung) und Mahalaxmi ( "meine" große Laxmi, die höchste Göttin des Wohlstands, des Glücks sowie der Schönheit und Fülle) gegenüber. Ihre Wagen werden den ganzen Tag feierlich durch die ganze Stadt gezogen.  

Mittwoch, April 15, 2026

Sindur Jatra

Sindur Jatra - oder das rote Fest von Thimi am zweiten Tag des neuen Jahres, am 2. Baisakh. Wir kennen die Zutat schon, die den heutigen Vormittag dort prägt: सिन्दूर - Sindur, das bleiversetzte Vermillion. Zinnoberrotes Riesengaudi in der Stadt, von 7 Uhr bis zum Mittag wird सिन्दूर - Sindur säckeweise in die Luft geworfen. Es symbolisiert Macht, Reinheit und den Frühlingsbeginn. Ich erkläre mir das so, dass durch den Ozean von Rot oder eher Orange bis Gelb das ganze Sonnenaufgangsspektrum bis zum Mittag anhalten darf. In das Farbenmeer tauchen dann mindestens 32 खट - Khats, tragbare Tempel mit den wichtigsten Gottheiten. Sie werden aus den verschiedenen Stadtteilen ins Zentrum zum Balkumari Tempel getragen. Begleitet von धिमय् - dhime, den typischen Newaritrommeln und Zimbeln. Den Höhepunkt bildet Lord Ganesh. Sein Khat wird von Nagadesh ins Zentrum gebracht und natürlich wollen ihn alle anderen Khats bzw Götter daran hindern, ans Ziel zu kommen. Ein nochmaliges Tauziehen beginnt, oder eher ein im-Weg-Herumstehen, den Durchgang behindern oder versperren, das Vorwärtskommen verunmöglichen. Darin sind Nepalis im täglichen Leben Weltmeister. Aber bei der Sindur Jatra geht es nur darum, das Ende des Festivals hinauszuzögern. Denn Ganeshs Ankunft in der Balkumari Tempelanlage bedeutet unweigerlich das Ende dieses unglaublich freudigen Sonnenaufgangsverlängerungschaos:

https://www.youtube.com/watch?v=Rs06HWamxJ8

https://www.youtube.com/watch?v=Jiq9Bc6O220

Dienstag, April 14, 2026

Der erste Tag des Jahres

नयाँ वर्ष - Naya varsa. Neujahr nach dem nepalesischen und hinduistischen Solarkalender. मेषा संक्रान्ति - Mesha Sankranti. Die Sonne ist aus dem Sternbild Fische मीन - min (Pisces) in das Sternbild Widder मेष oder मेष राशि - mesh oder mesh rashi (Aries) eingetreten und beginnt einen feurig aufgeladenen, frischen, klaren energetischen Zyklus. Deshalb ist heute मेष राशिको संक्रांति - Mesh Rashiko Sankranti. Oder मेष राशिको लागि संक्रान्ति - Mesh Rashiko laghi Sankranti. Das Aries-Sankranti, oder Aries Solstice. Sprache ist fast so unberechenbar wie Zeit. 

Heute endet Kharmas, der Zeitraum seit Eintritt der Sonne in die Fische, der als energetisch schwach und uninspiriert gilt. Deshalb sollen alle Aktivitäten, die (materielles) Glück erfordern (wie Hochzeiten, Hausbau oder Geschäftsgründung) ruhen. Man widmet sich in dieser dümpelhaften Zeit, die ungefähr einen Monat dauert, besser der inneren Einkehr und äußeren Wohltätigkeit. Wie das mit der Vereidigung der neuen Regierung einher ging, weiß ich nicht. Denn erst ab heute vergeben die Astrologen wieder wahrhaft auspicious (glückverheißende) Termine. An meiner Wand hängt der neue bunte Kalender. Er zeigt auf dem ersten Blatt बैशाख २०८३ - Baisakh 2083, darüber Shiva, Parvati und Ganesh, holy family zum Neuen Jahr. Der Lauf der neuen Zeit beginnt natürlich mit १. - dem 1. in Rot, denn public holiday.

Der pretender hat seine Neujahrsbotschaft im Netz platziert. Präsident Paudel, Vize-Präsident Yadav, PM Shah, Ex-Interims-PM Karki,  Ex-Präsidentin Bhandari und viele andere wünschen über diverse Kommunikationskanäle ebenfalls nur das Beste, Erfolg und Glück. Alle rufen zur nationalen Einheit auf. Zu vereinten Anstrengungen, das Land vorwärts zu bringen. In diesem Sinne grüßen sie auch die kleinen und großen Gemeinschaften im Tarai und Valley, die heute Judshital, Satuwain, Siruwa Pawani, Bisu Parba usw, oder eben in Bhaktapur (und Thimi und anderswo) Biska Jatra feiern. 

In Bhaktapur versammeln sich die Gläubigen seit dem frühen Morgen in Chupinghat und Lyasingkhel und verehren Bhairav, Bhadrakali, Betal und den Pfahl - Yosin Dyo, rhythmisch angetrieben von Trommeln, Schellen und Becken. Betal bekommt sein Tieropfer - einen Hahn. Am Abend darf Yosin Dyo kontrolliert fallen - natürlich erst nach einem erneuten Tauziehen. Die Wagen werden zurück nach Ga:hiti gezogen. Auch sie sollen möglichst kontrolliert miteinander kollidieren, so will es das Ritual und die Tradition der Sangam Jatra, in Newari Dyo Lwakigu Jatra genannt. 

Hier eine heitere Langform des Lingo Dhaleko, des zeremoniellen Tauziehens um Yosin Dyo (er fällt ungefähr bei Minute 49).

Happy Biska Jatra 2083 from Thimi

Happy Biska Jatra 2083 from Siddhikali-Temple in Thimi!

Happy Biska Jatra 2083 from Thimi

Montag, April 13, 2026

Der letzte Tag des Jahres

३०. चैत्र - 30. Chaitra. Der letzte Monat des Jahres 2082 geht zu Ende. Das schiefe Parking ist zum ersten Mal seit vielen Tagen wieder gut gefüllt. Es wird seit 9 Uhr gearbeitet.

Die sogenannten Bürgersteige (Gehwege: पैदल मार्ग - paidal marg, von पैदल = zu Fuß und मार्ग = Gasse, kleiner Weg, Durchgang; oder फुटपाथ - futpath wie footpath, sidewalk oder pedestrian path) beidseits der Golfutar sind nur zum Teil wieder begehbar. An manchen Stellen sind die Löcher ebenerdig aufgefüllt, an anderen werden sie gerade frisch ausgehoben, viel breiter, länger und tiefer als je zuvor. Der Aushub liegt ordentlich daneben aufgehäuft. Und wir, die wir zu Fuß unterwegs sind, haben keine andere Chance, wir müssen auf die wuselige Straße ausweichen.  

Am Morgen wird in Bhaktapur am Potterysquare Kumale Tole in Talako der Yosin Dyo aufgerichtet, ein 55 Handlängen langer Pfahl ohne Griffe. Den ganzen Tag über finden tantrischen Rituale statt und am Abend wird der Yosin Dyo nach Lyasingkhel umgesetzt. Der Pfahl symbolisiert den Abschied vom alten Jahr und den Beginn des Neuen. Geschmückt ist er mit zwei Fahnen, Bir Dhwaja und Bishwo Dhwaja die auf keinen Fall unterwegs gelöst werden dürfen, denn sie bedeuten den Übergang vom alten ins neue Jahr. Damit er nicht umfällt, wird Yosin Dyo am endgültigen Standort, in Lyasingkhel mit 8 Seilen aufgerichtet und befestigt. Die Seile symbolisieren Ashta Matrika - die acht Mutter-Göttinnen. In der Nacht versammeln sich um Yosin Dyo, so der Volksglaube, die Navadurga Göttinnen, also die 9 Manifestationen der Göttin Durga. Auch der Wagen Bhairavs und Bhadrakalis wird heute nach Lyasingkhel gezogen.

Hier ein Biska Jatra Special, wie der Yosin Dyo in Bode vor dem Mahalaxmi Tempel aufgerichtet wird. Ganz schön schweißtreibend. Und fröhlich!

In Bhaktapur dauert es länger, bis der Pfahl steht! Der Jubel ist umso größer. 

Der heutige Festtag gilt als "enemy-destroying festival" - der Tag der Vernichtung der Feinde. Damit sie nicht mit ins neue Jahr kommen. 

Die Ungarn haben gestern gewählt. Nach dem Beispiel Nepals. Die alte Garde abgestraft, eine Zweidrittelmehrheit für die Demokratie.

Sonntag, April 12, 2026

Schlachtfest

Der erste freie Sonntag, seit wir in Nepal leben. Das Müllauto sei da, teilt der Community Manager um 06:48 Uhr auf Viber mit. Man möge bitte umgehend den Abfall rausstellen. Es kommt sonst immer montags. Auf der rechten Golfutar-Seite werden die Gräben im Bürgersteig, die seit Wochen aufgerissen sind, seit die Erdkabel verlegt wurden, zugeschüttet und die alten Platten wieder so schief wie eh und je verlegt. Überall - außerhalb der Municipalitiy - wird emsig gearbeitet. Kein Bike auf dem schiefen Parking. Dafür räumt der Mönch persönlich am benachbarten Tempel auf. Reißt Unkraut aus, entfernt Wildwuchs am Zaun. Seine Frau kehrt die Feuerstelle leer. Siebt die Asche. Was brauchbar ist (als Dünger?), kommt auf den Grasfleck. Alles andere landet dort, wo alles landet, was nicht brauchbar ist. Im Dickicht. Gegenüber. Bei den Nachbarn. Jenseits des Zauns. Das restliche Laub wird in die nun leere Feuerstelle gekippt. Und wahrscheinlich demnächst, vielleicht mit Einbruch der Dunkelheit, verbrannt.  

In Bhaktapur ist derweil nach dem Ruhetag der dritte Tag von Biska Jatra im Gange. Am Bhairavnath Tempel in Ga:Hiti (dort, wo vorgestern der Umhzug endete und der Wagen abgestellt wurde) muss ein Büffel geschlachtet werden, als Opfergabe für Lord Bhairav. Das Ritual überwacht das Guthi Sansthan und verteilt das Fleisch anschließend als prasad oder in ihrer Sprache als Syakwatyakwah an die Bevölkerung.

Samstag, April 11, 2026

weiß

Meine Mutter wäre heute 100 Jahre alt geworden. Sie ist vor hundert Jahren in einem katholischen Bauerndorf im Schwarzbubenland am Sonntag nach Ostern zur Welt gekommen. Der Sonntag nach Ostern wird dort (und anderswo in katholischen Landen) als Weißer Sonntag gefeiert. Die Kinder, die alt genug sind (meist 9-Jährige) und ein halbes Jahr entsprechend vorbereitet wurden, empfangen im Sonntagsgottesdienst die Erstkommunion.

In Bhaktapur ist Ruhetag (wie im übrigen im ganzen Land: Samstag!). Nach den Anstrengungen des ersten Tages von Biska Jatra gilt der zweite Tag als "zero" day

Freitag, April 10, 2026

Biska Jatra

In Bhaktapur und Umgebung (auch in Thimi!) beginnt heute बिस्का जात्रा - Biska Jatra, das Festival zum Jahreswechsel. Es dauert neun Tage und acht Nächte, vom 27 Chaitra 2082 über das Neujahr am 1. und weiter bis zum 5. Baisakh 2083.

Am ersten Tag - heute - findet das Wagen-Tauziehen zwischen den Bewohnern der Unterstadt Kwone und den Bewohnern der Oberstadt Thane statt. Auf dem zentralen Taumadhi Platz, vor dem fünfstöckigem Tempel versucht jede Partei, den Wagen des Gottes Bhairav (Herr der Zeit, die furchterregende Manifestation Shivas, beschützt die Hingebungsvollen vor Angst und Unwissenheit) und der Göttin Bhadrakali (Göttin des Krieges und der Stärke, entstand aus dem dritten Auge Shivas um den Dämon Darika zu töten) auf ihre Seite, in ihren Stadtteil zu ziehen. Dazu nutzen sie fünf Seile, die an der Vorderseite des Wagens befestigt sind, sowie vier an der Rückseite. Dieses Tauziehen ist das Highlight des ganzen Festivals. Hier kann man sich einen Eindruck davon verschaffen, wie das vonstatten geht ... und wie es aussieht, wenn die Entscheidung gefallen ist

Wenn die Oberstadt siegt, wird der Wagen nach Dattatreya hochgezogen und später über Tamari nach Tekhaphukhu in der Unterstadt gebracht. Wenn die Unterstadt siegt, erfolgt der Umzug in umgekehrter Reihenfolge. So oder so wird der Wagen am Schluss in Ga:hiti abgestellt und dort endet das buntfröhliche Treiben des ersten Tages.

Biska Jatra: End of Day 1

Donnerstag, April 09, 2026

grau

Die einen feiern heute Gründonnerstag und steuern einen Osternachtswaffenstillstand an, die andern sind längst über Ostern hinaus und nähern sich dem Weißen Sonntag. 

Zu Füßen meines verwurzelten Laxmibaums aber hat sich die holy family versammelt. Hinter den beiden schön abgerundeten Steinen, die auch Götter symbolisieren und deshalb täglich mit Crimson versorgt werden. Ich weiß leider nicht, welche Götter diesen Steinen zugeordnet sind oder darin hausen. Vielleicht dieselben, die jetzt in Blei (oder einem bleiähnlichem Material, Leichtmetall oder Plastik) dahinter Platz genommne haben wie in einer Weihnachtskrippe. Der liegende Ganesh unter den fürsorglich geneigten Häuptern seiner Eltern, Shiva und Parvati. Noch glänzen sie alle drei in reinstem Grau. Aber bald werden auch sie ihre tägliche Portion Farbe, frische Blüten, mundgerecht zerkleinerte Bananen, Äpfel, Papayas oder Nüsse, ungekochten Reis oder anderes Getreide sowie Grashalme abbekommen. So etwas geschieht hier ohne Pomp und Getöse.

Mittwoch, April 08, 2026

grün

Auf den blauen Dienstag folgt ein grüner Mittwoch. Ab dem Mittag wird der Himmel dunkel. Es fängt an zu regnen und hört nicht mehr auf. Das ist gut so, denn im kleinen Tal zu meinen Füßen wird sofort alles grün. Ich kann zugucken, wie die Blätter aus den Bäumen schießen, wie die Sträucher wachsen und all das Grünzeug wild wuchert, das in ein paar Tagen jemand abschneidet und auf dem Rücken nach Hause trägt. So werden hier Kühe oder Ziegen gefüttert. Auch mitten in der metropolitan city

Die Kirat Völker sind Animisten. Sie glauben an die Beseeltheit der gesamten Natur, aber auch des Kosmos und des Über- und Unterirdischen, Diesseitigen und Jenseitigen und einer Geisterwelt. Das Kirat Mundhum ist ihre Bibel. Der Leitfaden für soziale Werte, spirituelle Praktiken und rituelles Wissen. Mundhum bedeutet "Kraft der großen Stärke". Was kann es besseres geben? 

Dienstag, April 07, 2026

blau

Ein klarer Morgen bricht an. Blauer Himmel! Frische Luft! Gute Sicht über die ganze Stadt bis an die gegenüberliegenden Hügel. Nachdem es die halbe Nacht geblitzt und gedonnert hat, ist nun die Atmosphäre gereinigt.

Kein einziges Bike auf dem Parking. Nicht einmal das blaue. Blau ist die Farbe der RSP (Rastriya Swatantra Party), der Partei, die mit einer komfortablen Mehrheit nun das Land regiert. Deutsch würde sie etwa Nationale Unabhängigkeitspartei heißen. Was dieser Name aber bedeutet, welche Zukunftsvision er schultert oder buckelt, weiß ich nicht. Unabhängig wovon? Jede Partei hatte während des Wahlkamps ihr Symbol, das der RSP war die Glocke, das der Kommunisten eine rote Sonne, der rote Stern für die Maosten, ein grüner Baum für die Kongresspartei. Und so weiter und so fort. Kann, wer will, hier nachgucken. Nicht jedes Symbol spricht eine verständliche Sprache. Aber die Farben der bisher Mehrheitsbildenden Parteien der Alten Männer waren durchwegs feuerrot. Auch die des Kongresses. Nun kommt Blau ins Spiel. Und die Glocke. Der Parteigründer (unser Nachbar) ist ein Medienmensch, kommt vom Fernsehen. Sein Spitzenkandidat, unser Rapper, kann mit modernen (sozialen) Medien umgehen und Massen begeistern. Für die Vereidigungszeremonie als Premierminister zog er einen Astrologen zu Rate und legte seinen Amtseid zur festgelegten auspicious time um 12:34 Uhr local time ab, in Anwesenheit von 108 Batuks, 16 buddhistischen Mönchen und 7 Muschelbläsern. Die rote Opposition ätzte, für solchen Zauber sei früher nie Zeit gewesen. Das Büro des neuen PM vermeldete, seine Familie sei sehr gläubig. So bezog sie - die Familie - denn auch erst nach erfolgter vedischer Feuerzeremonie die mit positiver Energie aufgeladene Residenz in Baluwatar. 

Nun also blau und mit Glocke. Beides Symbole des Hinduismus, aber nicht nur. Blau gilt als Wohlfühlfarbe, moderat, modern, jugendlich, neutral, aufgeschlossen. Kritiker befürchten eine "dopamine government", also eine Regierung, die über soziale Medien digitale kicks ansteuert und Suchtpotentiale bedient. Und eine Regierung, die trotz erklärter Transparenz und Offenheit, eine hidden agenda hat: Hindutva in blue - oder blau. Blau als Vorhang oder Hindutva durch die Hintertür. Für Blauäugige. Mit König (einem jungen oder dem alten pretender) würde daraus wieder das Alleinstellungsmerkmal: die einzige Hindu-Monarchie im Himalaya.

Montag, April 06, 2026

Itahari

Natürlich regt sich sofort Widerstand gegen die verwegene Idee einer 5-Tage-Woche, bzw eines 2-Tage-Wochenendes. Abgeordnete der Nationalversammlung fordern die sofortige Rücknahme des Beschlusses. Sie warnen, dass durch den Behördenmüßiggang von fast 3 Tagen ("keeping employees idle for nearly three days") Chaos im ganzen Land ausbrechen werde. Ganz zu schweigen von durcheinanderpurzelnden Lehrplänen. Ich verstehe die Logik dieser "fast" drei Tage nicht. Ich weiß, dass Nepalis erstens Probleme mit dem 1x1 haben und ihnen zweitens der Freitag immer schon heilig war. Denn darauf folgt der freie Samstag.

Wir verbrachten den letzten Freitag glücklich in den Hügeln um Dharan und den freien Samstag danach im heißen Tarai, in Itahari. Wir spazierten in der Innenstadt herum, bis die Zeit reif wurde für ein kühles Getränk. Danach reisten wir ab. Flugs! 
Im Gegensatz zu jedem anderen Ort, den wir bisher gesehen haben und abgeschritten sind, stießen wir in Itahari an keiner Ecke auf einen Tempel. Es gab dafür umso mehr shoeshutters und überall Schneiderinnen und Schneider. Sowie eine Solidaritätsbekundung der Jugend von Itahari für Inisha B. (das jüngste Vergewaltigungsopfer des Landes) an der Fußgängerkreuzung. Den Text verstehe ich auch nicht. "Nepal has had ENOUGH." Nepal hatte GENUG. Wovon? Von Toten Töchtern, Toten Schwestern, Toten Müttern? Oder von Ungerechtigkeit? Und warum Vergangenheit? Wenn nicht gar Vor-Vergangenheit? Es ist doch die brutale Gegenwart.     

Natürlich gibt es auch in Itahari Tempel, aber die sind modern und pompös am Stadtrand. Nicht in Laufnähe für uns. 

Sonntag, April 05, 2026

Nachlese

Die neue Regierung beschließt ein zwei-Tage-Wochenende für Regierungsbedienstete und das Ausbildungswesen. Um der Energiekrise entgegen zu treten. Dafür soll an den 5 Arbeitstagen eine Stunde länger, nämlich schon ab 9 Uhr früh gearbeitet werden. Gilt aber erst ab morgen. Das heißt: heute wird in allen Behördenzimmern wie immer sonntags emsig gewerkelt und die Kinder gehen zur Schule. Seit aber die neue Regierung im Amt ist, also seit einer guten Woche, bleibt das schiefe Parking hinter der Budhanilkantha Municipality weitestgehend leer. Alle public holidays, die ordentlichen wie die außerordentlichen sind längst vorbei. Nur das blaue Moped (des Pförtners? der Pförtnerin?) steht jeden Tag an seinem Platz. Entweder sind die anderen Mitarbeitenden und Mopedfahrenden entlassen worden. Oder sie dürfen hier nicht mehr parken. Oder sie werden im Zuge der Benzinknappheit mit E-Bus zu Hause aufgegabelt und gesammelt zur Arbeit gefahren. Nichts davon scheint mir plausibel.  

Auf einem anderen Hügel, बिजयपुर - Bijayapur Hill im Nordosten von Dharan, wächst Bambus ohne Spitzen. Am westlichen Ufer des Sewti Khola, der bei unserem Besuch vorgestern vollkommen ausgetrocknet und versandet war, ungefähr von der Höhe des दन्तकाली मन्दिर - Dantakali Mandir nach Norden bis zum बुढासुब्बा मन्दिर - Budhasubba Mandir. Bijayapur war einst die Hauptstadt des Kirat-Königreichs. Die Kirati gelten als Ureinwohner Nepals. Oder des östlichen Himalaya. Sie sind eine indigene tibetobirmanische Volksgruppe, zu ihnen gehören die Gemeinschaften der Rai, Limbu, Yakkha und Sunuwar. Der Hügel heute und die Stadt damals sind benannt nach dem Kirat-König Bijayanarayan. Also der Narayan von Bijaya. Narayan ist eigentlich, wie wir wissen, ein Epitheton für Lord Vishnu. Also ein Name für einen Gottgleichen per se. Als Prithvi Narayan Shah (auch ein Narayan, auch den kennen wir bereits) das Reich einte, mussten natürlich alle lokalen Herrscher der kleinen Königreiche eliminiert werden. In einer Quelle lese ich, dass Prithvis Schlächter den letzten Limbu König Buddhikam Khebang von Morang "diplomatically" in der Kirat Hauptstadt Bijayapur töteten. Eine andere Quelle beschreibt die List (Versprechen auf Verhandlungen), mit der der König in die Hauptstadt gelockt und dort ermordet wurde. Man sagt, dass seine Seele seither in Bijayapur unterwegs ist. Aber die Limbu people fürchten den Geist nicht, sie sagen, er sei freundlich, friedlich und hilfsbereit. Sie verehren ihren alten König, in ihrer Sprache bedeutet Subba König. Die Tempelanlage Budha Subba ist um sein Grab herum entstanden. Und dort wächst der Bambus ohne Spitzen.

Der geht aber auf eine Legende zurück. Budhasubba (nicht der alte König, sondern eine fiktive jugendliche Figur gleichen Namens) und seine Schwester Subbini (dito) machten sich einen Spaß daraus, mit Steinschleudern auf Krähen zu schießen. Eines Tages traf Budhasubba statt der Krähe die Spitze einer Bambuspflanze. Die brach ab und seither bildet keine Bambuspflanze in der Gegend mehr Spitzen. Und die Krähen sind wunderbarerweise für immer verschwunden. Also verbuddelte Budhasubba reumütig seine Steinschleuder und meditierte bis ans Ende seiner Tage an der Stelle, an der heute (s)ein - oder des alten Königs Buddhikam Khebangs - Tempel steht. Auch die Schwester hat ihren Tempel bekommen, obwohl sie ganz ohne Schuld ist. Tempel sind für alle(s) gut. 

Samstag, April 04, 2026

Zeitmaschine

Die Zeit, die uns auf dem Hinweg scheinbar in domestic-Warteräumen verloren ging, kommt auf dem Rückweg unaufgefordert zurück. Da wir rechtzeitig am Provinzflughafen Biratnagar vorfahren - der übrigens bei Tageslichte betrachtet gar nicht so unsympathisch wirkt, daneben entsteht gerade ein mächtiges neues Gebäude - wohl für die Zukunft des Südost-Drehkreuzes -, werden wir unkompliziert auf den aktuellen Flug nach KTM umgebucht, der bereits mit "boarding" angezeigt wird. Die Maschine ist allerdings noch nicht da, vielleicht noch gar nicht gestartet in KTM. Man sieht hier alles, das Flugfeld liegt direkt vor den wenigen Stühlen im sonnenlichtdurchfluteten Warteraum, von denen wir zwei besetzen.

Wir erreichen lange vor der Zeit, vor Sonnenuntergang, vor Einbruch der Dunkelheit unser kühles house auf dem Golfutarhill. Der eigentlich für uns bestimmte Flug wird sicherlich ausfallen, oder aus Gründen der Rentabilität mit dem letzten Nachtflug zusammen gelegt. Uns kümmert das nicht mehr. Wir sitzen längst auf dem Dach und warten auf den Mondaufgang. 

Nun habe ich nämlich das Prinzip Zeit in Nepal verstanden: sie - die Zeit - pendelt. In aller Ruhe. Hin und her. Schlägt mal in die eine Richtung aus, dann wieder in die andere. 

Freitag, April 03, 2026

Holzslippers

Wir verpflichten den Fahrer für den ganzen Tag. So kann er nicht zwischendurch abdrehen. Ohne unser Wissen. Oder gar ohne uns. Wir fahren in die Hügel. Über Dharan nach Bhedetar. Leider ist die Sicht nicht optimal. Trotzdem muss ich auf den Skywalk. Eine hässliche Stahlkonstruktion. Die Besucher laufen auf Glas über dem Abgrund. Das erhöht den Blutdruck! Eigentlich sind wir auf dem Weg nach Namje zum house of spirit - आत्मा घर aatma ghar oder besser place (location) of spirit (oder soul?) - आत्माका स्थान aatmako sthan. Denn ein Haus ist es nicht, nicht einmal ein Unterstand, so ganz ohne Dach und nah unter dem Himmel. Die Straße wurde aber leider ungefähr vor der letzten Kehre ungefähr vorgestern während eines heftigen Gewitters mit Starkregen verschüttet und ist noch nicht wieder passierbar. Also drehen wir im gegenseitigen Einvernehmen ab. Und besuchen die Tempel in Dharan: Budhasubba (Bambustempel), Dantakali, Pindeshwor Shiva. Machen tapfer ein paar Schritte zu Fuß durch Dharan (die freundlichste und toleranteste Stadt Nepals mit einer stilechten Kopie des clock towers von Hong Kong). 

Dann ab nach Süden, Südwesten zum रामधुनी मन्दिर - Ramdhuni mandir, zum Tempel von Lord Ram (den hatten wir kürzlich schon) und des Waschens. राम = Ram und धुनु = dhunu wie waschen (alles mögliche: Kleider, Hände, Füße, Haare ... ). Es gibt eine Art Ampitheater, die Bühne ist aber mit Wasser gefüllt (auch wenn es auf dem Bild grün wie Gras aussieht) und in der Mitte steht auf einer Säule, mit den Füßen in einem güldenen (Wasser-)Bottich und über dem Haupt ein güldenes Dach, aufrecht und vollständig bekleidet eine grüßende Frauenfigur (nein, natürlich keine christliche Madonna). Man erzählt uns, die Gattin Rams habe hier gebadet. Beobachtet auf den Steinreihen rundum von wem? Eine andere Legende besagt, Ram habe auf diesem heiligen Gelände seine Schuhe verloren. Genauer gesagt: seine खराउ - kharau, das sind Holzslippers! Die Hindus verehren diesen Ort aus vielerlei Gründen. Unter anderem eben deshalb, weil Lord Ram hier mit bloßen Füßen herumgelaufen sein soll. Ich verstehe wieder einmal nichts. Wer Schuhe trägt (und nicht verliert), ob Plastik- oder Holzslippers, geschnürte Think's oder gelbe Regenstiefel, muss sie doch ständig von den Füßen schütteln und stehen lassen.

Donnerstag, April 02, 2026

pink moon

Purnima im Monat Chaitra. Der letzte Vollmond des Jahres 2082. Er begann nach hinduistischem Kalender gestern um 07:06 Uhr und endet heute um 07:41. Uhr. Und heute feiern die Hindus Shree Hanuman Jayanti - den Geburtstag von Lord Hanuman. Er ist der Affengott, gilt als stark, treu, klug und verschmitzt. Hanuman ist der 11. Avatar von Lord Shiva und ein, wie ich lese "Symbol unerschütterlicher Loyalität" Lord Rams - dessen Geburtstag wir letzte Woche feierten. 

Nach meinem lunar calendar wird der Mond über Kathmandu um 07:56 voll. Der Aprilvollmond heißt dort auch pink moon, egg moon, awakening moon, budding moon, breaking ice moon, paschal moon ... was das Herz begehrt. 

Wir feiern nicht Ostern, sondern verreisen heute Nachmittag. Wir fliegen von KTM nach BIR (Biratnagar) ins südöstliche Tarai. Das Land ist groß und langgezogen. Es gibt keine Eisenbahn und also (fast) keine Alternative zu Inlandflügen. Die Gewitter sind vorbei. Keine Turbulenzen am Himmel.

W hat sich vor dem Abflug schlau gemacht. Durchschnittlich sind die Domestic Departures ab TIA heute um 99 Minuten verspätet. Unser Flug ist nicht verspätet, sondern gestrichen. Wird mit einem späteren zusammengelegt. Aus logistischen Gründen. Wie das hier üblich ist. Damit nicht zwei halbvolle Maschinen den Luftraum besetzen, sondern eine gut gefüllte fliegen wir erst um den Sonnenuntergang los. Und werden belohnt mit klarer Sicht auf die schneebedeckten 6-, 7-, 8-Tausender der östlichen Himalayakette. Die Gipfel ergrauen majestätisch vor unseren Augen im Abendlicht. Und dann steigt der Vollmond über den Horizont. In güldner Pracht. Nix von pink und nix von Eisb(r)echer. Genug der Poesie.

Weil der Flug verspätet war oder unter der angegebenen Flugnummer nicht existierte, ist der Fahrer, der uns abholen sollte, wieder abgedreht. Wir warten nochmals fast eine geschlagene Stunde. Es ist heiß und feucht. Wir trinken Lassi im Airport Café. Die Moskitos erfreuen sich an uns. 

Mittwoch, April 01, 2026

Swargadwari

Ich habe mich geirrt - es gibt Aprilscherze in diesem Land: Gateway to Heaven.

https://thehimalayantimes.com/nepal/gateway-to-heaven-goes-orbital-nepal-to-launch-satellites-from-swargadwari

Da die Nepali auf Aprilscherze offenbar nicht trainiert sind, erfolgt am Schluss die Auflösung.

Temal Jatra

Einen 1. April kennt man in Nepal nicht. Sonst wäre ja die Entdeckung des Steinschmätzers am 1. April 1983 ein Aprilscherz gewesen. War es nicht. Heute wird in Bouddha Temal Jatra gefeiert. Immer am Vorabend vor dem letzten Vollmond des nepalesischen Jahres Bikram Sambat betet die Tamang Community für die Seelen der Verstorbenen. An der Bouddha Stupa brennen heute Hunderte, wenn nicht Tausende Butterlampen. Nach den Gebeten erfreuen sich die Lebenden des Lebens und singen in ihrer Sprache um die Wette im Duett Tamang Dohori