Es regnet fast jeden Abend und jede Nacht. Heftige Gewitter gehen nieder, begleitet von Starkregen. Die Luftqualität verbessert sich bis zum Morgen, und verschlechtert sich danach zuverlässig im Laufe des heißen trockenen Tages wieder. Ein hin und her, auf und ab. Es ist der erste Sonntag im Mai, andernorts Nationalfeiertag (święto konstytucji - die erste moderne Verfassung Europas wurde tatsächlich am 3. Mai 1791 vom Großen Sejm im Warschauer Königsschloss verabschiedet - es ist die zweite weltweit nach der der USA). Ich widme mich den Wörtern.
Es ist nun ein Jahr her, seit ich täglich durch den größten Smog nach Thamel gebraust bin und wieder zurück. Pranai, der Doktor der Medizin, der dort nepali for foreigners unterrichtet, hatte auf meine wiederholte und hartnäckige Frage, wie denn smog in nepali heiße, keine klare Antwort. Wie auch, bei der dicken Luft! Auch er kam täglich mit Bike angefahren, allerdings mit seinem eigenen.
Nun bin ich also selber fündig geworden. Aufgrund des häufig auftretenden smogs in nepalesischen Städten wie Kathmandu sind die englischen Wörter smog oder haze in die Alltagssprache der Nepali eingegangen. Nahtlos sozusagen, kein Wunder, wie viele andere englische Wörter auch. Angeblich werden die Kinder in der Schule bestraft, wenn sie im Unterricht oder auch in den Pausen untereinander nicht englisch sprechen.
Der technische Ausdruck air pollution (Luftverschmutzung) kann wörtlich übersetzt werden zu वायु प्रदूषण - vaju pradusan. वायु - vaju für air oder Luft, und प्रदूषण - pradusan für pollution oder Verschmutzung. Smog ist natürlich einfacher, allein wegen der Kürze! Alternativ kann (könnte, wenn man wollte) eine eher poetische Umschreibung verwendet werden: धुँवा र धुलो - dhuva ra dhulo. Rauch und Staub. Ergibt smog. Das ist irgendwie fast mathematisch logisch. Dann gibt es noch तुवाँलो - tuvalo. Das ist das Wort, das uns Pranai genannt hatte, aber in meinem Notizbuch finde ich eine so haarsträubende Schreibweise, dass ich das Wort nicht wiederholen mag. तुवाँलो - tuvalo ist das, was uns kürzlich am domestic airport in Kathmandu immer wieder als Grund für den über mehr als zwei Tage immer wieder verschobenen und schließlich annullierten Flug nach Surkhet genannt wurde: haze. Dunst. Nebel. Rauchschwaden. Wolkenschleier. Unklare Sicht. Aufgrund der starken Rauchentwicklung über den brennenden Wäldern und Steppen. Wie wir heute wissen.
Alles braucht seine Zeit. Auch die Einsicht, dass nicht immer alles sofort klar sein kann.
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