Sonntag, Mai 10, 2026

Muttertag

Der Khumbu-Eisfall holt sich sein erstes (oder zweites?) Opfer. Das war nicht meine Absicht, als ich ihm gestern eine Seele zuschrieb. Bijay Ghimire Bishwakarma (was für ein Name!) hat früh am Morgen einen Schwächeanfall im Camp 1. Höhenkrankheit auf 6100 Metern? Er ist erst 35 Jahre alt und wird sofort ins Base Camp gebracht. Er stirbt unterwegs mitten im Khumbueis. Herzstillstand oder Kreislaufversagen?

Bijay ist der zweite Todesfall dieser Saison. Der erste war ein Unfall. Auch unerklärlich. Vor einer Woche stürzte der Bergführer Lapka Dendi Sherpa  auf der letzten Etappe zum Base Camp, auf  dem Weg von Gorak Shep, der letzten bewohnten Siedlung im Everesttal so unglücklich, dass er auf der Stelle verstarb. Die Strecke unterhalb des Basislagers über Moränen des Khumbugletschers gilt weder als technisch anspruchsvoll noch als besonders gefährlich. Lapka führte eine Gruppe der indisch-tibetischen Grenzpolizei an, die Expeditionsteilnehmer konnten ihm nicht mehr helfen.

Bijay war der erste Dalit (unterste hinduistische Kaste, die Unberührbaren), der erste Kaami (Angehörige der ethnischen Gemeinschaft der Bishwakarma innerhalb der Dalits) auf dem höchsten Punkt der Erde, auf der Qomolangma, der tibetischen Mutter des Universums, bzw der Sagarmatha, der nepalesischen Stirn des Himmels. Bijyaj hat den Gipfel, die Mutter des Universums viermal erreicht: 2017, 2019, 2023, 2025. 2026 nicht mehr. 

Sein Name विश्वकर्मा - Bishwakarma war sein Ziel, sage ich: विश्व - Vishna oder Bishwa für das Universum, die Welt oder schlichtweg "alles" und कर्म - Karma. Das berühmte Karma, das wir durch all unsere (guten) Taten und Werke, Gedanken und Handlungen im Laufe eines (einzigen) Lebens generieren, damit es für das nächste zur Verfügung steht. Bishwakarma als der (oder die) Allwirkende. Der Schöpfer des Universums. Möge er ruhen in Frieden oder weiter wandern.

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