Oder Zwielicht. Die Sonne ist immer noch blass, und wird blasser, je mehr der Tag voranschreitet. Die pollution steigt in der Nacht und zwielichtige Figuren gibt es überall. Nun hat Ungarns Orbán Polens Ziobro, dem einstigen Justizminister oder obersten Sheriff des Landes, politisches Asyl gewährt. Auch Ziobros Gattin übrigens. Asyl allein ist eben allzu einsam. Und am Morgen danach stellen sich die ersten unbequemen Fragen: Was, wenn auch Orbán einmal seine Macht verliert?
Ich gucke aus dem Fenster nach dem Zwielicht und finde am frühen Morgen Eichendorff:
Dämmrung will die Flügel spreiten,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken zieh’n wie schwere Träume –
Was will dieses Grau’n bedeuten?
Hast ein Reh du lieb vor andern,
Laß es nicht alleine grasen,
Jäger zieh’n im Wald’ und blasen,
Stimmen hin und wider wandern.
Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug’ und Munde,
Sinnt er Krieg im tück’schen Frieden.
Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neu geboren.
Manches bleibt in Nacht verloren –
Hüte dich, bleib’ wach und munter!
Joseph von Eichendorff (um 1812 ohne Titel, 1837 mit Titel: "Zwielicht")
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen