Der Müll wird abgeholt. Warum gerade heute, weiß nur Shiva auf dem obersten Dach. Als wir nach Pokhara gezogen sind, an einem Freitag wie heute, erklärte mir der landlord, das Müllauto käme "ungefähr alle zwei Wochen". Ich fragte nicht, was das bedeute. Die Antwort kenne ich. Er beruhigte mich aber: ich werde es nicht überhören, nie. Seither bin ich auf der Hut! Eine Woche später kam tatsächlich ein laut tutendes Gefährt, das über Lautsprecher auch Text und Musik verbreitete. Vom Text verstand ich nichts, die Musik lud eher zum tantrischen Tanze als zum Reinemachen. Rundum strömten aus allen Häusern Frauen und Männer mit vollen einstigen Reis- oder Zementsäcken. Oder einfachen Plastiktüten. Eine ökologische Zweitverwertung. Eine sinnvolle Alternative zu andernorts gesetzlich vorgeschriebenen Abfallsäcken.
Dass der Müll dem Müllmann auf dem Müllwagen oben hochgereicht werden muss, habe ich bereits berichtet. Ich bin die einzige, die dem Mann einen Mülleimer zum Auskippen gibt. Er tut das anstandslos und gibt den leeren Eimer zurück.
Müll darf nicht am Straßenrand stehen. Nich einmal eine halbe Stunde. Schon gar kein halber Tag oder eine halbe Woche. Denn die Müllabfuhr funktoniert nicht regelmäßigm, sondern unregelmäßig. Schuld daran sind die Chinesen! Die haben der Stadt einen internationalen Flughafen zu nah an der einstigen Mülldeponie am Seti Fluss. Obwohl der internationale Teil des Flughafens erst vor ein paar Tagen seinen Betrieb aufgenommen hat (mit einem Flug täglich von und am Abend zurück nach Dubai), musste die Mülldeponie 2022 Hals über Kopf geschlossen werden. Denn: Müll Stinkt zum Himmel. Und zieht Vögel an. Die stören den Flugbetrieb. Oder sind zumindest ein Sicherheitsrisiko.
Die Notfall-Müllkippe, die über Nacht gefunden werden musste, läuft über. Alternative Standorte wurden gefunden, aber überall regt sich - verständlich! - der Widerstand der Anwohner. Nach bekanntem Muster blockieren Dorfbewohner die Zugangsstraßen zu ihren Dörfern. Ein hochmodernes Abfallverarbeitungszentrum ist in Planung, in dem der Müll sortiert, getrennt, wiederverwertet werden soll. Angeblich sind die Verträge bereits unterzeichnet. Aber noch siegen Bürokratie, Streitigkeiten um Hoheitrsrechte und dergleichen mehr.
Derweil werde ich weiterhin lauern. Ich habe mir angewöhnt, den Tag im Kalender grün zu markieren, wenn das tutende Gefährt da war. Damit ich mir ausrechnen kann, wann "ungefähr zwei Wochen" um sind. Damit ich weiß, ab wann ich die Ohren spitzen muss. Von früh bis spät. Allzeit bereit! Und: allzeit zu Hause! Wer zufällig einkaufen ist oder beim Frisör sitzt, hat Pech gehabt.
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