Samstag. Sonne. Kein Feiertag. Ein normaler freier Wochenendtag. Alle shutters zu. Das 15-tägige Festival Dashain ist noch nicht vorbei. Heute ist der Dreizehnte oder Vierzehnte Tag. Ich habe die Feiertagswoche mit Statistik verbracht. Nicht, weil ich sie liebe oder mich ein Algorithmus unaufgefordert dazu gebracht hätte, sondern weil die Schlagzeilen der nepalesischen Tagespresse mir solches und kein anderes Kraftfutter zum Frühstück servierten. Auch Tee, bzw sein Anbau ist in Nepal eine mathematische Angelegenheit. Dies, obwohl die Nepali von von Zahlen und Zahlen zusammenzählen (zB eins plus eins) so gut wie keine Ahnung haben. Vorgestern erschien zur Hoch-Zeit von Dashain ein langes langes langes, nicht enden wollendes Tee-Lamento in Nepal News. Die Quelle verlinke ich hier, weil der unstrittige Anteil, die Zahlen und Fakten, sich auf Daten berufen, die zum 30. Nationalen Teetag veröffentlicht wurden. Und weil es überhaupt immer wieder amüsant ist, wie sozialistisch diese 5- oder 1 - oder 10-Jahrespläne anmuten.
Ich frage AI, wann dieser Teetag begangen wird. Sie antwortet blitzschnell mit einem vollständig Satz. Der National Tea Day finde immer am 15. Baisakh BS statt. Das ist der 28. April AD. Seit Mitte Baisakh oder Ende April ist also bekannt, dass in Nepal im Fiskaljahr 2024/25 auf gut 20 Tausend Hektar Land Tee angebaut wurde. Über 15 Tausend Teebauern produzierten rund 26 Millionen Kilo Tee auf 170 großen Teeplantagen und in 120 kleinen bis mittleren Verarbeitungezentren mit insgesamt ungefähr 60 Tausend Angestellten. Gar nicht übel, denkt die Teetrinkerin. Aber der Verfasser der Teelitanei klagt! Über fehlende Expansions-Perspektiven, über mangelnde Absatz- und Preis-Garantien, über nicht vorhandene Pluralität - der nepalesische Tee-Export-Markt sei fixiert auf Indien ("excessive reliance on the Indian market") und (übermäßig!) abhängig vom dortigen Bedarf, von dortigen Qualitätsstandards, von dortigen Kontrollmechanismen. Ich verstehe diese Welt nicht, lerne aber, dass es orthodox tea gibt - ich würde den Teeblättertee nennen - und CTC-tea (von crush, tear und curl - also zerbrechen, zerreissen, rollen), Krümeltee (wie der indische Assamtee) oder Teebeuteltee, dient ua als praktische Grundlage für Masalatee und den Milchtee, den die Nepali trinken. Die rühren so viel Zucker rein, dass es ganz egal ist, woher der Tee kommt, wie er produziert wurde und ob er überhaupt schmeckt. Meine Präferenz ist klar. Und natürlich gäbe es weltweit begeisterte und zahlungskräftige Abnehmerinnen für handverlesenen pestizidfreien aromatischen Himalayagrünblättertee. Man müsste die Damen nur erreichen und ihnen einreden, dass gesünderer Tee nirgendwo auf der Welt geerntet wird!
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