Mittwoch, Oktober 07, 2026

Ach, das Wetter

Der Tag beginnt mit mächtigem Grummeln, da ist die Nacht noch gar nicht zu Ende. Hell will es nicht werden. Lange hörte ich im Schlaf nur das Donnern in der Ferne. Dann wache ich plötzlich auf, weil die Blitze mich blenden und der Regen über das Dach prasselt, dass Shiva erbarm.

Gestern war das Licht am Morgen so milchig und mild, dass ich in meiner Einfalt oben auf dem zweiten Dach dachte, der Frühherbst sei nun da. Und der Monsun endgültig abgezogen. Mit all seinen Regenwolken. Und heute so etwas wie Weltuntergang. Ich lege Putzlappen unter das einzige Fenster im Haus, das sich nicht ganz schließen lässt. Im Spalt hängen die Kabel, die uns im ersten Stock mit der großen weiten Welt verbinden. Die kommen von oben, oder gehen nach oben - das ist eine Grundsatzfrage, welche Wege solche Verbindungen eigentlich nehmen - weil auch ich im zweiten Stock unter dem zweiten Dach etwas von der Welt haben muss. Das war, als wir einzogen, die praktisch schnelle Lösung, für die die Nepali weltberühmt sind. Aber eben - wie so oft, oder gar immer - nicht nachhaltig. Das muss irgendwann nachgebessert werden. Nachgearbeitet, Löcher gebohrt und die Kabel durch das Innere des Hauses geführt, mit Kabelschuhen oder einer richtigen Kabelschiene an den hohen Wänden und Decken befestigt werden ... das ist mühsam und man braucht eine Leiter. Der Weg durch das Treppenhau wäre von Anfang an der kürzere, aber eben aufwändigere gewesen. Wenn an einem Tag wie heute die Welt untergeht und ein kräftiger Ostwind den Regen an die Ostseite des Hauses klatscht, hangeln sich die akrobatisch versierten Regentropfen den Kabeln entlang ins Zimmer hinein.

Feuchte Luft ziehe derzeit vom Golf von Bengalen und vom Arabischen Meer nach Nepal, lese ich auf der Wetterseite der Zeitung. Und die beschere uns Regen, obwohl der Monsun bereits auf dem Rückzug sei. Wir befinden uns in einer transition period, einer Übergangsphase mit einer temporären Intensivierung der Regenfälle im Zentrum und in den Ostteilen des Landes. Wir leben exakt in der geografischen Mitte. Das wollten wir so. Es regnet den ganzen Tag und wird wieder dunkel, ehe es richtig hell war.

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