Ein Samstag wie Dithmarschen. Wochenende. Bei dem Wetter arbeitet keiner. Es regnet den ganzen Vormittag ohn' Unterlass. Der Strom fällt stundenlang aus. Am Himmel nur grau. Am Boden Grün in Gelb- und Brauntönen. Der Wind hat die schweren Ähren der Reisfelder über Nacht geschüttelt, zerrupft und zerzaust. Vielleicht stehen sie wieder auf, wenn die Sonne wieder kommt.
Im Norden Bhutans ist vorletzte Nacht der Shintaphu Tsho geborsten. Übergelaufen. Ausgebrochen. Ein durch eine Endmoräne aufgestauter Gletschersee im Hochgebirge Laya Gewog. Einer von 17 als instabil und gefährlich eingestuften Gletscherseen des Landes. In Nepal gibt es Dutzende ebensolcher. Eine Sturzflutwelle von schätzungsweise 7,4 Millionen Eiswasser ergoss sich in den Mo Chhu und seine Seitenarme. Die Bewohner aus der Region konnten rechtzeitig gewarnt und evakuiert werden. Auch in den angrenzenden indischen Bundesstaaten Assam und Westbengalen gab es akuten Flutalarm, über 10 000 Menschen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht.
Das ist die Kehrseite der Leben spendenden Himals, des ganzjährig schneebedeckten endlosen Himalayagebirges. Meiner alle mit Nahrung versorgenden Annapurna, der Mutter des Überflusses. Früher sicherte das Schmelzwasser den Bauern im Tal das Überleben, es war zuverlässig, kam pünktlich und gut dosiert, garantierte eine reiche Ernte. Heute ist es unberechenbar. Unbeherrscht. Fuchsteufelswild.
Am Mittag ist der Spuk - der Dithmarschenblues - plötzlich vorbei und die Sonne scheint, als wär' nichts gewesen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen