Setibeni liegt westlich von Pokhara am Ufer des Kali-Gandaki. Durch Pokhara fließt der Seti-Gandaki. Der eine Fluss ist der Schwarze, der andere der Weiße. Beide fließen kurvenreich von Nordwest nach Südost. Solche Konträrnamen für Flüsse gibt es auch andernorts auf der Welt. Meist hat die parallele Namensgebung geografische oder geologische Gründe. Der Schwarze, der Kali-Gandaki trat vor einem Monat nach tagelangen heftigen Regenfällen über die Ufer und nahm halb Setibeni mit sich. Das Zentrum, den Marktplatz und alle für Dashain bereits gut gefüllten Shutters, die Zufahrtsstraßen, zwei Brücken und 50 Wohnhäuser. Auch die Nachbargemeinden verschonte er nicht, riss 30 Häuser aus Bihadi und 20 aus Galyang fort. Er zerstörte die massive Brücke zwischen Mirmi und Harmichaur und damit die einzige Verbindung zwischen den drei Distrikten Parbat, Syangja und Gulmi.
An der Grenze dieser drei Distrikte liegt am Kali-Gandaki ein riesiger Monolith, ein Shaligram Shila. Für gläubige Hindus sind diese Steine heilig, sie erkennen darin eine Manifestation Vishnus. Der Shaligram Shila von Setibeni gilt als größter weltweit. Ein viel bescheidenerer liegt bei uns um die Ecke im Ram-Tempel von Birauta. Shaligrams sind prähistorische Ammoniten-Fossilien, lese ich, aus dem ehemaligen Tethys-Meer. Als der Himalaya sich zu heben begann, gelangten solche Brocken in die Gandaki Flüsse, in den Kali und und den Seti. Strömung und Zeit schliffen sie rund. Der Monolith von Setibeni ist seit Jahren bedroht. Hinter der Staumauer des 7 Kilometer südlich gelegenen Wasserkraftwerks Kaligandaki A lagern sich Unmengen von Sedimenten ab, Sand, Steine, Geröll, Felstrümmer. Das Flussbett steigt kontinuierlich an und der heilige Shaligram Shila, den Scharen von Pilgern aufsuchen, um ihn mit einer Pradakshina (drei Umkreisungen im Uhrzeigersinn) zu verehren, ist dabei, in diesem Schutt zu verschwinden. Während des Monsuns versinkt er regelmäßig für Monate ganz unter Wasser und in trockenen Monaten ragt mittlerweile nur noch der oberste Teil aus dem Wasser.
Die Kali-Gandaki-Flut hat ihn nicht mitgenommen. Er ist schwer von der Stelle zu bewegen. Aber sie hat alle Zugangswege verschüttet. Seitbeni ist seither verwaist und der Shaligram unerreichbar.
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