Samstag, Februar 28, 2026

द्वादशी

Samstag. Ruhetag in Nepal. Der 16. Falgun, द्वादशी (Dwadashi) der shukla paksha, des hellen Mondzyklus. Wer gestern gefastet hat, kann heute wieder essen. Alle andern auch. Es ist der 12. Tag des zunehmenden Mondes. Ein schlechter Tag für die ganze Welt, das triple Feuerpferd, gerade mal 10 Tage alt, ist aus dem Stall ausgebrochen. 

Freitag, Februar 27, 2026

8848

Die Luft ist dick. Im wahrsten wie im unwahrsten Sinn. Wir husten beide und von der Stadt ist nichts zu sehen. Von der Sonne auch nichts. Nur dicker Smog. Unten und oben. Ich besorge auf Vorrat Katzenfutter (diesmal chicken, den fish aus der letzten Packung fraßen sie mittelmäßig begeistert und nur, wenn sie bei den Nachbarinnen nichts besseren bekamen), ein Karat Eier,  2 kg kar.ma coffee (1 x dark roast, beans und 1 x medium roast, für french press gemahlen), Hustensaft und Allegra. Mo:mos liegen noch reichlich auf Eis. Auf dem Heimweg vom Dragon überqueren wir die Golfutar, steigen über aufgetürmte Pflastersteine und offene Kabelschächte, kaufen eine Flasche 8848. Die Alkoholshutters sind alle wie immer offen. Das Alkoholausschank- und verkaufsverbot sollte bereits in Kraft getreten sein. In unserem Lieblingsshop sitzt um diese Tageszeit immer ein Polizist oder eine Polizistin. Ich habe jeweils den Eindruck, die ruhen sich da in der Ecke aus vom Regeln des Feierabendverkehrs. Diesmal ist es ein Mann, mit Schlagstock. An der Straße stehen sie zu mehreren. Alle mit ebensolchen Stöcken. Auch das hatte der deutsche Botschafter fürsorglich angekündigt: mehr Polizeipräsenz! Mehr Militärpatrouillen. Mehr Ausweiskontrollen. Aber uns sieht man von weitem an, dass wir nicht dazu gehören, keinen Aufstand planen und sicherlich keine Wahlurnen klauen wollen. Von uns geht keinerlei Gefahr aus. Im Gegenteil. Wir unterstützen die Nachbarn. Niemand hindert uns daran, unseren hochprozentigen Einkauf über die überfüllte Golfutar nach Hause zu balancieren. Die Luft ist am Abend noch dicker als am Morgen. Im übertragenen und nicht übertragenen Sinne.

Donnerstag, Februar 26, 2026

new year

Noch ein neues Jahr beginnt. W hat Geburtstag und schwört, dass dies sein letztes busy Lebensjahr werde. Er relativiert den Schwur schon nach wenigen Stunden.

Das Auswärtige Amt meldet sich wieder einmal rechtzeitig und fürsorglich an seine "Lieben Landsleute in Nepal". Unterschrieben ist das Schreiben vom deutschen Botschafter und der beginnt seine Hinweise mit dem schönen Satz "Inzwischen hat der Wahlkampf begonnen". Nun ja, es wird ja auch Zeit!  Im Internet tobt er natürlich schon lange, dort hat angeblich AI oder der Algorithmus längst entschieden und setzt entsprechende Präferenzen, beklagte kürzlich ein Printmedium. So ist es in modernen Zeiten. Die Grenzen zu Indien werden für 72 Stunden geschlossen, schreibt der Botschafter. Ich dachte, alle rundum, also auch die zu China. Aber von China befürchtet man wohl keine "Wahlbeeinflussung". Am Wahltag gilt ein Fahrverbot bis um 17 Uhr - in besagtem Printmedium las ich, dass es gelten soll, bis die Stimmen ausgezählt sind (und das kann ja dauern ...). Wir nehmen's gelassen, ich geh eh zu Fuß und W. kann zu Hause arbeiten. Wir richten uns auf so etwas wie curfew, Dashain und Tihar in einem ein. 

Übermütig wie wir sind, fahren wir zum Essen über eine Rumpelstrecke nach Boudha. Zu den Buddhisten. Noch funktioniert InDrive. Dort überrascht uns Regen.

Mittwoch, Februar 25, 2026

Tradition

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Der Wahlkampf beginnt erst so richtig zu kochen. Morgen in einer Woche sollen die Parlamentswahlen stattfinden und keine Partei bzw deren sogenannte Spitzenkandidaten (sind ja mehrheitlich männlich) ist sich zu blöde, nochmals darauf hinzuweisen, dass nach wie vor nicht klar sein, ob sie tatsächlich zum festgesetzten Termin stattfänden. Unser Nachbar verkündet sogar, für seine Partei sei das kein Problem, man möge aber eine eventuelle Verschiebung bitte schön spätestens 4 Tage vor dem 5.3. mitteilen. Einen Kommentar lese ich - und reibe mir ungläubig die Augen - dass sei die politische Tradition. Vor allen Wahlen in den letzten Jahrzehnten sei bis zum Wahltag darüber spekuliert worden, ob die Wahlen pünktlich stattfinden oder nicht.

Die Grenzen werden geschlossen und der Privatverkehr ab Mitternacht des 4. oder 5.3. unterbunden, Inlandsflüge sollen entgegen erster Meldungen nun doch stattfinden und wer vom Flughafen zu seinem Wahllokal ein Transportmittel braucht, dem wird es zur Verfügung gestellt (wie auch immer). Die Wahlkommission empfiehlt dem Innenminister (oder umgekehrt? ), ein Alkohol-(verkaufs- und konsumierungs-)Verbot 7 Tage vor der Wahl zu erlassen. Das wäre ungefähr ab heute. Damit alle ihre Stimme nüchtern abgeben. 

Dienstag, Februar 24, 2026

Regen

Nach 14 Uhr fängt es tatsächlich an zu regnen. Ein einziges Mal kracht es ganz fürchterlich. Ein gewaltiger Donner entlädt sich über dem Valley. Die Wut der Götter? Den Blitz konnte ich nicht sehen. Wie auch, der Donner hat mich aus meinen Gedanken aufgeschreckt. Die durch die Bauarbeiten (Verlegung von Erdkabeln, Kappen der Freileitungen) seit Wochen aufgerissenen, immer schon holperigen und unwegsamen, sogenannten Bürgersteige verschlammen und werden praktisch unpassierbar.   

Hier der tägliche Weg zu unserem Lieblings-eating-point.

Montag, Februar 23, 2026

11.11.

Heute ist im Nepali Calendar der 11. Tag des erften Monats des Jahres, Falgun. Der 11.11. - eine Schnapszahl? Narrenzahl? Engelszahl? Nichts dergleichen. auch kein Mantelteilender Heiliger Martin. Der Community Manager teilte gestern zu bereits nachtschlafender Zeit mit, dass heute, am 11.11. um 6 pm unsere community bitteschön die erste (von allen kandidierenden, das sind etwa 125!) politische Partei bei ihrem Wahlkampfauftritt herzlich begrüßen möge. Die message war in nepali verfasst, also betrifft sie uns nicht. Vorstellen werden sich die Kandidaten der CPN-UML - das sind die Kommunisten, die vereinigten Marxisten und Leninisten mit ihrem Langzeitvorsitzenden und Ex-Premierminister, dem ewiggestrigen Herrn Oli (der gerade gestern, in Klammern sei's angemerkt, seinen 74. Geburtstag feierte). Es gibt Leute, die bezeichnen KP Oli als Mörder (ua der 76 Märtyrer der Gen-Z-Proteste). Und es gibt Leute, die drücken ihm beide die Daumen. Lang lebe die Demokratie! 

In Gaur hingegen zogen die Streithähne am Vormittag in einem vereinten Kraftakt - peace march - durch das Dorf Sabgadh, wo die Weddingparty stattgefunden hatte, in deren Folge Steine und Verwünschungen flogen. Heute demonstrieren sie Einigkeit und rufen zum sozialen Miteinander auf. Beide communities, Hindus und Moslems, unterzeichneten gestern abend ein Friedensabkommen und der Ausnahmezustand wurde aufgehoben, damit heute, am 11.11. Politiker, Offizielle und Inoffizielle, normale Bürger und Bürgerinnen wieder zusammen auf die Straße gehen dürfen.

Sonntag, Februar 22, 2026

Katzenfamiliengeschichten

Sonntag. Endlich wird wieder ordentlich gearbeitet. Ein neues Pelztier sitzt in meinem Garten! Eine Designerkatze. Sie wandert den lieben langen Tag um das Haus herum auf der Suche nach ein bisschen Schatten. Es ist ihr zu heiß an der Sonne. Futter verlangt sie nicht, auch sonst verhält sie sich eher unauffällig. Sigi hingegen ist heißhungrig und meidet Gesellschaft. Sie wird seit Tagen von drei Katern bedrängt und der eine, den ich einst Whity nannte, hat sie vor ein paar Tagen in meinem kleinen Hinterhof erfolgreich bestiegen. Whity ist nach längerer Abwesenheit wieder auf dem Hill angekommen. Er sieht aus, als ob er zur Kur war, an der See oder in der Höhe, im Sanatorium. Gut genährt und weniger verlaust. Tom hingegen bleibt verschwunden. Von Whity gibt es mittlerweile ein double - oder avatar, wie so etwas unter Göttern, bei Lord Vishnu zum Beispiel, genannt wird. Wahrscheinlich sein - ihr gemeinsamer - Nachwuchs. Von der Mutter hat er den getigerten Schwanz. Von Sigi gibt es auch ein double, der hat vom Vater ein paar weiße Felltupfer an den Pfoten. Die Nachkommen sind allesamt männlich. Und allesamt lümmeln sie nun um die arme läufige Katze herum. Mutter hin oder her. Inzucht hin oder her. Sie ist vorsichtig, verängstigt, verkriecht sich in Onkel Toms Hütte und ich stelle ihr das Futter dort vor die Nase. 

Ob der neue Perser männlich oder weiblich ist, weiß ich nicht. Es scheint aber eine Hauskatze zu sein, denn sie ist nicht menschenscheu und eher übergewichtig. Das Fell wirkt gepflegt. Die Augen sind senf- oder sonnenuntergangsgelb. 

Ich hoffe, das Tier ist kastriert. Eine Mischung mit den wilden Hillkatzen mag ich mir bei aller Liebe nicht vorstellen.