Wir haben ein erstes Dach, das ist die Terrasse. Sie ist riesengroß und überdacht mit einer soliden Blechkonstruktione. Darunter sitzen wir in der Nacht auch bei Regen im Trockenen und tagsüber im kühlen Schatten. Auf das zweite Dach führt vom ersten eine Wendeltreppe. Das Dach über der Terrasse ist nicht begehbar. Der Boden des zweiten Dachs ist aus massivem Beton - die Decke meines Arbeitszimmer! Auf dem zweiten Dach schützt eine ebenso massive Brüstung Kinder und Senioren vor dem Fall. Einem Sturz auf die Straße. Nach oben ist alles offen und der Regen kommt, wann immer es ihm gefällt. Das ist gut so, denn es gibt ein Gemüsebeet auf dem zweiten Dach. Sowie unsere solarbetriebene Heißwasseranlage. Beides braucht die Verbindung zum Himmel. Das dritte Dach ist klein und keine Aussichtsplattform. Es gibt keine Sicherheitsmauern. Menschen sollen nur im Notfall über die schmale Leiter aufsteigen. Vögeln, Geistern oder Göttern ist der Zutritt hingegen nie verwehrt. Auf dem dritten Dach stehen zwei silberne Eintausendliter-Wassertanks. Sie weden automatisch aufgefüllt, dafür sorgt eine elektrisch betriebene Pumpe und ein Sensor. Menschen haben dort oben nur etwas zu suchen, wenn die Technik versagt oder die Tanks überlaufen. Normalerweise passiert das nicht. Mit Wasser sind wir bestens versorgt. Es muss immer zuoberst stehen. Wegen der Schwerkraft und dem Druck in den Leitungen.
Ich beschließe, zum Sonnenaufgang aufs zweite Dach zu steigen, wenn es nicht gerade in Strömen regnet. An guten Tagen kann ich im Angesicht des schneebedeckten Zweizacks (माछापुच्छ्रे - Machapucchre, fishtail) sowie der anderen gemässigt gewölbt und geneigten Gipfel der Annapurnakette mein Morning QiGong absolvieren. The only way is up ... das war schon das Motto im ULNÖ in Krems an der Donau vor Jahren, Jahrzehnten und ist es wohl bis heute. Nun sehe ich oben zur Linken, wenn ich nach Norden stehe und nach Westen gucke, die zweitgrößte Shivastatue des Landes. Lord Giant Shiva schaut vom Pumdikot Hill auf mich herab. Und direkt daneben, auf dem Ananda Hill, leuchtet die weiße Shanti Stupa, die buddhistische Weltfriedenspagode.
Mit Wasser und Gnade von ganz oben bin ich bestens versorgt.
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