Sonntag, August 02, 2026

Das blaue Zimmer

Alles braucht seine Zeit. Ein jedes Ding und Unding. Ob wichtig oder unwichtig, nötig oder unnötig. Mitgenommen ist mitgenommen. Mitgegangen, mitgehangen. Ich bin mit meinem Schreibtisch und fünf Umzugskisten wieder im Zimmer unter dem Dach gelandet. Es ist blau gestrichen und hat blaue Vorhänge. Es ist nicht das erste blaue Zimmer, das ich in diesem Land ganz oben unter dem Dach eines Hauses entdecke. Blau ist die Verbindung zum Himmel. Höchste Reinheit. Eine spirituelle und glückseligmachende Farbe. Mein Arbeitszimmer ist derzeit das wärmste im Haus, en-suite! Seit der Routerverstärker draußen vor der Tür, an der Regengeschützten Wand der Dachterrasse hängt, ist es gut vernetzt mit der Außenwelt. Zutritt nur über die Terrasse. Fassadenkletterer wie Spinnen, Geckos oder Cockroaches sind willkommen. Auch Flugschüler, Anfänger und Fortgeschrittene, Moskitos, gemeine Stubenfliegen, Stechmücken usw.

Die blauen Schindelinschuhe sind zum wiederholten Mal zum Vorschein gekommen, diesmal unversehrt und korrekt im Plural. Ich verbanne alles Rot aus dem Zimmer und lege die türkisblauen Steine aufs Fensterbrett. Irgendwo muss ich ja anfangen. Die Fenster sind alle vergittert, bis in den obersten Stock hinauf. Auch in den Nachbarhäusern. Ich weiß immer noch nicht, wovor die Nepali sich eigentlich so sehr fürchten. Auch Beats "Sevilla '90" ist wieder da. Es lehnt am Boden. Wie eh und je. Noch scheue ich mich, Nägel in die blauen Wände zu schlagen.

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