Monsun wie Dienstag. Nein, es regnet nicht. Klare Sicht auf überwältigende Schneeberge. Der Larke Pass auf 5.106 Metern ist seit letztem Donnerstag aufgrund anhaltender Schneefälle gesperrt. Das tägliche Leben in den nördlichen Teilen Gorkhas ist zum Erliegen gekommen, niemand gelangt derzeit nach Manang. Keine Wanderer, keine Bauern, keine Lastesel und Maultiere. Die Tiere sind auf der falschen Seite gefangen. Oder die Lasten. Die Lagerhäuser. Die Waren. Überflutungen und Erdrutsche haben trittfeste Übergänge zerstört, Hängebrücken mitgerissen. In Samagaun und Samdo werden die Lebensmittel knapp. Hunderte in- und ausländische Trekkers sowie ihre nepalesischen guides und porters, die auch essen müssen, und sind dort gestrandet. Die Wege können von Freiwilligen nicht mehr freigeschaufelt werden. Der Schnee ist zu hoch, zu nass, zu schwer.
Daten der letzten 30 Jahre zeigen, dass der Monsun in Nepal im Durchschnitt 112 Tage dauert, knapp vier Monate. In dieser Zeit fallen 80 % der jährlichen Niederschläge. Bis zum Jahr 2003 setzte der Monsun zuverläßig um den 10. Juni ein und endete um den 23. September. Seither zieht sich das Ende der Regenzeiot tendenziell immer später in den Oktober hinein. Letztes Jahr erlebten wir (denn wir waren ja schon da!) mit 135 Tagen den längsten Monsun in Nepal seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1968. Er begann bereits am 29. Mai, 15 Tage früher als im Durchschnitt, und endete erst am 10. Oktober. In diesem Jahr begann er erst am 9. Juni, also 6 Tage später als normal. Vom 24. bis zum 27. September erlebte das ganze Land noch einmal verheerende Starkregentage. Und ob er damit ausgepowert ist, weiß niemand.
Der kürzeste Monsun mit 73 Tagen fand im Jahr 1979 statt. 2013 wurde mit dem 19. Oktober das späteste Ende verzeichnet. Ein Sprecher des Departments of Hydrology and Meteorology stellt fest, dass in den letzten zehn Jahren im Juli verhältnismäßig wenig und im August oft gar kein Regen fiel, dafür aber gegen Ende des Monsuns und im ganzen Oktober rekordverdächtige Regenmengen niedergingen.
Es kann also noch einiges kommen. Auch bei derzeit strahlend blauem Himmel.
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