असोज - Ashoj. Oder Ashwin. Der 6. Monat im nepalesischen Kalender beginnt. Das halbe Jahr ist bald um - oder schon um, denn wir hatten ja den adhikmaas, Schaltmondmonat. Heute ist Ashwin Sankranti, die Sonne titt in das Sternzeichen Jungfrau ein und die heißt in der vedischen Astrologie Kanya Rashi. Und heute ist Bishwokarma Puja. Bastu Diwas. Lord Bishwokarma wird geehrt, der Experte für traditionelle und göttliche Architektur, der allmächtige Schöpfer des Universums. Weltliche Bauherren, Handwerker und Handlanger begehen den Bastu-Diwas, den Tag des Bauens. Und gebaut wird wahrlich genug in diesem Land! Wer eine eigene Werkstatt hat, verehrt heute seinen Arbeitsraum und betet die Hand-Werkzeuge und die elektrischen Maschinen an - damit sie für den Rest des Jahres ohne zu stottern funktionieren.
Der 1. Ashoj fällt bereits zum dritten Mal in Folge auf den 17. September. Daraus leite ich nun eine für mich allgemeingültige Gesetzmäßigkeit ab. Ab sofort feiern wir nicht mehr den 17.9., sondern den 1.6. Der zweite Jahrestag unserer Ankunft in Nepal, der Beginn des dritten Jahres. Am Nachmittag fällt wie aus dem Nichts heftiger Regen. Es schüttet bis in die Nacht hinein erbarmungslos vom Himmel. Die Arbeiter zur Linken oder zur Rechten, je nach dem, wo wir stehen, machen früher Feierabend. Das haben sie ihrem Patron, Lord Bishwokarma zu verdanken. Die gegenüber auch. Und so kommen wir unverhofft zu ein bisschen verdienter Ruhe. W meinte kürzlich, der Monsun sei so gut wie vorbei. Aber Irren ist menschlich. Und das Wetter launisch.
Zwei Jahre Nepal. Das ist kein Grund, Bilanz zu ziehen. Man sagt, Ausländer würden übers Ohr gehauen. Wo immer es nur geht. Das mag sein und ist überall auf der Welt so. Hier vielleicht im Großen (indem man uns einen zur zu einem Viertel vollen Gaszylinder ins Haus liefert). Im Kleinen nicht. Kürzlich kaufte ich beim Obsthändler meines Vertrauens eine Papaya. Sie war schwer und reif, saftig und süß. Er wollte 240 Rupees haben. Ich reichte ihm zwei 100er und einen 50er. Passender hatte ich es nicht. Er gab mir einen 20-Rupee-Schein zurück und ich sagte: that's too much! Er lachte: You know nepali money!
Yes! I know nepali money. पैसा - paisa! Ich bin keine Anfängerin und schon gar keine zufällig Vorbeigekommene, die man bedenkenlos betrügen kann, weil sie nie wieder auftaucht. Ich kaufe bei dem Mann seit bald drei Monaten Obst und Gemüse. Bekomme immer 7 Bananen, wenn ich 6 will. Und ab und zu eine Handvoll Chili. In letzter Zeit hat er riesige rosige Ingwerknollen, denen ich nicht widerstehen kann.
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