Dienstag, September 08, 2026

Gedenktag

Die Tage jagen sich. Heute जेन जेड शहीद दिवस - Gen Z Sahid Divas, Märtyrertag der Gen Z, im Gedenken an die Toten der Gen-Z-Proteste vor einem Jahr. Da es noch einen anderen Märtyrertag gibt, der schlicht शहीद दिवस - Sahid Divas heißt, muss der heutige konkretisiert werden. Diese Gen Z Märtyrer waren allesamt jung und unerfahren, hingerichtete Kinder in Schuluniformen und andere Unschuldige. Von hinten in den Kopf oder von vorne in die Brust Erschossene. Public holiday.

Ein September jagt den anderen. In meiner gedanklichen Nachlese, ist es bereits mein dritter Katastrophenseptember in diesem Land. Im ersten lief ich, kaum angekommen drei Tage lang mit einer Handvoll Buddhisten auf staubtrockenem Asphalt von Kathmandu nach Südosten, zum Namo Buddha Tempel. Kaum zurück im 10. Stock des einen der twintowers, in dem wir damals wohnten, ging ein folgenschweres post-monsoon-Unwetter nieder. Es regnete drei Tage lang ununterbrochen und sogar die Nachbarn in Kathmandu sagten, so etwas hätten sie noch nie erlebt. Der Koshi-Fluss schwoll an (dem wir peacewalker schwitzend gefolgt waren) und verwüstete u.a. Panauti, die alten Tempel  und das Kloster (wo wir verköstigt wurden) - wir hatten das schon -  sowie ungefähr 500 andere Gebäude vollständig und 713 teilweise, 20 Menschen nahm er mit. In den Tod. Damals war ich mir der Gefahr überhaupt nicht bewusst, der wir nur knapp, um gerade mal zwei Tage entgangen waren. Noch pflegte ich meinen jetlag. Und Schnupfen nach dem Marsch. 

Der Septemberschock vom letzten Jahr saß und sitzt immer noch tief. Er wirkt bis heute nach, bewusst oder unbewusst. Auf so einen Gewaltausbruch war ich nicht vorbereitet. Und wenn ich heute eine Nachlese lese, stehen mir noch einmal die Haare zu Berge. Wie blind und arrogant ("beratungsresistent") dürfen greise Politiker eigentlich sein? Vollkommen ungestraft. Sofort drängen sich in meinem Kopf Parallelen auf. Die verteibe ich mit dem अम्रिसो कुचो - amriso kuco, dem weichen traditionellen nepali Grasbesen.     

In diesem Jahr kam die Flut schon im August, oder besser im nepalesischen Monat Bhadra. Mitten in der Regenzeit, aber nicht der Regen hat sie ausgelöst. Es regnete tagelang überhaupt nicht. Der Monsun in diesem Jahr ist untypisch. Viel mehr Regen als üblich fiel bereist in der pre-monsun Zeit, also im Frühjahr, im März und April. Und während des eigentlichen Monsun gibt es unbtypische längere Trockenphasen. Die Bhadra-Sturzflut - oder Rasuwa-Flut, China-Nepal-Flut, Nepal-Tibet-Flut, Bhotekoshi-Flut, soviele Namen hat sie schon! - kam vom blauen Himmel über die Menschen im Trishuli-Korridor. Und das ist erstmal unfassbar. Kompliziert zu verstehen. Und zu bewältigen.

In Mustang, Manang, im nördlichen Gandaki (das ist unsere Provinz) bebt um 21:53 Ortszeit die Erde. 4,9 oder 5,3 - wie immer variieren die Angaben. Aber Schäden werden keine gemeldet.

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