Mittwoch, Juli 15, 2026

Café Zero

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In Kathmandu gibt es das erste zero-waste Café. Der anfallende Müll wird weiterverarbeitet. Die Kunden können, während sie Buttertee schlürfen oder Reis kauen, lernen, wie sie mit einfachen Veränderungen ihren ökologischen Fußabdruck verbessern. Dies in einer Stadt, in der es keinen funktionierenden öPNV und keinen einzigen öffentlichen Mülleimer gibt. Jeder und jede ist mit einem stinkenden Benziner unterwegs und lässt alles überall fallen, was er oder sie gerade nicht mehr benötigt. 

Nun also: zero-waste in Lalitpur. Einst (in Japan, lang ist's her) waren es die drei berühmten R für Reduce, Re-use und Recycle, heute kommt das vierte R für Refuse dazu und soll am Anfang der R-Kette stehen. Gerade das Ablehnen (zB von Plastik) ist schwierig in einem Land, in dem sogar frische Milch in Plastiktüten abgefüllt über den Tresen gereicht wird, mit einem Gummiband gekonnt auslaufsicher verschnürt und in eine zweite Plastiktüte für den Transport über die Straße gepackt.

Im Café Zero werden Kartoffelschalen als Chips servierte, der harte Strunk eines Blumenkohls als Pakor frittiert. Nicht alle Gemüsereste kommen wirklich gut weg oder an. Es gibt aber auch den natürlichen Weg über den Kompost. Überhaupt sind nicht die Gemüsereste aus der Küche das Hauptproblem. Aus Wai Wai-Plastik - der Verpackung der allseits geliebten Instantnudeln, die die Nepali am liebsten roh verzehren! - entstehen modische Taschen. Aus Deckeln der Plastikflaschen (eingesammelt im Gebirge, wo sie tonnenweise liegenbleiben) coasters (Untersetzer). Und hier beginnt das Problem - oder endet. Wer geht und sammelt den Müll ein, sortiert ihn, säubert ihn, verwandelt ihn? Nicht die Kellnerinnen oder Köche des Cafè Zero!  Kinder können, wenn es ihnen zu langweilig wird, das Platikschredderfahrrad besteigen. In die Pedale treten und leere bottels in Schnipsel verwandeln. Das ist zwar lustig und vielleicht auch kreativ. Daraus soll später in kreativen Händen Schmuck entstehen. Nicht dass ich mir so etwas unbedingt um den Hals hängen muss. Und die kids lassen am nächsten Tag auf dem Schulweg ihre Chipstüte wie gewohnt fallen. Denn wohin sonst damit?

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