Mittwoch, Juli 08, 2026

Der weiße Elefant

Eine Ecke des Buddha Peace Park in Nagarkot ist Mayadevi, der Mutter Siddhartha Gautamas gewidmet. Ein Wegweiser führt zu ihrem Tempel, der aber noch im Bau scheint. Jedenfalls erinnert das karge Interieur eher dem einer Gefängniszelle, denn eines heiligen Ortes. Nebst einer bereits verwitterten leeren Liege betört (mich) einzig der weiße Elefant auf dem hohen Sockel. Er steht auf einer stilisierten Lotosblüte.

Der weiße Elefant erschien Mayadevi im Traum. Er berührte ihre rechte Seite und kündigte die Geburt eines "starken Sohnes" an. Wir hatten das schon und die Geschichte gehört eigentlich in den Königspalast nach Kapilavastu. In anderen Kulturen wird das Überbringen solch glückverheißender Nachrichten anderen, eher ätherischen, leichten, schwebenden, himmlischen Wesen wie beispielsweise Engeln zugeordnet. Hier ist es ein Elefant und die "Berührung" durch das bodenständige schwere Tier hätte auch gut gern "erdrückend", also mit dem Tod der Schlafenden enden können.

Aber Siddharta Gautama ward geboren und vielleicht ist die "Gefängniszelle" in Nagarkot deshalb leer, weil der "starke Junge", aus der Rechten der Mutter entsprungen, genau an der Stelle, wo der weiße Elefant sie in einer Nacht (unsittlich?) berührt hatte, mit Geburt bereits laufen konnte. Eine Art Garten-Eden-Szene ist hinter dem leeren Tempel installiert. Noch lebt die Mutter, sie stirbt erst eine Woche nach der Geburt. Schon steht sie aufrecht, obwohl gerade entbunden. Unter einem Plastikbaum, obwohl rundum wahrlich genug natürliches Grün in den Himmel wächst. Sie winkt dem weglaufenden Kind hinterher. Was bleibt ihr denn anderes übrig? 

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