Freitag - noch zwei Wochen KTM. Ich schalte in den Packmodus und denke über Götter und Dämonen nach. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich die Baugrube. Trotz wiederholter Bhumimantras und Räuchereien, tut der umgewälzte Boden, was er will. Der Regen füllt Senken und spült ungeahnte Schlünde frei.
मरुभूमि - marubhumi ist die Wüste in Nepali. In Nepal gibt es keine Wüste. Trotzdem kennen die Nepali das Wort. Mir hat es Pranai in Thamel beigebracht durch eine seiner listigen Fragen:
के नेपालमा हिमाल, नदी, खोला, मरुभूमि र बुनजङ्गल छन्? - Ke Nepalma himal, nadi, khola, marubhumi ra bunjangala chan? [Does Nepal have mountains, rivers, streams, deserts and jungles? - man beachte: kein einziges Substantiv mit dem Nepali-Pluralsuffix -haru!]
Meine korrekte Antwort lautete: नेपालमा मरुभूमि छैन - Nepalma marubhumi chaina. In Nepal gibt es keine Wüste.
Vor meinen Augen schon, hin und wieder. Und das innere Auge sieht immer noch den vom Dämon Mara bedrängte kurz vor der Erleuchtung stehende (sitzende) Earth-Touching-Buddha. Die Wüste ist ödes, abgestorbenes, ausgetrocknetes Land - maru-bhumi. Maru in Sanskrit meint genau das und soll auf eine indoeuropäische Wurzel mer für sterben zurückgehen. Ich frage mich nun natürlich, ob das etwas mit dem teuflisch schimpfenden Mara zu tun hat. Hat es (sagt AI), denn im Buddhismus ist Mara, wie wir bereits wissen, die Personifizierung des Bösen und vereint aller der Erleuchtung entgegenwirkenden Energien in sich. Ein listiger Versucher, der mit allen Kräften verhindern wollte, dass Buddha unter dem Bodhimbaum sein höchstes Ziel erreicht. Mara ist der buddhistische Teufel schlechthin, der Dämon des Todes, der Vergänglichkeit, der Illusion. Sein Name kommt von Sanskrit mr für sterben oder tot. Und das ist nicht sehr weit von mer oder Marubhumi, der vertrockneten, kein Leben mehr spendenden Erde.
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