In Nepal schneiden sich die Frauen das Haar nur in Ausnahmefällen. Meist nach Tod (des Ehemannes) zum Zeichen der Trauer. Deshalb kommt hier keine noch so engagierte Politikerin oder Aktivistin auf die Idee, vor einer Wahl die Drohung auszustoßen, sich im Falle der Niederlage ihrer Partei oder ihres Lieblingskandidaten eine Glatze zu rasieren. Ich glaube, ich bin die einzige Frau im ganzen Lande, die den Haarschneider auf dem eigenen Kopf ansetzt - und nicht auf dem der Kinder oder des Gatten. Hier werden vorzugsweise andere Körperteile abgeschnitten.
Renuka Baral hat auf ihrem social media Kanal angekündigt, sich das Ohr abzuschneiden, falls Balendra Shah den Wahlkreis Jhapa-5 gewinnt. Zur Erinnerung: das ist der Wahlkreis des einstigen Premierministers KP Oli. Balen hat sich absichtlich dort aufstellen lassen, das sei das einzige, sagte er in einer seltenen Erklärung vor der Presse, was er für die toten Gen-Z-Demonstrierenden noch tun könne. Direkt gegen den Mann anzutreten, der damals die Verantwortung für das Land trug. Wie wir wissen, gewann Balen das Direktmandat haushoch, mit fast Fünfzigtausend Stimmen Vorsprung. Und Renuka Baral? Beklagt sich, dass sie nun beim Einkaufen verfolgt, belagert, umringt werde und im Netz nur noch Hass und Häme ernte. Sie fürchte sich mittlerweile, aus dem Haus zu gehen. Nun ja - ihre follower warten eben auf das Blutbad. Wer mit so etwas Aufmerksamkeit, Daumenhochs und andere Schmeicheleien einsammelt, muss auch mit der Wut derer rechnen, die sich jetzt verarscht fühlen.
Anders im deutschen Ländle (ach!). Die Generalsekretärin der FDP hat ihren Kopf (also die wilden schwarzen Locken) darauf gewettet, dass ihre Partei den Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg schafft. "Sie werden mich nie mit Glatze sehen", hatte sie der Schwäbischen Zeitung kürzlich noch selbstbewusst versprochen. Und nun? Stehe sie zu ihrem Wort, sagt sie, weil Liberale das tun. Auch in einer Niederlage.
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