Heute ist der letzte Tag des vorletzten Monats im nepalesischen Kalender. Der 30. Falgun 2082. Dashami, der zehnte Tag von Krishna Paksha, dem dunklen Mondzyklus. Noch weckt mich die abnehmende Sichel, aber sie wird von Morgen zu Morgen dünner und schwächer, kommt später und geht früher. Ist kaum mehr zu sehen.
Ein für Nepal richtungsweisender Monat geht zu Ende. Die Wahlen am 21. Falgun 2082 BS (= 5. März 2026 AD) haben für die etablierten Parteien und ihre strammen Soldaten ein beschämendes Ergebnis gebracht. Fast alle greisen Köpfe quer durchs Land wurden abgestraft. Im zukünftigen HoR - House of Representative - werden von den 67 Parteien, die sich zur Wahl gestellt hatten, 6 vertreten sein. Und von denen hat die junge Partei unseres Nachbarn knapp die Zweidrittelmehrheit verfehlt (vor Gericht wird noch um ein zusätzliches Direktmandat gestritten). So oder so kann sich das Resultat sehen lassen: die 275 Sitze des HoR verteilen sich wie folgt:
- 182 RSP (Rastriya Swatantra Party - Nationale Unabhängige Partei, gegründet am 1.7.2022)
- 38 NC (Nepali Congress - die einst stärkste Partei des Landes)
- 25 UML (Unified Marxist-Leninist, die Partei des Ex-PM KP Sharma Oli)
- 17 NCP (Nepali Communist Party)
- 7 SSP (Shram Sanskriti Party - Labour Culture Party, gegründet am 28.9.2025)
- 5 RPP (Rastriya Prajatantra Party - National Democratic Party, strebt die Wiedereinführung des hinduistischen Königreichs an)
- 1 Unabhängiger
Nicht genug, dass der damalige PM KP Sharma Oli sein Amt am 9. September unter Druck der Gen Z Demonstrationen mit den ersten 20 toten Jugendlichen aufgeben musste: sein Haus wurde abgefackelt, auch das Haus seines Vaters in Jhapa, er verlor am 5.3. seinen Wahlkreis Jhapa haushoch gegen den Herausforderer Balendra Shah, seine Partei verlor den Rückhalt im ganzen Land wahrscheinlich lange vor den Wahlen und er selbst die Glaubwürdigkeit. Auch wenn es ein schleichender Prozess war zwischen dem 8.9.2025 und dem 5.3.2026, wahrhaben wollte es bis zuletzt niemand. Gestern früh starb KP Sharma Olis Vater im Alter von 97 Jahren und am Nachmittag musste er als ältester Sohn (er ist gerade mal 23 Jahre jünger) die letzten Dienste bei der hinduistischen Einäscherungszeremonie verrichten. Die ganze UML versammelte sich hinter ihrem 1. Sekretär (pardon: Präsidenten) in Pashupatinath. Aber die Zeichen der Zeit lesen will keiner.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen