Mittwoch, Juni 10, 2026

Wandelröschen

Was hier überall wild wächst und gerade stürmisch blüht, sind Wandelröschen. Auch Verbenakraut oder Eisenkraut genannt. Hier kann man sie sehen, etwas runterscrollen bitte. Ich könnte die jungen Blätter einsammeln und Tee kochen. Gilt alles als Unkraut, ist vernachlässigbar wie Chutro und Gurjo (bis vielleicht der eine oder andere große Nachbar Bedarf anmeldet), wird, wenn Wände und Wege bis zur Unkenntlichkeit überwuchert sind, einmal im Jahr brutal bodennah abgehackt. Oder abgebrannt.
Unser einstiger Home Minister ist wieder in sein Amt zurückgekehrt. Die Gründe, weshalb er nur drei Wochen nach Amtsantritt freiwillig zurücktrat - damit eine unabhängige Kommission seine undurchsichtigen Besitzverhältnisse durchleuchten kann - sind offenbar alle hinfällig. Unter den Teppich gekehrt oder unter den Tisch gefallen. Wie Müll, der nicht nur am Everest fallen und liegen gelassen wird, sondern ungefähr an jeder Ecke des Landes. Die Nepali haben null Bewusstsein für die Ökologie ihrer Umwelt, die biologische Grundlage ihres Lebens - den gesunden Ackerboden, die frische Atemluft - und kontaminierende Abfälle. Das ist einerseits sympathisch (man denke nur an das als littering bezeichnete, scharf verfolgte und horrend gebüßte Vergehen im saubersten Land der Erde), andererseits eben fatal. Sobald die Wandelröschen alles überwuchert haben, betören sie uns mit ihren zarten Blüten. Dann ist das Problem ästhetisch gelöst und der Müll auf natürliche Art und Weise verschwunden. Gerät der wunderschöne Wildwuchs außer Kontrolle, wird er abgefackelt. Mit ausnahmslos allem, was darunter liegt.

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