Freitag, Juni 05, 2026

Hillary Sir

Niemand kommt ohne die Hilfe der locals, der Sherpas auf den höchsten Gipfel der Erde. Niemand darf die Mutter Qomolangma besteigen, ohne die Begleitung eines Sherpas, der die ungeschriebenen Gesetze dieser Welt kennt und respektiert. Das war immer so und so wird es bleiben. Gerade nach der alle Grenzen des Vorstellbaren sprengenden Selbstrettung eines 52 Jahre alten Sherpas, Hillary Zwo.

Sir Edmund Hillary wäre ohne Sardar Tenzing Norgay Sherpa nie auf den Gipfel gekommen. Und ohne die anderen - Köche, Porter, Logistiker - schon gar nicht. Dass die beiden am 29. Mai 1953 die Ersten waren, ist Zufall. Es hätte auch anders kommen können. Sardar Tenzing war im Jahr zuvor mit einer Schweizer Expedition bereits kurz vor dem Gipfel. Ein Wetterumschwung zwang sie auf 8600 m zur Umkehr.

Damals - davon mögen Extremsportler und Einzelgänger heute träumen - erlaubte das hinduistische Himalaya-Königreich Nepal eine einzige Everest-Expedition pro Jahr. Hätte Mutter Qomolangma auch Hillary Sir im entscheidenden Moment einen Hagelsturm geschickt, wären wieder die Helvetier an der Reihe gewesen. Die kamen 1956 wieder. 

Heute ist es eine Industrie - The Everest Expedition Industry, der Hillary Zwo fast zum Opfer gefallen wäre. Er ist ein erfahrener Bergsteiger und erprobter Krisenmanager. Den Spitznamen "Hillary" bekam er 2008, als er beim Abstieg vom Makalu das Steigeisen am linken Schuh verlor - und es erst merkte, als er die steilsten Stellen überwunden und wieder festen Boden unter beiden Füßen hatte. Erst dann fiel ihm das Ungleichgewicht auf. 2019 stürzte er in eine Eisspalte, er war aber nicht allein und wurde gerettet, hatte zwei gebrochene Rippen. Letztes Jahr war er schon einmal auf sich selbst gestellt. Im späten Frühjahr fiel am Chulu West heftiger Schnee und die Expedition musste abgebrochen werden. Die Kunden wurden mit dem Helikopter ausgeflogen und die beiden Sherpas durften zu Fuß zum Base Camp zurückkehren. Die beiden waren lange unterwegs und galten schon als vermisst, als sie nach Tagen unvermutet aus dem Wald auftauchten. Hillary Zwo weiß sich (und anderen) zu helfen. In diesem Jahr ging er ausgerechnet am Sagarmatha Day am Everest zwischen Camp 4 und Camp 3 "verloren". Am 73. Jahrestag der Erstbesteigung von Sardar Tenzing Norgay Sherpa und Hillary Sir.

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