Samstag, Februar 28, 2026

द्वादशी

Samstag. Ruhetag in Nepal. Der 16. Falgun, द्वादशी (Dwadashi) der shukla paksha. Wer gestern gefastet hat, kann heute wieder essen. Alle andern auch. Es ist der 12. Tag des zunehmenden Mondes. Ein schlechter Tag für die ganze Welt, das triple Feuerpferd, gerade mal 10 Tage alt, ist aus dem Stall ausgebrochen. 

Freitag, Februar 27, 2026

8848

Die Luft ist dick. Im wahrsten wie im unwahrsten Sinn. Wir husten beide und von der Stadt ist nichts zu sehen. Von der Sonne auch nichts. Nur dicker Smog. Unten und oben. Ich besorge auf Vorrat Katzenfutter (diesmal chicken, den fish aus der letzten Packung fraßen sie mittelmäßig begeistert und nur, wenn sie bei den Nachbarinnen nichts besseren bekamen), ein Karat Eier,  2 kg kar.ma coffee (1 x dark roast, beans und 1 x medium roast, für french press gemahlen), Hustensaft und Allegra. Mo:mos liegen noch reichlich auf Eis. Auf dem Heimweg vom Dragon überqueren wir die Golfutar, steigen über aufgetürmte Pflastersteine und offene Kabelschächte, kaufen eine Flasche 8848. Die Alkoholshutters sind alle wie immer offen. Das Alkoholausschank- und verkaufsverbot sollte bereits in Kraft getreten sein. In unserem Lieblingsshop sitzt um diese Tageszeit immer ein Polizist oder eine Polizistin. Ich habe jeweils den Eindruck, die ruhen sich da in der Ecke aus vom Regeln des Feierabendverkehrs. Diesmal ist es ein Mann, mit Schlagstock. An der Straße stehen sie zu mehreren. Alle mit ebensolchen Stöcken. Auch das hatte der deutsche Botschafter fürsorglich angekündigt: mehr Polizeipräsenz! Mehr Militärpatrouillen. Mehr Ausweiskontrollen. Aber uns sieht man von weitem an, dass wir nicht dazu gehören, keinen Aufstand planen und sicherlich keine Wahlurnen klauen wollen. Von uns geht keinerlei Gefahr aus. Im Gegenteil. Wir unterstützen die Nachbarn. Niemand hindert uns daran, unseren hochprozentigen Einkauf über die überfüllte Golfutar nach Hause zu balancieren. Die Luft ist am Abend noch dicker als am Morgen. Im übertragenen und nicht übertragenen Sinne.

Donnerstag, Februar 26, 2026

new year

Noch ein neues Jahr beginnt. W hat Geburtstag und schwört, dass dies sein letztes busy Lebensjahr werde. Er relativiert den Schwur schon nach wenigen Stunden.

Das Auswärtige Amt meldet sich wieder einmal rechtzeitig und fürsorglich an seine "Lieben Landsleute in Nepal". Unterschrieben ist das Schreiben vom deutschen Botschafter und der beginnt seine Hinweise mit dem schönen Satz "Inzwischen hat der Wahlkampf begonnen". Nun ja, es wird ja auch Zeit!  Im Internet tobt er natürlich schon lange, dort hat angeblich AI oder der Algorithmus längst entschieden und setzt entsprechende Präferenzen, beklagte kürzlich ein Printmedium. So ist es in modernen Zeiten. Die Grenzen zu Indien werden für 72 Stunden geschlossen, schreibt der Botschafter. Ich dachte, alle rundum, also auch die zu China. Aber von China befürchtet man wohl keine "Wahlbeeinflussung". Am Wahltag gilt ein Fahrverbot bis um 17 Uhr - in besagtem Printmedium las ich, dass es gelten soll, bis die Stimmen ausgezählt sind (und das kann ja dauern ...). Wir nehmen's gelassen, ich geh eh zu Fuß und W. kann zu Hause arbeiten. Wir richten uns auf so etwas wie curfew, Dashain und Tihar in einem ein. 

Übermütig wie wir sind, fahren wir zum Essen über eine Rumpelstrecke nach Boudha. Zu den Buddhisten. Noch funktioniert InDrive. Dort überrascht uns Regen.

Mittwoch, Februar 25, 2026

Tradition

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Der Wahlkampf beginnt erst so richtig zu kochen. Morgen in einer Woche sollen die Parlamentswahlen stattfinden und keine Partei bzw deren sogenannte Spitzenkandidaten (sind ja mehrheitlich männlich) ist sich zu blöde, nochmals darauf hinzuweisen, dass nach wie vor nicht klar sein, ob sie tatsächlich zum festgesetzten Termin stattfänden. Unser Nachbar verkündet sogar, für seine Partei sei das kein Problem, man möge aber eine eventuelle Verschiebung bitte schön spätestens 4 Tage vor dem 5.3. mitteilen. Einen Kommentar lese ich - und reibe mir ungläubig die Augen - dass sei die politische Tradition. Vor allen Wahlen in den letzten Jahrzehnten sei bis zum Wahltag darüber spekuliert worden, ob die Wahlen pünktlich stattfinden oder nicht.

Die Grenzen werden geschlossen und der Privatverkehr ab Mitternacht des 4. oder 5.3. unterbunden, Inlandsflüge sollen entgegen erster Meldungen nun doch stattfinden und wer vom Flughafen zu seinem Wahllokal ein Transportmittel braucht, dem wird es zur Verfügung gestellt (wie auch immer). Die Wahlkommission empfiehlt dem Innenminister (oder umgekehrt? ), ein Alkohol-(verkaufs- und konsumierungs-)Verbot 7 Tage vor der Wahl zu erlassen. Das wäre ungefähr ab heute. Damit alle ihre Stimme nüchtern abgeben. 

Dienstag, Februar 24, 2026

Regen

Nach 14 Uhr fängt es tatsächlich an zu regnen. Ein einziges Mal kracht es ganz fürchterlich. Ein gewaltiger Donner entlädt sich über dem Valley. Die Wut der Götter? Den Blitz konnte ich nicht sehen. Wie auch, der Donner hat mich aus meinen Gedanken aufgeschreckt. Die durch die Bauarbeiten (Verlegung von Erdkabeln, Kappen der Freileitungen) seit Wochen aufgerissenen, immer schon holperigen und unwegsamen, sogenannten Bürgersteige verschlammen und werden praktisch unpassierbar.   

Hier der tägliche Weg zu unserem Lieblings-eating-point.

Montag, Februar 23, 2026

11.11.

Heute ist im Nepali Calendar der 11. Tag des erften Monats des Jahres, Falgun. Der 11.11. - eine Schnapszahl? Narrenzahl? Engelszahl? Nichts dergleichen. auch kein Mantelteilender Heiliger Martin. Der Community Manager teilte gestern zu bereits nachtschlafender Zeit mit, dass heute, am 11.11. um 6 pm unsere community bitteschön die erste (von allen kandidierenden, das sind etwa 125!) politische Partei bei ihrem Wahlkampfauftritt herzlich begrüßen möge. Die message war in nepali verfasst, also betrifft sie uns nicht. Vorstellen werden sich die Kandidaten der CPN-UML - das sind die Kommunisten, die vereinigten Marxisten und Leninisten mit ihrem Langzeitvorsitzenden und Ex-Premierminister, dem ewiggestrigen Herrn Oli (der gerade gestern, in Klammern sei's angemerkt, seinen 74. Geburtstag feierte). Es gibt Leute, die bezeichnen KP Oli als Mörder (ua der 76 Märtyrer der Gen-Z-Proteste). Und es gibt Leute, die drücken ihm beide die Daumen. Lang lebe die Demokratie! 

In Gaur hingegen zogen die Streithähne am Vormittag in einem vereinten Kraftakt - peace march - durch das Dorf Sabgadh, wo die Weddingparty stattgefunden hatte, in deren Folge Steine und Verwünschungen flogen. Heute demonstrieren sie Einigkeit und rufen zum sozialen Miteinander auf. Beide communities, Hindus und Moslems, unterzeichneten gestern abend ein Friedensabkommen und der Ausnahmezustand wurde aufgehoben, damit heute, am 11.11. Politiker, Offizielle und Inoffizielle, normale Bürger und Bürgerinnen wieder zusammen auf die Straße gehen dürfen.

Sonntag, Februar 22, 2026

Katzenfamiliengeschichten

Sonntag. Endlich wird wieder ordentlich gearbeitet. Ein neues Pelztier sitzt in meinem Garten! Eine Designerkatze. Sie wandert den lieben langen Tag um das Haus herum auf der Suche nach ein bisschen Schatten. Es ist ihr zu heiß an der Sonne. Futter verlangt sie nicht, auch sonst verhält sie sich eher unauffällig. Sigi hingegen ist heißhungrig und meidet Gesellschaft. Sie wird seit Tagen von drei Katern bedrängt und der eine, den ich einst Whity nannte, hat sie vor ein paar Tagen in meinem kleinen Hinterhof erfolgreich bestiegen. Whity ist nach längerer Abwesenheit wieder auf dem Hill angekommen. Er sieht aus, als ob er zur Kur war, an der See oder in der Höhe, im Sanatorium. Gut genährt und weniger verlaust. Tom hingegen bleibt verschwunden. Von Whity gibt es mittlerweile ein double - oder avatar, wie so etwas unter Göttern, bei Lord Vishnu zum Beispiel, genannt wird. Wahrscheinlich sein - ihr gemeinsamer - Nachwuchs. Von der Mutter hat er den getigerten Schwanz. Von Sigi gibt es auch ein double, der hat vom Vater ein paar weiße Felltupfer an den Pfoten. Die Nachkommen sind allesamt männlich. Und allesamt lümmeln sie nun um die arme läufige Katze herum. Mutter hin oder her. Inzucht hin oder her. Sie ist vorsichtig, verängstigt, verkriecht sich in Onkel Toms Hütte und ich stelle ihr das Futter dort vor die Nase. 

Ob der neue Perser männlich oder weiblich ist, weiß ich nicht. Es scheint aber eine Hauskatze zu sein, denn sie ist nicht menschenscheu und eher übergewichtig. Das Fell wirkt gepflegt. Die Augen sind senf- oder sonnenuntergangsgelb. 

Ich hoffe, das Tier ist kastriert. Eine Mischung mit den wilden Hillkatzen mag ich mir bei aller Liebe nicht vorstellen.

Samstag, Februar 21, 2026

Hängemattenmond

Samstag. Immer noch kein Bike auf dem Parking. Aber so etwas wie Wahlkampf oder Werbung (wofür auch immer) aus einem Lautsprecher auf einem Auto. Ich verstehe immer noch gar nichts. In Gaur - गौर  (was für ein schönes knappes Wort! Immerhin lesen kann ich) im Tarai wird nach Ausschreitungen im Rahmen einer Hochzeitsfeier eine Ausgangssperre verhängt. Bis auf weiteres. Offenbar gab es - wen wunder's? - Meinungsverschiedenheiten unter Mitgliedern verschiedener communities. Hindus und Moslems. Die einen wollten singen und tanzen, die andern beten. "Provozierende" Slogans flogen hin und her, die Hindus skandierten "Jaj Shri Ram", die Moslems antworteten mit "Nara e Takbir". Das alles passierte in der Nacht von Donnerstag zu Freitag. Am Freitag einigten sich die zerstrittenen Gruppen unter Vermittlung der Polizei auf 6 Punkte, um wieder ein friedliches und harmonisches Miteinander zu finden.  Heute morgen flogen Steine. Ein Scorpio mit indischem Kennzeichen sowie ein gutes Dutzend Motorräder gingen in Flammen auf. Das weckt ungute Erinnerungen. Um das Brodeln unter Kontrolle zu bringen, gilt nun eine Ausgangssperre. Bis auf weiteres. In Gaur im Tarai. Weit weg von der Hauptstadt.  

Wir sitzen nach Sonnenuntergang auf dem Dach und betrachten den neuen Mond. Die Temperatur ist angenehm. Der Mond sieht schon kräftiger aus und hängt wie eine Hängematte am Himmel.

Freitag, Februar 20, 2026

Wetterwechsel

Die Nachttemperatur steigt auf gute zweistellige Werte. Ich schlafe bei offenem Fenster. Pollution ist unverändert hoch. Auch nachts. Die Tagestemperaturen gehen auf Mitte 20 zu. So schnell ist der Winter vorbei. Ich kann am Nachmittag mit meinem Buch nicht mehr auf dem Dach sitzen. Die Sonne brennt gnadenlos. Am Abend zieht sich der Himmel zu und zeigt den neuen Mond nicht.

Donnerstag, Februar 19, 2026

76. Democracy Day

National Public Holiday. National Democracy Day. Kein Bike. Der Pretender beendet seine kurze Videobotschaft mit "May Lord Pashupatinath bless the welfare of us all". Die Interimsministerpräsidentin warnt beim offiziellen Festakt vor weiteren Protesten, wenn die Anliegen der Jugend nicht ernst genommen werden würden ... An den Wahlurnen oder danach? Präsident Paudel richtet derweil warme Grüße an alle Nepali im In- und im Ausland. 

Sie sprechen alle die bekannten und unbekannten Märtyrer an, die im Kampf für die Demokratie über all die Jahrzehnte ihr Leben hingegeben haben. Alle möchten letztlich nur Frieden, Stabilität und Wohlergehen. Die einen sorum, die andern andersrum.

Mittwoch, Februar 18, 2026

Losar Tashi Delek

Losar Tashi Delek! Happy New Tibetan Year 2153.

Heute wieder ordentlicher Feiertag. Tibeter sind eine Minderheit in Nepal, wenn auch eine umstrittene. Angeblich lebt hier die größte Exil-Gemeinde außerhalb Indiens. Also public holiday. Weil auch die Sherpas heute Neujahr feiern, Gyalpo Lhosar. Auch sie sind Buddhisten und leben in den Bergen. Zur Feier des Neuen Jahres werden Guthuk (Eintopfsuppe) und Khapse (frittierte Kekse) zubereitet und verspeist.  

Kein Moped auf dem Parking. Trotzdem miserable Luftwerte. Zu meinen Füßen wird Gestrüpp abgebrannt. Die Nachbarn haben ihre in der Wintersonne verblassten buddhistische Fahnen erneuert. Nun leuchten sie wieder in allen Farben. Losar Tashi Delek!  

Dienstag, Februar 17, 2026

Happy Triple Fire Horse Year

春節 Chunjie - chinesisches Neujahrsfest. Frühlingsfest. Heute beginnt das Jahr des Feuerpferds. Heute endet Maha Shivaratri. Heute ist Neumond. Heute ist der Siebzehnte 17. Tag eines Monats für uns in diesem Land. Wieder einmal türmen sich die Feierlichkeiten über unseren Häuptern. In Nepal natürlich kein public holiday (alle Bikes stramm und in Reih und Glied), weil Chinesen in diesem Land keine Minderheit sind. Dafür in China spring festival - eine ganze freie Woche. 

Triple Fire Horse - Dreifach Feuer Pferd. Die Menschheit erwartet ab heute Energie, Hitze, Bewegung! Transformation, Chaos, Umbruch und dergleichen Heftiges mehr. 

Dreifach weil: der chinesische Lunisolar Kalender einem 60-Jahreszyklus folgt. Die 12 Tierkreiszeichen verbinden sich wechselnd mit den 5 Elementen (Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser). Wir treten nach der Holzschlange nun ins Jahr des Feuerpferds ein. 10 Himmelsstämme bestimmen außerdem die energetische Yin- oder Yan-Portion für das betreffende Zeichen und sein Element. Unser aktuelles Feuerpferd dominiert ein Yang-Himmelsstamm und verdoppelt seine Energie hin zu einer durch und durch maskulinen Durchsetzungskraft. Verdreifacht wird das Feuer des Yang-Feuerpferds durch den 180-Jahres-Energie-Zyklus des Feng Shui. Der teilt sich in 9 Phasen zu 20 Jahren. Die letzte Phase - FEUER - startete im Jahr 2014. Ist also derzeit noch aktiv und wird es für die nächsten 8 Jahre weiterhin bleiben.

Happy Triple Fire Horse - 万事如意: möge alles nach Wunsch verlaufen.

Montag, Februar 16, 2026

चौरासी

चौरासी - caurāsī ist die Zahl 84. Aber nicht Orwell - sondern Nepal. Das ist das Alter, das hier erstrebenswert ist. Wer 84 Jahre alt wird, hat einen Meilenstein in seinem Leben erreicht und gilt als Halbgott oder sterblicher Gott resp. Göttin. Darüber lese ich gerade ein Buch, eine weitere Familiensaga: die Großmutter, die zur Feier ihres चौरासी - caurāsī, ihres 84. Geburtstags eben, die drei (nein, es sind vier, aber der vierte ist nicht eingeladen udn kommt trotzdem)  in der westlichen Welt zerstreuten Enkelkinder zurückruft. Die Eltern dieser Enkel, also der Sohn und die Schwiegertochter der Jubilarin, starben früh bei einem Unfall, weshalb die Oma die Kinder aufzog und weshalb diese wahrscheinlich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit das Weite suchten. Wie auch immer, der gap - Abgrund! - ist angelegt. Liest sich zäh. Langfädig. Ausufernde Sätze. Verwirrende Komposition. Ein literarischer Erstling (aus dem Jahr 2016, dem längst preisgekrönte Zweit- und Drittlinge folgten). 

Mich interessiert in erster Linie nur die Zahl. Nur die Sprache. 80 = अस्सी - assi. Und 4 = चार - car. Die Zahl 4 ist fast ein Vogel (= चरा - cara), aber ohne dessen langes helles a am Schluss. 84 wird in Nepali so gebildet wie im Deutschen: Vier-und-achzig, die 4 wird etwas aufgehellt als "caur"+"assi", aber syntaktisch spielt die Klangfarbe der Konsonanten (ja! das nepalesische Wort चौरासी - caurāsī besteht nur aus Konsonanten) keine Rolle. Die nepali numbers funktionieren wie die deutschen (Vierundachzig) und keineswegs wie englische (eightyfour).  

Prajwal Parajuly, der Autor erklärt in seiner abschließenden Notiz, warum ausgerechnet der 84. Geburtstag im Leben eines Menschen so entscheidend ist. Er gesteht, dass keiner der Texte, Priester, Weisen, Unweisen, die er konsultierte, eine ihn überzeugende und stichhaltige Antwort geben konnten. Deshalb habe er sich eine eigene mathematische Formel zurechtgelegt: 12 (Vollmonde) x 84 (Lebensjahre) = 1008. Ein 84-jähriger Mensch hat nach Parajulys Gleichung in seinem Leben 1008 Vollmonde erlebt. Und 108 und 1008 gelten im Hinduismus als auspicious numbers - symbolische, wichtige, Glück verheißende Zahlen. Parajuly ist happy, die Lösung scheint gefunden.

Wie so vieles in diesem Land: reine Phantasie! Pure Propaganda! Kreativ, zugegeben, aber leider nicht im Sinne des Universums. Hat nix mit den Rotationen der Himmelskörper zu tun. Wie wir wissen (wer weiß es nicht?), gibt es alle 2-3 Jahre ein Jahr mit 13 Vollmonden. So auch 2026: im Mai werden wir zwei Vollmonde am Himmel erleben, den zweiten als sogenannten bluemoon. Wir befinden uns gerade mitten in einem blauen Mondjahr. Und das ist den ungleichen Längen von Sonnen- und Mondjahr geschuldet, wie ich kürzlich schon feststellte. Nach wie vor addiert sich die Differenz von 11 Tagen nach etwa 3 Jahren zu einem zusätzlichen Mond-Monat. Und der beschert uns einen dreizehnten Vollmond. Auch einen 13. Neumond natürlich.

Ein 84-jähriger Mensch hat also die gute Chance, zu den von Herrn Parajuly ausgerechneten 1008 Vollmonden noch mehr oder weniger 30 Vollmonde mehr in seinem langen Leben gesehen zu haben. Ich mache mir den Spaß und die Mühe und rechne aus, wie viele Vollmonde mit bis zu meinem 84. Geburtstag den Schlaf geraubt haben werden: 1008 + 31 = 1039. Ein Total, eine Zahl ohne jeden HIntersinn, ohne auspicious Qualität! Außer man oder frau (er)findet etwas. 

Sonntag, Februar 15, 2026

Happy Maha Shivaratri

महाशिवरात्रिको शुभकामना - Happy Maha Shivaratri! Feiertag. Kein Bike. Schon den zweiten Tag in Folge. 

महाशिवरात्रि - Maha Shivaratri ist die große Nacht Shivas, am 14. Tag des abnehmenden Mondes im Monat Falgun. Also am Tag oder in der Nacht vor Neumond. Jeder Mondmonat hat sein Shivaratri, den 14. und dunkelsten Tag der abnehmenden Mondphase. Maha Shivaratri aber ist von höchster spiritueller Bedeutung.

Ich habe die hauchdünne Sichel mit den beiden sehr spitzen Enden früh im Osten gesehen, kurz nach Mondaufgang am noch tiefschwarzen Himmel, ehe eine verschwommene Dämmerung über dem Valley einsetzte und das wenige, das vom Mond zu sehen war, vereinnahmte und noch vor Sonnenaufgang verschluckte.

Maha Shivaratri feiert die "göttliche Hochzeit" von Lord Shiva und Parvati. Durch die Verbindung der beiden ist das Universum aus der Wiege gehoben worden - sagen die Hindus. Reines Bewusstsein (Shiva) und kreative Energie (Parvati) bringt den Kosmos zur Vernunft, bzw in Balance. Außerdem feiert Maha Shivaratri den kosmischen Tanz Tandava, Shiva als Tänzer Nataraja tanzt den Schöpfungstanz und setzt damit die Welt in Bewegung. Deshalb soll man heute Nacht nicht nur fasten, mit geradem Rücken meditieren und wach bleiben, sondern auch durchtanzen!

Und Maha Shivaratri feiert Shiva als unendliche Lichtsäule, als Jyotirlinga, als Besitzer unendlicher Macht. Im Trimurti nimmt er dadurch die höchste Stellung, über Brahman und über Vishnu ein.

Maha Shivaratri feiert auch Shivas Mut, als er das Gift der Welt trank und so die Menschheit davor bewahrte, daran zu sterben. Und wie an jedem hinduistischen Fest wird auch heute Nacht der Sieg des Guten über das Böse gefeiert. Shiva soll nämlich auch die dämonischen Brüder Kamalasksha, Tarakaksha und Vidyunmali mit einem einzigen Pfeil ausgeschaltet haben. Mehr geht eigentlich nicht.

महाशिवरात्रिको शुभकामना - Mahasivaratriko subhakamana - all the best for Maha Shivaratri! 



Samstag, Februar 14, 2026

Simarouba Glauca

Samstag. Kein Bike. Die Sonne zeigt sich nicht richtig. Der Mond leuchtete schmal und an den Enden spitz, bis der Tag hell wurde. Die Luft ist so schlecht wie die Sicht.

Vielleicht hilft meine tägliche pure Anwesenheit um oder am, unter, neben dem लक्ष्मी तरु - Laxmi Taru. Dem Laxmibaum. Die Blätter fallen gerade zu Hauf. Sie sollen, solange sie frisch und grün sind, wundersame Wirkungen haben. Das hat mir schon zu Beginn (vor über einem Jahr) mein Mönch erklärt, sie helfen gegen Zahnschmerzen. Wenn ich ihn richtig verstanden haben, soll man die Blätter oder ein Teil davon, denn sie können größer als zwei Handteller sein, kauen.  

Die Einheimischen kochen die Blätter aus, der Sud soll allgemein das Immunsystem stärken und man bleibt gesund, verschont von jedem Leiden. Das ganze Leben lang. Sagt der Volksmund oder Ayurveda, ich weiß es nicht. 

Alkoholextrakte aus den Blättern sollen antibakterielle und antitumoröse Wirkungen haben. Gegen Krebs hilft es nur im Anfangsstadium, danach kann sich die Wirkung ins Gegenteil umkehren und das Wachstum der Tumors befördern. Wie immer, kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und die richtige Dosierung an. Die Quassinoide (abgebaute Triterpenlactone) der Simaroubaceae-Planzen haben Anti-Leukämie-Eigenschaften, verbessern den mitochondrialen Stoffwechsel und erhöhen den Energielevel. Gut so. Ich danke meinem लक्ष्मी तरु - Laxmi Taru jeden Tag, dass er da ist.

Freitag, Februar 13, 2026

1. Falgun

फाल्गुन - falgun, der elfte Monat im nepali calendar Bikram Sambat beginnt. Das Jahr 2082 hat 12 Monate wie unser Jahr 2026 auch, es geht aber bereits Mitte April AD zu Ende. Einen Kalender für das Jahr 2083 werde ich frühestens dann bekommen.  

प:मा ननि
Monatsanfang. Einen Freitag den Dreizehnten kennt man hier nicht, ich glaube, auch das hatten wir schon: Freitag ist immer der glücklichste Tag der Woche. Heute ist er noch glücklicher: das fünftägige Festival Maha Shivaratri beginnt. 

Am Pashupatinath Tempel sind alle Vorbereitungen getroffen, lese ich, und alle vier Tore geöffnet. Es werden bis zu 800 000 Gläubige, Pilger, und etwa 4000 साधु - Sadhus, Gute, Weise und Heilige erwartet. 

Der pretender kehrt am Mittag aus dem Osten in die Hauptstadt zurück. Wir sind auf dem Weg nach Thimi und sehen seinen Helikopter im Landeanflug auf den Flughafen. Sonst ist nichts in der Luft. Nicht einmal einer ewig hungrig kreisenden Schwarzmilane. Am Boden erwartet seine Hoheit eine Schar Monarchisten, die ihn sicher in sein Domizil eskortieren wollen. Bis wir zurückkehren, sind die Straßen hoffentlich wieder frei. 

प:मा ननि - pa:ma nani an einer Straßenecke in der Dreisprachenstadt Thimi meint vielleicht: Im Westen nix Neues. I don't know.

Donnerstag, Februar 12, 2026

29. Magh

Monatsende. Der 29. Magh. Der zehnte Monat im nepalesischen Kalender Bikram Sambat hat im Jahr 2082 nur 29 Tage. Ich versuche immer noch zu begreifen, was es mit der Zeit hier auf sich hat. Seit ein paar Tagen ruft mich der abnehmende Mond am Morgen aus dem Bett. Eigentlich ist Bikram Sambat der Sonnenkalender der Nepali, ihre religiösen Festivals feiern sie aber nach dem Mondkalender. Bikram Sambat macht den Spagat und integriert Sonnen- und Mondläufe zu einem Kalendersystem. Daraus wird ein Lunisolaralmanach, lese ich. Sonne und Mond haben aber unterschiedliche Laufgeschwindigkeiten, der Mond hinkt der Sonne pro Jahr 11 Tage hinterher: das Sonnenjahr hat 365 Tage, das Mondjahr 354. Diese 11 Tage summieren sich in drei Jahren zu 33 und ergeben einen ganzen zusätzlichen Monat. Den Schaltmonat. Genannt Malamas ("der Monat ohne besondere Anlässe"). Oder Adhik Mas ("der zusätzliche Monat"). Oder Purushottam Mahinas ("der Monat des Höchsten Wesens" - Purushottam ist ein weiteres Epitheton seiner Heiligkeit Lord Vishnus). Nicht nur die Zeit läuft mehrspurig wie eine Autobahn, auch die Sprache. Angeblich gibt es eine sogenannte Monatswechselregel, nach der der Beginn eines neuen Monats astronomisch festgestellt wird. Ich nehme an im Voraus, vielleicht für ein ganzes Jahr und nicht erst heute für morgen. Oder morgen für gestern.

Sicher ist aber, dass der letzte Malamas vom 18. Juli bis 16. August 2023 eingesetzt wurde. Der nächste folgt also bald. Nämlich nach genau 32 Monaten und 16 Tagen. Um das Datum exact ausrechnen zu können, müsste ich entweder einen Nepali Kalender haben, der über das laufende Jahr 2082 hinausreicht. Oder wissen, wie viele Tage jeder vergangene Monat seit dem letzten Malamas hatte. Beides ist mir gerade nicht vergönnt.

Mittwoch, Februar 11, 2026

लक्ष्मी

Auch Laxmi begreife ich nun: लक्ष्मी. Einige transkribieren als Lakshmi oder Laksmi. Ich bevorzuge Laxmi, dann muss ich nicht denken. Ein x befreit! Beseitigt jede Unruhe im Kopf. Das Original hingegen ist, wie immer, simpel: लक्ष्मी

Konsonant ल = "la" + Halb-Konsonant क्ष ="chhya" oder "kshya" (je nach Weltanschauung), verkürzt, weil ohne a = क्ष् + direkt verbunden mit म = ma (wie in म = ich oder मो:मो = mo:mo) wird daraus क्ष्म + Vokal i = क्ष्मी 

Alles hintereinander zusammengesetzt, 1 Konsonant + 1 Konsonantencluster + 1 Vokal: लक्ष्मी

Nichts einfacher als das! लक्ष्मी ist die Göttin des Glücks und des Wohlstands. Und mein Laxmibaum ist das weibliche Pendant zum Bodhibaum. Um jeden Tempel wächst ein männlicher und ein weiblicher Baum. Das ist so und muss so bleiben. Mein Laxmibaum ist in Wirklichkeit ein लक्ष्मी तरु - Laxmi Taru. Oder Paradiesbaum, wissenschaftlich Simarouba Glauca. Auch den hatten wir schon.

Dienstag, Februar 10, 2026

श्री हरि

Auch श्री हरि - Shri Hari ist ein Name Lord Vishnus. Er besitzt ungefähr so viele Namen wie Avater. Und auch das hatten wir schon. Der kleine Tempel in Dhapasi Devi mit dem in einem Miniwasserbecken liegenden Mini-Vishnu ist laut Inschrift श्री हरि विष्णु नारायण - Shri Hari Vishnu Narayan gewidmet. Das ist - wie ich erst jetzt verstehe - das Nonplusultra oder der gesamte cluster an Ehrerbietung und Hochachtung. Aber der Reihe nach. श्री हरि - Shri Hari, lese ich, sei der, der allen alle Sorgen und Schmerzen abnehme. Shri Hari ist ein weiteres Epitheton Lord Vishnus und meint hier, im Beiname des Obersten Hindugottes, Befreier von Sünden. Ich wusste nicht, dass Hindus auch sündigen. Ich dachte, das sei Rom vorbehalten und die Absolution dem Papst. Aber siehe da: wer inbrünstig genug (with a pure heart - mit einem reinen Herzen) zu श्री हरि विष्णु - Shri Hari Vishnu betet, wird von allen Sünden erlöst. Und wenn die Hingabe Wohlgefallen findet, kann Shri Hari Vishnu sogar die größten Krisen wegputzen. Mit einem Handstreich. Hände hat er mehrere.

Warum huldigen wir also nicht einfach alle Shri Hari und die Welt ist erlöst von allem Bösen und allen Irren?

Montag, Februar 09, 2026

Abwasser

Keine Phantasie und keine Mythologie, reine Chemie: 60 Prozent des Trinkwassers landesweit sind abwasserbelastet. Also ungesund. Verseucht. Wir schaufeln hier unser eigen Grab. Mit Luft, Wasser, grünem Gemüse, Zahnpasta und wer weiß was noch.

Im Labor wurden gefährliche Mikroben gefunden, Kolibakterien und Coliforme. Das sei nicht neu in Nepal, sagen die Wissenschaftler. Neu und alarmierend sei, dass pathogene Mikroorganismen in 60 Prozent der aus Haushalten aus allen Landesteilen entnommenen Proben vorhanden seien. Das bedeute, dass die Mehrheit der Bevölkerung krank machendes Wasser trinke. Die Untersuchung zeige auch, dass 98,2 Prozent der Bevölkerung Trinkwasser aus sogenannt improved sources konsumiere, also Wasser, das aufbereitet und deklariert als Trinkwasser verkauft wird. Abgefüllt in großen oder kleinen Plastikflaschen. Hygienisch sauber versiegelt. Wie wir auch. 

This means, sagt ein Mitarbeiter der entsprechenden Behörde, the so called improved sources have yet to be improved. Anonym. Sein Name soll nicht in der Zeitung erscheinen, er ist nicht autorisiert, mit der Presse zu sprechen.

Sonntag, Februar 08, 2026

Epitheton

Noch einmal Narayan. Noch einmal Wasser. Noch einmal Bewegung. Narayan, wir hatten das schon einmal, ist ein Epitheton für Lord Vishnu. Ein Beiwort. Eine Attribut. Eine nähere (wissenschaftliche, biologische, typisierende oder schlicht ästhetisierende) Bestimmung. Vishnu ist im Götteruniversum des Hinduismus der Schöpfer und die Quelle ein und alles - bzw einer drei Höchsten vereint im Trimurti. Auch das hatten wir schon.

Ich lese und lerne - ich soll jeden Tag etwas lernen - dass नारायण Narayan ein vielschichtiger und breitgefächerter Terminus ist, und das Wort mannigfaltig aufgespalten werden kann:

Nara + Yana = man + vehicle. Etwas, das den Menschen faktisch und physisch trägt und vorwärtsbewegt. Durch das Universum. Oder zu Wasser, Luft und Erde. So verstehe ich das.

Nar + Ayana  = man + residence. Also so etwas wie das Gegenteil vom Vorherigen. Etwas was den Menschen an Ort und Stelle sichert und beschützt. Dasselbe kann aber auch bedeuten: water + residence. Der im Wasser wohnt.

Nara + ayana = water + body. Die niemals versiegende Wasserquelle, der Ursprung allen Seins. Oder auch die Summe allen Seins. Höchstes Bewusstsein. 

Zu dieser rhetorisch hübschen Abhandlung, die ich hier in meiner Interpretation literarisch verkürzt wiedergebe, gibt es einen niederschmetternden Kommentar: "Narayan is a creation of mythology, he never existed in the real world." Narayan als Ausgeburt der reinen Phantasie. Nun gut. Aber das sind doch alle anderen (Götter) auch? Wer oder was existiert denn wirklich in der realen Welt? Höchstens die Beilage, das Epitheton im Wörterbuch, oder der Nachtisch.

Samstag, Februar 07, 2026

Wasserspeier

Der damals parteilose Senkrechtstarter Balendra Shah sagte nach seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Kathmandu  in einem podcast (ich zitiere den Wortlaut in englisch aus der Annapurna Press):  "In a city with thousands of stone spouts, ancient canals, rivers and ponds - we still want desperately [water] for [from] Melamchi. How foolish of us." Ergänzung bzw Korrektur in Klammern von mir, ebenso die deutsch Version. "In einer Stadt mit tausenden Steinquellen, alten Kanälen, Flüssen und Teichen wollen wir verzweifelt Wasser von Melamchi. Wie dumm von uns."

Tatsächlich hat er in seiner kürzlich vorzeitig freiwillig beendeten Amtszeit viele alte Brunnen wieder zugänglich machen lassen und dafür gesorgt, dass sie auch regelmäßig vor dem Monsun geschrubbt und von Pflanzenbewuchs befreit werden. Trotzdem sichert derzeit das Melamchi-Wasserversorgungsprojekt die Trinkwasserversorgung des Valley inclusive der Metropolitan city mit etwa 170 Millionen Litern Trinkwasser pro Tag. An dieser Wasserversorgung wurde Jahrzehnte geschraubt, von 1998 bis 2021, es gab Verzögerungen natürlicher (Erdbeben 2015), politischer (Ende der Shah-Dynastie 2008, Umwandlung in eine föderale, demokratische, parlamentarische Republik), gesellschaftlicher (Bürgerkrieg 1996-2006) und anderer wie Vertragsbrüche, Vertragsbeendigungen, Pleiten, Korruption und dergleichen mehr. This is Nepal.

Freitag, Februar 06, 2026

Eine Oase

Auch an meiner Golfutar, am unteren Ende, steht nun so ein Wartehäuschen, Falcha, Pati oder eben hier My Haven - Bansbari. Bansbari ist der Stadtteil südlich von Hattigauda. Von Sand und Lärm umgeben eine Oase der Ruhe im Abendlicht. Wirkt riesig und massiv. Bietet viel Platz zum Plaudern und echten Schutz vor Starkregen oder glühender Mittagssonne. 
Die Bänke sind schon verschraubt, die Ziegelberge und Sandhaufen werden sicherlich noch abgetragen und der Boden stolperfest planiert. In die noch offenen Gräben rund herum könnte eine Trinkwasserleitung verlegt werden. Eine Stadt im Werden und was ist eine Oase ohne Wasser?

Donnerstag, Februar 05, 2026

श्री विधा गणेश

श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh.

Nun habe ich endlich den Konsonantencluster श्री Sri oder Shri verstanden - kommt auch vor in श्रीमान Shriman, dem husband, Mister, oder Ehrwürdiger, Hocherhabener oder eben Heiligkeit. S(h)ri ist sozusagen die Abkürzung, das nepali pendant zum englischen Mr. Sri besteht aus den Konsonanten s und r und der Ergänzung i. Es gibt drei verschiedene Formen von s: स ष श, hier brauchen das letzte: श , das mit oder ohne h transkribiert wird. Im Fall von Sri ist das s eng verbunden (ohne Vokal a dazwischen) mit dem nachfolgenden r. Es wird deshalb verkürzt zum Halbkonsonant. Dieser Halbkonsonant sähe für sich allein (taucht aber in dieser Schreibweise nur vorläufig im Entwurf auf) so aus: श्

Der Konsonant r wird normalerweise so geschrieben: र . Im cluster, also in Verbindung mit einem vorausgehenden Halbkonsonant, hier mit dem dritten s(h) श् wird daraus श्र (fragt mich bitte nicht WARUM?). Das i zum Schluss wird normal zur Rechten angehängt. Und so wird श्री - Shri oder Sri korrekt geschrieben.

श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh. Aufgenommen in Thimi. 

Parvati hat ihren Sohn Ganesh beim Bade "erschaffen", lese ich. Sie bat ihn, solange sie weiterbade, ihren heiligen Sitz zu bewachen und niemanden hereinzulassen. Shiva kam und meinte als angestammter Gatte ein Recht auf den Ort zu haben, an dem seine Gattin sich aufhielt. Ganesh tat, wie ihm befohlen und ließ Shiva nicht vor. Daraufhin schlug Shiva Ganesh kurzerhand den Kopf ab. Die Reaktion Parvatis können wir uns lebhaft vorstellen, und um ihren Zorn zu besänftigen, setzte Shiva dem kopflosen Sohn einen Elefantenkopf auf. Und so wird Ganesh nun überall dargestellt: mit Elefantenkopf. Hier zur Rechten nochmals in Nahaufnahme.

 श्री विधा गणेश - Sri Vidha Ganesh - seine Heiligkeit Ganesh. Für Frideswida Zapateira Honorabilis Emerita.

Mittwoch, Februar 04, 2026

Die Parabel

Ich meine, die Parabel verstanden zu haben. Vielleicht ist es auch ein Gleichnis. Und der Titel des Buches ist einer der (schlechten) Witze, die der comedian im Laufe seiner angeblich letzten Vorstellung zum Besten gibt. Im Original lautet er so (steht in meiner englischen Ausgabe - ich liebe mittlerweile unlesbare Alphabete):

  .סוס אחד נכנס לבר 

Sus echad nichnas lebar. 

Englisch: A Horse walks into a Bar. Deutsch: Kommt ein Pferd in die Bar. Wenn ich mich nicht irre, taucht das Pferd im ganzen Text nur an dieser einen Stelle auf. Als es die Bar betritt und sich einen drink nach dem anderen servieren lässt. Ohne umzufallen. Sowie natürlich im Titel. 

Die Parabel hat mit dem Pferd nichts zu tun. Das Pferd im Titel ist eine reine Werbemaßnahme. Die Parabel hat mit dem Ende der Geschichte und der Geschichten zu tun. Obwohl das Publikum längst gegangen ist, schließt der comedian seine show ordentlich ab. The show must go on - even if the ends! 

Nur für den letzten Gast, sein Gegenüber, den einstigen Schulkameraden, den er telefonisch eingeladen hatte, eindringlich, auf Knien sozusagen, gebeten und gebettelt hatte, er möge und gedroht, er müsse unbedingt kommen. Der am anderen Ende der Leitung zeigte akustisch mitten in einer Nacht null bock auf stand-up-comedy

Aber der comedian, der Protagonist, das Stehaufmännchen, der Purzelbaumschlagende traurige Clown braucht das Gegenüber, den Spiegel, um sichtbar zu werden. Und er bekommt ihn. Das ist die literarische Parabel: wie man die zwei Enden der Kurve doch zusammenbringt.

Dienstag, Februar 03, 2026

Blei in सिन्दूर

Zahnpasta, Lidstrich, Sindoor und vieles andere mehr, Kurkuma und andere Gewürze des täglichen Bedarfs - schwermetallbelastet. In Konzentrationen, sagt eine neueste Studie, die internationale Standards zum Teil um das Hundertfache übersteigen. Auch jedes nepalesische Kind soll zweimal täglich die Zähne putzen. Jede nepalesische Frau schminkt sich, ganz unabhängig vom Alter. Sindoor bzw. Sindūr सिन्दूर - ist das Vermilion, das Zinnoberrot, das sich jede verheiratete Frau täglich mitten auf die Stirn, hoch am Haaransatz applizieren soll. Kürzlich lernte ich doch, dass die anlässlich der Bel Mariage oder Ihi rituell an einen Steinapfel vermählten vorpubertären Newarigirls diese Lehre von ihren Müttern auf den weiteren Weg mitbekommen: das Zinnoberrot muss für den Rest des Lebens auf der Stirn bleiben, sogar falls dereinst der Gatte sterben sollte und das Kind in die Witwenschaft eintritt. Und die Kumaris, die lebendigen Kindergöttinnen! Zweijährige Mädchen, die bis zur ersten Periode das Gesicht vollgeschmiert (sorry für die Wortwahl) bekommen mit diesem vergifteten Zeug, man schaue sich nur die dicken schwarzen Lidstriche und die feuerrote Stirn rund um das dritte Auge an. 

Reines Gift! Auch wir verkürzen unser Leben in diesem Land, in dieser Stadt. Ohne bleilastigen Lidschatten, aber mit der täglichen Portion Luft zum Atmen. Und was im Obst und Gemüse steckt, das ich an der Golfutar kaufe, will ich gar nicht wissen. Wir tun alles freiwillig und bewusst. Aber die Kids hier werden nicht gefragt, sondern aufs Zähneputzen oder den Thron gedrillt. Und die Hindufrauen auf Schritt und Tritt ermahnt, Traditionen wie Fasten für die Gesundheit der Männer und Söhne einzuhalten.  

Nun also Blei in Sindūr सिन्दूर. 

Montag, Februar 02, 2026

Magh Shukla Purnima

शुक्ल पूर्णिमा - Shukla Purnima. Der Mond, der Magh-Mond, ist bei uns erst nach Mitternacht voll geworden. Magh Shukla Purnima. Im Rest der Welt snow moon, Februar Schneevollmond. Hier endet heute Swasthani Brata Katha - das Fasten, das gläubige Hindus am letzten Vollmond, dem Poush-Mond (oder Wolfsmond) begonnen haben. W hat den ganzen Januar kein Bier getrunken! Wir gewöhnen uns an viele Sitten in diesem Land und lieben es mittlerweile, zum Essen warmes Wasser zu trinken.

Heute - oder schon gestern, für manche auch schon vor dem Wochenende, das nur aus einem (Sams-)Tag besteht, am Freitag nämlich - endet endgültig dieser Monats-fruit-only-Fasten, das ich nicht wirklich verstehe. Es wird es mal so, mal anders dargestellt. Dafür bietet mir das Abschlussritual reichlich Wortfutter: Die gläubigen (Vedic Sanatan) Hindus sollen heute (eventuell schon gestern abend oder kürzlich nachts) an Magh Shukla Purnima der Göttin Swasthani folgende Opfer darbringen:

  • 108 जनै - janaj (geflochtene heilige Fäden)
  • 108 सुपारी - supari (betel nuts)
  • 108 सुपारीको पात - supariko pata (betel leaves) 
  • 108 Blumen
  • 108 Brote 
  • 108 अक्षत - akshat (unbroken rice - ganze, unbeschädigte und ungekochte Reiskörner symbolisieren Reinheit, Wohlstand und vollkommene Hingabe)
  • sowie Früchte, Weihrauch, Kerzen, Lampen, Sandelholzpaste, rotes Sandelholz, Zinnober ua Gaben 

Swasthani soll die Göttin des eigenen Zuhauses sein. Die Gläubigen verehren also mit ihr den Ort, an dem sie selbst leben. Eine überzeugende Art vollkommener Hingabe, wie mir scheint.

Sonntag, Februar 01, 2026

Das Pferd

Nein, das Jahr des Feuerpferdes hat noch nicht begonnen. Zuerst steht der Vollmond vor der Tür, bzw vor dem Fenster, über dem Dach, am Himmel, den wir auch in der Nacht nicht mehr sehen. Um auf andere Gedanken - als das Ausbluten eines ganzen Landes - zu kommen, versuche ich es mit Komik. Ich lese A Horse Walks into a Bar. Ist nicht taufrisch. David Grossmann, der Autor bekam dafür mit Jessica Cohen, seiner Übersetzerin ins Englische, den Man Booker International. Vor geraumer Zeit.  Zum Lachen ist mir nicht zumute. Ich lese, um mein english zu testen. Und zu testen, ob ich (noch) in der Lage bin, irgendetwas von dieser Welt zu verstehen. Schon der Witz im Titel geht an mir vorbei. Und in einer Rezension lese ich (wozu eigentlich?), dass Grossmann keine(n) comic novel geschrieben habe, also keinen komischen Roman, sondern eine Parabel! Eine Parabel über den Verlust einer (ganzen?) Nation! "As with all good prarables, it requires the reader to do some work in order to understand its meaning". Na bitte, da habe ich mir wieder etwas eingebrockt.