Mittwoch, Juli 29, 2026

Der erste Vollmond

Guru purnima - der Vollmond, an dem die spirituellen und akademischen Lehrer geehrt werden - gehört eigentlich in den Monat Ashad. In diesem Jahr haben wir in Nepal bereits Shrawan. In Nordindien aber, lese ich, beginnt Shrawan erst morgen. Was den heutige Vollmondtag zusätzlich energetisch aufheizen soll. In der vedischen Kosmologie, lese ich, erreicht Jupiters Energie heute den Höhepunkt des Jahres. Jupiter gilt als Planet der Weisheit, des spirituellen Wissens und der Lehrer-Schüler (guru-disciple) Beziehung schlechthin. Der Vollmond - purnima verstärkt diese Energie zusätzlich. Mehr geht gar nicht! Und alles ist wunderbar beweglich, vor allem die Zeit. Und die Umblätterkalender. Wir haben in allen Zimmern Ventilatoren an der Decke, die ständig alles verwirbeln. Bei Stromausfall bleiben sie allerdings stehen. Heute ungefähr den ganzen Arbeitstag lang. Wir sind nicht mehr auf dem Hill, haben keinen fürsorglichen community manager mehr, der allzeit bereit für alle und jedes einspringt. Im Notfall zuverlässig den generator anhaut. Das Internet funktioniert auch mit Strom mehr schlecht als recht, jedenfalls in meinem neuen Arbeitszimmer unter meinem neuen Dach.

Die WLAN-Spezialisten kommen zu dritt mit einer mobilen Batterie und installieren einen zweiten Router sowie für mich einen Verstärker auf dem Dach. Die Batterie nehmen sie natürlich wieder mit, sie ist ihr Arbeitsgerät in Zeiten wie diesen, und wir bleiben den Rest des Tages mehr oder weniger tatenlos offline.

गुरु - Guru - lerne ich heute, setzt sich zusammen aus den Silben गु - gu (Sanskrit für Dunkelheit, Unwissenheit) und रु - ru (für Licht oder Entferner). Ein Guru ist einer, der die Finsternis der Ignoranz vertreibt. Schön gesagt!

Montag, Juli 27, 2026

Der zweite Shrawan Sombar

Der zweite Montag im Monat Shrawan, der zweite श्रावण सोमबार. Ich glaube, es ist mein erster Montag überhaupt in Pokhara. So weit ich mich entsinne, bin ich bisher entweder am Sonntag abgereist oder erst am Dienstag angereist. Für einen Montag war nie Zeit. Nun also ist mein erster Montag ausgerechnet einer der heiligen Montage des heiligsten Monats überhaupt nach der nepalesisch-hinduistischen Zeitrechnung. So etwas kommt hier immer gänzlich ungeplant über mich. Wie die Hitze. Oder der Staub. Und der Lärm. Natürlich wird auch an der Straße Nummer 4, an der wir nun wohnen, gebaut. Zwar in einer anderen Dimension, der Bauplatz ist überschaubar eingezwängt in zwei Neubauten gegenüber. Aber auch hier geschieht alles von Hand.      

Sonntag, Juli 26, 2026

Der erste Blick auf die Berge

Es regnet die halbe Zeit. Die andere halbe Zeit regnet es nicht. Ich schlafe unruhig. Es ist heiß, auch nachts. Die Luft ist klar, die Aussicht prächtig.

Ich sehe zum ersten Mal schneebedeckte Gipfel. Berge. Das Annapurnamassiv. Wenn auch versteckt in den Quellwolken, aber mit ein bißchem gutem Willen gut zu erkennen. Ebenso die Reisfelder zu unseren Füßen.

Samstag, Juli 25, 2026

Ankunft in Pokhara

Wir sind angekommen. Mit einem halben Tag Verspätung, aber ohne Scherben. Wir freuen uns, dass die Umzugsmänner gute Arbeit geleistet haben und legen den Mantel des Schweigens über einen Typen von InDrive, der uns einfach sitzen ließ. 

Der bis zum letzten Millimeter unter der signalorangefarbenen Plane vollbeladene Minitruck verließ pünktlich um 08:30 Uhr unsere Hauseinfahrt, die gated community, den Hill, die Golfutar Richtung Ring Road und die capital city nach Westen, nach Pokhara. Das Auto aber, eine first-class-Limousine mit ausreichend Stauraum für unser Handgepäck, erschien nicht. Der Fahrer, der uns noch am Abend zuvor vollmundig versichert hatte, sure, don't worry, we will be on time (wobei uns, im Nachhinein betrachtet, der Plural etwas irritiert hatte) kam nicht nur nicht pünktlich um die Ecke gebogen, er ging auch nicht ans Telefon, las keine Nachrichten, hatte sein Smartphone ausgeschaltet oder weggeschmissen. Schlief oder war tot. Wer weiß. Wir mussten einen anderen Wagen besorgen, was etwas Zeit in Anspruch nahm, saßen auf den Sofas im Empfangsraum, in dem wir nie jemanden empfangen hatten, sahen dem Himmel über dem Hill zu, wie er sich eintrübte, und warteten. 

Wir fuhren mit gut zweieinhalb Stunden Verspätung los, verbrachten die gute erste Stunde im Stau durch Kathmandu, dann auf Rüttelstrecken im Schritttempo durch ein enges Tal. Die Straße wurde etwa ab der Hälfte erheblich besser und breiter. Sonst ist es eher umgekehrt, werden die Wege schlechter, je weiter man sich von der Metropole wegbewegt. Hier ist alles anders. Wir erreichten viel zu spät, aber wunderbarerweise zeitgleich mit der wetterfesten signalorangen Plane über unserem Hausrat den östlichen Stadtrand von Pokhara. W. sprang aus unserer Limousine, wedelte mit den Armen und wir fuhren brav hintereinander her zur Dhungesaghu Marg. Das Ausladen ging flott und kurz nach Sonnenuntergang saßen wir bereits bei unserem neuen Lieblings Mo:Mo Mann. Beim Dragon, das ist hier der Supermarkt, hatten wir zwei Dosen Bier aus dem Kühlschrank geholt. Der Mo:Mo-Koch verkauft keinen Alkohol, hat aber nichts dagegen, dass wir Mitgebrachtes trinken. Ganz neue Welt!

Freitag, Juli 24, 2026

Abschied von Kathmandu

Mein Abschied von Kathmandu. Der Umzugswagen wird seit 7 Uhr beladen. Unser InDrive Auto kommt um 8:30 Uhr. Es regnet nicht und wenn wir Glück haben, kommen wir vor der Morgen-rush-hour aus der Stadt. Mit noch mehr Glück sind die Straßen unterwegs frei. Alle warnen natürlich seit Tagen und empfehlen die Luftreise. Wie sollen wir das mit 20 Umzugskisten bewerkstelligen? Monsoon, landslide ...  

Diesen Ganesh habe ich vor langer Zeit auf einem meiner Spaziergänge gefunden, an einer sehr steilen und sehr engen Straßenkehre. Der Tempel hängt halb in der Luft, etwas schief und halsbrecherisch, auch die Bank für die Gläubigen. Zum Fürchten! Aber standhaft rot in der tiefstehenden Abendsonne. 

श्री गणेश मन्दिर 
टोखा नं. पा. वडा नं. ६ धापासी
स्थापित २०५७ १० ३ गते

Shri Ganesh Mandir  
Tokha Ward nr 6 Dhapasi
established 2057 10 3 gate -  das war am 16. Januar 2001 AD.

Ade!

Donnerstag, Juli 23, 2026

abbaden

Ich bin gepackt - bis auf die Küche. Wir warten auf die Umzugsmänner. Alles Zerbrechliche wollen sie selber in Luftpolster einwickeln. Viel ist es nicht, und mir ist alles recht, was meine Hände schont. Ich springe noch einmal in den community-eigenen Pool, solange ich Teil der dieser community bin. Ich schwimme meine 54 Längen. Das ist die Hälfte von 108 - lucky number bei den Buddhisten. So früh am Nachmittag kreischen keine Kinder und überhaupt ist das Wetter zu unbeständig für Familienbadespass. Abbaden hieß das an der Nordsee, aber mitten im Sommer kaum vorstellbar. Den Nachrichten entnehme ich, dass auch das Wasser in der Dithmarscher Bucht unter der Hitze leidet. Für die Zimperlichen wahrscheinlich wieder von Algen besetzt. Mein Pool ist immer clean. Ich werde ihn nicht wirklich vermissen, denn पोखरा - Pokhara ist, wie wir bereits wissen, die Stadt der Seen. Ich werde mir dort eine outdoor Bademöglichkeit suchen und bald wieder anbaden!