Samstag, November 30, 2024

perfect timing

 Besuch in Nr 34 mit einem Koffer voll Zerbrechlichem und Gefrorenem. Es wird geputzt und gehämmert, gestrichen. Der Gärtner ist da und pflanzt. Der Klempner ist da und kontrolliert. Die Vorhänge kommen aus der Reinigung und werden aufgehängt. Die Zimmer sind frisch gestrichen, die Betten aus den Arbeitszimmern verschwunden. Ich fülle das Gefrierfach mit 150 Mo:Mo's. Und drei Packungen Eis. Mein Nervenfutter. Es ist heiß und die Taxifahrer sind freundlich. Der letzte Tag des Monats. Die Verzweiflung hat sich gelegt und die Packroutine ist zurück. Ich mache meinen letzten Spaziergang die laute Lazimpat hinunter und wieder hinauf. Ich lasse eine neue Batterie in meine Armbanduhr einsetzen und kaufe einen Wasserkocher. Zu Hause stellt sich heraus, dass die Uhr falsch gestellt ist (aber läuft) und der Wasserkocher eine dicke Beule hat (aber funktioniert). Never mind. Nur das Gas am Herd schwächelt und geht ganz aus, gerade als mein Abendessen (fast) fertig zubereitet ist. Die Flasche ist endlich leer, was ich schon lange befürchtet (dass es im dümmsten Moment passiert) und erwartet hatte. Perfect timing!

Freitag, November 29, 2024

Freitag

Ich konnte nicht schlafen. Hab die halbe Nacht gepackt. Nicht wirklich. Aber in Gedanken. Dann bin ich um 06:25 aufgewacht und in Panik aus dem Bett gesprungen, weil um 06:45 mein Qigong-livestream beginnen sollte, mein vietnamesischer Thay aus Kalifornien in mein Wohnzimmer in Panipokhari (zum letzten Mal) treten und zu mir sprechen wollte. Well-Being Week 7! Aber da war nix. Stille im Äther und Löcher im Netz. Ein dankendes Sorry: Because of Thanksgiving and some reason, we are sorry that we will cancel Class today. So bin ich also wie immer am kühlen Morgen in den Wald marschiert. Und habe danach zwei Zimmer leergepackt und vor Sonnenuntergang nochmals 100 Mo:Mo's besorgt. Weil ich den Mo:Mo-Mann in Zukunft nicht mehr um die Ecke habe und in der Nummer 34 der Kühlschrank bereits eingeschaltet ist. Unterwegs durfte ich den geputzten, glänzenden, frisch polierten und lackierten Kumari Kunj Tempel bewundern und die goldene Glocke schlagen. Alles wird gut, schreibt W. aus der Waterloo Road. Der hat gut schreiben!

Donnerstag, November 28, 2024

Donnerstag

Ich zähle die Tage hinunter. Und nehme jetzt schon Abschied von meinem Wald und meinen Affen. Die haben sich in den letzten zwei Monaten erfreulich vermehrt. Kürzlich absolvierten sie Kletterschule, lernten Disziplin und Gehorsam. Zur Belohnung gab es Baumwipfelschaukeln. Einerkolonnentraben. Sie betrachteten mich alle skeptisch, vom Kleinsten bis zum Größten, zogen dann aber ihrer Wege durch die Bäume. Das Packen ist bodenständiger. Es strengt mich körperlich und mental an. Der Magen rebelliert. Alles wie gehabt. Aber das waren andere Zeiten, andere Dimensionen. Jetzt habe ich den Vorteil, dass ich nicht auf das Gewicht achten muss, keine Waage brauche (die ich eh nicht habe) und alle verfügbaren Behältnisse füllen kann. Die adretten bookboxes sehen zum Heulen aus. Ich stopfe unsere Wanderrucksäcke voll. Und zum Glück habe ich die Schlafsäcke mitgenommen. Die ersten Nächte werde ich campieren und im nächsten Sommer auf dem Dach schlafen! Das versprech ich Euch! Ich brauche nur ein Moskitonetz.

Mittwoch, November 27, 2024

34

 Im Aufwachen sehe ich den liegenden Fingernagelmond am Himmel. Abnehmend. Später am Morgen, da ist die Sonne schon aufgegangen, unterschreiben wir den Vertrag für die Nr. 34. Vierunddreißig ist zweimal siebzehn (34 = 2 x 17). Und die 17 ist die neue Glückszahl. Manche Dinge gehen hier so schnell, dass der Kopf nicht mitkommt. Die Hände aber schon. Ich packe! Ziehe uns zum nächsten Neumond um, da W. morgen verreist. Ich besorge sticky tape, 2 Rollen, und verklebe die verbliebenen lädierten Bookboxes. Soweit es geht. Und rede ihnen gut zu, mir noch einen letzten Gefallen zu tun. Einen Transport, gute 4 Kilometer, 10 Minuten ohne, das Doppelte mit Stau vor der Ampel am Ring auszuhalten.

Dienstag, November 26, 2024

Hattigauda

Andere Wörter. Andere Orte. Andere Menschen. Von Dhapasi Height weiter nach Norden zum Chandeswori Tempel, Phulbari, die Hügel hoch, es ist sandig und diesig, die Sicht schlecht, die Luft schlecht, heiß am Mittag. Wir husten auch in der Höhe. Dann wieder hinunter, durch Tokha und an vielen anderen, kleinen Tempeln vorbei. Überall ein Gewusel von Menschen und Shops und Mopeds. Bis wir in Hattigauda finden, was wir gar nicht gesucht haben: das Eckhaus Nr 34!

Montag, November 25, 2024

fassungslos

Ein schwieriger Montag voller Zerwürfnisse. Unschlüssigkeiten. Fragen ohne Antworten. Die Bäuerinnen vor dem Ranibariforest verkaufen Erdbeeren. In beiden Fahrstühlen und außen an den Parkplätzen hängen seit ein paar Tagen Zettel nur in Nepali. Das einzige, was ich entziffern kann, ist das Datum: 30.9.2059. Das bringt mich nun vollends aus der Fassung. 

Ich fotografiere und frage S., unseren Mann für alle Probleme des täglichen Lebens, höflich an, ob das, was auf dem Zettel steht, vielleicht auch uns betrifft: it's prohibited to throw any garbage out of the windows. Na bitte. Tatsächlich liegt jeden Morgen allerhand herum, wenn ich aus der Tür trete. 

Nach dem Datum habe ich vergessen zu fragen.

Sonntag, November 24, 2024

Zauberzeitenwörter

Eines könnte Tokha sein. Ein anderes ist Sailung. Und Dhading. Zweisilbig kommen und gehen sie. Ungefragt. Wie Träume. Letzte Nacht, genauer: heute früh im Morgengrauen, also in der Zeit zwischen Nacht und Tag, war ich schon wieder am Räumen. Oder Packen. In einem Zimmer mit einer riesigen, langen, runden Fensterfront. Es gab keine Ecken und kein Ende.

Heute geht die Sonne um 17:08 unter und das bleibt so bis zum Ende des Monats, ja bis weit in den Dezember hinein. Früher geht sie nicht mehr unter, sondern bereits ab dem 9. Dezember jeden Tag wieder später. Warum das so ist, kann mir niemand erklären. Oder die Zeitgleichung?

Weil die Sonne aber weiterhin jeden Tag später aufgeht, nimmt die Tageslänge trotzdem kontinuierlich ab. Wie es sich gehört. Bis zur Wintersonnenwende.