Donnerstag, Oktober 31, 2024

Kukur Tihar

Zweiter Tag von Tihar. Kukur Tihar. Anbetung der Hunde. In der Stadt leben viele Hunde, Straßenhunde. Polizeihunde. Streunende Hunde. Treue Hunde. Schlafende Hunde. Satte Hunde. Ich habe noch keinen hungrigen Hund und noch keinen bösen Hund gesehen, wurde aber vor einiger Zeit auf einem meiner Spaziergänge von zwei ängstlichen Mädchen in einer staubigen Gasse gebeten, dass ich - ich? ausgerechnet ich? - ihnen Geleitschutz gebe, denn da vorne um die Ecke seien Hunde, vor denen sie sich fürchten. Ich versuchte die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen kleinen Schönheiten zu beruhigen, wie S. mich immer beruhigt: don't worry, nothing happens. Wir kamen dann tatsächlich an einem Rudel gut erzogener Hunde vorbei, die träge im Schatten lagen und sich nicht im Geringsten für uns interessierten. Die Mädchen bedankten sich artig und sprangen erleichtert davon. 

In unseren Twintowers leben Haushunde, die sich stundenlang von Block A nach Block B, von der 12. Etage in die 6. oder 7. kläffend unterhalten. Hunde werden hier als Wächter der Himmelstore verehrt, heute dankt man ihnen mit Ringelblumengirlanden (die die Wächter weniger interessieren dürften) und reichlich Futter. Auf dem Heimweg vom Morgengigong sah ich eine kleine schwarze Katze, auch mit einer sonnenuntergangsgelben Blumengirlande um den Hals. Alle Tiere werden hier geliebt.

Mittwoch, Oktober 30, 2024

Kaag Tihar

Schon wieder Feiertag. Eine ganze Serie von Feiertagen steht uns bevor! Heute der erste Tag von Tihar, dem Lichterfest. Und das FrauenFußballFinale. Nepal gegen Bangladesh. Wieder im Dasharat Stadion. Wieder in Kathmandu. Ausverkauft. Ich hätte mich frühmorgens in die Schlange einreihen können. Aber ich ziehe das Sofa vor. Zum ersten Mal in meinem Leben gucke ich ein Frauenfußballspiel in voller Länge. Auf Kantipur-TV. Auf dem Smartphone. Beine hochgelagert. W. in Pokhara auf dem Flughafen. Irgendwo in einer zugigen Ecke. Kürzlich kam er einen halben Tag (= eine ganze Nacht) verspätet an, heute eine halbe Nacht (= ein ganzes Frauenfußballfinale).

Die nepalesische Torhüterin ("our flying goalkeeper") glänzt und patzt. Es reicht nicht für den Titel. 1:2 für Bangladesh.

Heute also Kaag Tihar, der Tag der Krähen. Wer Krähen füttert und ihnen dankt, vermeidet Unglück, denn sie gelten als Boten des Todes. Vielleicht gilt das auch für Tauben. In unseren 12-stöckigen Twintowers werden Tauben exzessiv gefüttert, entsprechend verhalten sie sich. Exzessiv.

Dienstag, Oktober 29, 2024

farbenfroh

Die Vorbereitungen auf Tihar sind in vollem Gange. Die Stadt, die nie dunkel ist - außer bei flächendeckendem Stromausfall - glitzert und glänzt schon seit mehreren Nächten aufgeregt und kunterbunt. Ich kaufe auf dem Heimweg vom Morgenqigong Äpfel und Lotuspflaumen beim Geflügelschlachter. Alles Bio, wie ich zu Hause freudig entdecke. 

Am Nachmittag spaziere ich die laute Lazimpat (wäre das ein Alternativtitel für den blog?) hinunter und kaufe Nagellackentferner und einmal klassisch blutroten Nagellack. Endlich löse ich die letzten Spuren von der Meldorfer Bucht von meinen Zehen. Der nepalesische Nagellack ist effektiver und riecht angenehmer als alles, was ich bisher in meinem Leben benutzte. 

Wie überhaupt die Welt hier erstaunlich wohlriechend ist.

Auch habe ich noch nie Ende Oktober Zehennägel lackiert, weil dann wetterbedingt immer schon Wollsocken oder Regenstiefel angesagt waren. Hier laufe ich nach wie vor entweder barfuss oder in meinen elegantesten Sommersandalen (Vabene, schwarz oder grün, Arche luftig lustig wie mein Bioapfel) herum, die ich jahrelang am Wattenmeer kaum Gelegenheit hatte zu tragen.


Montag, Oktober 28, 2024

4:2

Wir sind immer noch auf Wohnungssuche, auch wenn das zuweilen aus dem Focus gerät. Wir sind im 10. Stock in Panipokhari nur übergangsweise. Für mich ist die Höhe oder die Tiefe unter mir immer noch gewöhnungsbedüftig. Die Taubengitter um die drei Balkone vermitteln keinerlei Gefühl von Sicherheit. Gestern also wieder einmal quer durch die Stadt nach Süden, nach Lalitpur. Wohnungen angucken. Die eine war über unseren Erwartungen, die andere darunter. Auf dem Hin und auf dem Rückweg standen wir lange im Stau, auch um das Dashrath-Stadion herum. Die Frauen - SAFF Woman's Championship oder South Asian Football Federation Women's Cup - spielten zwar noch nicht, trotzdem war das Gedränge beträchtlich. Und der Smog atemraubend. Wir werden nicht nach Lalitpur ziehen, wenn W. an der Gate (Global Academy of Tourism and Hospitality Education)  arbeitet. Das ist die Erkenntnis des gestrigen Abends. Mit Husten.

Und die des heutigen Morgens: ich muss den Titel des Blogs ändern! 

Und die Frauen! Das Halbfinale? Nicht dass ich mich mich bisher für so etwas brennend interessiert hätte, aber hier werde ich unweigerlich in den Bann gezogen. Nepal besiegte Indien in einem sensationellen Spiel, das insgesamt für mehr als 80 Minuten unterbrochen werden musste - durch Proteste der Spielerinnen und ihrer Trainer, aggressivem Verhalten der Fans auf den Zuschauerreihen, endlosen Diskussionen rund um die Entscheidungen der referee Om Choki aus Bhutan.

Das Spiel endete mit Penalty-Schießen 4:2 für die Gastgeberinnen. Schaut sie an, die großartigen ladies! 

Sonntag, Oktober 27, 2024

Umstellung

Das bleibt uns fortan erspart: die Qual einer Zeitumstellung. Die Zeiger einer analogen Uhr vor- oder nachrücken. Der Abstand zu Euch hat sich nun um eine Stunde vergrößert. Und wir erfreuen uns weiterhin eines unglaublich blauen Himmels.

Samstag, Oktober 26, 2024

Ausflug

Babermahal Revisited. Der Versuch eines Ausflugs. Zwei Ausstellungen in der Siddharta Art Gallery. Die Vergangene und die Ongoing.

Dorjee Karmarong: Hidden Valley in the Himalayas - ist eigentlich am 21. zu Ende gegangen, hängt aber noch bis Ende des Monats in abgespeckter Form in einem separaten Raum. Für uns! Weil wir die Vernissage versäumt hatten.

Sundar Sinkhval: SADHANA. Wurde vorgestern eröffnet, was wir auch verpasst haben. Der Künstler ist immer noch anwesend und seine Tochter führt uns durch die Bilder und Götter und Sagen.

Freitag, Oktober 25, 2024

GPO

Das letzte Paket (ein Päckchen, M) und die erste Briefpost sind eingetroffen. Nach mehr als einem Monat also Normalität. Wir sind erreichbar, auch über traditionelle Wege. Ich lasse mir aber nie wieder etwas schicken, nicht einmal ein Geburtstagsgeschenk. Geschweige denn ein Weihnachtsgeschenk! Ich brauche nichts und der Gang zum GPO (General Post Office) erweist sich als zeitraubend. Pakete müssen abgeholt werden, auch Päckchen, egal ob S oder XXL. Wer die Briefe gebracht hat, weiß ich nicht. Ich bekam sie unten an der Pforte von einem der Security Officer überreicht. Für mich und für W. In einem der Briefe für mich steckt ein frankierter Antwortumschlag. Wo ich den dereinst ab- oder einliefern soll, bleibt ein Rätsel. Ansichtskarten sind noch unterwegs. Feriengrüße. Vom warmen September. Aus dem fernen Westen. Ich melde mich, wenn sie da sind.