Montag, Oktober 28, 2024

4:2

Wir sind immer noch auf Wohnungssuche, auch wenn das zuweilen aus dem Focus gerät. Wir sind im 10. Stock in Panipokhari nur übergangsweise. Für mich ist die Höhe oder die Tiefe unter mir immer noch gewöhnungsbedüftig. Die Taubengitter um die drei Balkone vermitteln keinerlei Gefühl von Sicherheit. Gestern also wieder einmal quer durch die Stadt nach Süden, nach Lalitpur. Wohnungen angucken. Die eine war über unseren Erwartungen, die andere darunter. Auf dem Hin und auf dem Rückweg standen wir lange im Stau, auch um das Dashrath-Stadion herum. Die Frauen - SAFF Woman's Championship oder South Asian Football Federation Women's Cup - spielten zwar noch nicht, trotzdem war das Gedränge beträchtlich. Und der Smog atemraubend. Wir werden nicht nach Lalitpur ziehen, wenn W. an der Gate (Global Academy of Tourism and Hospitality Education)  arbeitet. Das ist die Erkenntnis des gestrigen Abends. Mit Husten.

Und die des heutigen Morgens: ich muss den Titel des Blogs ändern! 

Und die Frauen! Das Halbfinale? Nicht dass ich mich mich bisher für so etwas brennend interessiert hätte, aber hier werde ich unweigerlich in den Bann gezogen. Nepal besiegte Indien in einem sensationellen Spiel, das insgesamt für mehr als 80 Minuten unterbrochen werden musste - durch Proteste der Spielerinnen und ihrer Trainer, aggressivem Verhalten der Fans auf den Zuschauerreihen, endlosen Diskussionen rund um die Entscheidungen der referee Om Choki aus Bhutan.

Das Spiel endete mit Penalty-Schießen 4:2 für die Gastgeberinnen. Schaut sie an, die großartigen ladies! 

Sonntag, Oktober 27, 2024

Umstellung

Das bleibt uns fortan erspart: die Qual einer Zeitumstellung. Die Zeiger einer analogen Uhr vor- oder nachrücken. Der Abstand zu Euch hat sich nun um eine Stunde vergrößert. Und wir erfreuen uns weiterhin eines unglaublich blauen Himmels.

Samstag, Oktober 26, 2024

Ausflug

Babermahal Revisited. Der Versuch eines Ausflugs. Zwei Ausstellungen in der Siddharta Art Gallery. Die Vergangene und die Ongoing.

Dorjee Karmarong: Hidden Valley in the Himalayas - ist eigentlich am 21. zu Ende gegangen, hängt aber noch bis Ende des Monats in abgespeckter Form in einem separaten Raum. Für uns! Weil wir die Vernissage versäumt hatten.

Sundar Sinkhval: SADHANA. Wurde vorgestern eröffnet, was wir auch verpasst haben. Der Künstler ist immer noch anwesend und seine Tochter führt uns durch die Bilder und Götter und Sagen.

Freitag, Oktober 25, 2024

GPO

Das letzte Paket (ein Päckchen, M) und die erste Briefpost sind eingetroffen. Nach mehr als einem Monat also Normalität. Wir sind erreichbar, auch über traditionelle Wege. Ich lasse mir aber nie wieder etwas schicken, nicht einmal ein Geburtstagsgeschenk. Geschweige denn ein Weihnachtsgeschenk! Ich brauche nichts und der Gang zum GPO (General Post Office) erweist sich als zeitraubend. Pakete müssen abgeholt werden, auch Päckchen, egal ob S oder XXL. Wer die Briefe gebracht hat, weiß ich nicht. Ich bekam sie unten an der Pforte von einem der Security Officer überreicht. Für mich und für W. In einem der Briefe für mich steckt ein frankierter Antwortumschlag. Wo ich den dereinst ab- oder einliefern soll, bleibt ein Rätsel. Ansichtskarten sind noch unterwegs. Feriengrüße. Vom warmen September. Aus dem fernen Westen. Ich melde mich, wenn sie da sind. 

Donnerstag, Oktober 24, 2024

GPS

Ich bin schon viele Wege gegangen. Und lande nur selten in Sackgassen. Aber nun meldet mein Smartphone, dass ich meine - oder seine? - mobilen Daten aufgebraucht habe. Ohne googlemaps bin ich draußen auf den Straßen verloren. Drinnen hab ich WLAN. Morgen endet mein deutscher Mobilfunkvertrag. Wieder eine Last (+ eine Nummer!) weniger. Ich lerne, was Sadhain On bedeutet. Always On(line)! Und wie ich das nächste 28-Tage-Paket auf meine nepalesische Nummer geladen bekomme. Easy per Überweisung von meinem nepalesischen Bankkonto. Manche Dinge sind hier viel einfacher als im Rest der Welt. 

Mittwoch, Oktober 23, 2024

Umwege

Der Umweg zum Schlüssel - zur Einsicht, dass wir einen zweiten Schlüssel gar nicht brauchen - hat das Gesicht der Stadt verändert und mich aus meinem kühlen Morgentrott befreit. Die Ecke unter der Treppe am Eingang zum Ranibari Forest gleicht morgens um 7 einem wuseligen Markt im Schatten. Alte und junge Frauen, mit oder ohne Kind, mit oder ohne Hund, verkaufen ihr Gemüse und malen die Preise in den Sand. Dazwischen ein Motorrad, über und über behängt mit in Plastik eingepacktem Weißbrot. Weiß der Himmel, wer hier so etwas kauft, denke ich jeden Morgen, ehe ich die Stufen in Angriff nehme. Und der Medizinmann sitzt mit der Personenwaage und dem Blutdruckgerät auf seinem Schemelchen. Umgeben von unverschämt dicken, parkenden wo immer Platz ist, SUVs. Die lassen mich täglich aufs Neue raten, wo denn deren Fahrer sind. Im Wald natürlich! Drehen als jung gebliebene Manager ihre Morgenrunden mit dem Smartphone in der Hand. Das ersten meeting des Tages.

Als ich also gestern rund drei Stunden später noch einmal an derselben Ecke vorbeilief, lag sie bereits in der brütenden Vormittagshitze. Alles verwaist und verlassen und ausgestorben, sogar die Shutterstores auf der anderen Seite der Straße hatten ihr Gemüse weggeräumt und das restliche Angebot hinter Tüchern verhängt. Hochsommersonne. Nicht einmal Kartoffeln oder Zwiebeln geschweige denn lebendige Hühner oder Tee waren mehr zu haben. Kein Mensch weit und breit. Nur um die Ecke hupende Mofas.

Der Wald braucht seine verdiente Ruhe. Vor 8 Uhr ist der Eintritt frei. Damit will die Stadt die Einheimischen ermuntern, sich zu bewegen, etwas für die Gesundheit zu tun, Morgengymnastik zu treiben, frische Luft zu atmen. Und die tun es munter in Gruppen oder allein, laut oder leise, rennend, lachend, telefonierend oder meditierend. Nach 8 kostet der Eintirtt 30 Rs, also kommen nur noch zahlende Besucher, sprich Touristen. Und die lassen auf sich warten, schlafen noch oder sitzen beim Frühstück in Thamel. Die locals sind längst bei der Arbeit, die Beamten sitzen in ihren Büros und die jungen Geschäftsleute auf ihren Mopeds. Ich am immer noch provisorischen Schreibtisch, wenn ich nicht gerade etwas zu erledigen habe, was gar nicht erledigt werden muss.

Dienstag, Oktober 22, 2024

Schlüssel

Am Anfang hatten wir keinen Schlüssel zur Wohnung. Es gab nur einen mächtigen Riegel außen an der Tür, der mit einem Vorhängeschloss festgeklammert werden konnte, so dass die Tür zu war. Zu dem Schloss gab es ein einziges winziges Schlüsselchen. Wir kauften ein neues, etwas robusteres Vorhängeschloss und bekamen dazu 4 auch etwas robustere Schlüssel. Die Anzahl der Schlüssel änderte aber nichts an der Tatsache, dass, wenn eine(r) die Wohnung verließ und den Riegel von außen zuschob und die Tür mit dem Vorhängeschloss verrammelte, der oder die andere in der Wohnung gefangen war und sie nicht verlassen konnte. Die Wohnungstürflügel klappen von Natur aus auf, wenn sie nicht in irgendeiner Art und Weise daran gehindert, sprich verschlossen werden. Ich konnte unmöglich morgens in den Wald gehen, während W. noch schlief, und die Tür sperrangelweit offen stehen lassen.

Dann kam eines Tages die Vermieterin und hörte sich unsere Sorgen an. Sie zog einen klirrenden Schlüsselbund aus der Tasche und siehe da, einer, ein einziger passte tatsächlich in das eigentliche Türschloss. Nun konnte ich die Tür von außen mit dem Schlüssel verschließen, und W. bei Bedarf das Schloss von innen öffnen. Er war also nicht mehr auf Gedeih und Verderb mir ausgeliefert und eingesperrt. Im Gegenteil, er konnte weggehen, wann immer es ihm beliebte, und die Tür von außen mit dem Riegel und dem Vorhängeschloss verschließen, zu dem ich einen der 4 Schlüssel immer bei mir trug. Wir waren also mehr oder minder selbstständig. Umständlich war es trotzdem, dieses Kommen und Gehen mit oder ohne Riegel.

Heute machte ich mich nach dem Morgenqigong im Ranibariforest auf zum Key House Rumba, zu dem mir googlemaps freundlicherweise den Weg wies. Ich wollte nach Dashain endlich einen zweiten Schlüssel anfertigen lassen. Der junge Mann sprang bereitwillig auf und setzte sich an seine Maschine, klopfte und hämmerte kurz, schliff noch etwas nach und überreichte mir das Duplikat. Ich war etwas skeptisch (warum weiß ich nicht - vielleicht ging es mir zu schnell und zu glatt?), und tatsächlich funktionierte der neue Schlüssel an meiner Wohnungstür nicht. Ich konnte ihn zwar in das Schloss stecken, aber nicht drehen. Also lief ich den ganzen Weg wieder zurück. 

Was macht ein nepalesischer locksmith? Er zieht anstandslos die 50 Rs Note, die ich ihm vor ungefähr eineinhalb Stunden gegeben hatte, aus seiner Schublade und überreicht sie mir gegen den falschen Schlüssel. All mein Fragen und Bitten hilft nichts, ob er das Duplikat noch etwas bearbeiten könnte, damit es vielleicht doch funktioniere. Nein, er verscheucht mich wortlos mit einer Handbewegung, mit der man eine lästige Fliege verscheucht.