Montag, September 30, 2024

Monatsende

Endlich geht der September zu Ende. Noch immer rasen des Nachts Gedanken durch meinen Kopf, dass ich noch dies und das erledigen muss, dass ich aufbrechen, losgehen, abbrechen soll, dass ich keine Zeit mehr verlieren, nicht herumtrödeln, nicht mit den Nachbarn schwatzen und keine Fragen angeblich besorgter Freunde beantworten darf. Dass irgendetwas unweigerlich abläuft. Und ich irgendwann auf den letzten Zug, den letzten Bus, das letzte Taxi aufspringen muss um nicht den letzten Flug - wohin auch immer - zu verpassen. Dabei sind die ersten 4 meiner 9 Pakete bereits in Kathmandu eingetroffen, vom Zoll abgefertigt und zum Abholen bereit. Ich habe keine Ahnung, was ich eingepackt habe und wozu. Heute morgen habe ich 10 Eier, 2 Töpfe und 1 Glas Ghee gekauft. Alles, was am Straßenrand verkauft wird, ist staubig und wird, bevor ich es in die Hand bekomme, sorgfältig abgewischt. Zum Sonnenuntegang gehe ich eine Stunde spazieren.

Sonntag, September 29, 2024

heavy damages

our friends house near Dhulikhel

Viele Landstriche sind verwüstet, alle Zufahrtsstraßen nach Kathmandu gesperrt, kaputt, überschwemmt, abgerutscht, Brücken zerstört. In den letzten drei Tagen fiel so viel Regen wie "seit Beginn der Aufzeichnungen" (wie es immer so schön superlativisch heißt, hier also seit 54 Jahren, seit 1970) nie. Die Zahlen beeindrucken. Die Wetterstation am Tribhuvan International Airport meldete gestern um 8:45 Uhr einen Wert von 239,7 Milliliter Regen in den vergangenen 24 Stunden. 1 Milliliter Niederschlag entspricht einem Liter Regen pro Quadratmeter. Was ich hier alles lerne! Der höchste bis dato in the Capital gemessene Wert lag bei 177 mm und das war vor 22 Jahren. So viel Regen wie in den letzten drei Tagen fiel noch nie in Kathmandu. Das hatte auch unser Gewährsmann gestern am Telefon gesagt. Aus dem Bauch heraus. Alle anderen Wetterstationen der Haupstadt, Panipokhari (das sind wir!), Budhanilkantha (187,3 mm - der letzte Maximalwert lag bei 159 mm im Jahr 2007), Jitpurphedi, und der Nagarjun Hügel messen Rekordmengen. Die Station Chapagaun in Lalitpur erreichte 2002 den bisher höchsten Wert von 200,5 mm - gestern 323! Jhapa District meldete 299 mm Niederschlag in 24 Stunden bis Freitag Nachmittag - und es regnet weiter, wie die Behörden mitteilen. In fünf von sieben Messtationen in Jhapa übersteigt die gemessene Menge die Marke von 200 mm. Meteorologen sagen, auch das lerne ich, Niederschlag über 50 mm gelte als stark (heavy), über 100 mm als sehr stark (very heavy) und über 200 mm als extrem stark (extremly heavy). Auch das Wort extremly erlebt einen bis dahin unbekannten Aufschwung. 

Die Zahlen beeindrucken, das Steigen erschreckt! Genauso die Bilder.

Nicht auszudenken, was mit uns passiert wäre, wenn wir gestern mit brennenden peacelamps auf den peace walk losgezogen wären.

Gestern fiel immer wieder der Strom aus (und damit war auch das Internet weg), heute habe ich mehrheitlich kein Internet, trotz Strom. Ansonsten Ruhe nach dem Sturm. Sanftes Wetter. Sanfte Sonne, sanfter Wind. Auf allen Dächern und allen Terrassen, auf die ich aus meinem 10. Stock herabsehen kann, wird bunte und weiße Wäsche getrocknet.

Da Strom da ist, koche ich mir zur Feier des Sonntag Kaffee in meiner Espressomaschine. Mit von Hand (by myself) gemahlenen Bohnen "Mt Everest Supreme Coffee - Certified organic arabica beans, artisan roasted", kürzlich happily bei Blue Moon entdeckt. 

Samstag, September 28, 2024

Panauti 2081 Asoj 12

Where we walked on Monday ... 


Langform mit O-Ton:

heavy thunderstorm

Es kracht und blitzt die halbe oder ganze Nacht. Ich erwache früh und sehe nichts. Regenvorhänge. Der Strom fällt auch bei heftigem Regen immer wieder aus. Die ladies kommen zum Saubermachen und W. schläft noch. Also kann das Fliegengitter in seinem Zimmer nicht repariert werden. Der Wasserfilter in der Küche muss ausgewechselt werden. Ohne den sind wir hier verloren. Die elektronische Anzeige spricht mit uns englisch. Er ist exhausted. Da steht ein anderes Wort, sowie die Anzahl der Liter, die er noch in der Lage ist für uns aufzubereiten. Und eine hotline-number. Mein Wort gefällt mir besser. Wie hingegen der Filter der Waschmaschine gereinigt werden soll, wissen die cleaningladies nicht. Die Kommunikation mit Menschen ist oft schwieriger als mit Maschinen. Die Waschmaschine erinnert mich - wie so manches, absurderweise! - an Tsukuba. Ich glaube, die Wäsche wird hier auf meinem Balkon im 10. Stock, egal welches Programm ich wähle, nur kalt gewaschen. Die Waschkraft liegt wohl allein im Waschpulver. Es regnet und blitzt und kracht weiter. 

Freitag, September 27, 2024

heavy rain

Dauerregen. Den ganzen Tag. Zeit zur inneren Einkehr. Ich huste immer noch und entferne alle Lesezeichen vom Computer, die für mich nicht mehr relevant sind. Wie Tide oder Wasserstände. Schaffe viel Platz auf meinem Bildschirm. Dann lege ich mich wieder ins Bett und entferne auf dem Smartphone alle Adressen aus meinem Adressverzeichnis, die für mich nicht mehr lebensnotwendig sind. Wie unzählige RA-Kanzleien aus meiner Schiedsamtszeit sowie restlos alle deutschen Schiedsleute. Nach mehreren Umzügen resp. Exodussen around the world, weiß ich, wieviel Ballast abgeworfen werden muss. Unweigerlich. Je früher, desto besser. Das ist die Lehre aus Dithmarschen. Es macht keinen Sinn zurückzublicken. tabula rasa im Kopf, in der Seele und im Bauch. Unter den Fingern. Zur guten Nacht konsumiere ich youtube. Die Doppelmoral der Schweizer am Everest. Die Doppelzüngigkeit. 

Donnerstag, September 26, 2024

Fußwaschung

 Im Traum verabschiede ich mich. Nein, die Nordsee fehlt mir nicht. Ich fühle mich delighted, begleiche am Computer die letzten deutschen Telefonrechnungen und kündige mein deutsches händi. Wer braucht denn ein Magentapurpur für sein persönliches Glück? Ich muss hier meine Füße so oft täglich waschen wie in meinem früheren Leben die Hände.

Bank

Wir müssen zur Bank. Ein zweites Konto, in nepalesischer currency, eröffnen. Ich huste. Nun aber soll alles funktionieren. Ich huste weiter und will zurück ins Bett.