Ich gewöhne mir das Fragen ab. Heute ist Samstag, und man arbeitet eigentlich nicht. You have to be very strict - also bin ich es. Schaue von meinem Dach hinunter auf eine Parkanlage inmitten der Wildnis. Ich überlege, wie ich hinunterkomme. Ohne Umweg über die laute Golfutar. Google maps kennt nicht alle Wege. Der Husten plagt mich und der "staff" der landlady kommt und hängt gereinigte Vorhänge im Salon auf. Trotz Samstag. Der eine lässt sich nicht faltenlos aufrollen. Da müssen die beiden Jungs nochmals ran. Sie sind sehr freundlich. You have to be very strict. Ich gebe ihnen kein Trinkgeld, es ist nicht mein staff. Letzten Sonntag, als ich hier einzog, lümmelten die nämlich statt zu arbeiten im ersten Stock auf unseren Betten herum. Als ich gestern die Matratzen absaugte, kamen Kekskrümel und verbogene Vorhangringe zum Vorschein. You have to be very strict.
Samstag, Dezember 07, 2024
Freitag, Dezember 06, 2024
Handwerk
Weil die Wurzeln eine Mauer zum Einstürzen bringen. Weil wir auf einem Hügel wohnen. Weil die Häuser aus Stein gebaut sind. Unten sind noch Gemüsefelder. Da herrscht noch das Dorf und die Selbstversorgung.
Donnerstag, Dezember 05, 2024
airflow max technology
Ich bin noch nicht wieder in meiner Routine angekommen, widersetze mich aber standhaft allen Versuchen, mich hier mit assistance for cleaning the house auszustatten. Bevor ich nicht einen Staubsauger besorgt habe, kommt mir kein nepalesischer Besen mehr ins Haus! Die zweieinhalb Monate im 10. Stock waren in mehrfacher Hinsicht so etwas wie die Vorhölle (oder das Fegefeuer) für mich. Nun bin ich im Windschatten der quirligen Golfutar zur einen Seite und des stillen Jagannath Temple zur anderen. Ich lese, Jagannatha means "The Lord of the Universe". Na bitte. Die Vorsehung ist mitten drin, auf meinem Dach! Ich bestelle online beim Hersteller direkt und der Staubsauger made in Nepal wird eine halbe Stunde später ins Haus geliefert. Ich sauge als erstes die Sofas im Salon ab. Damit ist der Staubsaugerbeutel schon zum ersten Mal voll. Wie ich ihn entleere, muss ich noch lernen.
Mittwoch, Dezember 04, 2024
überflutet
Ich habe zum ersten Mal die Waschmaschine im neuen Haus angestellt. Sie steht zuoberst, die Wäsche wird zum Trocknen auf dem Dach aufgehängt. So weit, so gut. Die Sonne scheint. Und dann läuft das Wasser bis ins Erdegeschoss. Der Abflussschlauch ist kaputt. Ich texte der landlady, sie schickt den community manager, der organisiert einen plumber. Ich wische derweil Seen auf. Und reinige bei der Gelegenheit die Treppen auf und ab. Zu guter Letzt will man mir einen boy zur Verfügung stellen, for cleaning. Ich lehne höflich dankend ab. Erstens ist die Sache erledigt, zweitens kenne ich den boy bereits. Der spricht kein Wort Englsich und ist auch sonst ziemlich begriffstutzig, von putzen hat er, wie die meisten Leute hier, leider keine Ahnung. Drittens will ich jetzt einfach keinen fremden Mann im Haus.
Der Eigene textet aus Shenzhen, kurz vor dem Abflug nach Beijing teething problems.
Dienstag, Dezember 03, 2024
ungehobelt
Ich muss laufen lernen. Die Bürgersteige sind gerade die größte Herausforderung. Bisher war es die Höhenangst. Die habe ich erfolgreich überwunden. Die Golfutar ist genauso laut wie die Lazimpat, aber irgendwie sympathischer. Lebendiger. Holperiger. Ungehobelter. Am Abend ein Ausflug in die alte Heimat. Endlich Le Sherpa. Abschiedsessen mit Dorota, die doch erst gestern des Weges kam, und ihrem Chris. Seltsam.
Montag, Dezember 02, 2024
unausgeschlafen
In der Nacht hörte ich Flugzeuge, obwohl der Flughafen neuerdings ab 22 Uhr geschlossen ist. In der Nacht bekam ich Halsschmerzen. Obwohl ...nun ja. Trotz allem. In der Nacht lag ich wach und suchte den Mond. Natürlich vergeblich.
Dorota aus Krakau kam des Weges. Der erste Besuch in meinen Hügeln. Wir stiegen aufs Dach, in der prallen Mittagssonne. Beim Hinuntergehen drehte sie ein vollkommen unverwackeltes Video. Für die restlichen Krakauer.
Wer es sehen will, darf sich bei mir über andere Kanäle melden.
Sonntag, Dezember 01, 2024
umgezogen
Neumond in Kathmandu um 12:06 Uhr. Und Sonne. Und Umzug. Bei euch Advent. Hier beginnt der Mond seine neue Phase genau in der Mitte des Tages. Da steht Ihr gerade erst auf, aber der Mond ist an der selben Stelle angekommen wie hier. Wir fahren rechtzeitig über die Ringroad. Die Ampel hat lange Phasen, auch am Sonntag. Aber es sind keine Polizisten zu hören, die mit Trillerpfeifen den Verkehr regeln. Ab heute lebe ich außerhalb der mehrspurigen Umgehungsstraße. Aber immer noch innerhalb der Stadtgrenzen. Im Norden. An der frischen Luft. Im Schatten der Golfutar Main Road.
Der letzte Monat des Jahres beginnt mit dem neuen Mond, mit einer neuen location, einer neuen Sicht aus vielen unverstellten, geputzten Fenstern, einem bald nicht mehr nur vorläufigen Schreibtisch und einem Baum! Grün wie alles hier zu dieser Jahreszeit.Zum Schlafen kann ich mir eines der Zimmer aussuchen. Zum Nachdenken auch. Zum Arbeiten. Schreiben. Tun oder lassen. Noch bin ich allein in dem Haus in Hattigauda.

