Freitag, September 20, 2024

first rain

Während wir beim Mittagessen sitzen (MoMo), prasselt heftiger Regen auf uns nieder. Danach ist das Appartement kurzzeitig ohne Strom. Der Fahrstuhl funktioniert, don't panic - steht dort geschrieben. Wenn mal nichts mehr läuft. 

Donnerstag, September 19, 2024

Constitution Day

Zur Feier des Tages - 9 Jahre Verfassung - frühstücken wir in Thamel.

"The Constitution has guaranteed the rights of all citizens by recognising the worldwide values and principles of democracy and human rights", Nepali Congress President and former Prime Minister Sher Bahadur Deuba said. "May this day inspire all of us to take the country towards the path of economic prosperity by protecting the Constitution and institutionalizing the federal democratic governance system."

Mittwoch, September 18, 2024

first walk

Mein erster Spaziergang durch Panipokhari. Lazimpat Sadak rauf und runter. Vorher lerne ich, vom 10. Stock auf die Straße zu kommen. Wir wohnen ungefähr gegenüber der Japanischen Botschaft. Die Aussicht von oben ist atemberaubend und schwindelerregend. Ich getraue mich kaum so nahe an die Brüstung zu treten, dass ich durch das Taubengitter hindurch ein Foto nach Süden schießen kann, ohne dass es aussieht, als säße ich im Knast! Wir haben drei Balkone und sehen in alle vier Himmelsrichtungen.

Unten ist es wie immer. Heiß. Laut. Voll. Ich überquere ohne mit der Wimper zu zucken Straßen, entdecke Blue Moon, meinen Lieblingssupermarkt, kaufe Batterien, Teller, Gläser, Früchte, Spülmittel usw. Was wir so brauchen nach der Ankunft. All das, was wir vor gefühlt 24 Stunden in einem ganz anderen Leben fernab der Notwendigkeit fein säuberlich getrennt entsorgt haben.

Am Abend business dinner. Wie immer: schockierendes Kontrastprogramm. Von Jetlag keine Spur. Der Mond ist immer noch sehr hell und voll. Ich höre die ganze Nacht Hunde bellen.  

Dienstag, September 17, 2024

arrived in time with metal

First thing I saw at the Tribhuvan International Airport was my trampoline, leaning against the wall near the already slowly moving luggage belt. 

Vom Gepäckband heben wir unser eingechecktes Gepäck: 85 kg, am Arm und in der Hand schleppen wir 25 Kilo Handgepäck. Das Trampolin ist weniger schwer als unhandlich: 110 cm Durchmesser. Ich remple ständig andere Reisende an. Auf dem Weg nach Hause fahren wir im PATA Office vorbei, wo wir die seit Juni auf mich wartenden beiden Koffer, nochmals schätzungsweise 40 kg einschließlich Wanderschuhe Paar 1 plus Laptop Nr 1 zuladen.

Die Nepali ehren heute alles, was aus Metall ist, also Autos, Metallgitter, Jalousien vor den Straßenshops. Der Rahmen und die Beine meines Trampolins sind auch aus Metall. Also: Arrived just in time. 

Montag, September 16, 2024

Grenzverletzung

Ich bin seit zehn Jahren auf dem Weg nur zu mir. Übe mich darin, ungesunde Umwelteinflüsse jeglicher Art abzuwehren. Und mich auf mich zu konzentrieren. Indem ich atme, denke, fühle. Schweige, schreibe, schwimme. Ich zog auf die Hallig, suchte ein weltliches Klosterleben und scheiterte kläglich! Nichts ist verwerflicher als das Leben auf Kosten anderer. Reumütig kehrte ich zur Einkehr in meinen eigenen Garten zurück, nahm zwei schwarze Kater in Pflege, widmete ein Teil meines Hauses in ein Tierhospiz um, bis ich sie unter der Edelkastanie zur letzten Ruhe betten durfte. Immer und immer wieder schaute ich hinter den unverstellten Horizont, versuchte dort irgendetwas zu erkennen, zu erhaschen, zu erreichen. Ich fand nichts und kam nirgends an. Eine zwar großartige Leere umgab mich und auf dem Deich dicke Menschen, denen ich aus dem Wege ging. Ich driftete mehr und mehr aus dem Raum.

Dann fiel im Oktober das erste der 546 Rufzeichen vom Himmel: Lalitpur. Ich ahnte damals nicht, dass dies ein Rufzeichen war, und schon gar nicht, dass es direkt vom Himmel kam. Aber ich folgte ihm unbeirrt. Bereits im Januar konfrontierte mich ein kluger Kopf mit Wertvorstellungen aus dem hessischen Vogelsberg, warf mir Grenzverletzung vor, Video-Voyeurismus, weil ich mich zur christlichen Weihnacht ständig mit dem Helikopter bei günstigen Aufwinden auf den Everest hochheben ließ. Das sei ein Land nur für Eingeweihte, schrieb er mir, tabuisiertes Land! Tempel nur für Eingeweihte, Berge nur für Eingeweihte, Helikopter nur für Konsum-Menschen, "bloße Sehnsucht reicht nicht". Dieser Satz lag mir mit seiner Strenge Wochen, Monate schwer im Magen. Ich sehnte mich überhaupt nicht - und schon gar nicht "bloß" - nach Lalitpur, Kathmandu, Panpokhari. Allesamt Namen, die ich noch nie gehört, geschweige denn die Orte, denen sie gehören, gesehen, geliebt, bewundert oder vermisst habe. 

Und - schoss es mir in schlaflosen Winternächten immer wieder durch den Kopf - was ist mit den anderen, mit denen, die in umgekehrter Richtung unterwegs sind. Finden die in unseren Weihnachtskirchen auch keinen Einlass? Auf unseren Weihnachtsmärkten? Weil auch hier alles nur für Eingeweihte ist, der Wohlstand, das Wachstum, die Wirtschaft, das Wohnzimmer und der Beichtstuhl ... 

Ich verlasse jetzt das Land der Deutschen, und kehre mich ab von der deutschen Deutungshoheit. 

Montag, September 09, 2024

Mittwoch, September 04, 2024

zu schade

Das Haus ist fast leer. Und doch kommt immer wieder der gierige Griff. Wenn ich sage: "Das bekommt die Kleiderkammer." Oder: "Das holt hoelp ab." Nein, höre ich dann, entschieden: "Nein! Das ist zu schade, das nehme Ich!" Zu schade für die Kleiderkammer, zu schade für hoelp. Ich würde verstehen, wenn es um die schwarze Tonne ginge. Um den Restmüll. Wenn ich sagen würde: "Das kommt weg!" Oder: "Das schmeiß ich in den Müll." Ich könnte verstehen, dass jemand einwendet, aber das ist zu schade für den Müll, das ist doch noch gut, völlig intakt, noch zu gebrauchen. Wirf es bitte nicht weg, nicht in diese Tonne (die bei mir btw einen grauen Deckel hat), dann nehme ich es lieber mit. Das könnte ich verstehen. Und akzeptieren. Und müsste mich nicht hintersinnen, bräuchte kein einziges Wort darüber verlieren.

Aber bei der Kleiderkammer? Bei hoelp? Warum gönnen die Leute keinem armem Tropf auch mal ein Schnäppchen? Warum greifen die lieber selber zu, deren Wohnungen, Häuser, Zimmer, Garagen, Gartenschuppen bis oben hin vollgestopft sind mit Ichweißnichtwas? Warum gönnen sie keinen ukrainischen oder syrischen Geflüchteten etwas Anständiges. Schönes. Überflüssiges. Wie zB ein Bild an die Wand oder ein Buch in die Hand. Was sagt das über uns Zivilisierte, Angepasste, gut Ausgebildete, untertänig Sozialisierte, brave Menschen an der Westküste, wenn etwas zu schade ist für die Kleiderkammer, zu schade für hoelp?