Tulsi, das indische Basilikum gehört Lord Vishnu. Es gilt als seine irdische Manifestation. Wir hatten das schon, dass es gepflanzt werden soll, bevor Vishnu im क्षीर सागर - Kshir Sagar, im Milchozean für ein paar Monate entschläft. Bei mir wächst das Basilikum ungehemmt und ungeplant. Ich trage den übervollen Pflanztopf zum Tempel. Der Mönch erklärt mir, dass es schwarzes und grünes Tulsi gibt. Und dass demnächst, nämlich am Samstag, Harishayani Ekadashi ist. Dann sind wir bereits in Pokhara, sage ich, aber er versteht nicht, was ich meine. Wir leben in verschiedenen Gedankenwelten. Umziehen ist etwas ganz Unvorstellbares für die Leute hier. Er zupft sofort ein paar Pflänzchen heraus und setzt sie in den dafür vorgesehenen Quader, schön geometrisch angeordnet, vier zu vier. Den Rest trägt er nach Hause. First mission completed.
Die zweite kommt am späten Nachmittag. Es regnet mit Unterbrüchen. Ich nehme die ausgebleichten, vom Wind gebeutelten Gebetsfahnen vom Dach. Wir warten eine Regenpause ab und marschieren dann zu zweit zum Tempel. Mit Streichhölzern und Feuerzeugen. Wir verbrennen die buddhistischen Fahnen in der Feuerstelle vor dem kopflosen Shiva und der stolzen Parvati. Sie werden uns das nicht übel nehmen! Der Himmel jedenfalls meint es gut mit uns, die Sonne kommt heraus und guckt neugierig zu. Der Wind bläst den Rauch in die richtige Richtung.Es fänge bald wieder an zu regnen. In der Baugrube herrscht Ruhe. Wir steigen den Tempelhügel hoch und überqueren noch einmal die laute Golfutar auf dem Weg zu Sukunda. Wir schütteln uns trocken wie nasse Hunde und essen noch einmal scharfe Newarigerichte. Alles passiert nun bereits ein letztes Mal.
