Mittwoch, November 04, 2026

Berge zählen

Die NMA (Nepal Mountaineering Association) hat beim Dachverband für Bergsteiger und Kletterer, der UIAA (Union Internationale des Associations d'Alpinisme) mit Sitz in Bern offiziell den Antrag auf Anerkennung 6 weiterer Achttausender auf ihrem, Nepals Hoheitsgebiet gestellt. Damit würde die Zahl der Achttausender weltweit auf 20 (bisher 14) steigen und davon befänden sich in Nepal 14 (bisher 8).

Die UIAA hielt kürzlich ihre Generalversammlung in Kathmandu ab und so konnte die NMA den Antrag, an dem sie seit Jahren feilt, schriftlich und offiziell überreichen. Eine Delegation der UIAA weilt noch im Lande, um sich über den aktuellen Stand des Ökosystems im Himalaya zu informieren. Zu überprüfen, ob die 10 Punkte ihrer Kathmandu-Deklaration von 1982 (!) noch Bestand haben. Damals war von den nepalesischen und helvetischen Partnern festgehalten worden, dass Flora, Fauna und die natürlichen Ressourcen der Himalaya-Region bewahrt und geschützt werden sollen und alles unternommen werden muss, um negative Folgen durch Bergsteiger-Aktivitäten zu vermeiden.

Im Kontext der diesjährigen Sturz-Flut-Katastrophen und des overtourism am Everest (um nur 2 Beispiele zu nennen) wirkt es eigenartig, dass das Land weitere 6 Achttausender für sich reklamiert. Neu sind diese Gipfel allemal nicht. Bekannt, erobert, begangen. Auf der nationalen Lise sind diese Gipfel längst aufgeführt. 

Am कञ्चनजङ्घा - Kanchenjunga, dem dritthöchsten Berg der Welt, über dessen Gipfel die Grenze zwischen Nepal und Sikkim (Indien) verläuft, sollen neu 4 Unter- oder Nebengipfel als eigenständige Achttausender gelten. Die Inder sagen sowieso, der Kanchenjunga sei ihr höchster Berg. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Nepali beanspruchen nicht nur den Hauptgipfel Kanchenjunga (8,586 m) für sich, sondern auch den Kanchenjunga Süd (8,476 m), Kanchenjunga West (8,077 m), Kanchenjunga Zentral (8,473 m) und den Yalung Khang (8,595 m). Besteigungsgenehmigungen werden bereits gesondert vergeben. Ich kenne mich nicht genau aus, aber im Prinzip muss man alles hinter sich lassen, um einen höchsten Punkt zu erreichen. Der कञ्चनजङ्घा - Kanchenjunga ist ein Gebirgsmassiv, wie es viele andere im Himalaya gibt (man denke nur an die kilometerlange Annapurna-Kette vor meinem Fenster), sein Name kommt aus dem Tibetischen und bedeutet so etwas wie "die fünf Schätze des großen Schnees". Der Name कञ्चनजङ्घा - Kanchenjunga setzt sich wie folgt zusammen: Kang (oder gangs) = Schnee, Chen = groß, mächtig, Jun (oder Dzö, wie manche sagen, oder Mzdod) = Schatztruhe, Lagerraum, Nga = 5. Die 5 ist also bereits angelegt und bezieht sich auf die Schätze. Oder die (unterirdischen) Schatzkammern. Auf die überirdischen 5 Gipfel. Der Legende oder dem Volks(aber)glauben nach befinden sich unter den 5 Gipfeln 5 göttliche Lagerstätten: für Gold, Silber, Juwelen, Korn und Heilige Schriften. Schön! Das gehört alles zusammen (unter ein Dach) und kann nicht mit dem Hackbeil aufgespalten werden wie ein alter Baumstamm. 

Auch der ल्होत्से - Lhotse (8,516 m), der vierthöchste Berg der Erde, soll zersplittert werden. Er ist der südliche Gipfel des Everest-Lhotse Massivs an der Grenze von Nepal und Tibet resp. China. Lho heißt Süden und tse Gipfel. Der ल्होत्से - Lhotse soll um Lhotse Mitte (8,410 m) und Lhotse Shar (8,400 m) ergänzt werden. 

Die UIAA wird den Antrag prüfen und wissenschaftlich bewerten. Das dauert wahrscheinlich bis zur nächsten GV in Chile. 

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