Samstag, April 05, 2025

Elastocoat

Nachts wache ich nun auf, durstig! Ausgetrocknete Schleimhäute, eine so spröde Kehle, dass sie weh tut. Und wie ich sie noch nie hatte. Oder spürte. Ich bin zu müde, um aufzustehen, eine Treppe nach oben oder nach unten zu gehen und Trinkwasser zu holen.

Am Vormittag versuche ich, unsere frisch gestrichene Terrasse zu säubern. Nur mit kaltem Wasser den Staub wegzuspülen. Im Schatten und vor der  Mittagshitze. Es ist Anfang April und bis zur Regenzeit noch weit. Wir stehen erst am Anfang von Temperaturanstieg und pollution. Das Wischwasser weicht die Farbe auf und die geriffelten Sohlen meiner Slippers ziehen Fäden hoch. Wie Kaugummi. Bis zur rainy season ist es, wie gesagt noch weit. Aber sie wird kommen. Und bis dahin sollte das Haus wasserdicht sein, wie unter einer Regenpellerine. Ich hatte kein Vertrauen zu dem jungen Mann, der hier zwei Tage lang rote Farbe (TWS 401 Elastocoat-Pu) verschmierte. So wie der kleckerte, habe ich noch keinen Anstreicher anstreichend kleckern gesehen. Wahrscheinlich muss jetzt - sobald wir unserer landlady Bilder schicken - die ganze Sauce oder Chose wieder abgezogen oder eher abgeschliffen (meine Nerven!) werden und dann ab ovo ...

Freitag, April 04, 2025

Paink

Bei Paink im Westen Nepals, Distrikt Jajarkot, bebt die Erde kurz hintereinander zweimal. Um 20:07 und um 20:10 local time. Die zweiten Erschütterungen sind deutlich stärker zu spüren, sagen die Leute, die in Panik in und um Paink auf die Straßen rennen. Der Unterschied von 5,2 zu 5,5 scheint auf dem Papier nicht so arg groß, ist aber zwischen den sich scheuernden Platten vielleicht gerade der Pfad zur Katastrophe. Berichte über Schäden gibt es (noch) nicht. 


Wir auf dem Hill in der Hauptstadt stehen (noch) auf festem Boden, rundum werden von Hand (wie bereits gesagt) Befestigungsmauern in die Erde gebaut und den Atem holen wir in unsere Lungen aus der wahren Hölle.  

Donnerstag, April 03, 2025

Tomek

 Sein Name sei ... Tom! Polnisch (zärtlich) Tomek. Er wohnt in seinem Lieblingskarton unter der Außenspüle. In the house in the house in the house. Er wacht natürlich wie immer sofort auf, wenn er mich herumfuhrwerken hört. 

Und will, müde und satt (Frühstück verputzt vor genau einer Stunde) hin oder her, sofort wieder Futter.




Mittwoch, April 02, 2025

Die Stadt im Werden

Die Stadt ist keine Stadt. Aber die Sicht auf sie authentisch. Die Stadt ist im Werden. Sie besteht aus Hunderttausend kleinen und großen Baustellen. An allen Ecken wird gearbeitet. Gebaut. Gebuddelt. Überall von Hand. Selten kommen Maschinen zum Einsatz. Wie gestern, als ein Bagger unter meinem Tempel einen tiefen Graben aushob. Daneben kam ein ordentlich mit Ziegelsteinen gebauter runder Brunnen zum Vorschein. Wahrscheinlich seit etwa zehn Jahren verschüttet. Kürzlich in der Nacht erhob sich ein fürchterliches Getöse. Ein Lastwagen hatte Steine abgeladen. Und was für welche! Riesige Blöcke sandgelber Farbe. Diese Steine wirft nun ein Arbeiter von Hand und in den üblichen ausgelatschten Slippers in den Graben. Von unten spritzt Wasser hoch. Grundwasser? Der Mönch hatte mir erklärt, es würde eine Wasserleitung gelegt und die Mauer befestigt. Ein kurzes Stück Betonrohr liegt bereits bereit. 

Ganz am Anfang hatte mir der Mönch versichert, das Wasser, das aus einer Leitung fließt, immer, Tag und Nacht, sei Trinkwasser. Es kommen ständig Leute, die hier ihre Wasserbottiche auffüllen und wegschleppen, bei der Gelegenheit noch Zähne putzen, Haare waschen und andere Körperteile säubern, die ausgezogenen Kleidungsstücke ausspülen, auswringen und feucht wieder überziehen ... und so weiter und so fort. 

Direkt daneben, in Sichtweite, unsere "guarded community". Der Manager reinigte den ganzen Winter in regelmäßigen Abständen, ungefähr einmal in der Woche, den Pool, den meines Wissens, seit wir hier wohnen, noch niemand benutzt hat. 


Dienstag, April 01, 2025

back to nature

Alles, was ich hier tue, mache ich freiwillig. Seit heute trage ich eine Partikelfilter-Halbmaske auf dem Weg zum Language Hub. Helmpflicht besteht in Kathmandu nur für den Fahrer, nicht für die Beifahrerinnen, auch nicht für mitfahrende Kinder. Maskenpflicht gibt es gar nicht. Gestern erreichte Kathmandu den Olymp der Luftverschmutzung: 365 Mikrogramm pro Kubikmeter nach der Skala PM 2,5. Weltbestleistung! Der Superlativ ist zwiespältig und die Zahlen zwar erschreckend, aber viel schlimmer als jede Statistik ist das, was ich täglich sehe oder nicht sehe und spüre oder nicht spüre in der Mittagshitze, wenn mein driver mich durch die alte Heimat fährt, die Lazimpat hinunterbraust, im Schatten des Ranibariforests, am Bluemoon und unter der wieder intakten Ampel vorbei. Die Luft ist zum Schneiden dick, die Sicht stark eingeschränkt, rundum stoßen Fahrzeuge schwarze Wolken aus - so dass wir auf Wolke 7 schweben. Also ab heute - und das ist kein Aprilscherz - Maske auf, Überbleibsel aus einem längst vergessenen Dithmarscher lockdown, und Sonnenbrille auf. Die macht das Schwarz noch schwärzer. 

Aprilscherze gibt es hier nicht, weil es gar keinen April gibt. Heute beginnt auch kein neuer Monat, wir haben immer noch Chaitra, den letzten Monat des Jahres 2081, mittlerweile den 19. Tag - also wird in 12 Tagen das Neue Jahr begrüßt!

Montag, März 31, 2025

Eid-al-Fitr

Wieder ein letzter Tag! Chaitra 18 Eid Ul Fitra ko Din Bida. Ende des Ramadans und feierliches Fastenbrechen. Public holiday in Nepal - das Land ist seit 2008 ein säkularer Staat. Also wird auch die Muslimische Community respektiert. Die Pro-Monarchisten, die am Freitag in der Metropolitan City randalierten, wollen nicht nur den alten König zurück, sondern auch den Hindu-Staat. Das Alleinstellungsmerkmal. Das einzige Hindu-Königreich der Welt. Sowie das Recht, Andersgläubige zu verfolgen und zu vertreiben. 

Ob wir foreigners heute unsere nepali-class haben oder nicht? Ja! Wir haben und lernen.

Sonntag, März 30, 2025

haraunu

Wir foreigners haben ein freies Wochenende für foreigners, sanibar (Samstag) ra (und) ayetabar (Sonntag) chuti (holiday). Frei von der Last täglicher Anstrengung. Immer wieder aufs Neue haraunu. Lost - not in translation, lost in languageUnser Lehrer hat mir kürzlich ganz ungewollt das Motto meines Lebens an die Tafel geschrieben: Mo kushima harako chu. Die Umschrift ist immer Glückssache, aber so habe ich es in mein Notizbuch übertragen. I am lost in happiness! Ich wollte auf seine Frage, wie es mir gehe, nur antworten, dass ich nach wie vor in der nepalesischen Sprache gänzlich verloren sei - um nur ein Beispiel anzuführen: hauraunu ist das Verb im Infinitiv, in der 1. Person Singular im Präsens wird es zu harako - aber trotzdem happy to be here. Er hat meine Aussage poetisch umgemünzt: ich bin im Glück verloren!