Die Bauern im District Surkhet, dort wo kürzlich wegen der Waldbrände tagelang keine Flugzeuge starten und landen konnten, ernten in ebendiesen Wäldern nun गुर्जो - Gurjo und चुत्रो - Chutro. Im Dschungel, in der Wildnis, in den Gärten.
Die neuen Exportschlager. Die Chinesen haben den Wert der natürlichen Heilpflanzen erkannt und in Kharayochaur eine Sammelstelle und Fabrik zur Weiterverarbeitung der Kräuter, Wurzeln, Rinden eingerichtet.
Gurjo - Tinospora cordifolia oder Sanskrit Guduchi, Hindi Giloy, englisch heart-leaved moonseed ist eine Ayurveda Heilpflanze aus der Familie der Mondsamengewächse. Ein Antioxidans, das während der Covid-Pandemie in Nepal an Popularität gewann und zur Stärkung des Immunsystems "massenhaft" - wie ich lese - konsumiert wurde.
Chutro ist der nepalesische Name für die indische Berberitze, berberis aristata. Ein dorniger Strauch, der einst auch in meinem Garten an der Nordsee wuchs. Ihre süß-sauren Früchte sind reich an Vitamin C - Rainer Maria Rilke hat sie in seinem Gedicht "Sommerreife" wohl mehr der Farbe als der Gesundheit wegen beschrieben: Jetzt reifen schon die roten Berberitzen ... Und natürlich als Zeichen der Vergänglichkeit. Aus den Wurzeln und der Rinde wird ein Extrakt gewonnen, der Berberin enthält - den Stoff, der der Pflanze ihren Namen gab und in der Ayurvedamedizin vielfältig angewendet wird, gegen Augenentzündungen, Gelbsucht, Verdauungsprobleme und dergleichen mehr.
Die Chinesen haben anders als tote deutsche Lyriker unendlichen Bedarf an Gesundheit. Und spornen die Nepali an, Gurjo und Chutro einzusammeln und abzuliefern, Früchte, Stängel, Wurzeln. Gegen Entgelt, versteht sich. Und schon sind Bauern happy, was gibt es einfacheres, als rote Berberitzen in privaten und öffentlichen Forsten zu ernten. Natürlich regt sich Widerstand und Protest in ganz Karnali. Die Chinesen kaufen nicht nur aus Surkhet, sondern aus zehn anderen Distrikten der Provzinz. Gemeingut ist Gemeingut. Die Bauern wollen nun Chutro, die indische Berberitze auf ihren Feldern kultivieren. Die Früchte sind zwar schwieriger zu ernten in den stachligen Sträuchern (davon könnte ich ein Lied aus der Vergangenheit singen) als Gurjo, aber die Chinesen zahlen mehr als das Doppelte pro Kilo.
Die Erntezeiten entsprechen übrigens hier nicht deutscher Schullektüre. Der Sommer steht ja erst vor der Tür.