Freitag, Mai 22, 2026

Sithi Nakha

Wir fliegen nach Pokhara. Es regnet. Es ist der 6. Tag der shukla paksha im Monat Jesh, also der hellen Mondphase. Der Mond nimmt von Abend zu Abend merklich zu. 

Es müsste Sithi Nakha gefeiert werden, wenn gefeiert würde und wir uns nicht im Malamas befänden, im Monat des Nichtfeierns. Aber die Natur nimmt ihren Lauf. Für die Newari bedeutet Sithi Nakha das Ende der Trockenzeit. Vor dem Monsun reinigen sie ihre Brunnen. Und verehren कुमार - Kumar, Shivas Sohn.

Mittwoch, Mai 20, 2026

swimmingpool

Ich habe gestern meine Schwimmsaison eröffnet. Der Pool wurde über die Wintermonate entleert und ich fragte mich lange Zeit, wo das Wasser wohl hin gegangen ist. Die blauen Fliesen wurden aufwändig geputzt, geflickt und dann das Wasser sehr langsam wieder eingelassen.  

Dienstag, Mai 19, 2026

namegame

Die kurze Frühjahrhochgebirgsklettersaison dauert noch ein paar Tage, also kann ich meine Gedanken weiterhin um den Berg kreisen lassen, den die Tibeter und die Sherpas Qomolangma oder Chomolungma nennen. Den Namen "Everest" hat ihm, wie wir wissen, die ehrwürdige "Royal Geographical Society" (von der mein Gatte ein ehrwürdiger fellow ist) 1865 verliehen und in die Welt verbreitet. 

Die Tibeter hatten ihren Namen schon immer. Jedenfalls ist mir nichts Gegenteiliges bekannt. Eine französische Karte von 1733, die offenbar Zeichnungen von Kapuzinermönchen als Grundlage nutzte, die im frühen 18. Jahrhundert in Lhasa lebten, nennt den Berg "Tschoumou-Lancma". Die orthographische Verwandtschaft und/oder die artikulatorische Nähe zu Qomolangma oder Chomolungma ist nicht zu übersehen. Noch vor der Erstbesteigung, im Juni 1952 erklärte übrigens das offizielle Peking per Dekret, dass der Mount Everest im Chinesischen wieder seinen ursprünglichen Namen Chomolungma tragen soll.

Dieser Umstand mag den damals amtierenden König Mahendra dazu bewogen haben, dem Berg, der immerhin zur Hälfte in seinem Hoheitsgebiet, dem einzigen Hindu-Himalayakönigreich steht, auch endlich einen nepalesischen Namen zu geben. Er schickte seine Untertanen auf die Suche nach dem eigentlich richtigen Namen und die fanden in einem Artikel des Historikers Baburam Acharya von 1938 den Namen bereits im Titel "Sagarmatha or Jhyamolongma" angelegt. Soweit sind meine bescheidenen  Nepalikenntnisse bereits herangewachsen, dass ich in dem zweiten Namen den tibetischen erkenne, in nepoalesischer Aussprache eben. Nicht so der nepalesische Historiker. Angeblich lässt er sich lange darüber aus, dass "Jyhamolongma" ein - wie man heute sagen würde - no-name sei. Ist es auch, bei Lichte betrachtet. Um Sagarmatha hingegen baut er wilde Spekulationen über die Kiratsparche - was wohl einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten dürfte. Acharya selbst soll später erklärt haben, der Name sei ihm "zugefallen". Sozusagen auf dem Flur zwischen den Büros, beim small talk. Eine "third-hand" Info. Den König überzeugte sie fast 20 Jahre später. Und so nennt heute eigentlich niemand den Berg Sagarmatha.

Montag, Mai 18, 2026

women climbers

Der neue Mond ist am Abend zu sehen, eine dünne liegend Sichel, bereits 4,9 % gefüllt!

Gestern gab es Rekorde am Everest. Lhakpa Sherpa stand um 9:30 am zum elften Mal auf dem höchsten Gipfel der Erde. Und ist - wie berichtet wird - mittlerweile gesund wieder im Base Camp angekommen. Damit hat sie ihren eigenen Rekord von 10 Besteigungen übertroffen. Keine Frau der Welt war öfter auf dem Qomolangma (wie die Sherpas den Berg nach wie vor nennen). Sie stieg acht mal von Norden, von der tibetischen Seite hoch und gestern zum dritten Mal von Süden, von der nepalesischen Seite.   

Lhakpa Sherpa war nicht die erste Nepalesin auf dem Sagarmatha (wie der Berg offiziell in Nepal heißt), aber sie war die erste ihres Landes, die nicht nur hoch- sondern auch wieder heruntergekommen ist. Zum ersten Mal am 18. Mai 2000. 

Die erste Frau auf dem Everest war die Japanerin Junko Tabei, sie erreichte den Gipfel am 16. Mai 1975 über die Südroute. Elf Tage später stieg die Tibeterin Phanthog über die Nordroute auf. Die dritte Frau war die Polin Wanda Rutkiewicz am 16. Oktober 1978. Die vierte, die Deutsche Hannelore Schmatz, war die erste Frau, die hoch, aber nicht mehr herunterkam. Sie starb auf dem Abstieg am 2. Oktober 1979. Es folgten viele viele Frauen, aber erst 1993 eine Nepalesin - Pasang Lhamu Sherpa. Auch sie starb auf dem Abstieg, keine 100 Meter unter dem Gipfel, auf etwa 8,750 Metern. An Entkräftung, wie es heißt. Und aufgrund miserabler Wetterverhältnisse.  

Pasangs Gipfelgeschichte, bzw. die Geschichte der ersten nepalesischen 3-Frauen-Expedition kann man hier nachlesen. Die Autorin des Buches "Forty Years in the Mountains", Lhakpa Phuti Sherpa, ist natürlich nicht objektiv, sie muss es auch nicht sein. Es sind schließlich ihre autobiographischen Aufzeichnungen aus vier Jahrzehnten, die sie mit uns teilt. Sie war Teil des Frauentrios, Pasang war ihre "Schwester", Freundin, Gefährtin. Sie glichen sich auch äußerlich, berichtet Lhakpaphuti, und wurden oft verwechselt. Auch und gerade nach dem Tod der einen. Die Erinnerung an jene Tage und Wochen zwischen dem 8. März und dem 22. April 1993 sind schmerzhaft - das Scheitern und die Katastrophe kündigten sich in mehreren bad omens, schlechten Träumen und eindeutigen Orakeln mehrerer Lamas und Astrologen an. Alle Sherpas beten, bevor sie sich auf den Weg machen und befragen den Himmel, das Universum, Hell- und Schwarzseher. Auch der Donnerstag war für Pasang als Wochentag der denkbar ungünstigste Moment für den Gipfelsturm. Das sagte ihr Ehemann und Vater der drei gemeinsamen Kinder, der es wissen muss und im Base Camp vergeblich auf ihre Rückkehr wartete. Hätte Pasang einen Tag zugewartet, wäre entweder Lhakpaphuti mit ihr gegangen (die dritte im Bunde, Nanda Rai, musste wegen Höhenkrankheit aufgeben), oder der Wetterumschwung hätte beide rechtzeitig davon abgehalten. Letztlich - dies ist meine persönliche Interpretation am Schreibtisch unter dem Dach, nach der nochmaligen Lektüre der sehr umsichtig formulierten (nicht congenial ins Englische übersetzten) gut 50 Seiten - zahlte Pasang ihren Preis für ihr Verhalten. Sie kommt mir in Lahpaphutis Erinnerungen unsolidarisch, unkollegial und herrisch entgegen. Wenn nicht geradezu bösartig. Sie hatte Lakhpaphuti mit der kranken Nanda ins Base Camp zurückgeschickt. Und nutzte die Abwesenheit der beiden für einen egoistischen Alleingang. Sie wollte die Erste sein und den Erfolg nicht teilen. Auch den Superlativ nicht! Einer der vier Sherpas, die sie auf den Gipfel begleiteten, blieb bis zum Schluss bei ihr. Er bezahlte seine Solidarität mit seinem Leben. Die anderen drei stiegen ab und bereiteten die Spur. Vergeblich. Eine traurige Geschichte! Pasang war unbestritten die erste Nepalesin auf dem Gipfel und sie ist bis heute die einzige nepalesische Frau, die am Everest ihr Leben ließ. Alle nach ihr waren vernünftig und vorsichtig. Statistiken belegen, dass Frauen am Everest eher als Männer erkennen, wann ihre Grenzen erreicht sind und sie besser umkehren.   

Heute ist alles einfacher am Berg, der, wie auch immer wir ihn nennen, immer noch den Sherpas gehört. Lhakpa Sherpa war gestern zum 11. Mal oben, in Eigenregie und Eigenverantwortung, Frauenrekord! Kami Rita Sherpa zum 32. Mal als Expeditionsleiter, Männerrekord. Sie wird "Mountain Queen" genannt, er "Everest Man".

Sonntag, Mai 17, 2026

Schaltmondmonat

अधिकमास - Adhikmas - der zusätzliche, dreizehnte, heilige Schalt-Mondmonat im Hindukalender beginnt mit dem heutigen Neumond um 01:46 local time und dauert bis zum nächsten, am 15. Juni 08:39. Das Zeitfenster ist logisch und der Name verständlich: अधिक - adhik heißt extra, मास - mas Monat. Wie immer existieren auch dafür viele andere Namen. So heißt der Monat auch Purushottam nach Lord Vishnu oder Malamas - der Monat ohne besondere Anlässe. Wir hatten das schon.    

Dieser "leere" Monat ist von Zeit zu Zeit (ganz genau alle 32 Monate, 16 Tage, 1 Stunde und 36 Minuten) notwendig, um den hinduistischen Feiertags- und Mondkalender wieder mit dem bürokratischen Sonnenkalender zu synchronisieren. Ob das immer genau auf die Minute zutrifft, ist fraglich, denn natürlich setzt ein Komitee - Nepal Panchanga Nirnayak Bikas Samiti (Nepal Calendar Determination Development Committee) - jeweils fest, wann der Adhikmas beginnt und endet. Ausgewählt wird von den Kalendermachern immer ein Mondmonat, in dem kein Surya Sankranti stattfindet, also die Sonne nicht in ein neues Sternbild übertritt. 

Adhikmas, der Schaltmondmonat soll frei bleiben von kamya karmas, von emotions- oder geschäftsgetriebenen Tätigkeiten wie Hochzeiten, Hausbau, Geldanlagen oder anderen Investitionen, denn er bietet keinen einzigen auspicious - glücksverheißenden und erfolgsversprechenden Moment an. Man darf kein Kind zeugen, denn es könnte krank sein oder werden. Jungvermählte sollen sich für diesen Monat sogar trennen. Die Ehefrau kehrt mit Einverständnis ihres Ehemannes zu den Eltern zurück, damit ja kein Unglück geschieht. Die Gläubigen sind angehalten, sich auf nishkama karmas, selbstloses Tun, Enthaltsamkeit und spirituelle Disziplin in der Verehrung Vishnus zu konzentrieren. Wer in diesem Monat eine Pilgerreise zum Matsyanarayan Tempel unternimmt, den Tempel, der Lord Vishnus erster Inkarnation als Fisch (Matsya) geweiht ist und dort in den Wasserteich eintaucht, oder zum reinigenden Bad in die Höhe wandert, zum Gosaikunda Snan, dem höchstgelegenen und heiligsten alpinen See Nepals auf 4.380 Metern über Meer, wird bestimmt von allen Sünden befreit.

Samstag, Mai 16, 2026

Shani Jayanti

Samstag. शनिबार - sanibar in Nepali. Der Tag des Planeten Saturn शनि ग्रह - sani graha. Heute ist ein besonderer Samstag, ein besonderer Saturntag, ein besonderer Tag überhaupt. Der Mond wird heute Nacht, kurz nach Mitternacht, also eigentlich morgen neu. Aber bereits der heutige Samstag sowie die Nacht auf morgen Sonntag gelten im hinduistischen Kalender als Amavasya - mondlos. Die mondlose Zeit ist spirituell die kraftvollste für Ahnenrituale. 

Und es ist ein besonderer Neumond - an Neumond im Monat Jesh oder Jeshta (der gestern begonnen hat) wird der Geburtstag von Lord Shani - der Gott des Saturn gefeiert. Es ist Zufall - oder auch nicht - dass Shanis Geburtstag in diesem Jahr auf einen Samstag, also auf den Tag des Saturn fällt. Das verstärkt die kosmischen Energien. Wer heute innehält, fastet, meditiert, einen Tempel besucht, eine Weile unter einem Baum verbringt, Pflanzen wässert und Bedürftigen schwarze Dinge (schwarze Kleidung, schwarze Sesamsamen, schwarzes Sesamöl, schwarze Bohnen, Urad Dal usw.) aber auch Gegenstände aus Eisen, Saphir oder Glas spendet, der durchbricht negative Einflüsse des Saturn und reinigt sein eigenes Karma. Denn Lord Shani - oder Lord Saturn - der Sohn von सूर्य - Surya (Sonne) und छायाँ - Chaya (Schatten) ist der Gott der Gerechtigkeit und des Karma.  

Aber noch immer ist des Guten nicht genug: in diesem Jahr fällt Shani Jayanti, der Geburtstag Saturns am Jesh-Neumond auch zusammen mit Vat Savitri Vrat. Savitri soll der Legende nach ihren Gatten Satyavan erfolgreich von Lord Yama, dem Gott des Todes zurückerobert haben! Es ist einer der Festtage, an denen die Hindufrauen für die Gesundheit und das lange Leben ihrer Ehemänner fasten.

Freitag, Mai 15, 2026

Sithi Cha:Hre

Heute ist der Erste Tag im Zweiten Monat des nepalesischen Jahres 2083 nach Bikram Sambat. जेठ - Jeth oder etwas altertümlicher जयेष्ठ - Jayestha, was verkürzt im heutigen Alltag zu Jestha wird. Die Sprache ist vielfältig. Die Zeit auch. Die Newari feiern heute सिथि चःह्रे - Sithi Cha:Hre ihres Jahres 1146 ihres Kalenders Nepal Sambat. Der Doppelpunkt im zweiten Wort deutet ein angehauchtes oder nasaliertes, kaum vernehmbares "n" an.

सिथि चःह्रे - Sithi Cha:Hre wird immer an Chaturdashi im Nepali Monat Jeth, das ist der Newari Monat  Bachala, gefeiert. Chaturdashi ist der 14., manchmal auch der 13. Tag jeder Mondphase, der shukla paksha - der hellen, zunehmenden wie der krishna paksha - der dunklen, abnehmenden. Momentan befinden wir uns in der krishna paksha, übermorgen ist in Nepal Neumond. Also ist heute eher der dreizehnte als der vierzehnte Tag der abnehmenden Mondphase. Im Newari Kalender Nepal Sambat ist außerdem der aktuelle Monat Bachala der 7. Monat des Jahres und nicht wie Jeth im Bikram Sambat der zweite. Kompliziert? Nein! 

Chaturdashi, also der 13. oder 14. Tag jeder Mondphase heißt in der Sprache der Nevari Cha:Hre. Aber nur heute ist सिथि चःह्रे - Sithi Cha:Hre. Die Newari haben ihre Brunnen geputzt und verehren heute Lord Kumar Kartikeya, den zweiten Sohn von Shiva und Parvati, Ganeshs Bruder. Nicht zu verwechseln mit Kumar Kartikeya Singh, dem indischen linkshändig orthodoxen Cricket-Profi.