In Nepal schneiden sich die Frauen das Haar nur in Ausnahmefällen. Meist nach Tod (des Ehemannes) zum Zeichen der Trauer. Keine Frau kommt hier auf die Idee, vor einer Wahl das Versprechen abzugeben, sich im Falle der Niederlage ihrer Partei oder ihres Lieblingskandidaten eine Glatze zu rasieren. Ich glaube, ich bin die einzige Frau im ganzen Lande, die den Haarschneider auf dem eigenen Kopf ansetzt - und nicht auf dem der Kinder oder des Gatten. Hier werden vorzugsweise andere Körperteile abgeschnitten.
Renuka Baral hat seltene Berühmtheit erlangt. Sie sagte in einem vielleicht unbedachten Moment, in der aufgeheizten Stimmung vor dem Wahllokal, in dem sie ihre Stimme abgab, sie würde sich das Ohr abschneiden, falls Balendra Shah den Wahlkreis Jhapa-5 gewinnt, und ihm ihren goldenen Ohrring schenken. Ihre Aussage wurde natürlich von der begeisterten Menge gefilmt. Und ging viral.
Zur Erinnerung: Jhapa-5 ist der Wahlkreis des einstigen Premierministers KP Sharma Oli. Balen ließ sich absichtlich dort aufstellen, das sei das einzige, erklärte er in einem kurzen statement vor dem Wahllokal, was er für die erschossenen Gen-Z-Demonstrierenden tun könne. Direkt gegen den Mann anzutreten, der damals die politische Verantwortung für das Land trug. Wie wir wissen, gewann Balen das Direktmandat haushoch. Und die ganz normale shutter-store-Betreiberin Renuka Baral? Muss sich den Spott der Brüder und Schwestern im Netz und auf der Straße gefallen lassen. Jammert über mental stress. Beklagt sich, dass sie beim Großeinkauf auf dem Gemüsemarkt verfolgt, belagert, umringt werde und ihre ganze Familie Hass und Häme ernte. Sie fürchte sich, aus dem Haus, die Kinder schämten sich in die Schule zu gehen. Das ganze Land wartet nur darauf, dass sie ihr blutiges Versprechen einlöst.
Anders im deutschen Ländle (ach!). Die Generalsekretärin der FDP hat ihren Kopf (genauer: die wilden schwarzen Locken) darauf gewettet, dass ihre Partei den Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg schafft. "Sie werden mich nie mit Glatze sehen", hatte sie der Schwäbischen Zeitung kürzlich noch selbstbewusst angekündigt. Und nun? Stehe sie zu ihrem Wort, sagt sie, weil Liberale das tun.
