Samstag, Mai 30, 2026

Feiertag

Samstag. Der erste Tag des freien Wochenendes. Es regnet. Immer noch Prämonsunniederschlag, wie es heißt. Auch die ersten Erdrutsche und Schlammlawinen, verschütteten Straßen und eingestürzten Brücken. In Pokhara sackte in der Nacht in Nadipur, am westlichen Ufer des Seti Flusses ein Stück Straße ab, und beeinträchtigte das anliegende Haus. Bis zum Morgen erstreckte sich die Senkung im Boden auf über 10 Meter. Prämonsunwetterereignisse.  

16. Jestha 2083 BS, ein bescheidener Feiertag: राष्ट्रिय महिला अधिकार दिवस - Rastriya mahila adhikar divas - Nationaler Tag der Frauenrechte. Er wird erst zum achten Mal begangen und nicht als public holiday. Aber weil Samstag ist, haben alle frei. Außer die Hausfrauen und Mütter, Shutterstorebesitzerinnen, Gemüse- und Obstverkäuferinnen usw. Der Nationale Tag für Frauenrechte steht unter dem offiziellen Motto Campaign for Respect for Women's Rights, Self-Reliance, and Prosperity (महिला अधिकारको सम्मान, आत्मनिर्भरता र समृद्धिको अभियान) und Präsident Paudel spricht in seinem Grußwort große Dankbarkeit an alle aus, die Frauenrechte ermöglichen. Die Anerkennung von Fähigkeiten und Führungsqualitäten der Frauen trage entscheidend zum nationalen Wohlstand bei, sagt das Staatsoberhaupt. In einer gesunden Gesellschaft müsse jede Form von Diskriminierung, Gewalt und Ungleichbehandlung gegen Frauen ausgeräumt werden. Das sei "unsere gemeinsame" Verantwortung.

Vor acht Jahren rief die damalige Frauen- und Familienministerin Tham Maya Thapa den Nationalen Tag der Frauenrechte ins Leben. Das Datum verknüpfte sie mit einer historischen Abstimmung im nepalesischen Parlament vom 16. Jestha 2063 BS (2006 AD). Die Abgeordneten fassten damals auf Antrag von Bidya Dewi Bhandari einstimmig einen Beschluss auf Frauenförderung in drei Punkten: 1. Das Recht auf Staatsbürgerschaft über den Namen der Mutter. 2. Den Frauenanteil von mindestens einem Drittel in allen staatlichen Gremien. 3. Die Beendigung jeglicher Form von Gewalt gegen Frauen. Als der  Nationale Tag der Frauenrechte zum ersten Mal in Nepal gefeiert wurde, am 16 Jestha 2076 BS (= 30. Mai 2019 AD), war die einstige Abgeordnete Bhandari Staatspräsidentin.

Freitag, Mai 29, 2026

Feiertag

Public holiday. Wie gestern. Heute ist der 15. Jestha und es wird गणतन्त्र दिवस - Ganatantra Diwas gefeiert. Ein politischer Feiertag. Also kann er auch mitten im hinduistischen Malamaas begangen werden. Der Tag der Republik. गण - gan oder gana sind die Auserwählten, die Gewählten,  तन्त्र - tantra ist das System, das Regime. Die Macht im Staat gehört den gewählten Repräsentanten, seit am 15 Jestha 2065 BS (= 28.5.2008 AD) die Shah-Monarchie in Nepal abgeschafft und ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg beendet wurde.

Und der 29. Mai ist traditionell der Internationale Everest Day, in Nepal natürlich der Sagarmatha Day. Heute wird in Kathmandu der 73. Sagarmatha Day gefeiert, denn vor 73 Jahren standen die ersten zwei Menschen auf dem höchsten Gipfel der Erde, Tenzing Norgay Sherpa und Sir Edmund Hillary. Aber vor 73 Jahren kannte niemand den Namen Sagarmatha. Der Berg hieß Everest in der Welt und bei den locals Chomolungma. Das hatten wir kürzlich schon. Heute geht auch die Frühjahrsbergsteigesaison zu Ende. Das wetterbedingte Zeitfenster für das Erklimmen des Gipfels schließt sich für die nächsten Monate. Und die Sherpas und Icefalldoctors machen sich noch einmal an die Arbeit. Sammeln Fixseile und Leitern wieder ein, befreien ihren heiligen Chomolungma von jedem Unrat, soviel sie eben auf ihren Rücken ins Tal tragen können. Das DoI (Department of Tourism) teilt mit, dass in dieser Saison so viele Bergsteiger wie noch nie in einer Saison den Gipfel erreichten: 1008. Ab sofort herrscht dort oben wieder Ruhe.

Donnerstag, Mai 28, 2026

Feiertag

Public Holiday. Kein Bike auf dem seit einigen Tagen wieder überfüllten schiefen Parking. Mein Nepali Calendar zeigt mir den Tag erst heute früh rot an. So ist das hier. Es kommt auch vor, dass ein freier Tag erst im Nachhinein als solcher erklärt wird. Trotzdem funktioniert alles. 

प्रदोष व्रत - Pradosh Vrat oder auch Pradosham ist der hinduistische Fastentag, der jeden Monat zweimal begangen wird - wohl auch im derzeitigen Purushottam, dem Adhikmaas oder Malamaas. Immer am 13. Tag der shukla paksha, des zunehmenden Mondes (das ist heute) sowie am 13 Tag der krishna paksha, des abnehmenden Mondes (das wird in ca 2 Wochen sein). Die Gläubigen, meist sind es Frauen, fasten für Shiva und Parvati. प्रदोष - pradosh bedeutet Dämmerung und meint die "heilige" Zeitspanne von ca 3 Stunden rund um den Sonnenuntergang. Die eineinhalb Stunden vor und eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang eignen sich am besten für Gebete und Meditation. Man kann sich so von Sünden befreien und Wünsche formulieren. Dieses günstige Zeitfenster heißt auch प्रदोष काल - pradosh kaal - die Zeit der Dämmerung. Die Hindus glauben, dass Lord Shiva während प्रदोष काल - pradosh kaal, seinen kosmischen Tanz ताण्डव - Tandava aufführt. 

Die Muslime (nicht nur in Nepal) feiern das Gegenteil von fasten. Eid-Ul-Adha, oder Bakra-Eid oder Idul Zuha. Das zweitgrößte Fest im islamischen Kalender. Das Opferfest. Oder Ziegenfest. 70 Tage nach Eid-al-Fitr, dem Fastenbrechen nach dem Ramadan. Bakra ist die Ziege und Eid das Fest. Es soll ein Tier geschlachtet werden (Ziege, Schaf, Kuh oder Kamel!) und das Fleisch in drei Teile geteilt werden. Für die Familie, für die Freunde und für die Armen. 

Von offizieller Seit werden allen die besten Wünsche ausgesprochen und Nepal als multi-ethnisches, multi-sprachliches, multi-religiöses und multi-kulturelles Land beschworen.

Mittwoch, Mai 27, 2026

Reisfelder

Genaugenommen wohnten und wohnen wir auch auf dem Hill am Rande von terrassierten Reisfeldern. Nur sind sie verbuscht und vergrast. Die Bäuerinnen holen hier regelmäßig Futter für ihr Vieh. Auf der einen leergetretenen Terrasse spielen am frühen Morgen zwei Erwachsene, meist eine Frau und ein Mann Federball. Und am Nachmittag die Jungs, die außerhalb unserer gated community leben, Fußball. Dazwischen gehört das Feld allen freilebenden schwarzen Hunden. Ein halbes bis ganzes Dutzend tollt und trollt sich da, dass es eine wahre Freude ist. Bleibt mal ein Ball von den Buben über Nacht liegen, wird er freudig in Stücke gerissen.   

Auch vor über 20 Jahren wohnten wir einen kurzen Winter lang an Reisfedern. In Tsukuba. Dort lag Schnee auf dem Feld und nichts geschah. 

Dienstag, Mai 26, 2026

Zeichen der Zeit

Wozu ich das alles mache? Heute früh - so etwas kann ich nur ganz früh am morgen machen, riss ich büschelweise Gras aus. Das ist hier "Rasenmähen". Das Gras wächst derzeit ungefähr einen halben Meter pro Tag. Viel Gras ist es nicht. Mehr Klee und sonstiges Wucherzeug. Das muss ich daran hindern, dass es meine zarten Plantagen verschlingt. Wozu ich das alles mache? Um ein - oder mehrere Zeichen zu setzen. Die Nachbarn haben tausende Blumentöpfe rund um ihre Häuser, auf den Dächern, Terrassen, Mauervorsprüngen und rund um ihr Auto vor den Wohnzimmerfenstern stehen. Die werden täglich aufwändig gewässert. Dafür ist ein boy oder eine maid angestellt. Die meisten Töpfe stehen so, dass sie von dem Regen, der ab und zu sintflutartig niedergeht, gar nichts abbekommen.

Wozu ich das alles mache? Um Zeichen gesetzt zu haben. Wir haben gestern abend unsere Bleibe in dieser stolzen Festung auf dem Hill gekündigt. Und vorgestern in Pokhara einen neuen Mietvertrag unterschrieben. Wir verlassen das Valley und ziehen in ein Reisfeld.  

Seit unser Entschluss steht, ist das schiefe Bike-Parking hinter der Municipality wieder bis auf den letzten Platz gefüllt.    

Montag, Mai 25, 2026

Gartenarbeit

Der erste Mangobaum begrüßt mich im Topf. Aus der Erde heraus. Er hat meine Abwesenheit trotz Hitze überstanden.

Den zweiten wickele ich aus seinem improvisierten Tropenhaus. Er kommt nun auch in die Erde. In einen Tontopf. Er hat unter Gewächshausbedingungen auf meinem Fensterbrett eine kräftige Wurzel und den Beginn einer Krone ausgebildet. Den dritten zeige ich nicht, da ist nicht viel zu sehen, ich setze ihn hoffnungsvoll trotzdem in die Erde. Denn aller guten Dinge sind Drei. Die Kerne, die ich austrocknen ließ, dienen höchstens noch als Kompost.  

Auf der Golfutar sind bereits fliegende Händler mit Litschibüscheln unterwegs. Im Garten wachsen, wenn ich mich nicht irre, drei Litchibäume heran. Ich habe letztes Jahr Dutzende von Kernen verbuddelt. Ich verbuddele hier alles. Kürzlich warf ich eine überreife Tomate in eine Ecke im Garten, weil der Mülleimer nicht der geeignete Platz für so etwas schien. Ich zerquetsche sie leicht mit den Zehenspitzen, der Saft spritzte nach allen Richtungen. Dann schob ich ein bisschen Erde darüber. Ganz ohne mich zu bücken. Wie es aussieht, haben die Kerne verstanden, was ich von ihnen will. Vor ein paar Wochen entdeckte ich im Gestrüpp neben meinem Tempel jungen Bambus. Zart und frisch. Ich habe keine Ahnung, woher der plötzlich kam. Am nächsten Morgen steckte ich mein ein und alles-Werkzeug in die Tasche, den कुटो कोदालो - kuto kodalo und zog nach dem Morgenqiogong drei Triebe aus dem weichen warmen Boden. Es hatte die ganze Nacht geregnet und ich setzte den Bambus in die den Tomaten entgegengesetzte Ecke. Zuerst sahen die Triebe höchst unglücklich aus, mittlerweile aber haben auch sie sich an mich gewöhnt. 

Sonntag, Mai 24, 2026

Pokhara drei

Wir fliegen zurück ohne das berauschende Hochgebirgspanorama gesehen zu haben. Dafür haben wir berauschenden Regen erlebt, Wasserbüffel, Reisfelder und weiße Kraniche bestaunt. Und frischen Fisch aus dem See gegessen. 

Back on the hill. Mit sozusagen null Verspätung. Ohne Himalayasicht,. Wir flogen durch dicke Gewitterwolken und mussten während des ganzen Fluges angeschnallt bleiben. Später, als es dunkel und wir müde waren, sahen wir vom Dach aus den Mond über Kathmandu. Schon über halb voll.