Donnerstag, August 20, 2026

लक्की साईकल मर्मत सेन्टर

Vorgestern am Glücklichen Fahrradladen vorbeigelaufen. Zufällig, auf der Suche nach etwas ganz anderem. Das Firmenschild geknipst, damit ich es nicht vergesse. Zu Hause entziffert: 

लक्की साईकल मर्मत सेन्टर - lakki saikal marmata centar. Zu Deutsch Lucky Cycle Repair Center. Oder Lucky Cycle Shop. 


Gestern abend 2 Fahrräder gekauft. Über Nacht wurde alles Notwenige montiert (Klingel, Bremsen, Trinkwasser-Flaschenhalter usw). Heute früh angeliefert. Per Motorbike. Der Shopkeeper fuhr, sein Monteur saß hinten und hielt ein Zweirad quer vor der Brust. Zuerst kam das Rote, dann das Blaue.  


Mittwoch, August 19, 2026

Himmelsrichtungen

Am dritten Tage, nachdem wir eingezogen waren, kam am Morgen kein Wasser mehr aus den Wasserhähnen. Aus einem nach dem anderen tröpfelte es nur noch erbärmlich. Ich vermutete, dass die Tanks auf dem dritten Dach leer waren, konnte mir aber nicht erklären, wie wir in so kurzer Zeit soviel Wasser verbraucht haben sollen. Zumal, wie der landlord erklärt hatte, die Tanks "immer" und "automatisch" nachgefüllt würden. Wenn der Pegel unter eine bestimmte Marke fällt, wird Wasser angefordert und hochgepumpt.

Das weiß ich heute. Die Pumpe steht unten und braucht Strom sowie einen Motor. Der Motor der Nachbarn ist nicht zu überhören. Er schaltet sich mindestens zweimal täglich ein. Sie brauchen viel mehr Wasser als wir, aber sie haben auch Reisfelder hinter dem Haus. Und einen Wasserbüffel im Stall. 

Am dritten Tag nach dem Umzug erklärte der landlord auf Nachfrage, mit einem der Schalter in der Küche neben dem Kühlschrank müsse der Strom für den Motor der Wasserpumpe eingeschaltet werden. Ich hatte bereits alle Schalter im Haus ausprobiert und mich bei vielen gewundert, wofür sie da sind, wenn sie kein Licht geben. Der Schalter im Norden, schrieb der landlord per WhatsApp und W geriet ins Grübeln. Er schickte ein Foto der ganzen Schalterreihe zurück und fragte, ob Norden rechts sei, der letzte Schalter an der Seite zu den Schneegipfeln. Yes, Sir!

Das Wasser fließt seither ungehindert und ich habe den Schalter mit einem roten Punkt markiert, damit wir ihn nicht versehentlich ausschalten. Bei schönem Wetter sehen wir, wie bereits berichtet, die Annapurna-Kette am nördlichen Horizont. Einer der Gipfel ist अन्नपूर्ण दक्षिण - Annapurna daksin. Annapurna Süd. Im Hinduismus, lese ich, bedeutet दक्षिण - daksin auch rechts. Denn zum Gebet stellt man sich nach Osten, der aufgehenden Sonne zu. Dann ist Süden rechts und Norden links.

उत्तर - uttar, der Norden gilt als Sitz der Götter. Lord Shiva wohnt auf dem Berg Kailash. Von meinem Schreibtisch aus gesehen, stimmt das auch. Im Norden ragen die Annapurnagipfel in den Himmel. In meinem Schulheft ist उत्तर - uttar aber auch die Antwort. Die Antwort auf jede Frage. Was das eine - der Norden, mit dem anderen - der Antwort zu tun hat, weiß ich (noch) nicht. 

दक्षिण - daksin bedeutet nebst Süden und rechts, auch Spende. Das, was man Bedürftigen an Feiertagen oder an jedem anderen Tag gibt, oder seinem Guru, dem spirituellen oder jedem anderen Lehrer, als Dank für Weisheit, Belehrung, Begleitung auf dem Weg. Mit दक्षिण - daksin wird jedes Ritual abgeschlossen. दक्षिण - daksin als Gabe gilt als religiöse Pflicht.

Norden ist also nicht rechts, sondern links. Norden gilt als spirituellste, glückbringendste Himmelsrichtung. Norden hat kosmische Energie und symbolisiert den Weg der Erleuchtung, das Streben nach Moksha, der Befreiung aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt.

Süden hingegen ist rechts! Nach Süden geht der Weg der Ahnen, dort liegt das Reich des Todes. Der Süden wird von Lord Yama regiert, dem Gott des Todes und des Dharma, der universellen Gerechtigkeit. Süden ist der Ort der Transformation, der Auflösung des Egos.

Dienstag, August 18, 2026

Durgalal Shrestha

दुर्गालाल श्रेष्ठ - Durgalal Shrestha, der bekannteste Newari Dichter, einer der wenigen, der seine Poems, Lieder und Gedichte in Nepal Bhasa schrieb und quer durchs Land dank (eigenen oder fremden) Übersetzungen in die "Hochsprache" der Nepali bekannt wurde, starb vorgestern im Alter von 91 Jahren. Ein gutes Alter! Er starb zu Hause, in Kathmandu, in Budhanilkantha. Dort, wo wir bis vor einem knappen Monat gelebt haben. Ein guter Ort. 

Ich wusste nicht, oder habe es unterwegs wieder vergessen, dass Durgalal Shrestha den Text zum Hit unserer buddhistischen Nonne Ani Choying Drolma "फुलको आँखामा" (fulko ankhama) geschrieben hat. Ein Song, den ich aus Pranais Freitagsstunden kenne. Der Song, der mir den ersten tüchtigen Schlag versetzt hatte, weil ich das Wort "phoolko" im Titel des Songs auf dem Zettel, den Pranai verteilte, nicht als "ful" und schon gar nicht als फुल wie Blume erkannte. Diesem Song verdanke ich es - oder Durgalal Shrestha Sir - , dass ich um alles in der Welt die Devanagari-Schrift lernen wollte. Und nun mehr schlecht als recht beherrsche.

Seine Handschrift, übrigens, ist ein Kunstwerk für sich und wurde digitalisiert. Alle seine Bücher wurden im Herbst 2025 noch einmal mit der offziellen Durgalal Shrestha Drucktype veröffentlich. Der Font soll inzwischen auch allgemein zugänglich sein. Damals, gefragt, wie sich das anfühlt, die eigene Handschrrift als Drucktype zu sehen, antwortete er (sinngemäß übersetzt), mein Körper wird irgendwann nicht mehr da sein, aber meine Handschrift wird weiterleben.    

Heute wurde der Dichter der Herzen, oder des Volkes ("people's poet") von seinen Anhängern, Kollegen, Newaris, Buddhisten und der politischen Hauptstadt-Prominenz im Bijeshwari-Tempel verabschiedet und anschließend zur Kremation nach Karnadeep am Bishnumati River begleitet.

Montag, August 17, 2026

Nag Panchami

Es kommt wieder alles auf einmal. Der erste des Monats, der 1. भाद्र - Bhadra sowie der 17. August. Für uns der Dreiundzwanzigste 17. in diesem Land. Für die Hindus und Buddhisten der fünfte Tag (= पंचमी oder पञ्चमी  - panchami) der Shukla Paksha, der hellen, zunehmenden Mondphase. Sie feiern  नाग पंचमी - Nag Panchami. Das Schlangenfest. Sie verehren die Nagas, die Schlangengötter, nageln Schlangenbilder über die Haustüren und bitten um Schutz vor Schlangenbissen. Sowie um Segen, eine reiche Ernte, viel Regen. In der Nacht hat es heftig geregnet und der Morgen dümpelt und dampft vor sich hin. Eigentlich gehört Nag Panchami in den Monat Shrawan, aber in diesem Jahr ist alles etwas verschoben und wir sind bereits im Bhadra, dem fünften Monat des Jahres angekommen. Man soll heute auf keinen Fall in der Erde buddeln - um keine der Schlangen im Untergrund unnötig aufzustören. Das zöge Unglück nach sich und brächte im schlimmsten Fall das ganze Ökosystem durcheinander. Also lass ich es. Ich sollte nämlich das winzige Rasenquadrat in unserem Garten "trimmen" (nicht so, wie das in Dithmarschen geschieht), dazu habe ich mir zum Dreiundzwanzigsten 17. eine handliche Rasenschere geschenkt, mit schön polierten Holzgriffen.

Sonntag, August 16, 2026

Der letzte Tag des Monats

Sonntag. Der 31. Shrawan, der letzte Tag des Monats. Nach zwei vergeblichen Versuchen (beim ersten war die Werkstatt offen, aber ich hatte die Schuhe nicht dabei, beim zweiten hatte ich die Schuhe dabei und die Werkstatt war offen, aber der Schuhmacher, denn ein solcher ist er, beim Essen, wie mir die Nachbarshutterfrau zweifelsfrei durch entsprechene Gestik zu verstehen gab) treffe ich heute den Schuhmacher beim Arbeiten an. Er legt den Schuh, an dem er arbeitet, zur Seite und repariert mir auf der Stelle die ausgeleierten, zum Teil gerissenen Elastikbänder an insgesamt 4 Schuhen. Für die Orangefarbenen fädelt er eine Orangefarbene Fadenspule in seine Schuhmachernähmaschine. Ich warte, sitze auf einem Hocker und denke die ganze Zeit an meine emeritierte Menznauer Schuhmacherin mit ihrer Aversion gegen Näharbeiten, die sie ihr ganzes aktives Berufsleben begleitet hatte.

Der Schuhmacher gibt mir jeden Schuh einzeln zum Anprobieren, ob er fest genug sitzt, an einem trennt er die Nähte klaglos wieder auf und arbeitet nach. Schließlich laufe ich überglücklich in den uralten grünen Vabenes durch die street no 11 und nehme die Abkürzung am Kanal entlang nach Hause. Gekostet hat die ganze Sache so viel wie kürzlich das perfekte Gasherdkreuz. Oder eine Portion scharfe Chicken Chowmein. 

Samstag, August 15, 2026

Biruwa Guthi

बिरुवा - Biruwa ist die Pflanze, das wissen wir schon. Ein Setzling oder junger Baum aus der Baumschule. Aus dem Obstgarten neben unserem Haus. Wir können von der Dach Terrasse aus zugucken, wie und die Bananenpflanzen entgegenwachsen. Die Blätter entfalten sich in einem beeindruckenden Tempo. Das Biruwa Cottage ist ein Öko Restaurant bei uns um die Ecke. Mit eigenem Anbau von Gemüse.  

बिरुवा गुठी - Biruwa Guthi ist ein Dorf. Eine Dorfgemeinschaft. Ein einstiges VDC - village development committee im Parsa District. Ziemlich weit weg von unserem Bioobstgarten und Biorestaurant.  Bei der Verwaltungsreform 2017 wurden die Guthis aufgelöst, weil das althergebrachte, indigene soziale, wirtschaftliche und kulturelle Selbstverwaltungssysteme waren. Auf die der Staat keinen Zugriff hatte. Die Dörfer wurden zu Rural Municipalitys zusammengeschlossen und umbenannt.

गुठी - guthi leitet sich von Sanskrit गोष्ठी - gosthi für Versammlung, Vereinigung, Gesellschaft ab. Dem nepalesischen Staat ist es nicht gelungen, die autonomen Guthis 2019 ganz abzuschaffen. Es kam zu massiven Protesten der Newari im Valley und darüber hinaus. Worauf die Politiker einknickten und den Gesetzesentwurf mit dem schönen Namen "Guthi Bill" zurückzogen. 

Die Mitgliedschaft in den Guthis war und ist erblich, an die Familie, die Sippe, den Clan gebunden. Die Guthis tun viel Gutes innerhalb ihrer Gemeinschaft. Sie sorgen für den Erhalt der Tempel, die Sauberkeit der Brunnen sowie die Einhaltung der traditionellen Regeln bei religiösen Festen und Umzügen. Stirbt ein Mitglied, finanziert und organisiert die Gemeinschaft die अन्त्येष्टि - Antyesti, die letzten Riten der Trauerzeremonien bis zur Einäscherung. अन्त्येष्टि dient den Toten, nicht den Hinterbeliebenen. अन्त्येष्टि hilft den Seele, sich von irdischer Schwere zu befreien.

Freitag, August 14, 2026

Mitbewohner

Drei Wochen Pokhara. Ich huste schon lange nicht mehr. Wir wohnen mitten in Reisfeldern. Mitten in Neubauten. Die Häuser werden täglich etwas höher. In Zukunft werden sie sicher auch mehr und die Felder weniger. Noch herrscht die Natur vor.  

Wir haben viele Mitbewohner im Haus und rund um das Haus herum. Kleinzeug vetreibe ich mit rabiaten Mitteln. In der Küche verfolge ich Cockroaches erbarmungslos. Wenn sie sich nicht freiwillig ergeben - und das tun sie nie, warum sollten sie? - erschlage ich sie mit einer leeren Wasserflasche. Für irgendetwas muss das viele Plastik gut sein, das wir hier anhäufen.  

Schuhschränke stehen traditionsgemäß vor den Hauseingängen. Sie sind riesig. An ihren Dimensionen erkenne ich, wie viele Menschen welchen Alters in welchem Haus leben. Schuhe lässt man immer draußen stehen.  

In unserem Schuhschrank vor der Haustür wohnt eine Maus. Er ist noch relativ leer, weil ich mich scheue, meine Sonntagsschuhe (zum Beispiel) draußen aufzubewahren. Die Erfahrung auf dem Hill hat mich gelehrt, dass nicht alle Schuhe das wirklich schätzen. Außerdem ist die Hälfte des Schuhschranks voll mit altem Zeug der landlords, einem kaputten Motorradhelm, ausgetrochneter brauner Schuhwichse, Boden-, Wand- oder Badfliesen, rostigen Werkzeugen, bröselnden Blumendüngerpackungen usw. Ausgerechnet in diesem gastlichen Teil hat es sich eine Maus bequem gemacht. Sie guckt mich mit ihren Knopfaugen erschrocken an, wenn ich die Schiebetür zur Seite schiebe. Und verzieht sich in eine Ecke. Solange sie allein ist, mag sie bleiben, denke ich.