Mittwoch, Mai 27, 2026

Reisfelder

Genaugenommen wohnten wir auch auf dem Hill am Rande von terrassierten Reisfeldern. Nur sind sie verbuscht und vergrast. Die Bäuerinnen holen hier regelmäßig Futter für ihr Vieh. Auf der einen leergetretenen Terrasse spielen am Morgen zwei Erwachsene, meist eine Frau und ein Mann Federball. Und am Nachmittag die Jungs, die außerhalb unserer gated community leben, Fußball. Dazwischen gehört das Feld allen freilebenden schwarzen Hunden. Ein halbes bis ganzes Dutzend tollt sich da, dass es eine wahre Freude ist. Bleibt ein Fußball mal liegen, wird es in Stücke gerissen.   

Vor über 20 Jahren wohnten wir einen kurzen Winter lang an Reisfedern. In Tsukuba. Dort ging alles gesitteter zu und her. 

Dienstag, Mai 26, 2026

Zeichen der Zeit

Wozu ich das alles mache? Heute früh - so etwas kann ich nur ganz früh am morgen machen, riss ich büschelweise Gras aus. Das ist hier "Rasenmähen". Das Gras wächst derzeit ungefähr einen halben Meter pro Tag. Viel Gras ist es nicht. Mehr Klee und sonstiges Wucherzeug. Das muss ich daran hindern, dass es meine zarten Plantagen verschlingt. Wozu ich das alles mache? Um ein - oder mehrere Zeichen zu setzen. Die Nachbarn haben tausende Blumentöpfe rund um ihre Häuser, auf den Dächern, Terrassen, Mauervorsprüngen und rund um ihr Auto vor den Wohnzimmerfenstern stehen. Die werden täglich aufwändig gewässert. Dafür ist ein boy oder eine maid angestellt. Die meisten Töpfe stehen so, dass sie von dem Regen, der ab und zu sintflutartig niedergeht, gar nichts abbekommen.

Wozu ich das alles mache? Um Zeichen gesetzt zu haben. Wir haben gestern abend unsere Bleibe in dieser stolzen Festung auf dem Hill gekündigt. Und vorgestern in Pokhara einen neuen Mietvertrag unterschrieben. Wir verlassen das Valley und ziehen in ein Reisfeld.  

Seit unser Entschluss steht, ist das schiefe Bike-Parking hinter der Municipality wieder bis auf den letzten Platz gefüllt.    

Montag, Mai 25, 2026

Gartenarbeit

Der erste Mangobaum begrüßt mich im Topf. Aus der Erde heraus. Er hat meine Abwesenheit trotz Hitze überstanden.

Den zweiten wickele ich aus seinem improvisierten Tropenhaus. Er kommt nun auch in die Erde. In einen Tontopf. Er hat unter Gewächshausbedingungen auf meinem Fensterbrett eine kräftige Wurzel und den Beginn einer Krone ausgebildet. Den dritten zeige ich nicht, da ist nicht viel zu sehen, ich setze ihn hoffnungsvoll trotzdem in die Erde. Denn aller guten Dinge sind Drei. Die Kerne, die ich austrocknen ließ, dienen höchstens noch als Kompost.  

Auf der Golfutar sind bereits fliegende Händler mit Litschibüscheln unterwegs. Im Garten wachsen, wenn ich mich nicht irre, drei Litchibäume heran. Ich habe letztes Jahr Dutzende von Kernen verbuddelt. Ich verbuddele hier alles. Kürzlich warf ich eine überreife Tomate in eine Ecke im Garten, weil der Mülleimer nicht der geeignete Platz für so etwas schien. Ich zerquetsche sie leicht mit den Zehenspitzen, der Saft spritzte nach allen Richtungen. Dann schob ich ein bisschen Erde darüber. Ganz ohne mich zu bücken. Wie es aussieht, haben die Kerne verstanden, was ich von ihnen will. Vor ein paar Wochen entdeckte ich im Gestrüpp neben meinem Tempel jungen Bambus. Zart und frisch. Ich habe keine Ahnung, woher der plötzlich kam. Am nächsten Morgen steckte ich mein ein und alles-Werkzeug in die Tasche, den कुटो कोदालो - kuto kodalo und zog nach dem Morgenqiogong drei Triebe aus dem weichen warmen Boden. Es hatte die ganze Nacht geregnet und ich setzte den Bambus in die den Tomaten entgegengesetzte Ecke. Zuerst sahen die Triebe höchst unglücklich aus, mittlerweile aber haben auch sie sich an mich gewöhnt. 

Sonntag, Mai 24, 2026

Pokhara drei

Wir fliegen zurück ohne das berauschende Hochgebirgspanorama gesehen zu haben. Dafür haben wir berauschenden Regen erlebt, Wasserbüffel, Reisfelder und weiße Kraniche bestaunt. Und frischen Fisch aus dem See gegessen. 

Back on the hill. Mit sozusagen null Verspätung. Ohne Himalayasicht,. Wir flogen durch dicke Gewitterwolken und mussten während des ganzen Fluges angeschnallt bleiben. Später, als es dunkel und wir müde waren, sahen wir vom Dach aus den Mond über Kathmandu. Schon über halb voll. 

Samstag, Mai 23, 2026

Pikhalakhu

पिखालखु - pikhalakhu bedeutet in der Sprache der Newari "draußen vor der Tür".  

पिखालखु - pikhalakhu ist ein kleines Symbol aus Stein, Marmor oder auch Metall, meist in Form einer offenen Lotusblüte. पिखालखु - pikhalakhu hat seinen festen Platz draußen vor der Tür, eingelassen in den Boden, in die Erde, in das Pflaster. Unverrückbar vor dem Haupteingang des Hauses. In Thimi haben wir viele solche gesehen in der Innenstadt, पिखालखु - pikhalakhu gehört dort zu jedem Haus. Es ist der absorbierende Stein, die geschmückte kleine erhabene und tief verehrte Stelle draußen vor der Tür, die Unreinheiten, Dreck und Staub, aber auch alle bad omens und bad vibrations von den Innenräumen fernhält. Die Newari sind überzeugt, dass Lord Kumar sie immerfort beschützt, wenn sie den Tag mit einem Gebet "draußen vor der Tür", an पिखालखु - pikhalakhu beginnen. Viele Häuser unserer Nachbarn auf dem Hill zieren übermenschlich mächtige Ganeshskulpuren. Die Newari sind weniger auf Pomp und Prunk bedacht in der Verehrung von Ganeshs Bruder Kumar.

Wir sind in Pokhara, out of the Kathmandu Valley, draußen vor der Tür.  पोखरा - Pokhara kommt von पोखरी - pokhari = Teich, See, Tümpel, Wasserloch. पोखरा - Pokhara ist die Stadt der Seen und liegt exakt in der geografischen Mitte des Landes, das lang und schmal zwischen zwei Großmächten liegt. Klimatisch längs dreigestreift ins subtropische Tarai, das gemäßigte Mittelgebirge, hilly region mit Kathmandu Valley und die hochalpine, arktische Himalayakette. Hier in पोखरा am See und am Fuße des Annapurnamassivs ist es heiß und gewittrig.

Freitag, Mai 22, 2026

Sithi Nakha

Wir fliegen nach Pokhara. Es regnet. Es ist der 6. Tag der shukla paksha im Monat Jesh, also der hellen Mondphase. Der Mond nimmt von Abend zu Abend merklich zu. 

Es müsste Sithi Nakha gefeiert werden, wenn gefeiert würde und wir uns nicht im Malamaas befänden, im Monat des Nichtfeierns. Die Natur nimmt ihren Lauf und keine Rücksicht auf weltliche Kalender. Für die Newari bedeutet Sithi Nakha das Ende der Trockenzeit. Sie reinigen nun trotzdem, wie bereitsvor einer Woche berichtet, vor dem Monsun ihre hitis und verehren weiterhin  कुमार - Kumar, Shivas Sohn, Ganeshs Bruder.

Donnerstag, Mai 21, 2026

kshaya maas

Es gibt im Hindukalender nicht nur den zusätzlichen Monat अधिक मास - adhik maas, sondern auch den verlorenen Monat: क्षय मास - kshaya maas. Das ist irgendwie logisch. Kommt einer dazu, muss auch mal einer wegfallen. Aber so einfach ist es nicht. Der Schaltmonat adhik maas schaltet sich alle 32 Monate, 16 Tage, 1 Stunde und 36 Minuten ein. Der Fallmonat kshaya maas hingegen fällt nur sehr selten aus, ungefähr alle 141 bis 190 Jahre. Das letzte Mal geschah dies im Jahr 2040 BS (= 1983 AD), das nächste Mal wird es voraussichtlich im Jahr 2181 BS (= 2124 AD) sein. 

Beide außergewöhnlichen Monate - adhik, der zusätzliche und kshaya, der verlorene - sind selbstregulierende Elemente einer komplizierten Zeitrechnung. Sie haben die Aufgabe, den Lauf der Sonne und den Lauf des Mondes für uns Irdische wieder etwas aneinander anzugleichen. Sie sorgen für eine perfekte Balance im Universum. Und im Feiertagskalender. Wenn auch jeweils nur für einen kurzen Moment.

Ein Monat geht dann verloren, wenn zwischen seinem ersten und letzten Tag zwei Sankranti auftreten, dh wenn die Sonne zweimal in ein neues Sternzeichen übertritt. Das kann nur in den Monaten Kartik (= AD Mitte Oktober - Mitte November), Mangsir (Mitte November - Mitte Dezember) oder Poush (Mitte Dezember - Mitte Januar) vorkommen.   

Wenn die Sonne in einem Monat zwei Sankrantis ansteuert und der ganze Monat deshalb als kshaya maas verloren geht, schaltet sich sowohl davor wie danach ein adhik maas - ein zusätzlicher Monat ein. Das Jahr, das durch den kshaya maas eigentlich nur noch 11 Monate hat, hat dann wieder 13 Monate - wie jedes Jahr mit adhik maas. 

Adhik maas - das wissen wir schon, ist der zusätzliche Monat ohne Sankranti. Auch das scheint logisch. Wenn die Sonne im kshaya maas so schnell unterwegs ist, dass sie zwei Sternzeichen passiert, muss sie davor Luft holen und danach verschnaufen. 

Natürlich haben die beiden Schaltmonate andere Namen, wenn sie als Platzhalter für kshaya maas auftreten: संसर्प - samsarpa ist der zusätzliche Monat vor und अहंस्पति - ahamspati der zusätzliche Monat nach क्षय मास - kshaya maas, dem verloren gegangenen Monat.