Der zweiundzwanzigste und letzte 17. in Kathmandu. Noch eine Woche. Ich packe punktuell. Wir besitzen so gut wie nichts und doch sammle ich im ganzen Haus unglaublich viel Krimskrams ein. Was klein ist und besonderen Schutz braucht, stecke ich in die Schuhe. Damit fülle ich die erste Umzungskiste!
Heute ist der 1. श्रावण - Shrawan. Oder der 1. सावन - Sawan oder der 1. साउन - Saun. Und: लुतो फाल्ने - luto falne - throwing away scabies. Zu deutsch vielleicht der Krätze entgegenwirken. Juckreiz vermeiden, indem man Insekten jeglicher Art vom Haus fernhält. Ich mache das so, wie die alle Leute hier: mit Fliegengittern an den Fenstern. Ich schlafe aber nicht unter einem Moskitonetz, sondern stecke zum Einschlafen den liquid vaporiser an den Strom. Auf dem Dach zünden wir Panchdevi Agarbatti an, Räucherstäbchen. Am frühen Morgen, bevor ich zum Tempel laufe, reibe ich exponierte Stellen wie Hand- und Fußgelenke sowie die Stirn und den Nacken mit Odomos ein. Etwas sticht trotzdem immer. Von Denghi und anderen bösartigen Blutsaugern sind wir bislang verschont geblieben.
Luto falne. Die Nepali verehren heute Kandarak, den Gott der juckenden Krankheiten. Sie bringen ihm Zitronen und Gurken dar und reinigen das Haus mit Kuhdung. Das scheint mir eher kontraproduktiv bei der Fliegenabwehr. Aber vielleichgt helfen die Rankos - kleine Holzstücke, die sie nach dem Eindunkeln entzünden und in alle vier Himmelsrichtungen werfen. Dabei rufen sie laut und lauter लुतो जा - luto ja, go luto. Verschwinde Krankheit.
Es regnet den ganzen Tag. Mit Unterbrüchen, die gegen Abend weniger werden. Also trinken wir den Monatssekt in der Bibliothek.
