Donnerstag, Juli 23, 2026

abbaden

Ich bin gepackt - bis auf die Küche. Wir warten auf die Umzugsmänner. Alles Zerbrechliche wollen sie selber in Luftpolster einwickeln. Viel ist es nicht, und mir ist alles recht, was meine Hände schont. Ich springe noch einmal in den community-eigenen Pool, solange ich Teil der dieser community bin. Ich schwimme meine 54 Längen. Das ist die Hälfte von 108 - lucky number bei den Buddhisten. So früh am Nachmittag kreischen keine Kinder und überhaupt ist das Wetter zu unbeständig für Familienbadespass. Abbaden hieß das an der Nordsee, aber mitten im Sommer kaum vorstellbar. Den Nahcrichten entnehme ich, dass auch das Wasser in der Dithmarscher Bucht unter der Hitze leidet. Für die Zimperlichen wahrscheinlich wieder von Algen besetzt. Mein Pool ist immer clean. Ich werde ihn nicht wirklich vermissen, denn पोखरा - Pokhara ist, wie wir bereits wissen, die Stadt der Seen. Ich werde mir dort eine outdoor Bademöglichkeit suchen und bald wieder anbaden!

Dienstag, Juli 21, 2026

Seilringe

Nicht ohne mein Trampolin! Zur Feier des Tages bespanne ich das Trampolin mit neuen Seilringen und überlasse die ausgeleierten verstaubten dem Müll. Das Leuchten habe ich noch aus Dithmarschen mitgebracht und sorgsam gehütet, bis die Zeit dafür reifist. Grün, gelb, blau. Frische Farben, eine stramme Sprungmatte. Ein neues Schwinggefühl! In Pokhara werde ich endlich meinen Trainingsplan mit P. zu Ende machen. Es war mir am Nachmittag immer viel zu heiß unter dem Dach und in der kühlen Früh beschränke ich mich auf meine zwölfeinhalb Minuten Aufwachroutine.  

Montag, Juli 20, 2026

Tulsi

Tulsi, das indische Basilikum gehört Lord Vishnu. Es gilt als seine irdische Manifestation. Wir hatten das schon, dass es gepflanzt werden soll, bevor Vishnu im क्षीर सागर - Kshir Sagar, im Milchozean für ein paar Monate entschläft. Bei mir wächst das Basilikum ungehemmt und ungeplant. Ich trage den übervollen Pflanztopf zum Tempel. Der Mönch erklärt mir, dass es schwarzes und grünes Tulsi gibt. Und dass demnächst, nämlich am Samstag, Harishayani Ekadashi ist. Dann sind wir bereits in Pokhara, sage ich, aber er versteht nicht, was ich meine. Wir leben in verschiedenen Gedankenwelten. Umziehen ist etwas ganz Unvorstellbares für die Leute hier. Er zupft sofort ein paar Pflänzchen heraus und setzt sie in den dafür vorgesehenen Quader, schön geometrisch angeordnet, vier zu vier. Den Rest trägt er nach Hause. First mission completed

Die zweite kommt am späten Nachmittag. Es regnet mit Unterbrüchen. Ich nehme die ausgebleichten, vom Wind gebeutelten Gebetsfahnen vom Dach. Wir warten eine Regenpause ab und marschieren dann zu zweit zum Tempel. Mit Streichhölzern und Feuerzeugen. Wir verbrennen die buddhistischen Fahnen in der Feuerstelle vor dem kopflosen Shiva und der stolzen Parvati. Sie werden uns das nicht übel nehmen! Der Himmel jedenfalls meint es gut mit uns, die Sonne kommt heraus und guckt neugierig zu. Der Wind bläst den Rauch in die richtige Richtung. 

Es fänge bald wieder an zu regnen. In der Baugrube herrscht Ruhe. Wir steigen den Tempelhügel hoch und überqueren noch einmal die laute Golfutar auf dem Weg zu Sukunda. Wir schütteln uns trocken wie nasse Hunde und essen noch einmal scharfe Newarigerichte. Alles passiert nun bereits ein letztes Mal.

Samstag, Juli 18, 2026

नागढुंगा सुरुङ्ग

नागढुंगा सुरुङ्ग - Nagdhunga surung ist der erste Straßentunnel Nepals. Er liegt praktischerweise auf unserem Weg. Unpraktischerweise ist er immer noch nicht für den Verkehr freigegeben. Die Eröffnung verzögert sich aus technischen und administrativen Gründen, wie es heißt. Die knapp drei Kilometer durch das Grundgestein der Sopyang-Formation zwischen Nagdhunga am westlichen Rand von Kathmandu und Sisnekhola im Dhading Distrikt sind schon seit einem guten Jahr fertig gebaut. Die geologischen Gegebenheiten waren schwierig, mehrere Scherzonen stellen ein hohes Risiko für Verformungsgefahr, Hangdruck und Nachbruch dar. Die Sopyang-Formation besteht aus "geringgradig metamorphem Gestein", wie ich lese, aus Phylit, tonigem Kalkstein und Quarzit.   

Nun soll aber der नागढुंगा सुरुङ्ग - Nagdhunga surung, der Tunnel zwischen genaugesagt Balambu und Sisnekhola, Teil des Tribhuvan Highway, am 27. Juli endlich - aber auch nur "stufenweise", wie ich lese und nicht verstehe - geöffnet werden. Wir bräuchten ihn bereits drei Tage früher, am 24. um unseren Umzug nach Pokhara etwas schneller zu bewerkstelligen, die Reisezeit für uns und unser Hab und Gut um etwa eine halbe Stunde zu verkürzen. Die Strecke von etwa siebeneinhalb Kilometern bergauf und bergab ist dann nur noch fünf Kilometer lang, die Fahrzeit halbiert sich dadurch.  

Heute dürfen "Fußgänger" den Tunnel passieren, was später streng verboten sein wird. Heute findet der "Nagdhunga Tunnel Fun Run and Walk" statt und es darf gefeiert, gerannt, gestaunt, geschwitzt und gelacht werden. 

Freitag, Juli 17, 2026

Luto falne

Der zweiundzwanzigste und letzte 17. in Kathmandu. Noch eine Woche. Ich packe punktuell. Wir besitzen so gut wie nichts und doch sammle ich im ganzen Haus unglaublich viel Krimskrams ein. Was klein ist und besonderen Schutz braucht, stecke ich in die Schuhe. Damit fülle ich die erste Umzungskiste!

Heute ist der 1. श्रावण - Shrawan. Oder der 1. सावन - Sawan oder der 1. साउन - Saun. Und: लुतो फाल्ने - luto falne - throwing away scabies. Zu deutsch vielleicht der Krätze entgegenwirken. Juckreiz vermeiden, indem man Insekten jeglicher Art vom Haus fernhält. Ich mache das so, wie die alle Leute hier: mit Fliegengittern an den Fenstern. Ich schlafe aber nicht unter einem Moskitonetz, sondern stecke zum Einschlafen den liquid vaporiser an den Strom. Auf dem Dach zünden wir Panchdevi Agarbatti an, Räucherstäbchen. Am frühen Morgen, bevor ich zum Tempel laufe, reibe ich exponierte Stellen wie Hand- und Fußgelenke sowie die Stirn und den Nacken mit Odomos ein. Etwas sticht trotzdem immer. Von Denghi und anderen bösartigen Blutsaugern sind wir bislang verschont geblieben. 

Luto falne. Die Nepali verehren heute Kandarak, den Gott der juckenden Krankheiten. Sie bringen ihm Zitronen und Gurken dar und reinigen das Haus mit Kuhdung. Das scheint mir eher kontraproduktiv bei der Fliegenabwehr. Aber vielleichgt helfen die Rankos - kleine Holzstücke, die sie nach dem Eindunkeln entzünden und in alle vier Himmelsrichtungen werfen. Dabei rufen sie laut und lauter लुतो जा - luto ja, go luto. Verschwinde Krankheit.       

Es regnet den ganzen Tag. Mit Unterbrüchen, die gegen Abend weniger werden. Also trinken wir den Monatssekt in der Bibliothek. 

Donnerstag, Juli 16, 2026

Jaya Jagannath

courtesy ISKCON
Wie bereits vor einem Jahr, geht auch heute, am 32. Ashad, der längste Monat des nepalesischen Jahres zu Ende. Die Hindus in Kathmandu feiern die 41. Shri Jagannath Rath Yatra Mahotsava und ziehen den Wagen mit dem Bildnis des Gottes Jagannath, des Herrn des Universums, durch die Stadt. Von Kamaladi (Nepal Academy) durch die Ghantaghar, Durbar Marg, Putali Sadak (das ist die Schmetterlingsgasse!), Bhadrakali bis zur New Road. Die Prozession endet in Khulla Manch.  

Ich habe den Jagannath Tempel Mahankal fast in Sichtweite. Das ist gut so, er ist der Haupttempel des Triumvirats, das unsere stolze Stacheldrahtsiedlung umgibt. Unten im Tal wird gebaut. Wie immer alles von Hand. Und zu Fuß. 

Gleichzeitig ist heute eines der wichtigen Sankrantis, Karka Sankranti - die Sonne tritt in das Tierkreiszeichen Krebs ein und beginnt ihr दक्षिणायन - Dakshinayana, die sechsmonatige südliche Reise. दक्षिण - dakshin bedeutet Süden und die Endung -(a)yana kommt wahrscheinlich von जान - jana = gehen, sich bewegen. Die Sonne hat im hinduistischen astronomischen Konzept den Gang nach Norden, ihr उत्तरायण - Uttarayana erst jetzt beendet. उत्तर - uttar ist der Norden und die Endung entsprechend. Es beginnt nun eine gesegnete Zeit, so oder so. Regen, Wachsum, Monsun, Reisernte ... Umzug!  

Jaya Jagannath - Glory to Lord Jagannath. Schon eine einzige Umdrehung der Räder seines Wagens während der heutigen Prozession bringt unbegrenzten spirituellen Segen!

Dienstag, Juli 14, 2026

Neumond

औंशी - Aunshi. Neumond! Da ich an einem Neumondtag eingezogen bin (W war damals auf Dienstreise im Ausland), und es im ersten Monat einen Schwarzen Mond oder Black Moon (zweiter Neumond - der tritt so oft an den Himmel wie ein zweiter Vollmond, nämlich ungefähr alle 29 Monate) gab, ist die mein 20. und letzter Neumond auf dem Hill (und wieder ist W auf Dienstreise im Ausland). Noch zehn Tage liegen vor mir und kann ich den zunehmenden Mond am Himmel über Kathmandu beobachten    

Extra für mich fährt heute in der Baugrube nochmals der Bagger auf und mehrere Männer sowie die landlady, als einzige leuchtend signalgelb gewandet, füllen leere Reis- und Zementsäcke mit Erde und stapeln sie zu einem zweiten Erdsackschutzwall auf. Der Baggerfahrer muss mehrmals an seinen Schaufeln (er hat zwei und kann sich im Innern seines Fahrraums zur einen oder anderen drehen) ölen und schrauben und so zieht sich das Umwälzen des nassen Bodens bis in den Abend hin. Bhumi scheint nicht glücklich. Aber es regnet den ganzen Tag nicht.